Sie bestellen eine handgedrehte Keramiktasse für 30 Euro plus 5 Euro Versand und auf dem Handy der Töpferin am Küchentisch leuchtet die Bestellung auf. Etsy hat in diesem Moment schon kassiert. Vom Handelsvolumen auf seinen Plattformen behielt Etsy 2025 laut Geschäftsbericht 24,2 Prozent als Umsatz, vier Jahre zuvor 17,3 Prozent.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEtsy legt am 28. Oktober die Zahlen für das dritte Quartal vor, zum ersten Mal ohne die Secondhand-Plattform Depop, die seit dem 30. Juli zu eBay gehört.
Für das Quartal kündigt der Konzern ein Handelsvolumen von umgerechnet 2,25 bis 2,30 Milliarden Euro an, also 4 bis 6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und eine Take Rate von rund 26 Prozent, also den Anteil am Handelsvolumen, den Etsy als Umsatz behält.
Anleger greifen schon vorher zu: Vom 30. September bis zum 19. Oktober stieg die Aktie an der New Yorker Börse um 19 Prozent.
Die Pflichtunterlagen für die US-Börsenaufsicht zeigen, woher dieser Optimismus kommt. Etsy verdient seit Jahren mehr an jedem Verkauf, auch in Jahren, in denen auf dem Marktplatz weniger verkauft wurde, und das Geld dafür zahlen fast ausschließlich die Verkäufer.
Das Wichtigste in Kürze
- Etsy setzte 2025 umgerechnet 2,57 Milliarden Euro um, 24 Prozent mehr als 2021, obwohl das Handelsvolumen im Konzern im selben Zeitraum um 12 Prozent sank.
- Der Hebel ist die Take Rate: Von jedem Euro, den Käufer auf dem Marktplatz ausgeben, blieben im zweiten Quartal 2026 knapp 26 Cent bei Etsy, vor allem durch Gebühren und Anzeigen der Verkäufer.
- Ein deutscher Shop zahlt für eine Bestellung über 35 Euro rund 4,16 Euro an Gebühren. Kommt der Käufer über eine Etsy-Anzeige auf fremden Seiten, steigen die Kosten auf 9,41 Euro.
- Etsy hat sich von Depop, Reverb und Elo7 getrennt und kauft massiv eigene Aktien zurück: 692 Millionen Euro allein 2025, dazu ein neues Programm über 1,78 Milliarden Euro, bezahlt auch mit dem Depop-Erlös.
- Etsy hängt an der Google-Suche und an fremden KI-Assistenten, über die Käufer seit 2025 direkt einkaufen können.
Fünf Fragen an den Marktplatz, der an jedem Verkauf mitverdient
1 Wo wurde Etsy im Juni 2005 gegründet? Aufklappen ↓
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2 Welchen Anteil des Handelsvolumens behielt Etsy im zweiten Quartal 2026 als Umsatz? Aufklappen ↓
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3 Wie hoch war die Transaktionsgebühr beim Börsengang 2015? Aufklappen ↓
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4 Wie viel des Handelsvolumens brachten 2025 die Stammkäufer, rund 7 Prozent aller Käufer? Aufklappen ↓
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5 An wen verkaufte Etsy im Juli 2026 die Secondhand-Plattform Depop? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Etsy und wie fing alles an?
Etsy entstand im Juni 2005 in Brooklyn als Marktplatz für Handgemachtes und Bastelbedarf, die Idee stammte von Rob Kalin. Geld kam von Union Square Ventures, Accel und auch aus München. Heute führt Kruti Patel Goyal einen börsennotierten Konzern, der vor allem an Gebühren und Anzeigen verdient.
Im Börsenprospekt von 2015 beschreibt Etsy die eigenen Anfänge als Marktplatz für „handmade goods and craft supplies“, also für Selbstgemachtes und das Material dafür.
Strickerinnen, Töpfer und Schmuckmacher bekamen einen Laden im Netz, ohne selbst einen Onlineshop programmieren zu müssen.
2011 stockte das Wachstum: Laut dem Marktforscher Comscore kam die Seite im Mai 2011 auf rund 7,4 Millionen Besucher im Monat, ungefähr so viele wie im Dezember davor. Im Juli 2011 übergab Kalin den Chefposten an Technikchef Chad Dickerson.
Das Startkapital stammte von Wagniskapitalgebern aus New York und dem Silicon Valley. Fred Wilson von Union Square Ventures saß seit Juni 2007 im Verwaltungsrat, James Breyer von Accel seit Januar 2008. Vor dem Börsengang hielten Gesellschaften der Münchner Acton Capital und der Burda Digital Ventures zusammen 3,9 Prozent der Aktien, ein früher Deutschland-Bezug neben dem damaligen Etsy-Büro in Berlin.
Ein Zertifikat für das gute Gewissen
Im Prospekt von 2015 steht der Satz „We are a Certified B Corporation“, Etsy besaß also das B-Corp-Zertifikat der US-Organisation B Lab für Firmen, die neben dem Gewinn auch Beschäftigte, Umwelt und Gemeinwesen berücksichtigen.
Am 16. April 2015 ging Etsy an die Börse, zum Ausgabepreis von umgerechnet 14,25 Euro je Aktie. Am ersten Handelstag schloss das Papier fast doppelt so hoch.
Im Mai 2017 übernahm Josh Silverman die Führung, noch im selben Jahr gab Etsy das Zertifikat auf. Laut Geschäftsbericht 2017 hätte Etsy sich für den Erhalt des Zertifikats in eine gemeinwohlorientierte Kapitalgesellschaft nach dem Recht des Bundesstaats Delaware umwandeln müssen, und dazu war der Konzern nicht bereit. So band sich Etsy an keine Pflichten jenseits des Gewinns, ein Signal an die Anleger.
Seit dem 1. Januar 2026 führt Kruti Patel Goyal das Unternehmen, zuvor Präsidentin und Chefin der Tochter Depop. Silverman bleibt bis Ende 2026 Vorsitzender des Verwaltungsrats.
Von der ursprünglichen Idee ist das Etikett geblieben, das Sortiment hat sich weit davon entfernt. Rund 30 Prozent des Handelsvolumens entfallen laut Geschäftsbericht 2025 auf Waren, die erst nach der Bestellung angefertigt oder personalisiert werden. Daneben verkaufen Händler Vintage, Bastelbedarf und Dinge, die sie nur entwerfen und von Zulieferern fertigen lassen.
- 2005Gründung in Brooklyn als Marktplatz für Handgemachtes und Bastelbedarf, die Idee stammt von Rob Kalin
- 2011Technikchef Chad Dickerson übernimmt die Führung, das Wachstum stockt
- 2015Börsengang am 16. April zum Ausgabepreis von umgerechnet 14,25 Euro, Transaktionsgebühr 3,5 %
- 2017Josh Silverman wird Chef, Etsy gibt das B-Corp-Zertifikat auf
- 2020Pandemie: Der Umsatz verdoppelt sich auf 1,54 Mrd. €, Masken bringen 662 Mio. € Handelsvolumen
- 2021Kauf von Elo7 und Depop, Depop für umgerechnet rund 1,45 Mrd. €
- 2022Transaktionsgebühr steigt auf 6,5 %, Abschreibung von 931 Mio. € auf Depop und Elo7
- 2026Kruti Patel Goyal wird Chefin, Depop geht an eBay, 220 Stellen fallen weg
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Den größten Sprung brachte die Pandemie: 2020 verdoppelte sich der Umsatz, auch dank selbstgenähter Masken. Mit dem Geld kaufte Etsy 2021 die Plattformen Depop und Elo7, schrieb sie ein Jahr später größtenteils ab und hat inzwischen alle Zukäufe wieder verkauft. Übrig ist der Etsy-Marktplatz, der Konzern setzte 2025 noch mit Depop 2,57 Milliarden Euro um.
Zum Börsengang war Etsy noch ein Nischenanbieter. Ende 2014 verkauften 1,4 Millionen aktive Händler an 19,8 Millionen Käufer, das Handelsvolumen lag bei umgerechnet 1,72 Milliarden Euro im Jahr.
Im Frühjahr 2020 schlossen die Geschäfte, Menschen kauften online, und viele Etsy-Händler nähten Stoffmasken. Allein die Masken brachten laut Geschäftsbericht 2020 ein Handelsvolumen von 662 Millionen Euro. Der Umsatz stieg von 729 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 1,54 Milliarden Euro, also auf mehr als das Doppelte.
Silverman nutzte die volle Kasse für Zukäufe. Im Juli 2021 übernahm Etsy binnen zehn Tagen den brasilianischen Handwerksmarktplatz Elo7 und die Londoner Secondhand-App Depop, bei der vor allem junge Leute gebrauchte Kleidung handeln. Für Depop kündigte Etsy einen Preis an, der zum heutigen Kurs rund 1,45 Milliarden Euro entspricht. Schon seit 2019 gehörte der Musikinstrumenten-Marktplatz Reverb zum Konzern.
| Marke | Gekauft | Verkauft | Ergebnis für Etsy |
|---|---|---|---|
| Reverb (Musikinstrumente, Chicago) | 2019 | Juni 2025, für 93,5 Mio. € | vorher 90,6 Mio. € Abschreibung auf den Firmenwert |
| Elo7 (Handwerk, Brasilien) | Juli 2021 | August 2023, an Enjoei | 131 Mio. € Abschreibung 2022, weitere 61 Mio. € 2023 |
| Depop (Secondhand-Mode, London) | Juli 2021, angekündigt für umgerechnet 1,45 Mrd. € | Juli 2026, an eBay für rund 1,25 Mrd. € | 800 Mio. € Abschreibung 2022, erwarteter Veräußerungsgewinn rund 748 Mio. € |
Im dritten Quartal 2022 schrieb Etsy den gesamten Firmenwert von Depop und Elo7 ab, zusammen 931 Millionen Euro. Das Jahr endete mit einem Nettoverlust von 619 Millionen Euro.
Seit 2023 baut Etsy zurück, am 30. Juli 2026 ging Depop an eBay, für rund 1,25 Milliarden Euro einschließlich Zinsen und Preisanpassungen.
Depop hatte 2025 laut der Verkaufsmitteilung 7 Millionen aktive Käufer, fast 90 Prozent davon jünger als 34 Jahre. Etsy hat für Depop zwar weniger bekommen, als der Konzern 2021 bezahlt hatte. Weil der Firmenwert aber längst abgeschrieben ist, rechnet Etsy für das dritte Quartal 2026 mit einem Buchgewinn von rund 748 Millionen Euro. Dieser Betrag wird das Quartalsergebnis vom 28. Oktober aufblähen, mit dem laufenden Geschäft hat er nichts zu tun.
Ein Marktplatz statt vier
2025 setzte der Konzern umgerechnet 2,57 Milliarden Euro um, das Handelsvolumen aller Marken lag bei 10,62 Milliarden Euro, davon 9,32 Milliarden Euro auf dem Etsy-Marktplatz.
Rund ein Viertel des Handelsvolumens stammt von Käufern außerhalb der USA. Ende 2025 arbeiteten 2.375 Menschen für Etsy, davon rund 475 bei Depop. Nach dem Stellenabbau vom August soll die Belegschaft laut Etsy auf etwa 1.600 schrumpfen.
An der Börse ist Etsy beim Schlusskurs vom 19. Oktober rund 6,97 Milliarden Euro wert. Am 24. November 2021 hatte die Aktie bei umgerechnet 264,51 Euro geschlossen, heute kostet sie 75,96 Euro, ein Minus von 71 Prozent gegenüber dem Rekord.
- Pandemie: Der Umsatz verdoppelte sich 2020 auf 1,54 Milliarden Euro.
- Zukäufe: Depop, Elo7 und Reverb brachten Abschreibungen von mehr als einer Milliarde Euro.
- Rückzug: Seit dem Verkauf von Depop im Juli 2026 betreibt Etsy nur noch einen Marktplatz.
Wie verdient Etsy tatsächlich sein Geld?

Etsy verdient fast ausschließlich an den Verkäufern: an Pflichtgebühren für jeden Verkauf und an freiwilligen Zusatzdiensten, vor allem Anzeigen. Weil Etsy die Sätze erhöht und die Werbung ausgebaut hat, wächst der Umsatz schneller als das Handelsvolumen. Käufer zahlen in der Regel nur Warenpreis und Versand.
Pflichtgebühren und Zusatzdienste
Die Marktplatzerlöse sind Pflichtgebühren, die jeder Shop zahlt: die Transaktionsgebühr von 6,5 Prozent auf Warenpreis und Versand, die Gebühr für die Zahlungsabwicklung und umgerechnet 18 Cent Einstellgebühr je Angebot. Zu den Pflichtgebühren rechnet Etsy auch die Gebühr für Offsite Ads, also für Anzeigen, die Etsy auf fremden Seiten wie Google schaltet. 2025 kamen so umgerechnet 1,79 Milliarden Euro zusammen, 69,6 Prozent des Umsatzes.
Der zweite Block sind Zusatzdienste, die Händler freiwillig buchen, vor allem Etsy Ads, die bezahlten Platzierungen in der Etsy-Suche, und Versandetiketten.
2025 brachten diese Dienste 780,7 Millionen Euro, 30,4 Prozent des Umsatzes. Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Gebühren veröffentlicht Etsy nicht.
Im zweiten Quartal 2026 wuchsen auf dem Etsy-Marktplatz beide Blöcke gegenüber dem Vorjahresquartal: die Pflichtgebühren um 8,4 Prozent auf 406,3 Millionen Euro, die Zusatzdienste um 11,2 Prozent auf 189,1 Millionen Euro. Der gesamte Umsatz lag bei 595,4 Millionen Euro, das Handelsvolumen bei 2,30 Milliarden Euro.
Das Verhältnis dieser beiden Größen heißt Take Rate: der Anteil am Handelsvolumen, den Etsy als Umsatz behält. Im zweiten Quartal lag die Take Rate bei 25,9 Prozent, 1,3 Prozentpunkte über dem Vorjahresquartal, knapp 0,8 Punkte davon durch den Wegfall von Reverb. Den übrigen Anstieg erklärt Etsy im Aktionärsbrief vor allem mit Etsy Ads.
Rund die Hälfte des Umsatzes erzielt Etsy mit Händlern aus den USA, 2025 nach der Rechnungsadresse der Verkäufer 1,31 Milliarden Euro.
Händler aus Großbritannien brachten 264 Millionen Euro, alle übrigen Länder zusammen 999 Millionen Euro. Deutschland weist Etsy nicht gesondert aus.
Was am Rand des Abschlusses steht
2025 stiegen die Werbeerlöse laut Geschäftsbericht um 55,4 Millionen Euro, „largely driven by an increase in average price per click on Etsy Ads“. Händler zahlten also vor allem mehr je Klick, weil sie in einer Auktion um dieselben Plätze in den Suchergebnissen bieten. Neu ist das Modell nicht: Schon Ende 2014 nutzten laut Börsenprospekt 18,2 Prozent der aktiven Verkäufer die damaligen bezahlten Platzierungen.
Eine zweite Einnahmequelle führte Etsy 2024 ein: eine einmalige Einrichtungsgebühr für jeden neuen Shop. Allein diese Gebühr brachte 2025 zusätzliche 16,4 Millionen Euro Umsatz. Nach ihrer Einführung sank die Zahl der aktiven Verkäufer von 7,0 Millionen Ende 2023 auf 5,6 Millionen Ende 2024, was Etsy selbst mit der neuen Einrichtungsgebühr erklärt.
Bei den Versandetiketten verbucht Etsy nur die Marge als Umsatz, also die Differenz zwischen dem, was Händler zahlen, und dem, was Etsy beim Paketdienst einkauft.
Daten als Rohstoff der Suche
Das wertvollste Gut taucht in keiner Bilanzzeile auf: das Wissen über die Käufer. Laut Aktionärsbrief zum zweiten Quartal führt Etsy inzwischen Käuferprofile für mehr als 65 Millionen Menschen, mit durchschnittlich rund 30 Interessen und Vorlieben je Profil, dreimal so viele erfasste Merkmale wie zu Jahresbeginn.
Aus diesen Profilen speist Etsy die Startseite der App, Push-Nachrichten, E-Mails und zunehmend die Suche. Über die App laufen inzwischen rund 47 Prozent des Handelsvolumens.
Dieselben Daten entscheiden darüber, welcher Händler sichtbar wird, denn welches Angebot ein Käufer sieht, berechnen die lernenden Algorithmen von Etsy.
Etsy Ads und Offsite Ads werden nach Klicks oder nach zugeordneten Verkäufen abgerechnet. Über bezahlte Werbung kamen 2025 laut Geschäftsbericht 24 Prozent des Handelsvolumens zustande, 2024 noch 21 Prozent, im zweiten Quartal 2026 schon 25 Prozent.
Wo die Marge entsteht
Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Kosten für Cloud-Server, Zahlungsabwicklung, Erstattungen und Kundendienst bleibt, lag 2025 bei 71,6 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 72,4 Prozent. Für einen Händler, der Ware einkauft oder herstellt, wäre das ein Traumwert. Der größte Kostenblock ist nicht die Technik, sondern das Marketing.
2025 gab Etsy 815 Millionen Euro für Werbung aus, 31,7 Prozent des Umsatzes, vor allem für Produktanzeigen bei Google, für Fernsehwerbung und Werbung in sozialen Netzwerken.
Im zweiten Quartal 2026 sank der Anteil auf 28,6 Prozent. Vom zusätzlichen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal floss laut Aktionärsbrief fast die Hälfte direkt ins bereinigte EBITDA, das mit 174,0 Millionen Euro eine Marge von 29,2 Prozent erreichte. Das operative Ergebnis lag bei 111,6 Millionen Euro, 18,7 Prozent des Umsatzes.
Wer wen mitfinanziert
Eine Sparte, die bewusst Verluste macht, hat Etsy seit dem Depop-Verkauf nicht mehr.
Bis zuletzt finanzierte der Etsy-Marktplatz die Tochter mit: Im zweiten Quartal 2026 verlor Depop 143 Millionen Euro bei Marketingausgaben von 152 Millionen Euro. Diese Ausgaben bekam Etsy laut Aktionärsbrief über Anpassungen des Kaufpreises von eBay zurück.
Die eigentliche Quersubventionierung läuft zwischen den Händlern. Etsy finanziert Produktanzeigen bei Google mit dem Geld aller Shops und kassiert über Offsite Ads 12 oder 15 Prozent vom Verkauf, sobald ein Käufer über eine solche Anzeige kommt. Shops mit mehr als umgerechnet 8.909 Euro Jahresumsatz können sich seit 2020 nicht davon abmelden. Die erfolgreichsten Händler zahlen damit für die Reichweite, von der der ganze Marktplatz lebt.
Größe, die Käufer anzieht
Mit 5,7 Millionen aktiven Verkäufern, 87 Millionen aktiven Käufern und mehr als 100 Millionen Angeboten bietet Etsy, was einzelne Shops allein kaum erreichen: Auswahl. Mehr Angebote ziehen mehr Käufer an, mehr Käufer locken neue Händler, ein klassischer Netzwerkeffekt.
Den Kern des Geschäfts bilden Stammkäufer. Etsy zählt dazu Käufer, die an mindestens sechs Tagen im Jahr bestellen und mindestens umgerechnet 178 Euro ausgeben. Diese Gruppe machte 2025 rund 7 Prozent der Käufer aus und brachte rund 40 Prozent des Handelsvolumens.
Rund die Hälfte aller Käufer bestellte 2025 dagegen nur einmal im Jahr.
Was sich seit 2021 verschoben hat
Beim Börsengang verlangte Etsy 3,5 Prozent Transaktionsgebühr, Versandkosten ausgenommen. Bei umgerechnet 1,72 Milliarden Euro Handelsvolumen setzte Etsy 2014 laut Prospekt 174 Millionen Euro um, eine Take Rate von gut 10 Prozent nach unserer Rechnung. Die Einstellgebühr von umgerechnet 18 Cent ist seitdem gleich geblieben, die Transaktionsgebühr dagegen stieg zunächst auf 5 Prozent und am 11. April 2022 auf 6,5 Prozent, Versand eingeschlossen.
Die Take Rate des Konzerns kletterte so von 17,3 Prozent im Jahr 2021 auf 24,2 Prozent im Jahr 2025, während das Handelsvolumen im Konzern im selben Zeitraum von 12,02 auf 10,62 Milliarden Euro sank. Auf dem Etsy-Marktplatz allein fiel das Handelsvolumen von 10,87 auf 9,32 Milliarden Euro, ein Minus von 14 Prozent in vier Jahren. Der Anteil der Zusatzdienste am Umsatz stieg von 25 auf 30 Prozent. Etsy verdient heute mehr an weniger Umsätzen seiner Händler, und genau das halten wir für den Kern des Modells.
Seit Herbst 2025 lassen sich Etsy-Angebote in den USA über KI-Assistenten kaufen: zuerst über ChatGPT, seit Anfang 2026 auch über Googles KI-Suche und Microsofts Copilot.
- Gebühren: Die Transaktionsgebühr stieg seit dem Börsengang von 3,5 auf 6,5 Prozent, Versand eingeschlossen.
- Anzeigen: Händler bieten per Klick um Sichtbarkeit, ein Viertel des Handelsvolumens läuft über bezahlte Werbung.
- Datenvorsprung: Profile von mehr als 65 Millionen Käufern steuern, welcher Shop sichtbar wird.
Wie groß ist die Marktmacht von Etsy?

Im Onlinehandel insgesamt ist Etsy ein Zwerg, Amazon setzt in den USA rund fünfzigmal so viel über fremde Händler um. Im eigenen Revier aus Handgemachtem, Vintage und personalisierten Geschenken hat Etsy aber keinen gleich großen Gegner. Die Macht über die eigenen Händler ist größer als die Macht im Markt.
Laut Geschäftsbericht 2025 liegt der Online-Markt für die Warengruppen des Marktplatzes in den Kernländern bei umgerechnet rund 535 Milliarden Euro, Etsy erreiche davon etwa 2 Prozent. Immerhin kaufte 2025 rund jeder sechste Erwachsene in den USA und in Großbritannien mindestens einmal bei Etsy, unter Frauen rund 30 Prozent.
Der US-Branchendienst Marketplace Pulse hat im März 2026 die größten Marktplätze der USA nach dem Handelsvolumen von 2025 sortiert. Amazon kam mit fremden Händlern auf rund 267 Milliarden Euro, Temu auf geschätzt 19,6 Milliarden Euro, TikTok Shop und Walmart auf je 13,4 Milliarden Euro. Etsy liegt nach dieser Schätzung mit 5,3 Milliarden Euro gleichauf mit dem Marktplatz von Shein und der Live-Shopping-App Whatnot.
In der Auswertung des Suchmaschinen-Analysten Sistrix vom Oktober 2026 zum anstehenden Weihnachtsgeschäft liegt etsy.com in Deutschland bei Suchanfragen mit Kaufabsicht auf Platz vier, hinter amazon.de, Pinterest und otto.de und vor idealo und ebay.de.
Im Online-Monitor 2026 des Handelsverbands HDE taucht Etsy dagegen nicht auf. Marktplätze erzielten dort 56,7 Prozent der deutschen Online-Umsätze, Temu und Shein zusammen 5 Prozent. Länderzahlen zum eigenen Geschäft veröffentlicht Etsy nicht.
Wie fest Etsy die Händler hält
Die eigentliche Macht von Etsy liegt in der Bindung der Verkäufer. Sterne, Bewertungen und das Abzeichen „Star Seller“ gelten nur auf Etsy, ein Shop beginnt auf jedem anderen Marktplatz wieder bei null. Laut Verkäuferbefragung im Geschäftsbericht verkauft etwa die Hälfte der Händler ausschließlich über Etsy. Für viele Händler ist ein Wechsel deshalb teuer, für Käufer kostet er einen Klick. Käufer zahlen keine Mitgliedsgebühr und finden dieselbe Keramiktasse oft auch bei Amazon Handmade, eBay oder im eigenen Shop der Töpferin.
Zum Höhepunkt der Pandemie meldeten sich laut einer Analyse von Marketplace Pulse vom März 2025 mehr als 300.000 neue Verkäufer im Monat bei Etsy an, 2024 weniger als 20.000. Die Zahl der aktiven Verkäufer schrumpfte von Ende 2023 bis Ende 2024 von 7,0 auf 5,6 Millionen und lag zur Jahresmitte 2026 wieder bei 5,7 Millionen.
Ein Kartellverfahren gegen Etsy haben wir weder bei der EU-Kommission noch bei den US-Behörden gefunden. Für eine marktbeherrschende Stellung ist der Marktplatz zu klein.
Wer ist bei Etsy eigentlich das Produkt?

Bei Etsy zahlen die Verkäufer, die Käufer zahlen nur ihre Ware. Was Etsy verkauft, ist die Aufmerksamkeit der Käufer: Händler ersteigern sie Klick für Klick über Etsy Ads und bezahlen über Offsite Ads einen Anteil am Verkauf. Der Leser begegnet Etsy meist als Käufer, das Geschäft macht Etsy mit der Gegenseite.
Laut der Verkäuferbefragung im Geschäftsbericht 2025, erhoben vom Institut Ipsos, sind 89 Prozent der Etsy-Shops Ein-Personen-Betriebe, 80 Prozent der Verkäufer Frauen, 97 Prozent arbeiten von zu Hause aus. Nur 29 Prozent leben ausschließlich von ihrem kreativen Geschäft, auf Etsy und anderswo.
Diese Kundschaft hat keine Rechtsabteilung und keine Verhandlungsmacht. Von Gebührenänderungen erfahren die Händler per E-Mail und Hilfeseite, danach bleibt ihnen die Wahl zwischen Zahlen und Aufhören.
Jede Suche, jeder Klick auf ein Herz-Symbol und jeder Kauf fließt in die Käuferprofile, nach denen der Marktplatz Angebote sortiert. Aus diesem Wissen entsteht das Produkt, das Etsy den Händlern anbietet: der Platz oben in den Suchergebnissen, an dem ein bestimmter Käufer genau dieses Angebot sieht.
Handgemacht als Versprechen
Im Aktionärsbrief zum zweiten Quartal 2026 nennt Konzernchefin Patel Goyal Handarbeit einen Unterschied zur Konkurrenz, den Etsy stärker betonen will.
Wir halten das Etikett „handgemacht“ für ein besonders wertvolles Kapital des Konzerns, weil Käufer dabei an Etsy denken und nicht an Temu.
Seit Juli 2024 gelten die sogenannten Creativity Standards mit vier Kennzeichnungen: selbst gemacht, selbst entworfen, von Hand ausgewählt und zugekauft. Unter „selbst entworfen“ dürfen Händler laut einem Bericht des US-Fachdiensts Modern Retail auch Motive anbieten, die eine KI nach ihren Vorgaben erzeugt hat, die Fertigung darf ein Produktionspartner übernehmen.
Der Käufer der Keramiktasse zahlt also für eine Geschichte, die bei den meisten Shops laut Verkäuferbefragung auch zutrifft: die Töpferin am Küchentisch. Eine Garantie dafür gibt Etsy nicht, verdient an der Bestellung aber in jedem Fall, gleich wer die Tasse gedreht hat.
Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Für eine Bestellung über 35 Euro zahlt ein deutscher Shop rund 4,16 Euro Pflichtgebühren, knapp 12 Prozent. Kommt der Käufer über eine Etsy-Anzeige auf einer fremden Seite, steigen die Gebühren auf 9,41 Euro oder 26,9 Prozent. Die Kosten tragen die Händler, über höhere Preise am Ende teilweise auch die Käufer.
Die Keramiktasse vom Anfang kostet 30 Euro, dazu kommen 5 Euro Versand. Die Gebührenrichtlinie und die Zahlungsrichtlinie von Etsy, Stand Oktober 2026, ergeben für einen Shop mit Bankkonto in Deutschland folgende Rechnung:
| Posten | Satz | Betrag bei 35 Euro Bestellwert |
|---|---|---|
| Einstellgebühr | 0,18 € je Angebot für vier Monate | 0,18 € |
| Transaktionsgebühr | 6,5 % auf Warenpreis und Versand | 2,28 € |
| Zahlungsabwicklung (Deutschland) | 4 % plus 0,30 € je Bestellung | 1,70 € |
| Pflichtgebühren zusammen | 11,9 % des Bestellwerts | 4,16 € |
| Offsite Ads, falls der Käufer über eine Anzeige kommt | 15 %, ab 8.909 € Jahresumsatz 12 % | 5,25 € oder 4,20 € |
| Gebühren mit Offsite Ads | 26,9 % oder 23,9 % | 9,41 € oder 8,36 € |
| Bleibt der Töpferin vor Material, Arbeitszeit und Porto | 30,84 € ohne Anzeige, 25,59 € oder 26,64 € mit Offsite Ads |
Alle Beträge verstehen sich ohne Umsatzsteuer. Etsy Ads kommen hinzu, das Tagesbudget legen die Händler selbst fest.
Führt ein Shop seine Preise in einer anderen Währung als in der seines Bankkontos, berechnet Etsy zusätzlich 2,5 Prozent für die Umrechnung. Händler in den USA zahlen für die Zahlungsabwicklung 3 Prozent plus umgerechnet 22 Cent, deutsche Shops also einen Prozentpunkt und 8 Cent mehr. Neue Shops zahlen außerdem eine einmalige Einrichtungsgebühr, deren Höhe Etsy je nach Land festlegt. Einen Betrag für Deutschland haben wir in den öffentlichen Gebührenrichtlinien nicht gefunden.
Etsy verkauft zudem Zusatzabos: Etsy Plus kostet umgerechnet 8,91 Euro im Monat, eine eigene Shop-Website mit dem Dienst Pattern 13,36 Euro.
Warum steigende Preise Etsy freuen
Fast alle Gebühren sind Prozentsätze. Steigt der Preis der Tasse, steigt der Betrag für Etsy automatisch mit, ohne dass Etsy etwas tun muss.
Laut Aktionärsbrief war der durchschnittliche Bestellwert im zweiten Quartal 2026 der größte Treiber des Wachstums, vor allem weil die Händler ihre Angebote teurer auszeichneten.
Seit dem Börsengang hat Etsy die Transaktionsgebühr fast verdoppelt, den Versand in die Berechnung aufgenommen, Offsite Ads für größere Shops zur Pflicht gemacht und eine Einrichtungsgebühr eingeführt. Bei den Pflichtgebühren ging die Richtung seit 2015 nur nach oben.
Ob ein Händler die Gebühren weitergeben kann, hängt von seiner Kundschaft ab. Eine Töpferin mit Stammkunden kann einen Teil über höhere Preise weitergeben, eine Händlerin mit austauschbarer Ware schluckt die Gebühren selbst, weil Käufer sonst bei Amazon oder Temu bestellen. Steuerzahler tragen bei Etsy keine direkten Kosten, das Modell lebt von Gebühren und Werbegeld der Händler.
Von 35 Euro Bestellwert gehen ohne Werbung 4,16 Euro an Etsy, mit Offsite Ads bis zu 9,41 Euro. Jede Preiserhöhung der Händler steigert die Einnahmen von Etsy gleich mit.
Wer profitiert von Etsy und wer zahlt drauf?

Gewinner sind die Aktionäre, denen Etsy mehr Geld über Aktienrückkäufe zurückgibt, als das Geschäft an freiem Cashflow abwirft, dazu Google und andere Werbeplattformen. Drauf zahlen die Händler mit steigenden Gebühren und die Beschäftigten, von denen 2026 jeder achte gehen muss.
2025 erwirtschaftete Etsy einen freien Cashflow von umgerechnet 569 Millionen Euro und gab 692 Millionen Euro für eigene Aktien aus. Die Zahl der umlaufenden Aktien sank allein zwischen Februar und Juli 2026 von 96,2 auf 91,8 Millionen. Mit weniger Aktien steigt der Gewinn je Aktie, auch wenn der Gewinn selbst nicht wächst.
Am 3. August genehmigte der Prüfungsausschuss Rückkäufe über weitere 1,78 Milliarden Euro. Bezahlen will Etsy die Rückkäufe laut Aktionärsbrief auch mit dem Erlös aus dem Depop-Verkauf.
Ende Juni 2026 wies Etsy ein negatives Eigenkapital von 1,24 Milliarden Euro aus, die Schulden aus Wandelanleihen lagen bei 2,67 Milliarden Euro. Die Aktionäre profitieren über den Gewinn je Aktie, das finanzielle Polster des Konzerns wird dafür dünner.
Zweiter Gewinner sind die Werbeplattformen: 2025 flossen 815 Millionen Euro in Marketing, ein großer Teil davon als Produktanzeigen in die Google-Suche.
| Gruppe | Gewinnt oder verliert | Beleg |
|---|---|---|
| Aktionäre | gewinnt: 692 Mio. € Rückkäufe 2025, neues Programm über 1,78 Mrd. € | Geschäftsbericht 2025, Mitteilung an die US-Börsenaufsicht vom August 2026 |
| Google und andere Werbeplattformen | gewinnt: 815 Mio. € Marketingbudget 2025 | Geschäftsbericht 2025 |
| eBay | gewinnt: Depop mit 7 Mio. aktiven Käufern, fast 90 % unter 34 Jahren | Verkaufsmitteilung Februar 2026 |
| Zahlungsdienstleister Payoneer | gewinnt: Vertrag für Auszahlungen in 16 Märkten bis 2029 verlängert | Payoneer, 30.09.2026 |
| Händler | verliert: Transaktionsgebühr seit 2015 von 3,5 auf 6,5 %, Offsite Ads ab 8.909 € Umsatz Pflicht | Börsenprospekt 2015, Gebührenrichtlinie 2026 |
| Beschäftigte | verliert: rund 220 Stellen weniger, etwa 12 % der Belegschaft | Mitteilung an die US-Börsenaufsicht vom 5. August 2026 |
| Käufer | gemischt: große Auswahl, aber höhere Preise und mehr bezahlte Platzierungen | Aktionärsbrief Q2 2026 |
Die Händler im Ökosystem
Am 11. April 2022 traten nach einem Bericht von TechCrunch mehr als 14.000 Händler in einen einwöchigen Streik, weil die Transaktionsgebühr am selben Tag von 5 auf 6,5 Prozent stieg.
Eine Petition gegen die Erhöhung sammelte mehr als 48.000 Unterschriften, die Gebühr blieb trotzdem.
Im Sommer 2023 berichtete das Modeportal FashionUnited, Etsy halte bei manchen Händlern 75 Prozent der Einnahmen für 45 Tage als Rücklage zurück. Für Ein-Personen-Betriebe, die Material vorfinanzieren, ist eine solche Rücklage ein Liquiditätsproblem.
Wir sehen im Modell eine Abhängigkeitsfalle: Je erfolgreicher ein Shop wird, desto teurer wird er für den Händler. Ab umgerechnet 8.909 Euro Jahresumsatz kann er sich nicht mehr von den Offsite Ads abmelden, und weil Bewertungen und Verkaufshistorie nicht auf andere Marktplätze umziehen, bleibt der Wechsel riskant.
Die Beschäftigten trifft der Umbau vom August: Rund 220 Menschen verlieren ihre Stelle, vor allem in Produktentwicklung und Technik.
Konzernchefin Patel Goyal schrieb der Belegschaft, Kostensenkung sei nicht das Ziel gewesen. Finanzchef Baker hat die Ersparnis im Aktionärsbrief trotzdem schon in die angehobene Prognose für die bereinigte EBITDA-Marge von 29 bis 30 Prozent eingerechnet.
Etsy kassiert von seinen Verkäufern immer mehr Gebühren und steckt das Geld in eigene Aktien: 692 Millionen Euro allein 2025.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie politisch ist Etsy?

Etsy betreibt Lobbyarbeit vor allem in Washington, mit knapp 900.000 Euro im Jahr 2025, und seit 2024 auch in Berlin. Die Themen sind Zölle auf Kleinsendungen, Steuermeldungen für Händler und die Haftung von Marktplätzen. Mit dem Rückzug aus einem Markt hat Etsy nach unserer Recherche nie gedroht.
In den USA meldet Etsy seine Lobbyausgaben dem Kongress, nach den von der Datenplattform Quiver Quantitative ausgewerteten Meldungen summierten sich die vier Quartale 2025 auf umgerechnet rund 880.000 Euro. 2018 und 2019 lagen die Ausgaben noch bei rund 35.000 Euro je Quartal, seit 2022 meist zwischen 180.000 und 230.000 Euro je Quartal.
Zu den gemeldeten Themen zählen die frühere Zollfreigrenze für Kleinsendungen, die Meldeschwellen für Händlerumsätze an die US-Steuerbehörde, die Haftung von Plattformen für Inhalte ihrer Nutzer, der Schutz von Kindern im Netz und Regeln gegen Fälschungen. Fast alle diese Themen entscheiden darüber, welche Pflichten und Kosten ein Marktplatz für seine Händler übernehmen muss.
Zum 29. August 2025 schaffte die US-Regierung die Zollfreigrenze für Sendungen aus allen Ländern ab, und nach einem Bericht von Fortune fiel die Etsy-Aktie am 25. August um 8,4 Prozent.
Für Händler aus Deutschland oder Großbritannien wurde der Versand an Kunden in den USA damit teurer und komplizierter.
Ein Büro in Dublin, ein Eintrag in Berlin
Im Lobbyregister des Bundestags steht Etsy seit dem 14. November 2024, eingetragen über die Etsy Ireland UC mit Sitz in Dublin. Für 2025 gibt der Konzern Ausgaben von 60.001 bis 70.000 Euro an, für ein Zehntel einer Vollzeitstelle. Etsy ist Mitglied im Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh).
Als einziges Regelungsvorhaben nennt der Eintrag die Zollreform der EU. In einer Stellungnahme an das Bundesfinanzministerium vom September 2024 forderte Etsy, Kleinstunternehmen keine neuen Belastungen aufzubürden.
Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Sendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten trotzdem 3 Euro Zoll je Warenposition.
Etsy reagierte mit Logistik statt mit Drohungen und bot nach einem Bericht von Retail Gazette als erster Marktplatz britischen Händlern die verzollte Zustellung über die Royal Mail in die EU an.
Wo Etsy Steuern zahlt
Vertragspartner für Kunden und Händler außerhalb Amerikas ist die irische Tochter in Dublin, die Zahlungen in Europa wickelt die Etsy Payments Ireland Limited ab. Laut Geschäftsbericht senkten die niedrigeren irischen Steuersätze die Steuerquote des Konzerns 2025 um 6,1 Prozentpunkte. Die neue globale Mindeststeuer holte davon 1,9 Prozentpunkte zurück.
Insgesamt lag die Steuerquote 2025 bei 33,9 Prozent, nach 26,2 Prozent im Jahr davor. Der Anstieg geht vor allem auf die Abschreibung auf Reverb zurück, die steuerlich nicht absetzbar war, und auf Wertberichtigungen auf aktive latente Steuern.
Regeln, die Etsy nur am Rand treffen
Etsy sieht sich deutlich unter der Schwelle von 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern und gilt deshalb nicht als sehr große Online-Plattform nach dem europäischen Digital Services Act.
Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt klagte die Wettbewerbszentrale gegen Etsy, weil Händlerangaben gefehlt hätten. Im Mai 2025 zog der Verband die Klage in der Verhandlung zurück, ein Urteil fiel nicht.
Das eigene Ansehen pflegt Etsy mit Spenden für das Handwerk. Im zweiten Quartal 2026 kündigte der Konzern an, umgerechnet 8,9 Millionen Euro in Handwerksinitiativen in den USA zu stecken. Für Aktienrückkäufe gab Etsy im selben Quartal das 25-Fache aus.
- Washington: Rund 880.000 Euro Lobbyausgaben 2025, Schwerpunkt Zölle und Plattformhaftung.
- Berlin: Eintrag im Lobbyregister seit 2024, 60.001 bis 70.000 Euro im Jahr.
- Dublin: Die irische Tochter senkt die Steuerquote, die Mindeststeuer holt einen Teil zurück.
Was könnte Etsy zu Fall bringen?

Die größte Gefahr ist der Zugang zu den Käufern. Etsy holt viele Besucher über Google, und KI-Assistenten verlagern den Einkauf auf fremde Plattformen. Hinzu kommen billige Konkurrenten wie Temu, eine Käuferzahl, die seit 2023 nicht mehr wächst, und Händler, deren Geduld mit den Gebühren endlich ist.
Im Geschäftsbericht 2025 schreibt Etsy selbst, ein bedeutender Teil der Besuche komme über Suchmaschinen wie Google, deren Algorithmen sich häufig ändern. Eine Änderung bei Google kann die Besucherzahl von Etsy über Nacht senken, ohne dass Etsy etwas falsch gemacht hat. Für Marketing gibt der Konzern fast ein Drittel des Umsatzes aus.
Kauft ein Kunde eine Etsy-Tasse direkt in Googles KI-Suche oder bei einem anderen KI-Assistenten, sieht er keine Suchergebnisse von Etsy und keine bezahlten Platzierungen. Genau dort verdient Etsy aber an Etsy Ads.
Im Geschäftsbericht nennt der Konzern solche KI-Einkaufsassistenten ausdrücklich als Konkurrenz um Käufer und Verkäufer.
Eine Gegenposition vertritt die Investmentbank Oppenheimer. Ihre Analysten stuften die Aktie am 15. September 2026 auf „Outperform“ hoch, erwarten also eine bessere Entwicklung als die des Gesamtmarkts. Nach einer Umfrage der Bank unter 2.500 US-Verbrauchern werde Etsy möglicherweise weniger abhängig von der Google-Suche.
Weniger Käufer, die mehr ausgeben
Die Zahl der aktiven Käufer sank von 92,0 Millionen im Jahr 2023 auf 87,0 Millionen zur Jahresmitte 2026.
Die Gruppe der Stammkäufer schrumpfte 2025 um 9 Prozent. Das Handelsvolumen wächst trotzdem wieder, weil die verbliebenen Käufer mehr ausgeben, im Schnitt umgerechnet 110 Euro im Jahr, 2,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Marketplace Pulse nannte im Mai 2026 das Handelsvolumen der großen Marktplätze einen unzuverlässig gewordenen Gradmesser, „inflated by price“, also durch höhere Preise aufgebläht. Als Beispiel nannte der Dienst Etsy: Das Handelsvolumen stieg im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,5 Prozent, die Zahl der aktiven Käufer lag unter dem Vorjahr. Für uns liegt hier der wunde Punkt des Modells: Ein Marktplatz, der kaum neue Käufer gewinnt, kann seine Händler nur begrenzt lange mit höheren Gebühren belasten.
Temu, Shein und TikTok Shop verkaufen Deko, Schmuck und Geschenke zu Preisen, mit denen kaum ein Ein-Personen-Betrieb mithalten kann. Nach unserer Einschätzung verliert Etsy deshalb bei austauschbarer Ware Käufer, bei Personalisiertem und Vintage kaum.
Schulden und Zölle
Etsy hat Wandelanleihen über 2,67 Milliarden Euro ausstehen, von denen laut Bilanz vom 30. Juni 579 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig waren. Die älteren Tranchen kosten nur 0,125 bis 0,25 Prozent im Jahr. Bei einer Refinanzierung zu heutigen Zinsen würde der Schuldendienst spürbar teurer, die jüngste Anleihe von 2025 verzinst sich schon mit 1 Prozent.
Handelspolitik bleibt ein Risiko für den internationalen Teil des Geschäfts. Seit dem Ende der US-Zollfreigrenze und dem EU-Zoll auf Kleinsendungen kostet jeder Versand in die USA und jede Sendung aus Drittstaaten in die EU mehr Papierarbeit und Geld.
Als schwarzen Schwan sehen wir einen Vertrauensbruch: einen großen Skandal um gefälschte Handarbeit oder um von KI erzeugte Massenware, der das Etikett „handgemacht“ entwertet.
Drei Szenarien bis 2031
- Optimistisch: KI-Assistenten bringen Etsy neue, junge Käufer, das Handelsvolumen wächst jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich, die Take Rate steigt auf über 27 Prozent.
- Realistisch: Etsy wächst etwa im Tempo der Inflation, erhöht die Gebühren in kleinen Schritten und gibt den Großteil des Cashflows über Rückkäufe an die Aktionäre zurück.
- Pessimistisch: Käufer bestellen über KI-Assistenten, ohne die Anzeigen von Etsy zu sehen, Händler wandern in eigene Shops ab, das Handelsvolumen sinkt und die Refinanzierung der Anleihen wird teuer.
Was bedeutet Etsy für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Kleinunternehmer ist Etsy seit dem Aus von DaWanda 2018 die naheliegende Adresse für Handgemachtes. Der Zugang zu Millionen Käufern kostet aber jedes Jahr ein wenig mehr. Verbraucher zahlen keine Gebühr, tragen die steigenden Händlerkosten aber über die Preise mit.
Deutschland zählt Etsy im Geschäftsbericht zu seinen sechs Kernländern, neben den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Australien.
Wie viele Händler und Käufer aus Deutschland kommen, weist der Konzern nicht aus. Rund drei Viertel des Handelsvolumens stammen von Käufern aus den USA.
Seinen Platz im deutschen Markt verdankt Etsy auch dem Rückzug eines Konkurrenten. Der Berliner Marktplatz DaWanda schloss laut Händlerbund zum 30. August 2018 und empfahl seinen Händlern den Wechsel zu Etsy. Etsy übernahm nach damaligen Berichten weder Vermögen noch Mitarbeiter von DaWanda, profitierte aber von der Empfehlung an die Händler.
Steigt die Take Rate am 28. Oktober über die angekündigten rund 26 Prozent, zahlen die Händler mehr für Anzeigen oder Zusatzdienste.
Was deutsche Händler wissen sollten
Ein deutscher Shop zahlt laut der Beispielrechnung oben rund 11,9 Prozent des Bestellwerts an Pflichtgebühren, mit Offsite Ads bis zu 26,9 Prozent. Hinzu kommen Steuerpflichten: Nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz melden Marktplätze wie Etsy ihre Händler an das Bundeszentralamt für Steuern. Ausgenommen sind nach Paragraf 4 des Gesetzes nur Verkäufer mit weniger als 30 Verkäufen und weniger als 2.000 Euro Umsatz im Jahr.
Gegen Etsy als Konkurrenz kommt ein deutscher Mittelständler mit Handwerkswaren kaum an, als Vertriebsweg ist der Marktplatz aber schwer zu ersetzen. Etsy liefert die Käufer, die ein eigener Onlineshop erst mit teurer Werbung gewinnen müsste.
Viele Händler fahren deshalb zweigleisig: Etsy für die Reichweite, ein eigener Shop für die Stammkunden. Nach der Verkäuferbefragung im Geschäftsbericht verkauft etwa die Hälfte der Etsy-Händler auch über andere Kanäle. Bei Shopsystemen wie Shopify zahlen Händler vor allem eine feste Monatsgebühr, die Käufer müssen die Händler dort aber selbst gewinnen.
Was Verbraucher beachten sollten
Käufer zahlen bei Etsy keine Gebühr an die Plattform, die Kosten der Händler stecken im Preis. Bei Händlern außerhalb der EU kommt seit dem 1. Juli 2026 der neue EU-Zoll von 3 Euro je Warenposition auf Sendungen unter 150 Euro hinzu. Den Standort des Shops zeigt die Angebotsseite.
„Selbst gemacht“ heißt etwas anderes als „selbst entworfen“, bei Letzterem kann ein Produktionspartner gefertigt haben, und das Motiv darf auch aus einer KI stammen.
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
- Optimistisch: Etsy übertrifft am 28. Oktober die eigene Prognose, das Weihnachtsgeschäft läuft stark, und die Gebühren bleiben 2027 unverändert.
- Realistisch: Das Handelsvolumen wächst um 4 bis 6 Prozent, die Take Rate klettert über Anzeigen weiter in Richtung 27 Prozent, und Etsy kauft mit dem Depop-Erlös massiv eigene Aktien zurück.
- Pessimistisch: Die Käuferzahl sinkt weiter, Etsy erhöht eine Pflichtgebühr, und Händler weichen auf eigene Shops oder andere Marktplätze aus.
Unsere Empfehlung an Händler: Rechnen Sie gerne einmal im Etsy-Konto nach, welcher Anteil Ihres Umsatzes über Offsite Ads und Etsy Ads entsteht. Liegt dieser Anteil nach unserer Faustregel über einem Viertel, lohnt ein zweiter Vertriebsweg, bevor die nächste Gebührenrunde kommt.
- Händler: Etsy liefert Reichweite, verlangt dafür aber zwischen 11,9 und 26,9 Prozent je Bestellung.
- Steuern: Etsy meldet Verkäufer ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro im Jahr an das Bundeszentralamt für Steuern.
- Käufer: Bei Shops außerhalb der EU fallen seit Juli 3 Euro Zoll je Warenposition an.
Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Etsy

Abschreibung auf den Firmenwert
Eine Abschreibung auf den Firmenwert senkt den Wert, den ein Konzern beim Kauf einer Firma über deren Vermögen hinaus bezahlt hat. Der Betrag belastet den Gewinn, ohne dass Geld abfließt. Etsy schrieb 2022 auf Depop und Elo7 zusammen 931 Millionen Euro ab und rutschte dadurch in die Verlustzone.
Aktienrückkauf
Beim Aktienrückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien an der Börse und zieht sie meist ein. Die verbleibenden Aktionäre halten danach einen größeren Anteil, der Gewinn je Aktie steigt. Etsy gab 2025 dafür 692 Millionen Euro aus, mehr als den freien Cashflow des Jahres.
B-Corp-Zertifikat
Das B-Corp-Zertifikat vergibt die US-Organisation B Lab an Unternehmen, die neben dem Gewinn auch Beschäftigte, Umwelt und Gemeinwesen berücksichtigen und das prüfen lassen. Etsy warb beim Börsengang 2015 damit und gab das Zertifikat 2017 auf, weil der Konzern seine Rechtsform nicht ändern wollte.
Bereinigtes EBITDA
Das bereinigte EBITDA ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, zusätzlich ohne Sondereffekte wie aktienbasierte Vergütung oder Umbaukosten. Unternehmen nennen die Kennzahl, um das laufende Geschäft vergleichbar zu machen. Etsy erreichte im zweiten Quartal 2026 eine Marge von 29,2 Prozent.
Einrichtungsgebühr
Die Einrichtungsgebühr verlangt Etsy seit 2024 einmalig von jedem neuen Shop, die Höhe hängt vom Land ab. Etsy verbucht sie als Umsatz aus Zusatzdiensten. Nach ihrer Einführung sank die Zahl der aktiven Verkäufer von 7,0 auf 5,6 Millionen.
Etsy Ads
Etsy Ads sind bezahlte Platzierungen in der Suche und auf den Seiten des Marktplatzes. Händler legen ein Tagesbudget fest und zahlen je Klick, der Preis entsteht in einer Auktion. Steigende Klickpreise brachten Etsy 2025 rund 55 Millionen Euro mehr Werbeerlöse.
Freier Cashflow
Der freie Cashflow ist das Geld, das aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt, nachdem Investitionen in Technik und Anlagen bezahlt sind. Er zeigt, wie viel ein Unternehmen ausschütten, zurückkaufen oder für Schulden verwenden kann. Bei Etsy lag er 2025 bei 569 Millionen Euro.
Handelsvolumen
Das Handelsvolumen, bei Etsy Gross Merchandise Sales (GMS) genannt, ist der Gesamtwert aller über den Marktplatz verkauften Waren samt Versand. Dieser Betrag landet überwiegend bei den Händlern, nicht im Umsatz von Etsy. Auf dem Etsy-Marktplatz lag das Handelsvolumen 2025 bei 9,32 Milliarden Euro.
Netzwerkeffekt
Ein Netzwerkeffekt liegt vor, wenn ein Angebot für jeden Nutzer umso wertvoller wird, je mehr andere dasselbe Angebot nutzen. Auf einem Marktplatz ziehen mehr Angebote mehr Käufer an und mehr Käufer neue Händler. Etsy verbindet 5,7 Millionen aktive Verkäufer mit 87 Millionen aktiven Käufern.
Offsite Ads
Offsite Ads sind Anzeigen, die Etsy auf fremden Seiten wie Google oder in sozialen Netzwerken für Angebote der Händler schaltet. Bezahlt wird nur bei einem Verkauf, dann aber 15 Prozent oder bei größeren Shops 12 Prozent des Bestellwerts. Ab umgerechnet 8.909 Euro Jahresumsatz ist die Teilnahme Pflicht.
Quersubventionierung
Bei der Quersubventionierung finanziert ein Geschäftsbereich einen anderen, der wenig oder nichts verdient. Typisch ist das beim Aufbau neuer Marken oder Märkte. Etsy finanzierte bis zum Verkauf die Marketingausgaben von Depop mit, die Tochter verlor im zweiten Quartal 2026 noch 143 Millionen Euro.
Stammkäufer
Als Stammkäufer zählt Etsy Kunden, die an mindestens sechs Tagen im Jahr bestellen und mindestens umgerechnet 178 Euro ausgeben. Diese Gruppe machte 2025 rund 7 Prozent der aktiven Käufer aus, brachte aber rund 40 Prozent des Handelsvolumens. Ihre Zahl sank 2025 um 9 Prozent.
Take Rate
Die Take Rate gibt an, welchen Anteil des Handelsvolumens ein Marktplatz als eigenen Umsatz behält, also Gebühren und Werbeerlöse im Verhältnis zum Wert der verkauften Ware. Bei Etsy stieg der Wert im Konzern von 17,3 Prozent im Jahr 2021 auf 24,2 Prozent im Jahr 2025.
Transaktionsgebühr
Die Transaktionsgebühr ist der Prozentsatz, den eine Plattform von jedem abgeschlossenen Verkauf einbehält. Bei Etsy beträgt der Satz seit April 2022 6,5 Prozent auf Warenpreis, Versand und Geschenkverpackung. Beim Börsengang 2015 lag die Gebühr noch bei 3,5 Prozent, ohne die Versandkosten.
Wandelanleihe
Eine Wandelanleihe ist eine Anleihe, die der Gläubiger unter bestimmten Bedingungen in Aktien des Unternehmens tauschen kann. Im Gegenzug ist der Zins meist niedrig. Etsy hat auf diesem Weg umgerechnet 2,67 Milliarden Euro aufgenommen, verzinst mit 0,125 bis 1 Prozent.
FAQ: Warum behält Etsy von jedem Verkauf immer mehr?

Ist Etsy ein amerikanisches Unternehmen?
Ja. Etsy wurde 2005 in Brooklyn gegründet, hat dort seinen Sitz und ist seit 2015 börsennotiert, seit Oktober 2025 an der New Yorker Börse NYSE. Vertragspartner für Kunden und Händler außerhalb Amerikas ist die Tochter Etsy Ireland UC in Dublin, Zahlungen in Europa wickelt eine weitere irische Tochter ab.
Wer leitet Etsy heute?
Seit dem 1. Januar 2026 führt Kruti Patel Goyal den Konzern. Patel Goyal war zuvor Präsidentin von Etsy und von 2022 bis 2025 Chefin der früheren Tochter Depop. Ihr Vorgänger Josh Silverman, Chef seit 2017, bleibt bis Ende 2026 Vorsitzender des Verwaltungsrats.
Ist auf Etsy alles handgemacht?
Nein. Seit Juli 2024 kennzeichnet Etsy Angebote als selbst gemacht, selbst entworfen, von Hand ausgewählt oder zugekauft. Bei selbst entworfener Ware darf ein Produktionspartner fertigen, und das Motiv darf aus einer KI stammen. Vintage und Bastelbedarf gehören ebenfalls zum Sortiment.
Muss ich bei Etsy-Bestellungen Zoll zahlen?
Bei Shops innerhalb der EU nicht. Kommt die Ware aus einem Drittstaat wie Großbritannien oder den USA, fällt seit dem 1. Juli 2026 auf Sendungen unter 150 Euro ein EU-Zoll von 3 Euro je Warenposition an. Den Standort des Shops zeigt die Angebotsseite.
Gehört Depop noch zu Etsy?
Nein. Etsy hat die Secondhand-Plattform Depop am 30. Juli 2026 für rund 1,25 Milliarden Euro einschließlich Anpassungen an eBay verkauft. Zuvor hatte Etsy schon den Musikinstrumenten-Marktplatz Reverb und die brasilianische Plattform Elo7 abgegeben und betreibt nun nur noch den Etsy-Marktplatz.
Wann veröffentlicht Etsy die nächsten Quartalszahlen?
Etsy legt die Zahlen für das dritte Quartal 2026 am 28. Oktober vor Börsenbeginn in New York vor. Für das Quartal erwartet der Konzern ein Handelsvolumen von umgerechnet 2,25 bis 2,30 Milliarden Euro und eine Take Rate von rund 26 Prozent.
Quellen
43 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 20.10.2026
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2025
- Etsy, Inc.Form 10-Q, Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026
- Etsy, Inc.Second Quarter 2026 Shareholder Letter
- Etsy, Inc.Etsy to Announce Third Quarter 2026 Financial Results on October 28, 2026 (Pressemitteilung vom 14.10.2026)
- Etsy, Inc.Form 8-K, Restrukturierung und Aktienrückkaufprogramm
- Etsy, Inc.Mitteilung an die Belegschaft zum Stellenabbau
- Etsy, Inc.Etsy Completes Sale of Depop to eBay
- Etsy, Inc.eBay to Acquire Depop from Etsy
- Etsy, Inc.Fourth Quarter and Full Year 2025 Shareholder Letter
- Etsy, Inc.CEO-Wechsel zu Kruti Patel Goyal
- Etsy, Inc.Börsenprospekt 424B4
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2017
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2020
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2021
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2022
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2023
- Etsy, Inc.Form 10-K, Geschäftsbericht 2024
- Etsy, Inc.Etsy to Acquire Depop
- Etsy, Inc.Fees & Payments Policy, Stand 05.10.2026 (Archivfassung vom 10.10.2026)
- Etsy, Inc.Etsy Payments Policy, Stand 31.07.2026 (Archivfassung vom 11.10.2026)
- Marketplace PulseTop 10 E-Commerce Marketplaces in 2026
- Marketplace PulseE-Commerce’s 10% Quarter Was Weaker Than It Looked
- Marketplace PulseEtsy Lost 1.4 Million Active Sellers in a Year
- TechCrunchEtsy Shakeup: CTO Chad Dickerson Takes Over CEO Role From Founder Kalin As Visitor Growth Stalls
- TechCrunchEtsy strike begins as sellers protest high transaction fees
- NPREtsy sellers start a week-long strike over increased fees and other conditions
- The Next WebEtsy’s new mandatory ad policy cuts into sellers’ profits
- FashionUnitedEtsy accused of withholding payments from sellers
- Modern RetailSellers are cautiously optimistic about Etsy’s new labeling policy
- FortuneEtsy, eBay, and Shein reel as ‘de minimis’ tariff exemption ends, adding hefty charges
- Retail GazetteEtsy becomes first marketplace to offer Royal Mail’s EU duties paid services
- FinvizEtsy Shares Rise 2.9% as Oppenheimer Upgrades Stock to Outperform
- PayoneerPayoneer renews partnership with Etsy through 2029
- Deutscher BundestagLobbyregister, Registereintrag R007120 Etsy Ireland UC
- Quiver QuantitativeEtsy (ETSY) Lobbying
- retail-news.dePlattformpflicht nach DSA: Etsy-Verfahren endet ohne Urteil
- Handelsverband Deutschland (HDE)Online-Monitor 2026
- SistrixDas Weihnachtsgeschäft 2026: Zwischen Inflation, Intent-Shifts und Lebkuchen-Peaks
- IHK Rhein-NeckarZölle für Kleinsendungen aus Drittstaaten seit 1. Juli 2026
- Händlerbund (OHN)Paukenschlag: DaWanda macht dicht, Händler sollen zu Etsy wechseln
- Bundesministerium der JustizPlattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), § 4
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse
- Yahoo FinanceEtsy, Inc. (ETSY) Kursdaten
