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Temu besitzt keine der Waren, die in seinen Paketen nach Deutschland reisen. Im Abschluss des Mutterkonzerns PDD Holdings stehen deshalb nur Gebühren, die Shopping-App bekommt dort nicht einmal eine eigene Zeile. Seit Juli kostet ein Paket bis 150 Euro an der EU-Grenze drei Euro Zoll je Warenart, ab November soll eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro folgen.

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Am 16. Oktober hat Temu einen Rechtsstreit mit dem US-Bundesstaat Texas beigelegt: Die Plattform zahlt umgerechnet 2,7 Millionen Euro, speichert die Daten texanischer Kunden künftig auf Servern in den USA und lässt die angebotene Ware jährlich unabhängig auf Schadstoffe prüfen. Ein Schuldeingeständnis enthält der Vergleich nicht, der texanische Justizminister Ken Paxton nennt ihn bisher einmalig.

Der Vergleich reiht sich in eine Serie von Auflagen und Strafen gegen ein Geschäftsmodell ein, das auf beiden Seiten des Atlantiks und in China unter Druck steht. In Brüssel hat die EU-Kommission im Mai eine Geldbuße von 200 Millionen Euro verhängt, in China bestrafte die Marktaufsicht SAMR die Schwester-App Pinduoduo im April mit umgerechnet 202 Millionen Euro.

Wie Temu die Billigpreise finanziert und wo der Konzern sein Geld tatsächlich verdient, rechnet dieser Beitrag an den Zahlen von PDD Holdings nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • PDD Holdings, Mutterkonzern von Temu und Pinduoduo, setzte 2025 umgerechnet 57,4 Milliarden Euro um und verdiente netto 13,2 Milliarden Euro, 12 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Fast der gesamte Umsatz stammt von Händlern in China, die für Werbung und Transaktionsdienste zahlen. Den Warenwert bucht PDD nicht als Umsatz, Temu weist der Konzern nicht getrennt aus.
  • Die Zins- und Anlageerträge auf Barmittel und Wertpapiere brachten 2025 rund 3,4 Milliarden Euro, gut ein Viertel des Nettogewinns.
  • In Deutschland kam temu.com 2024 auf ein Bruttohandelsvolumen von 3,4 Milliarden Euro. Seit dem EU-Zoll vom 1. Juli sanken die Umsätze von Temu, Shein und AliExpress hierzulande im dritten Quartal um 35,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • In Europa prüfen das Bundeskartellamt und die EU-Verbraucherschutzbehörden Temus Geschäftspraktiken, gegen die DSA-Geldbuße klagt der Konzern laut dem Fachdienst MLex.

Fünf Fragen zur Plattform, der die Ware nie gehört

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Temu?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 In welcher Stadt ging Temu im September 2022 an den Start? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Temu startete im September 2022 in Boston und kam im April 2023 nach Europa. Der Mutterkonzern PDD Holdings nennt seit 2023 Dublin als Sitz.
2 Welchen Anteil hatten die Transaktionsdienste am Umsatz von PDD Holdings im ersten Quartal 2026? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Mit 53 Prozent lagen die Transaktionsdienste im ersten Quartal 2026 erstmals vor den Werbeerlösen, 2021 kamen sie erst auf 15 Prozent des Umsatzes.
3 Wie viele Beschäftigte hatte die irische Temu-Betreiberin Whaleco Technology 2024? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Nach Berichten über den Jahresabschluss arbeiteten bei Whaleco acht Menschen. Die Gesellschaft wies rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz aus Provisionen und Gebühren aus.
4 Wie hoch war die Geldbuße der EU-Kommission gegen Temu im Mai 2026? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Kommission verhängte am 28. Mai 2026 eine Geldbuße von 200 Millionen Euro nach dem Digital Services Act. Temu klagt laut dem Fachdienst MLex dagegen.
5 Wie viel nahm PDD Holdings 2025 mit Zinsen und Anlagen ein? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Zins- und Anlageerträge lagen umgerechnet bei rund 3,4 Milliarden Euro. Der Betrag entspricht gut einem Viertel des Nettogewinns von 13,2 Milliarden Euro.

Wer steckt hinter Temu und wie fing alles an?

Hinter Temu steht PDD Holdings, der Konzern, den der frühere Google-Ingenieur Colin Huang 2015 in Shanghai mit der Einkaufs-App Pinduoduo gründete. Temu ging im September 2022 in Boston an den Start, kam im April 2023 nach Deutschland und wird heute von Dublin aus geführt.

Colin Huang, im Börsenprospekt unter seinem Namen Zheng Huang geführt, begann 2004 als Softwareingenieur und Projektmanager in der Google-Zentrale und half danach beim Aufbau von Google China. Später gründete er den Elektronik-Versand Ouku.com, den er 2010 verkaufte, und 2011 ein Studio für Onlinespiele.

Aus diesen beiden Welten, dem Handel und dem Spiel, entstand im April 2015 Pinduoduo. Die Silbe „Pin“ im Namen steht für den Gruppenkauf, mit dem die App groß wurde: Käufer schickten ein Angebot an Freunde und Familie, und erst als Team bekamen sie den niedrigeren Preis.

Nach drei Jahren zählte die Plattform laut dem Aktionärsbrief zum Börsengang mehr als 300 Millionen aktive Käufer und über eine Million Händler.

Am 26. Juli 2018 ging das Unternehmen an die Nasdaq. Ein Hinterlegungsschein (ADS), das an der Nasdaq gehandelte Papier, kostete zum Ausgabepreis umgerechnet 16,88 Euro, der Börsengang brachte brutto rund 1,45 Milliarden Euro. Huang schrieb seinen Aktionären damals, Pinduoduo sei „kein herkömmliches Unternehmen“, und versprach, sich ganz auf den Nutzen für die Verbraucher zu konzentrieren.

Der Gründer geht, die Aktien bleiben

Im Juli 2020 übergab Huang den Chefposten an den Mitgründer Chen Lei, im März 2021 verließ er auch den Verwaltungsrat. Seine Mehrfachstimmrechte fielen damit weg, das Kapital nicht: Laut dem Jahresbericht 2025 hält Huang über seine Gesellschaften 24,8 Prozent der Aktien, Tencent 13,8 Prozent.

Heute führen Chen Lei und Zhao Jiazhen den Konzern gemeinsam als Vorstandschefs.

Temu ist die Antwort auf eine Frage, die Pinduoduo in China selbst aufgeworfen hatte: Wie verkauft man dieselbe günstige Ware aus denselben Fabriken an Kunden im Ausland? Im September 2022 startete die App in Boston, im März 2023 in Ozeanien, im April 2023 in Europa und damit auch in Deutschland.

Im Februar 2023 benannte sich Pinduoduo Inc. in PDD Holdings um, seit dem Frühjahr 2023 nennt der Konzern Dublin als Sitz, rechtlich bleibt er eine Gesellschaft nach dem Recht der Kaimaninseln. Das operative Geschäft in China läuft weiter über Shanghai.

Beim Super Bowl im Februar 2023, fünf Monate nach dem Start, lief Temus erster Fernsehspot mit dem Slogan „Shop like a billionaire“, auf Deutsch: Shoppen wie ein Milliardär.

Firmengeschichte
Vom Gruppenkauf zur Weltplattform
Wegmarken von PDD Holdings und Temu seit der Gründung 2015.
  • 2015Colin Huang gründet in Shanghai die Einkaufs-App Pinduoduo mit Gruppenkauf
  • 2018Börsengang an der Nasdaq am 26. Juli, brutto rund 1,45 Mrd. €
  • 2021Huang verlässt den Verwaltungsrat, Chen Lei führt den Konzern
  • 2022Start von Temu im September in Boston
  • 2023Umbenennung in PDD Holdings, Sitz Dublin, Temu kommt im April nach Deutschland
  • 2024EU stuft Temu am 31. Mai als sehr große Online-Plattform ein
  • 2025USA streichen am 2. Mai die Zollfreigrenze für Ware aus China, Bundeskartellamt eröffnet Verfahren
  • 2026DSA-Geldbuße von 200 Mio. €, EU-Pauschalzoll ab 1. Juli, Vergleich mit Texas am 16. Oktober
57,4 Mrd. €
Konzernumsatz 2025
25.474
Beschäftigte Ende 2025
24,8 %
Anteil des Gründers Colin Huang

Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Weiße Kartons, abnehmende Größe, ein offener, ein Anhänger
Vom Gruppenkauf in China zur Weltplattform: Der Konzernumsatz stieg von 2021 bis 2025 auf das 4,6-Fache.

PDD Holdings wuchs von 2021 bis 2025 von umgerechnet 12,5 auf 57,4 Milliarden Euro Umsatz, vor allem weil Temu die Händler von Pinduoduo ins Ausland brachte. Den Ausschlag gab das vollverwaltete Modell: Lieferanten schicken ihre Ware in Temus Lager, Temu setzt den Preis und erledigt den Rest.

Im vollverwalteten Modell vereinbart ein Lieferant mit Temu einen Großhandelspreis und schickt die Ware gebündelt in ein Lager der Plattform in China. Temu stellt die Artikel online, legt den Endpreis fest, wirbt, verschickt und kümmert sich um den Kundendienst. Bezahlt wird der Lieferant, sobald ein Kunde bestellt.

Der Branchendienst Marketplace Pulse zählte im März 2024 rund 150.000 Lieferanten in diesem Modell, damals kamen nach seiner Auswertung praktisch alle Artikel direkt aus China.

Mit AliExpress verkauft zwar auch Alibaba seit Jahren chinesische Ware direkt an Kunden in Europa, dort betreiben die Händler ihre Shops jedoch selbst. Temu nahm den Lieferanten dagegen fast alles ab, was ein Exportgeschäft schwierig macht: Produktseiten, Werbung, Zahlungsabwicklung, Retouren. Im Gegenzug gaben die Lieferanten die Preishoheit ab.

Ein Konzern wächst auf das 4,6-Fache

Der Umsatz des Mutterkonzerns stieg von 93,9 Milliarden Yuan im Jahr 2021 auf 431,8 Milliarden Yuan im Jahr 2025, das 4,6-Fache. Die Zahl der Beschäftigten wuchs im selben Zeitraum von 9.762 auf 25.474.

An der Börse war PDD Holdings am 16. Oktober 2026 umgerechnet rund 102 Milliarden Euro wert.

Wie viel vom Umsatz auf Temu entfällt, verrät der Konzern nicht. Das Bruttohandelsvolumen, also der Wert aller über Temu verkauften Waren, schätzen der Datenanbieter ECDB und der Branchendienst Tech Buzz China für 2025 auf umgerechnet 80 bis 84 Milliarden Euro, nach rund 48 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Im Halbjahr bis Ende März 2024 nutzten in der EU im Schnitt rund 75 Millionen Menschen Temu im Monat. Im zweiten Halbjahr 2025 stieg die Zahl nach den Transparenzberichten, die der Handelsverband HDE ausgewertet hat, auf 129,7 Millionen, davon 20,9 Millionen in Deutschland, mehr als in jedem anderen EU-Land.

Der Bruch von 2025

Das Wachstum hing an einer Lücke im Zollrecht. Sendungen mit geringem Wert durften jahrelang zollfrei in die USA und in die EU, und genau solche Einzelpakete verschickte Temu.

Am 2. Mai 2025 strichen die USA diese Zollfreigrenze für Ware aus China, Ende August 2025 für alle Länder.

Temu stellte daraufhin den US-Verkauf auf Händler mit eigenem Lager im Land um. Im halbverwalteten Modell, das die Plattform seit 2024 anbietet, lagern und versenden die Händler selbst und übernehmen damit Kosten, die vorher Temu trug.

In Europa liefert Temu seit Dezember 2024 auch aus lokalen Lagern, unter anderem in Deutschland.

In der EU gilt seit dem 1. Juli 2026 ein Pauschalzoll von drei Euro je Warenart für Sendungen bis 150 Euro. Das Modell, mit dem Temu groß wurde, verliert damit vor allem bei billigen Einzelartikeln seinen Kostenvorteil an der Grenze.

Auf den PunktDrei Phasen eines Geschäftsmodells
  • Gruppenkauf: Pinduoduo wurde ab 2015 in China mit Teamrabatten groß.
  • Kommissionsgeschäft: Temu legte ab 2022 für die Lieferanten den Preis fest und übernahm Werbung und Versand.
  • Lokale Lager: Seit 2024 verlagert Temu Ware in Lager in den USA und der EU, seit dem Ende der Zollfreigrenzen verstärkt.

Wie verdient Temu tatsächlich sein Geld?

Waage mit Megafon links und Kuvert mit Text „Gebühr“ rechts, orange-weißes Symbolbild
Werbung und Transaktionsgebühren brachten PDD Holdings 2025 je knapp 29 Milliarden Euro.

Temu verdient an den Händlern, nicht an der Ware. Der Mutterkonzern PDD Holdings nahm 2025 umgerechnet 28,9 Milliarden Euro für Werbung ein, die Händler auf Pinduoduo und Temu schalten, und 28,5 Milliarden Euro für Transaktionsdienste samt Versand. Hinzu kamen 3,4 Milliarden Euro Zins- und Anlageerträge.

Zwei Einnahmequellen, fast gleich groß

PDD Holdings weist genau zwei Erlösarten aus. Die erste sind die Werbeerlöse: Händler bezahlen dafür, dass ihre Angebote in der Suche und in den Empfehlungen weiter oben erscheinen. 2025 wuchs dieser Posten auf 217,8 Milliarden Yuan.

Die zweite Erlösart sind die Transaktionsdienste mit 214,1 Milliarden Yuan. Darunter fallen die Gebühren, die Händler für abgeschlossene Verkäufe zahlen, einschließlich der Versandleistungen, die PDD für sie übernimmt.

Im vollverwalteten Temu-Modell landet hier der Großteil dessen, was die Plattform an einer Bestellung verdient.

2021 machten die Transaktionsdienste 15 Prozent des Umsatzes aus, 2025 schon 49,6 Prozent und im ersten Quartal 2026 erstmals mehr als die Hälfte.

Der Konzern erklärt den Anstieg mit mehr aktiven Händlern und höheren Gebühren je Konto. 2025 zählte PDD 16,8 Millionen aktive Händler, jeder zahlte im Schnitt umgerechnet 1.694 Euro für Transaktionsdienste, fast doppelt so viel wie 2023.

Erlösmodell
Vom Werbekonzern zum Gebührenkassierer
Umsatz von PDD Holdings nach Erlösart, in Milliarden Euro, umgerechnet zum Kurs vom 16.10.2026.
2021
  • Werbeerlöse9,6 Mrd. €
  • Transaktionsdienste1,9 Mrd. €
  • Eigener Warenverkauf1,0 Mrd. €
2025
  • Werbeerlöse28,9 Mrd. €
  • Transaktionsdienste28,5 Mrd. €
  • Eigener Warenverkaufentfallen
15,1 %
Anteil Transaktionsdienste 2021
49,6 %
Anteil Transaktionsdienste 2025
53 %
Anteil im 1. Quartal 2026

Was in der Bilanz nur am Rand steht

Den Warenwert der Bestellungen bucht PDD nicht als Umsatz. Im Jahresbericht 2025 schreibt der Konzern, er kontrolliere die Produkte der Händler zu keinem Zeitpunkt, auch nicht, wenn er für sie den Versand abwickle. Bilanziert werden deshalb nur die Gebühren, Fachleute sprechen vom Nettoausweis der Umsätze.

Weil die Händler fast alle in China sitzen, verbucht PDD auch die Temu-Erlöse als Umsatz aus China.

Ein zweiter Ertrag entsteht aus dem Geld, das auf dem Konto liegt. Ende 2025 schuldete PDD seinen Händlern noch 107,4 Milliarden Yuan aus Verkäufen, dazu kamen 17,7 Milliarden Yuan an Kautionen. Zusammen mit den eigenen Gewinnen, die der Konzern nie als Dividende ausgeschüttet hat, wuchs das Polster aus Barmitteln und kurzfristigen Anlagen bis Ende Juni 2026 auf 456,4 Milliarden Yuan, umgerechnet 60,7 Milliarden Euro.

Daraus flossen 2025 Zins- und Anlageerträge von 25,6 Milliarden Yuan, rund 3,4 Milliarden Euro und damit gut ein Viertel des Nettogewinns.

Kennzahl, umgerechnet in Milliarden Euro1. Quartal 20262. Quartal 2026Veränderung zum Vorjahresquartal (Q2)
Umsatz14,114,9plus 8 Prozent
davon Werbeerlöse6,67,7plus 3 Prozent
davon Transaktionsdienste7,57,3plus 13 Prozent
Betriebsergebnis2,63,7plus 8 Prozent
Nettogewinn für die Aktionäre1,73,6minus 12 Prozent

Quelle: PDD Holdings, Quartalsmitteilungen vom 27. Mai und 24. August 2026; umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 16. Oktober 2026 (1 Euro = 7,5240 Yuan).

Wo die Daten Geld wert sind

Das Werbegeschäft funktioniert nur, weil Pinduoduo und Temu erfassen, wer was sucht. Händler zahlen für Platz in den Empfehlungen, und anhand der Daten aus Suchen, Klicks und Käufen wählt die Plattform aus, wem sie welches Angebot zeigt.

Einen eigenen Bilanzwert weist PDD für diese Daten nicht aus, ihr Wert zeigt sich nur im Werbeumsatz.

Wie weit die Datensammlung der App reicht, beschäftigt Gerichte in den USA. Die Justizminister von Arkansas, Nebraska, Kentucky, Arizona und Texas haben PDD verklagt, Arkansas nannte die App in seiner Klage „im Grunde Schad- und Spähsoftware“. PDD bestreitet die Vorwürfe.

Der Vergleich mit Texas vom Oktober enthält kein Schuldeingeständnis, verpflichtet Temu aber, die Daten texanischer Kunden in den USA zu speichern und den Zugriff aus China zu beschränken.

Wo die Marge steckt

Die Bruttomarge des Konzerns sank von 75,9 Prozent im Jahr 2022 auf 56,3 Prozent im Jahr 2025. Gestiegen sind vor allem die Kosten für Zahlungsabwicklung, Versand und Server, also genau die Posten, die das vollverwaltete Auslandsgeschäft mit sich bringt.

Vom Umsatz bleiben nach allen Kosten 21,9 Prozent als Betriebsergebnis.

Wie viel davon Temu beiträgt, weist PDD nicht aus, eine eigene Spartenrechnung fehlt. Der Branchendienst Tech Buzz China schätzte im Dezember 2025 nach Gesprächen mit Branchenkennern, Temu habe 2024 mehr als 20 Milliarden Yuan verloren, umgerechnet über 2,6 Milliarden Euro, und die Gewinnschwelle erst für 2026 angepeilt.

Eine zweite unabhängige Schätzung dazu hat bisher niemand veröffentlicht.

Margen
Was von 100 Euro Umsatz übrig bleibt
Kosten und Betriebsergebnis von PDD Holdings je 100 Euro Umsatz, Geschäftsjahr 2025.
Je 100 Euro Konzernumsatz
  • Umsatzkosten (Zahlung, Versand, Server)43,72 €
  • Vertrieb und Marketing29,01 €
  • Forschung und Entwicklung3,82 €
  • Verwaltung1,54 €
  • Betriebsergebnis21,91 €
75,9 %
Bruttomarge 2022
56,3 %
Bruttomarge 2025
3,4 Mrd. €
Zins- und Anlageerträge 2025

Wer wen mitfinanziert

Gilt die Schätzung, stand Temu 2024 in den roten Zahlen, während der Konzern umgerechnet 14,9 Milliarden Euro verdiente. Die Gewinne aus Pinduoduos China-Geschäft hätten den Aufbau im Ausland dann per Quersubventionierung bezahlt, mit Rabatten, Gutscheinen und kostenlosen Rücksendungen für die Kunden.

Ein Teil dieser Lockangebote taucht in der Gewinn- und Verlustrechnung gar nicht als Kosten auf. Gutscheine, die als Zahlung an Händler gelten, zieht PDD direkt vom Umsatz ab, der Rest steckt in den Marketingkosten von 125,3 Milliarden Yuan im Jahr 2025.

Größe, die billig macht

Ökonomen sprechen von einem Netzwerkeffekt: Je mehr Käufer eine Plattform hat, desto mehr Händler kommen, und je mehr Händler um dieselben Käufer werben, desto mehr zahlen sie für Sichtbarkeit. Bei PDD verwalten diesen Kreislauf 25.474 Beschäftigte für 16,8 Millionen aktive Händler. Auf jeden Mitarbeiter kamen 2025 rund 2,3 Millionen Euro Umsatz.

Was sich seit 2021 verschoben hat

Den eigenen Warenverkauf, 2021 noch 7,2 Milliarden Yuan, hat PDD eingestellt. Neu hinzugekommen ist dagegen Temu, und mit Temu der Versand als Dienstleistung. Der nächste Schritt läuft bereits: Im März 2026 kündigte der Konzern laut dem Wirtschaftsmagazin Caixin die Einheit Xinpinmu an, die über drei Jahre 100 Milliarden Yuan, umgerechnet 13,3 Milliarden Euro, in Eigenmarken stecken soll, mit 15 Milliarden Yuan Startkapital.

Mit Xinpinmu würde PDD erstmals seit Jahren wieder selbst Ware besitzen. Eigenmarken wären für das Geschäftsmodell ein Bruch, denn mit ihrer höheren Marge kommt das Lagerrisiko.

Auf den PunktWoraus PDD seinen Gewinn zieht
  • Händlergebühren: Werbung und Transaktionsdienste bringen je knapp 29 Milliarden Euro.
  • Geldpolster: Zinsen auf ein Polster von zuletzt 60,7 Milliarden Euro liefern gut ein Viertel des Gewinns.
  • China-Gewinne: Gilt die Branchenschätzung, finanzierte Pinduoduos Heimatgeschäft 2024 den Aufbau von Temu.

Wie groß ist die Marktmacht von Temu?

Weiße Leiter auf Sockel mit Box oben, die eine 5 zeigt, und einem Text-Tag unten
Platz fünf unter den deutschen Marktplätzen: temu.com kam 2024 auf 3,4 Milliarden Euro Bruttohandelsvolumen.

Bei Kunden ist Temu groß, aber leicht ersetzbar, bei Lieferanten mächtig. In Deutschland stieg die Plattform 2024 mit 3,4 Milliarden Euro Bruttohandelsvolumen unter die fünf größten Marktplätze auf. Ob Temu Einfluss auf die Händlerpreise nimmt, prüft das Bundeskartellamt seit Oktober 2025 in einem eigenen Verfahren.

Das EHI Retail Institute und der Datenanbieter ECDB führten temu.com für 2024 erstmals unter den fünf größten Marktplätzen in Deutschland. Das Bruttohandelsvolumen wuchs gegenüber 2023 um 285 Prozent. Für 2025 schätzen der Handelsverband HDE und das IFH Köln den Umsatz von Temu und Shein zusammen auf rund 4,7 Milliarden Euro, etwa fünf Prozent des deutschen Onlinehandels.

Hochgerechnet kauften 2025 rund 13,5 Millionen Menschen in Deutschland bei Temu ein, im Schnitt 8,51 Mal im Jahr für je 34,15 Euro.

Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom vom Herbst 2025 haben 51 Prozent der deutschen Onlinekäufer schon einmal bei neuen Billigshops aus China wie Temu oder Shein bestellt. Ein Drittel der Befragten schließt eine Bestellung dort für die Zukunft aus.

Marktmacht
Temu in der EU und in Deutschland
Monatlich aktive Nutzer in der EU nach den Transparenzberichten unter dem Digital Services Act, in Millionen.
Durchschnittliche Nutzer je Monat in der EU
  • Halbjahr bis März 2024rund 75 Mio.
  • Halbjahr bis September 2024rund 92 Mio.
  • 1. Halbjahr 2025115,7 Mio.
  • 2. Halbjahr 2025129,7 Mio.
20,9 Mio.
Nutzer je Monat in Deutschland, 2. Halbjahr 2025
3,4 Mrd. €
Bruttohandelsvolumen temu.com in Deutschland 2024
minus 35,5 %
Umsatz von Temu, Shein und AliExpress in Deutschland, 3. Quartal 2026 zum Vorjahresquartal

Wer mitbietet

Mit einem eigenen Billigbereich antwortet Amazon. Seit Juni 2025 testet der Konzern in Deutschland das Angebot Haul mit Artikeln bis 20 Euro, die aus einem Logistikzentrum in China kommen.

Shein setzte 2025 nach den Zahlen aus seinem Hongkonger Börsenprospekt in Europa umgerechnet 13,2 Milliarden Euro um, und TikTok verkauft seit März 2025 auch hierzulande über einen eigenen Shop in der App.

Für Käufer kostet ein Wechsel kaum mehr als eine neue App auf dem Handy. Eine Bindung durch Wechselhürden wie bei Amazon Prime mit Jahresgebühr und Videodienst kennt Temu nicht.

Die Plattform hält ihre Kunden mit Preisen, Gutscheinen und Werbung, und Zoll und Gebühren verteuern genau diese Strategie.

Macht über die Lieferanten

Im vollverwalteten Modell bestimmt Temu den Endpreis, und auch von Vorgaben für lokale Händler berichtet der Handelsverband HDE. Laut der HDE-Beschwerde beim Bundeskartellamt vom April 2025 dürfen Händler auf Temu höchstens 85 Prozent des Preises verlangen, den sie für ein vergleichbares Produkt auf anderen Plattformen nehmen. Temu behalte sich zudem vor, den Endpreis selbst festzulegen.

Das Bundeskartellamt hat am 8. Oktober 2025 ein Verfahren gegen die irische Betreibergesellschaft Whaleco Technology eröffnet. Geprüft wird, ob Temu die Preise der Händler beeinflusst, bis hin zur Festlegung der Endpreise.

Ein Ergebnis liegt noch nicht vor, die Vorwürfe des HDE sind nicht erwiesen.

Laut dem Onlinehändlerverband bevh sanken die Umsätze von Shein, Temu und AliExpress in Deutschland im dritten Quartal 2026 um 35,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 566 Millionen Euro. Der gemeinsame Marktanteil der drei Plattformen fiel nach der Abgrenzung des bevh von 5,3 Prozent im zweiten auf 3,1 Prozent im dritten Quartal, der Verband führt den Rückgang auf das Ende der Zollfreigrenze zurück.

Auf den PunktGroß, aber nicht unersetzlich

Temu erreicht in Deutschland Millionen Käufer, hält sie aber vor allem über Preise und Gutscheine. Die eigentliche Macht übt die Plattform über die Lieferanten aus, und genau dort setzt das Bundeskartellamt an.

Wer ist bei Temu eigentlich das Produkt?

Ein weißer Angelhaken mit oranger Karte über einem weißen Sockel
Verkauft wird die Aufmerksamkeit der Käufer: Händler zahlen für Werbung und Sichtbarkeit auf der Plattform.

Zahlende Kunden von PDD Holdings sind die Händler, nicht die Käufer. Verkauft wird den Händlern der Zugang zu Millionen Käufern, deren Aufmerksamkeit und Kaufdaten die Plattform in Werbeplätze und Gebühren ummünzt. Die Last der niedrigen Preise liegt vor allem bei den Lieferanten in China.

Im Jahresbericht ordnet PDD fast alle Umsätze Händlern zu, die fast alle in China sitzen. Der Käufer in Deutschland zahlt für den Artikel, doch dieses Geld gehört dem Händler. PDD erhält davon nur den Teil, den der Händler als Gebühr und für Werbung abgibt.

Die Ware dieses Geschäfts ist der Käufer selbst: seine Zeit in der App, seine Suchen, seine Bestellungen.

Je länger jemand stöbert, desto mehr Platz kann die Plattform an Händler verkaufen. Die EU-Verbraucherschutzbehörden werfen Temu manipulative Verkaufstricks vor, die genau auf diese Verweildauer zielen: Scheinrabatte, vorgetäuschte Knappheit, Countdowns und ein Glücksrad, das Kunden drehen mussten, um überhaupt in den Shop zu kommen.

Das Verfahren läuft seit November 2024, Temu konnte darauf mit Zusagen antworten. Ein Abschluss ist bis heute nicht veröffentlicht.

Um diese Aufmerksamkeit zu gewinnen, kauft Temu selbst Reichweite ein. Nach einer Auswertung der Firma Online Risk Labs, über die das Magazin Fortune im September 2026 berichtete, gab Temu in Großbritannien und der EU binnen 16 Monaten umgerechnet knapp 0,9 Milliarden Euro für Werbeanzeigen aus, die über Influencer-Konten liefen, von denen viele mutmaßlich gefälscht waren. Nach dem ersten Bericht sank die Zahl dieser Anzeigen pro Woche von rund 115.000 auf 64.000. Temu und Meta äußerten sich dazu nicht.

Den Preisdruck spüren die Lieferanten

Ende Juli 2024 protestierten in Guangzhou nach Berichten der Wirtschaftszeitung Securities Times mehrere Tage lang chinesische Lieferanten vor Temus Büro. Die Lieferanten verlangten einbehaltene Gelder zurück, die Temu wegen Reklamationen abgezogen hatte, und kritisierten Strafen bis zum Fünffachen des Warenpreises.

Temu bestätigte laut Financial Times einen Streit mit etwa einem Dutzend Händlern.

Eine Firma aus Guangzhou berichtete der Financial Times, sie habe anfangs 30.000 bis 50.000 Bestellungen am Tag bekommen, zuletzt nur noch 3.000. Die Erklärung der Firma: Temu werbe immer mehr Lieferanten an und spiele sie beim Preis gegeneinander aus.

In welcher Rolle Sie Temu erleben

Als Käufer sehen Sie die niedrigen Preise und die Gutscheine. Als Händler oder Hersteller in Deutschland erleben Sie Temu dagegen als Wettbewerber mit Ware aus chinesischen Fabriken und zugleich als Plattform, die um Sie als lokalen Anbieter wirbt.

Beide Rollen gehören zu demselben Modell: Die Plattform braucht billige Ware, um Käufer zu halten, und viele Käufer, um Händlern Gebühren berechnen zu können.

Rollen
Wer bei Temu zahlt und wer kassiert
Die Beteiligten am Geschäftsmodell und ihre Rolle.
zahlt
Käufer
Bezahlt den Artikel, der Kaufpreis gehört dem Händler. Liefert Aufmerksamkeit und Daten.
zahlt
Händler in China
Bezahlen Werbung und Transaktionsdienste, im vollverwalteten Modell setzt Temu den Verkaufspreis.
kassiert
PDD Holdings
Bucht nur Gebühren und Werbeerlöse, 2025 umgerechnet 57,4 Mrd. €.
kassiert
Werbeplattformen
Verkaufen Temu Reichweite, etwa Meta, 2023 laut Wall Street Journal knapp 1,8 Mrd. €.
kassiert
Staat und Zoll
Seit 1. Juli 2026 drei Euro Zoll je Warenart, ab November geplant zwei Euro Gebühr je Artikel.
trägt Risiko
Lieferanten
Einbehalte und Strafen bis zum Fünffachen des Warenpreises, laut Berichten von 2024.

Was kostet ein Temu-Schnäppchen wirklich, und wer trägt die Kosten?

Stempel mit dem Wort „Zoll“, ein kleiner Karton auf einem weißen Podest und ein oranger Griff
Seit Juli drei Euro Zoll je Warenart, ab November sollen zwei Euro Bearbeitungsgebühr je Artikel folgen.

Bei einem Artikel für zehn Euro gingen ab November rechnerisch 6,60 Euro an Steuer, Zoll und Gebühr, für Ware, Fracht und Temu blieben 3,40 Euro. Zoll und Gebühr zahlt zunächst der Verkäufer, die Folgekosten unsicherer Ware tragen Kunden und Behörden.

Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Sendungen bis 150 Euro aus Drittstaaten einen Pauschalzoll von drei Euro je Warenart. Fünf gleiche T-Shirts kosten nach dem Beispiel der EU-Kommission drei Euro Zoll, drei T-Shirts und eine Uhr sechs Euro.

Anmelden und bezahlen muss den Zoll der Verkäufer oder Einführer. Die Regel gilt befristet bis Juli 2028.

Ab dem 1. November soll eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro je Artikel hinzukommen. Die Kommission hat die delegierte Verordnung am 21. September 2026 erlassen, Parlament und Rat können bis zum 21. Oktober widersprechen.

Ein Szenario: Angenommen, ein Artikel kostet bei Temu zehn Euro einschließlich Umsatzsteuer und kommt allein in einer Sendung aus China, dann bliebe vom Kaufpreis nach Abzug aller Abgaben ein Rest von 3,40 Euro. Bei einem Artikel zum durchschnittlichen Temu-Bestellwert in Deutschland von 34,15 Euro blieben 23,70 Euro.

Rechenbeispiel ab 1. November 2026Artikel für 10 EuroArtikel für 34,15 Euro
Kaufpreis einschließlich Umsatzsteuer10,00 €34,15 €
Umsatzsteuer, 19 Prozent im Preis enthalten1,60 €5,45 €
EU-Pauschalzoll je Warenart3,00 €3,00 €
Geplante Bearbeitungsgebühr je Artikel2,00 €2,00 €
Rest für Ware, Fracht, Händler und Temu-Gebühr3,40 €23,70 €
Anteil der Abgaben am Kaufpreis66 Prozent31 Prozent

Szenario, eigene Rechnung nach EU-Kommission (Pauschalzoll, Stand 29.06.2026), delegierter Verordnung C(2026) 6694 (Bearbeitungsgebühr) und HDE Online-Monitor 2026 (durchschnittlicher Bestellwert bei Temu). Der Kaufpreis ist als unverändert angenommen, Versandkosten und Zuschläge für Ware über 150 Euro sind nicht berücksichtigt.

Für einzelne Billigartikel lohnt sich der Direktversand aus China damit kaum noch. Nach Aussage einer Vertreterin der EU-Kommission am 15. Oktober im Binnenmarktausschuss des Parlaments hat der Pauschalzoll den Zustrom von Kleinsendungen je nach Vergleichsbasis um 40 bis 60 Prozent gesenkt, wie der Fachdienst Borderlex berichtet.

Die Händler verschifften nun mehr Ware gebündelt in Lager in der EU, der Rückgang der Kleinsendungen heiße deshalb nicht, dass weniger verkauft werde. Für Temu, Shein und AliExpress in Deutschland meldete der bevh gleichwohl ein Umsatzminus.

Was die Kunden zusätzlich bezahlen

Im Oktober 2025 testeten die Verbraucherorganisationen Forbrugerrådet Tænk, UFC-Que Choisir und die Stiftung Warentest 81 Produkte von Temu, ausgewählt nach Risiko. 53 davon, also 65 Prozent, entsprachen nicht dem EU-Recht, bei Spielzeug und Ladegeräten jeweils 26 von 27.

Repräsentativ ist die Auswahl nicht, der Befund ist trotzdem deutlich.

Die EU-Kommission kam bei eigenen Testkäufen zu einem ähnlichen Ergebnis. Ein sehr hoher Anteil der Ladegeräte fiel bei grundlegenden Sicherheitstests durch, ein hoher Anteil des Babyspielzeugs barg mittlere bis hohe Risiken.

Temus Rückgaberegeln sehen nach einer Auswertung des Händlerbunds vor, dass die erste Rücksendung einer Bestellung innerhalb von 90 Tagen kostenlos ist. Jede weitere aus derselben Bestellung kostet drei Euro.

Welche Kosten bei Händlern und Staat landen

Die Gebühren der Plattform bezahlen die Händler, die Abgaben an der Grenze ebenfalls, zumindest bis sie die Preise erhöhen. Laut den Berichten aus Guangzhou kommen Strafen und Einbehalte hinzu, sobald Temu nach dem Verkauf Mängel feststellt.

Im halbverwalteten Modell übernehmen die Händler außerdem Lager und Versand.

Die deutsche Zollverwaltung bearbeitete 2025 bei der Einfuhr von Post- und Kuriersendungen rund 192 Millionen Warenpositionen mehr als im Vorjahr, in die EU kamen 2025 laut der Kommission 5,88 Milliarden Kleinsendungen.

Unsere Einschätzung: In Temus niedrigen Preisen fehlten lange die Kosten an der Grenze. Abfertigung, Kontrolle und Entsorgung unsicherer Ware lagen bei der Allgemeinheit, Zoll fiel unter 150 Euro nicht an. Zoll und Bearbeitungsgebühr verlagern einen Teil dieser Kosten auf den Verursacher der Sendung.

Bei billigen Einzelartikeln frisst die Abgabe den Preisvorteil auf, bei Bestellungen über 30 Euro fällt sie deutlich weniger ins Gewicht.

Auf den PunktFünf Euro Zoll und Gebühr auf den Einzelartikel

Ab November belasten Zoll und Gebühr einen einzelnen Billigartikel mit fünf Euro. Je billiger die Ware, desto größer der Anteil der Abgaben am Preis, und genau dort lag Temus Stärke.

Wer profitiert von Temu und wer zahlt drauf?

Eine Wippe mit Sack („Wenig Wert“) und Kartons („Ungenutzter Platz“) neigt sich nach rechts
Die Gewinne bleiben im Konzern und mehren den Wert der Anteile, Preisdruck und Strafen treffen Lieferanten in China.

Gewinner sind die Großaktionäre um Gründer Colin Huang und Tencent, die Werbeplattformen, auf denen Temu um Kunden wirbt, und Käufer, denen billige Ware genügt. Draufzahlen müssen Lieferanten unter Preisdruck, der heimische Handel und Kunden, die unsichere Produkte erwischen.

Eine Dividende hat PDD Holdings nie gezahlt. Der Gewinn bleibt im Konzern und steigert den Wert der Anteile. Beim Börsenwert vom 16. Oktober entsprach Huangs Anteil von 24,8 Prozent umgerechnet rund 25 Milliarden Euro, der von Tencent mit 13,8 Prozent rund 14 Milliarden Euro.

Allerdings notierte die Aktie zuletzt gut 40 Prozent unter ihrem Höchststand der vergangenen zwölf Monate.

An Temus Wachstum verdienten auch die Werbekonzerne mit. Laut einem Bericht des Wall Street Journal gab PDD 2023 bei Meta umgerechnet knapp 1,8 Milliarden Euro für Anzeigen aus, Temu bestritt die Zahl, ohne eine eigene zu nennen.

Beim Super Bowl 2024 kostete ein 30-Sekunden-Spot nach Berichten des Senders CNN umgerechnet 5,8 bis 6,2 Millionen Euro, Temu verteilte dazu Gutscheine und Geschenke im Wert von über 13 Millionen Euro.

Die Käufer gewinnen beim Preis, zahlen aber auf andere Weise. Von denen, die bei internationalen Billigplattformen bestellt haben, kauften nach einer Bitkom-Umfrage 30 Prozent Produkte, die sie eigentlich nicht brauchten. 45 Prozent der Befragten, die dort bestellt haben, wünschen sich eine stärkere Regulierung der Plattformen.

Irland profitiert wenig: Die Betreibergesellschaft Whaleco Technology in Dublin wies für 2024 nach Berichten über ihren Jahresabschluss rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz aus Provisionen und Gebühren aus, rund 107 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und rund 16 Millionen Euro Steuern.

Beschäftigt waren dort acht Menschen.

GruppeGewinnt oder verliertBeleg
Großaktionäre (Huang, Tencent)gewinnt: Anteile im Wert von zusammen knapp 40 Milliarden Euro, Gewinne bleiben im KonzernPDD-Jahresbericht 2025, Börsenkurs 16.10.2026
Werbeplattformengewinnt: Milliarden aus Anzeigen, 2023 knapp 1,8 Milliarden Euro allein bei Meta (von Temu bestritten)Wall Street Journal
Käufergewinnt bei einfachen Alltagsartikeln, verliert bei unsicherer WareTests von Stiftung Warentest und Partnern 2025
Lieferanten in Chinaverliert: Preisvorgaben, Einbehalte, Strafen bis zum Fünffachen des WarenpreisesSecurities Times, Financial Times 2024
Deutscher Einzel- und Onlinehandelverliert: Marktanteile an Billigplattformen, Kartellbeschwerde des HDEHDE, bevh
Zustelldienstegemischt: Paketmengen, aber offene Rechnungen, UPS klagt in Irland auf über 37 Millionen EuroIrish Times 2026
Staat und Zollverliert bisher: Prüfaufwand für Milliarden Kleinsendungen, ab 2026 teilweise durch Zoll und Gebühr gedecktEU-Kommission, Zollverwaltung

Gefangen im vollverwalteten Modell

Für Lieferanten wirkt die Plattform wie ein Großabnehmer, der jederzeit den Preis neu verhandeln kann. Ein Lieferant, der seine ganze Produktion auf Temu ausrichtet, hat kaum eigene Kunden, keine Marke im Ausland und keinen direkten Kontakt zu den Käufern.

Für den Zugang zu den Käufern zahlen die Lieferanten mit Abhängigkeit, die Bedingungen diktiert die Plattform.

Wir halten diese Bindung für den eigentlichen Kern des Modells: Temus Preise entstehen weniger durch eigene Effizienz als durch die Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten, 2024 rund 150.000 allein im vollverwalteten Modell, die untereinander um Aufträge konkurrieren.

Vom Umsatzeinbruch der Billigplattformen im dritten Quartal 2026 haben heimische Anbieter laut dem bevh nicht profitiert.

Neue Arbeitsplätze entstehen vor allem in China. In der neu geplanten Stadt Xiong’an beschäftigte eine Pinduoduo-Tochter nach chinesischen Medienberichten im September 2026 mehr als 5.000 Menschen, die Händler prüfen und Trainingsdaten für Algorithmen aufbereiten.

Temu verspricht Shoppen wie ein Milliardär, die 57,4 Milliarden Euro Konzernumsatz zahlen aber Händler in China.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie politisch ist Temu?

Weißer Karton mit Aufschrift „200 Mio. €“ und weißem Richterhammer darauf
200 Millionen Euro Geldbuße nach dem Digital Services Act, Temu klagt laut MLex dagegen.

Temu ist eher Gegenstand der Politik als ihr Akteur. Verfahren laufen in Brüssel, Bonn und mehreren US-Bundesstaaten, in China wurde Pinduoduo bestraft. Für Lobbyarbeit in Brüssel gab Temu 2025 bis zu 300.000 Euro aus, im Lobbyregister des Bundestags fehlt der Konzern.

Im EU-Transparenzregister ist die Dubliner Betreibergesellschaft Whaleco Technology seit Mai 2025 eingetragen. Für 2025 gibt die Gesellschaft Lobbykosten von 200.000 bis 299.999 Euro an, beschäftigt sechs Lobbyisten und nennt als Themen unter anderem den Digital Services Act, die Produktsicherheit und die EU-Zollreform.

Am 3. September 2026 traf sich Temu nach dem Register mit dem Kabinett von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Bei unserer Abfrage am 18. Oktober 2026 enthielt das Lobbyregister des Bundestags keinen Eintrag für Whaleco, PDD Holdings oder Pinduoduo. Dort taucht Temu nur in den Anliegen anderer auf, etwa des Bundesverbands Onlinehandel.

Regulierung
Strafen und Verfahren gegen PDD und Temu
Verhängte Geldbußen und Vergleiche, umgerechnet in Millionen Euro, sowie offene Verfahren, Stand 18.10.2026.
Verhängt, in Millionen Euro
  • Marktaufsicht SAMR gegen Pinduoduo, 17.04.2026rund 202 Mio. €
  • EU-Kommission, DSA-Geldbuße, 28.05.2026200 Mio. €
  • Vergleich mit Texas, 16.10.20262,7 Mio. €
offen
Bundeskartellamt
Prüft seit 08.10.2025 Preisvorgaben für Händler.
offen
EU-Verbraucherschutz
Prüft seit 08.11.2024 Rabatte, Countdowns und Glücksrad.
offen
Drittstaatssubventionen
Vorwurf der Behinderung einer Prüfung in Dublin, Temu widerspricht.
offen
US-Bundesstaaten
Klagen unter anderem aus Arkansas, Nebraska, Kentucky und Arizona.

Brüssel: 200 Millionen Euro und zwei weitere Verfahren

Als sehr große Online-Plattform unterliegt Temu seit Mai 2024 den strengsten Pflichten des Digital Services Act. Am 28. Mai 2026 verhängte die EU-Kommission eine Geldbuße von 200 Millionen Euro. Begründung: Temus Risikobewertung von 2024 habe sich auf allgemeine Branchendaten gestützt und deutlich unterschätzt, wie oft Kunden auf illegale Ware stoßen.

Temu nannte die Buße unverhältnismäßig und klagt laut dem Fachdienst MLex dagegen.

Daneben prüft das Netz der EU-Verbraucherschutzbehörden seit November 2024 Rabatte, Countdowns und das Glücksrad. Mit der Kommission streitet Temu zudem in einem Verfahren nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen: Nach einer unangekündigten Durchsuchung in Dublin im Dezember 2025 wirft die Kommission dem Konzern Behinderung vor, Temu erklärt, voll kooperiert zu haben.

Bonn, Texas, Shanghai

In Deutschland ermittelt das Bundeskartellamt seit Oktober 2025 wegen möglicher Preisvorgaben für Händler. Der Verbraucherzentrale Bundesverband erreichte im Mai 2024 außergerichtlich eine Unterlassungserklärung wegen irreführender Seitengestaltung, sogenannter Dark Patterns, im Dezember 2024 zahlte Whaleco eine Vertragsstrafe von 5.100 Euro, weil auf einem Kindertablet das CE-Zeichen fehlte.

In den USA klagen die Justizminister von Arkansas, Nebraska, Kentucky und Arizona weiter, Texas hat sich im Oktober geeinigt. Vorgeworfen werden Temu unter anderem eine zu weitreichende Datensammlung und irreführende Praktiken, PDD bestreitet die Vorwürfe.

Die höchste Einzelstrafe traf den Konzern in China. Am 17. April 2026 verhängte die Marktaufsicht SAMR in einem Verfahren um Geister-Lieferläden, also Lieferanbieter von Speisen, vor allem Torten, ohne gültige Lebensmittellizenz, Strafen gegen sieben Plattformen. Auf Pinduoduo entfielen nach chinesischen Medienberichten rund 1,52 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 202 Millionen Euro und damit der höchste Betrag unter den sieben Plattformen. Das Portal Sixth Tone nennt die Strafen die höchsten seit Inkrafttreten des chinesischen Lebensmittelsicherheitsgesetzes.

Strafverschärfend wertete die Behörde laut den Berichten, dass Mitarbeiter die Ermittler behindert hätten. Pinduoduo erklärte, die Entscheidung zu akzeptieren.

Steuern und Sitz

Rechtlich ist PDD Holdings eine Gesellschaft nach dem Recht der Kaimaninseln mit Sitz in Dublin, das China-Geschäft steuert sie über eine sogenannte VIE-Struktur, ein Geflecht aus Verträgen mit Gesellschaften in Shanghai. Konzernweit lag der effektive Steuersatz 2024 bei 15,3 Prozent, der chinesische Regelsatz beträgt 25 Prozent.

Zwei der wichtigsten Gesellschaften in Shanghai zahlen als anerkannte Hochtechnologie-Unternehmen bis 2026 einen ermäßigten Satz von 15 Prozent.

Mit einem Rückzug aus einem Markt hat Temu nach unserer Recherche bisher nicht gedroht. Gesperrt ist die App in Vietnam und Usbekistan, wie PDD im Jahresbericht selbst angibt.

Auf den PunktWenig Lobby, viele Verfahren
  • Brüssel: 200 Millionen Euro DSA-Geldbuße, Temu klagt laut MLex dagegen.
  • Bonn: Das Bundeskartellamt prüft Preisvorgaben für Händler.
  • Shanghai: Pinduoduo zahlte 2026 die höchste Strafe im Verfahren um Geister-Lieferläden.

Was könnte Temu zu Fall bringen?

Kartenhaus auf Podest mit oranger Karte „Zoll“ in der Basis und Stop-Schild daneben
Das größte Risiko liegt an der Grenze: Zoll, Gebühr und Haftung verteuern den Direktversand.

Zu Fall bringen könnten Temu am ehesten die Kosten an der Grenze und die Haftung für unsichere Ware, weniger ein einzelner Konkurrent. Zoll, Gebühr und Auflagen verteuern genau den Direktversand billiger Einzelartikel, mit dem Temu wuchs. Den Konzern gefährden diese Kosten vorerst nicht, sein Polster liegt bei 60,7 Milliarden Euro.

Das größte Risiko ist regulatorisch und kommt in Stufen. Der Pauschalzoll von drei Euro gilt bis Juli 2028, danach soll nach den Plänen der Kommission mit einem gemeinsamen Zolldatenraum die 150-Euro-Grenze ganz fallen und der reguläre Zollsatz gelten.

Zugleich verlangt der Digital Services Act von Temu eine belastbare Risikobewertung, und jede neue Testkaufserie der Kommission kann ein weiteres Verfahren auslösen.

Im zweiten Quartal 2026 stieg das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal um 8 Prozent, der Nettogewinn sank dagegen um 12 Prozent, weil ein Posten sonstiger Verluste von umgerechnet knapp einer Milliarde Euro anfiel, den PDD nicht erläutert.

Ko-Vorstandschef Chen Lei sprach in der Quartalsmitteilung von einem Handels- und Regulierungsumfeld, das erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringe.

Teuer werden kann auch das Verfahren um Drittstaatssubventionen. Für die Behinderung einer Prüfung sieht die EU-Verordnung Geldbußen von bis zu einem Prozent des weltweiten Umsatzes vor, bei PDD rechnerisch bis zu 574 Millionen Euro. Entschieden hat die Kommission darüber noch nicht.

Riskant bleibt außerdem das Heimatgeschäft, aus dem Temu nach der Branchenschätzung finanziert wird. Bei einer Prüfung der Marktaufsicht in der Shanghaier Zentrale gerieten im Dezember 2025 laut dem Wirtschaftsmagazin Caixin Beschäftigte und Beamte aneinander, im April 2026 folgte die Strafe von umgerechnet rund 202 Millionen Euro.

Ein noch schlechteres Verhältnis zu den Behörden in Peking träfe die Gewinnquelle des ganzen Konzerns.

Wer angreift

Amazon, Shein und TikTok bleiben als Wettbewerber im Spiel, Shein ist inzwischen in Hongkong börsennotiert. AliExpress hat im Juli 2026 selbst eine DSA-Geldbuße von 550 Millionen Euro erhalten. Für Käufer sind die Angebote leicht austauschbar.

Eine weitere Gefahr liegt in der Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten. Stiegen in China die Löhne oder verschlechterten sich die Handelsbeziehungen, träfe jede dieser Entwicklungen Temu im Kern. Dazu kommen App-Sperren wie in Vietnam und Usbekistan.

Drei Szenarien bis 2031

Die folgenden Szenarien sind eine Einschätzung der Redaktion, keine Prognose des Unternehmens.

  • Optimistisch: Temu verlagert den Großteil der Europa-Ware in Lager innerhalb der EU, lokale Händler und die Eigenmarken der Einheit Xinpinmu bringen eigene Marge. Die Plattform wird ein gewöhnlicher Marktplatz mit niedrigen Preisen und wird profitabel.
  • Realistisch: Das Wachstum in Europa flacht ab, die Marge bleibt unter Druck, und Temu lebt zu einem guten Teil weiter vom Geld, das Pinduoduo in China verdient. Weitere Bußgelder kosten Hunderte Millionen Euro, gefährden den Konzern aber nicht.
  • Pessimistisch: Nach 2028 verliert der Direktversand seinen letzten Kostenvorteil, neue Testkäufe führen zu harten Auflagen für ganze Produktgruppen. Temu schrumpft in Europa auf eine Nische, PDD konzentriert sich wieder auf China.
Auf den PunktTeurer, nicht tödlich

Zoll, Gebühr und Haftung nehmen Temu den Kostenvorteil des Direktversands. Das Geldpolster von 60,7 Milliarden Euro verschafft dem Konzern Zeit für den Umbau zu Lagern in Europa und eigenen Marken.

Was bedeutet Temu für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Briefkasten mit Paket mit Aufschrift
20,9 Millionen Menschen in Deutschland nutzten Temu im zweiten Halbjahr 2025 jeden Monat.

Für Verbraucher wird Temu teurer und strenger kontrolliert, für deutsche Händler bleibt die Plattform Wettbewerber und möglicher Vertriebskanal zugleich. Ab November sollen zum Zoll zwei Euro Bearbeitungsgebühr je Artikel kommen, das Bundeskartellamt prüft die Preisvorgaben für Händler weiter.

Wie in Texas läuft der Druck auf Temu auch in Europa auf Auflagen hinaus, die das Geschäft nicht verbieten, aber verteuern. 20,9 Millionen Menschen nutzten Temu im zweiten Halbjahr 2025 jeden Monat, 13,5 Millionen kauften dort 2025 nach Hochrechnung von HDE und IFH Köln ein.

Für Verbraucher

Billige Einzelartikel verteuern sich durch die Abgaben am stärksten, entweder über höhere Preise oder über Mindestbestellwerte. Bei Spielzeug und Ladegeräten lohnt ein zweiter Blick auf CE-Zeichen und Herstellerangaben, denn in beiden Gruppen fielen in den Tests von Stiftung Warentest und Partnern jeweils 26 von 27 Produkten durch.

Ein Rückgaberecht gewährt Temu bis zu 90 Tage lang, die erste Rücksendung einer Bestellung ist nach Temus Rückgaberegeln kostenlos.

Für Händler und Hersteller

Deutsche Händler können über Temus Programm für lokale Händler selbst auf der Plattform verkaufen und Ware aus deutschen Lagern liefern. Temu nennt in einer Pressemitteilung vom 14. Oktober Anbindungen an über 200 Warenwirtschaftssysteme und über 150 Zustelldienste in Europa.

Der HDE wirft Temu dagegen vor, Händlern Preisobergrenzen von 85 Prozent des Preises auf anderen Plattformen vorzuschreiben. Ob die Vorwürfe zutreffen, klärt das Bundeskartellamt.

Auch der Marktplatz von Otto verdient an Provisionen und Werbung, die seine Partner bezahlen. Für einen Mittelständler, der ohnehin über Plattformen verkauft, ist Temu deshalb ein weiterer Kanal mit eigenen Regeln.

Gegen Temu als Wettbewerber hilft vor allem, was die Plattform nicht bieten kann: geprüfte Sicherheit, Beratung und Marken, denen Kunden vertrauen. Mit dem Pauschalzoll und der Bearbeitungsgebühr verliert Temu bei Artikeln unter zehn Euro einen großen Teil seines Preisvorsprungs, bei teurerer Ware deutlich weniger.

Drei Szenarien für die kommenden zwölf Monate

  • Optimistisch: Die Gebühr startet am 1. November, Temu verlagert mehr Ware in deutsche Lager und verkürzt dadurch die Lieferzeiten. Händler aus Deutschland finden auf der Plattform zusätzliche Käufer.
  • Realistisch: Die Preise einfacher Artikel steigen spürbar, der Umsatz der asiatischen Plattformen in Deutschland bleibt unter dem Vorjahr. Das Bundeskartellamt äußert sich zu den Preisvorgaben, ein endgültiges Ergebnis steht noch aus.
  • Pessimistisch: Neue Testkäufe und Verbraucherbeschwerden führen zu weiteren Bußgeldern, und Händler auf Temu geraten zwischen Preisdruck und Haftung. Billigware kommt zunehmend über andere Plattformen und Lager in der EU nach Deutschland.

Unsere Empfehlung: Prüfen Sie als Händler die Bedingungen des Programms für lokale Händler genau, bevor Sie Sortiment auf Temu bringen, vor allem Preisvorgaben, Strafen und Einbehalte.

Als Wettbewerber setzen Sie besser auf Service und geprüfte Sicherheit als auf einen Preiskampf, den die Plattform mit 60,7 Milliarden Euro im Rücken länger durchhält als jeder Mittelständler.

Auf den PunktKanal und Konkurrent
  • Verbraucher: Billige Einzelartikel werden teurer, bei Spielzeug und Ladegeräten lohnt die Prüfung des CE-Zeichens.
  • Händler: Das Programm für lokale Händler öffnet einen Kanal, die Preisvorgaben prüft das Kartellamt.
  • Wettbewerber: Service und Sicherheit bringen mehr als ein Preiskampf gegen einen Konzern mit 60,7 Milliarden Euro Reserve.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Temu

Ein offenes Buch mit leerem Inhalt, in dem ein oranger Zettel mit der Aufschrift „Glossar“ liegt
Von Bruttohandelsvolumen bis VIE-Struktur: die wichtigsten Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Temu.

Bruttohandelsvolumen

Das Bruttohandelsvolumen (englisch Gross Merchandise Volume, GMV) ist der Wert aller Waren, die über eine Plattform verkauft werden, einschließlich Umsatzsteuer. Für Marktplätze sagt diese Kennzahl mehr als der Umsatz, der nur Gebühren enthält. temu.com kam 2024 in Deutschland auf 3,4 Milliarden Euro.

Bruttomarge

Die Bruttomarge ist der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkt zurechenbaren Umsatzkosten übrig bleibt. Bei PDD Holdings zählen dazu Zahlungsabwicklung, Versandleistungen und Serverkosten. Die Bruttomarge sank von 75,9 Prozent im Jahr 2022 auf 56,3 Prozent im Jahr 2025.

Einbehalt

Ein Einbehalt ist ein Teil des Verkaufserlöses, den eine Plattform zurückhält, statt ihn an den Händler auszuzahlen. Der Einbehalt dient als Sicherheit für Reklamationen, Rücksendungen oder Strafen. Chinesische Lieferanten protestierten 2024 in Guangzhou gegen solche Einbehalte von Temu.

Halbverwaltetes Modell

Im halbverwalteten Modell verkauft ein Händler über Temu, lagert und versendet die Ware aber selbst, meist aus einem Lager im Zielland. Temu übernimmt vor allem Plattform, Zahlung und Werbung. Seit dem Ende der Zollfreigrenzen setzt Temu in den USA und der EU verstärkt auf diese Form.

Nettoausweis

Beim Nettoausweis der Umsätze bucht eine Plattform nicht den Kaufpreis der Ware als Umsatz, sondern nur die Gebühr, die sie dafür erhält. Voraussetzung ist, dass die Plattform die Ware zu keinem Zeitpunkt kontrolliert. PDD Holdings erfasst die Umsätze von Pinduoduo und Temu auf diese Weise.

Netzwerkeffekt

Ein Netzwerkeffekt entsteht, wenn ein Angebot für jeden Nutzer wertvoller wird, je mehr andere dasselbe Angebot nutzen. Auf einem Marktplatz ziehen mehr Käufer mehr Händler an und umgekehrt. Neue Anbieter müssen deshalb beide Seiten gleichzeitig gewinnen.

Quersubventionierung

Bei der Quersubventionierung finanziert ein profitabler Geschäftsbereich einen anderen, der Verluste schreibt. Typisch ist eine solche Finanzierung beim Aufbau neuer Märkte. Gilt die Schätzung des Branchendienstes Tech Buzz China, deckten die Gewinne von Pinduoduo in China 2024 die Verluste von Temu im Ausland.

Risikobewertung

Die Risikobewertung ist eine Pflicht sehr großer Online-Plattformen nach Artikel 34 des Digital Services Act. Die Plattform muss jährlich prüfen, welche Risiken ihr Dienst birgt, etwa durch illegale Produkte. Wegen einer mangelhaften Risikobewertung verhängte die EU-Kommission gegen Temu eine Geldbuße von 200 Millionen Euro.

Sehr große Online-Plattform

Als sehr große Online-Plattform stuft die EU-Kommission Dienste mit mindestens 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU ein. Für diese Plattformen gelten die strengsten Pflichten des Digital Services Act, darunter Risikobewertungen und Prüfungen durch unabhängige Stellen. Temu hat diesen Status seit dem 31. Mai 2024.

Transaktionsdienste

Transaktionsdienste nennt PDD Holdings die Leistungen, für die Händler pro abgeschlossenem Verkauf bezahlen, einschließlich Versand und Abwicklung. Seit dem Start von Temu sind die Transaktionsdienste die wachstumsstärkste Erlösart des Konzerns und machten 2025 knapp die Hälfte des Umsatzes aus.

VIE-Struktur

Die VIE-Struktur (Variable Interest Entity) ist ein Vertragskonstrukt, mit dem ausländische Holdinggesellschaften chinesische Unternehmen steuern, ohne sie direkt zu besitzen. Gewinne fließen über Verträge statt über Anteile. PDD Holdings, eine Gesellschaft nach dem Recht der Kaimaninseln, führt so das China-Geschäft von Pinduoduo.

Vollverwaltetes Modell

Im vollverwalteten Modell schickt ein Lieferant seine Ware zu einem vereinbarten Großhandelspreis in ein Lager der Plattform. Die Plattform setzt den Endpreis, wirbt, versendet und betreut die Kunden. Mit diesem Modell wurde Temu ab 2022 groß, der Lieferant gibt dafür die Kontrolle über den Preis ab.

FAQ: Wer bezahlt Temus Billigpreise?

Weißes Paket mit orangefarbenem FAQ-Schild und Badeente vor weißem Hintergrund
Häufige Fragen zu Temu: Eigentümer, Billigpreise, Zoll, Rücksendung und Seriosität.

Wem gehört Temu?

Temu gehört zu PDD Holdings, einem an der Nasdaq notierten Konzern mit Sitz in Dublin, der rechtlich auf den Kaimaninseln eingetragen ist. Größter Aktionär ist Gründer Colin Huang mit 24,8 Prozent, Tencent hält 13,8 Prozent. Zum selben Konzern gehört die chinesische Einkaufs-App Pinduoduo.

Warum ist Temu so billig?

Über Temu kommt vor allem Ware direkt aus chinesischen Fabriken, ohne Zwischenhandel, und im vollverwalteten Modell bestimmt Temu den Preis gegenüber den Lieferanten. Lange halfen zudem Zollfreigrenzen, Rabatte und Gutscheine, die der Konzern nach einer Branchenschätzung aus den Gewinnen von Pinduoduo finanzierte. Seit Juli 2026 erhebt die EU drei Euro Zoll je Warenart.

Ist Temu seriös?

Temu ist ein legaler Marktplatz mit Rückgaberecht, steht aber wegen Produktsicherheit und Verkaufspraktiken in der Kritik. Die EU-Kommission verhängte 2026 eine Geldbuße von 200 Millionen Euro, in Tests von Verbraucherorganisationen entsprachen 65 Prozent von 81 geprüften Produkten nicht dem EU-Recht. Bei Spielzeug und Ladegeräten ist Vorsicht angebracht.

Muss ich bei Temu-Bestellungen Zoll bezahlen?

Nein, den Zoll meldet und bezahlt der Verkäufer oder Einführer, nicht der Kunde an der Haustür. Seit dem 1. Juli 2026 fallen für Sendungen bis 150 Euro drei Euro je Warenart an, ab November soll eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro je Artikel hinzukommen. Viele Händler geben die Kosten über den Preis weiter.

Kann man bei Temu kostenlos zurückschicken?

Ja, laut der vom Händlerbund ausgewerteten Rückgaberichtlinie ist die erste Rücksendung einer Bestellung innerhalb von 90 Tagen kostenlos. Weitere Rücksendungen derselben Bestellung kosten drei Euro. Für einzelne Elektrogeräte gelten kürzere Fristen.

Ist Temu in Deutschland verboten?

Nein, Temu ist in Deutschland erlaubt und hier nach Nutzern der größte EU-Markt der Plattform. Gesperrt ist die App laut PDD in Vietnam und Usbekistan. In Deutschland prüft das Bundeskartellamt seit Oktober 2025 die Preisvorgaben von Temu gegenüber Händlern.

Quellen

71 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 18.10.2026
  1. PDD HoldingsForm 20-F für das Geschäftsjahr 2025 (Jahresbericht)
  2. PDD HoldingsPDD Holdings Announces Fourth Quarter 2025 and Fiscal Year 2025 Unaudited Financial Results
  3. PDD HoldingsPDD Holdings Announces First Quarter 2026 Unaudited Financial Results
  4. PDD HoldingsPDD Holdings Announces Second Quarter 2026 Unaudited Financial Results
  5. PinduoduoPinduoduo Announces Fourth Quarter and Fiscal Year 2021 Unaudited Financial Results
  6. PDD HoldingsFourth Quarter and Fiscal Year 2022 Unaudited Financial Results
  7. PDD HoldingsFourth Quarter and Fiscal Year 2023 Unaudited Financial Results
  8. PDD HoldingsFourth Quarter and Fiscal Year 2024 Unaudited Financial Results
  9. PinduoduoBörsenprospekt (Form 424B4) zum Börsengang 2018
  10. PinduoduoForm 6-K: Rücktritt von Colin Huang, 17.03.2021
  11. PDD HoldingsForm 6-K: Umbenennung in PDD Holdings, 09.02.2023
  12. Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse, 16.10.2026
  13. Texas Attorney GeneralAttorney General Paxton Secures First-of-its-Kind Settlement with Temu, 16.10.2026
  14. Texas Attorney GeneralAgreed Final Judgment and Permanent Injunction, State of Texas v. PDD Holdings und Whaleco
  15. Reuters / US NewsChinese online retailer Temu agrees to data privacy restrictions to settle Texas lawsuit, 16.10.2026
  16. Europäische KommissionCommission fines Temu €200 million under the Digital Services Act (IP/26/1178), 28.05.2026
  17. Europäische KommissionCommission preliminarily finds Temu in breach of the Digital Services Act, 28.07.2025
  18. Europäische KommissionListe der benannten sehr großen Online-Plattformen
  19. Europäische KommissionConsumer protection: Commission and national authorities act against Temu (IP/24/5707), 08.11.2024
  20. Europäische KommissionCoordinated actions: market places and digital services
  21. Europäische KommissionEnsuring fairness and safety: €3 customs duty for low-value parcels, 29.06.2026
  22. Europäische Kommission, GD TAXUDGuidance and legal text: temporary flat fee on low-value imports, 08.06.2026
  23. Rat der EUDelegierte Verordnung C(2026) 6694 zur Bearbeitungsgebühr, 21.09.2026 (Ratsdokument ST 13480/26)
  24. Europäische Kommission, GD TAXUDEU customs reform
  25. Europäische KommissionTackling challenges in e-commerce imports, 05.02.2025
  26. BorderlexEU lawmakers to back €2 handling fee on low-value parcels, 15.10.2026
  27. BundeskartellamtVerfahren gegen Temu eingeleitet, 08.10.2025
  28. Handelsverband Deutschland (HDE)Kartellbeschwerde gegen Temu, 09.04.2025
  29. Handelsverband Deutschland (HDE)Online-Monitor 2026
  30. bevhNach Abschaffung der Zollfreigrenze: Asiatische Plattformen verlieren deutlich Marktanteile, 08.10.2026
  31. EHI Retail InstituteOnlinehandel in Deutschland legt wieder zu, 30.09.2025
  32. ECDBTemu entered Germany’s top 5 marketplace ranking
  33. ECDBTemu: Retailer-Daten
  34. Tech Buzz ChinaTemu Watch 11: Profitability arrives, 18.12.2025
  35. BitkomStudienbericht Digitaler Handel in Deutschland, Juli 2026
  36. BEUCUnder the Microscope: Tests of Temu Products by Consumer Groups
  37. Stiftung WarentestSchnäppchen-Plattform: Bei Temu ist Vorsicht angesagt
  38. Verbraucherzentrale BundesverbandNach vzbv-Abmahnung: Temu bessert nach, 14.05.2024
  39. Verbraucherzentrale BundesverbandVerstoß gegen Unterlassungserklärung: vzbv verhängt Vertragsstrafe gegen Temu, 18.12.2024
  40. HändlerbundRücksendungen bei Temu
  41. Marketplace PulseTemu Marketplace Launches in the US, 14.03.2024
  42. TechNodeTemu’s Chinese suppliers protest in Guangzhou over penalty policy, 01.08.2024
  43. Retail GazetteTemu supplier backlash (nach Financial Times), 31.07.2024
  44. Retail SystemsChinese merchants protest against Temu over unfair fines and penalties, Juli 2024
  45. Ecommerce News EuropeTemu: 80 % of European sales via local warehouses, 20.01.2025
  46. CNN / ABC17Temu says it’s only shipping from the US, 03.05.2025
  47. CNN / ABC17Online superstore Temu doubles down on Super Bowl, 12.02.2024
  48. WARCBericht über die Werbeausgaben von PDD bei Meta im Jahr 2023
  49. FortuneBericht über Temus Partnerschaftsanzeigen über mutmaßlich gefälschte Konten, 25.09.2026
  50. Arkansas Attorney GeneralAttorney General Griffin sues Chinese e-commerce company Temu, 25.06.2024
  51. Irish TimesBericht über den ersten Jahresabschluss von Whaleco Technology, 06.08.2024
  52. InternetRetailingBericht über den Jahresabschluss 2024 von Whaleco Technology, 15.10.2025
  53. Irish TimesUPS sues company for €37m over alleged failure to pay Temu delivery bills, 09.02.2026
  54. LobbyFactsDatenblatt Temu (EU-Transparenzregister 712202298863-35)
  55. Deutscher BundestagLobbyregister, Suche nach Temu (Abfrage 18.10.2026)
  56. XinhuaSAMR verhängt Strafen gegen sieben Plattformen wegen Geister-Lieferläden, 17.04.2026
  57. Staatliche Marktaufsicht SAMRBekanntmachung zu den Strafen gegen sieben Plattformen, 17.04.2026
  58. EastmoneyBericht zur Strafe gegen Pinduoduo, 18.04.2026
  59. Sixth ToneChina hits top platforms with record fine over fake cake orders, April 2026
  60. Caixin GlobalPDD fires government relations staff after fistfight with regulators, 16.12.2025
  61. Caixin GlobalPDD bets on in-house brands in 100 billion yuan expansion plan, 25.03.2026
  62. 21st Century Business HeraldPinduoduo in Xiong’an: über 5.000 Beschäftigte, 23.09.2026
  63. Temu / PR NewswireTemu honoured with Cross-Border Magazine Award, 14.10.2026
  64. Retail Insight NetworkEU says Temu obstructed foreign subsidies inspection
  65. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2022/2560 über den Binnenmarkt verzerrende drittstaatliche Subventionen
  66. FashionUnitedAmazon startet Schnäppchenportal Haul auch in Deutschland, 04.06.2025
  67. The Next WebShein Hong Kong IPO financials
  68. Europäische KommissionCommission fines AliExpress €550 million for breaching the Digital Services Act, 20.07.2026
  69. TikTok NewsroomTikTok Shop startet in Deutschland, 27.03.2025
  70. BMF / ZollZoll-Jahresbilanz 2025, 12.05.2026
  71. Yahoo FinancePDD Holdings, Kursdaten (Schlusskurs 16.10.2026)
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