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Sie stellen die alte Spiegelreflexkamera bei eBay ein, nach sieben Tagen geht die Kamera für 180 Euro an einen Bieter und die Plattform behält davon keinen Cent. Ein Wohltäter ist der Konzern trotzdem nicht. 2025 verdiente eBay umgerechnet 1,8 Milliarden Euro, bei einem Umsatz von 9,9 Milliarden Euro.

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Am 7. Oktober veröffentlichte eBay seinen Recommerce Report: 82 Prozent der Befragten in Deutschland haben schon einmal Gebrauchtes über die Plattform gekauft. Am 28. Oktober folgen die Zahlen zum dritten Quartal, und seit Mai sitzt GameStop unter den Aktionären, inzwischen mit 9,8 Prozent, dessen Übernahmegebot eBay prompt abgelehnt hat. Vor diesem Termin lohnt die Frage, woraus ein Marktplatz seinen Gewinn zieht, der privaten Verkäufern in Deutschland seit März 2023 nichts mehr berechnet.

Das Wichtigste in Kürze

  • eBay setzte 2025 umgerechnet 9,9 Milliarden Euro um, bei einem Warenvolumen von 71,1 Milliarden Euro. Von jedem gehandelten Euro blieben im Schnitt knapp 14 Cent beim Konzern.
  • Unter den Erlösquellen wächst die Werbung am schnellsten: Händler zahlten 2025 umgerechnet 1,78 Milliarden Euro für bessere Plätze in den Suchergebnissen, 22 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Die Aktionäre erhielten 2025 über Rückkäufe und Dividenden 2,7 Milliarden Euro, das Anderthalbfache des Jahresgewinns.
  • In Deutschland stagniert der Umsatz seit drei Jahren bei rund 870 Millionen Euro, während das Warenvolumen in den USA im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 24 Prozent zulegte.
  • GameStop bot im Mai 2026 umgerechnet 111,66 Euro je Aktie, eBay lehnte ab. Die Beteiligung von 9,8 Prozent will GameStop langfristig halten.

Fünf Fragen für Schnäppchenjäger

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von eBay?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Was wurde 1995 als erstes Objekt über AuctionWeb verkauft, den Vorläufer von eBay? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Der Laserpointer leuchtete nicht mehr und ging trotzdem für umgerechnet 13,25 Euro an einen Käufer aus Kanada. eBay erzählt die Geschichte bis heute als Gründungslegende.
2 Welcher Anteil des eBay-Umsatzes 2025 stammte aus Werbung, die Händler für bessere Plätze in der Suche buchen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Werbeerlöse lagen 2025 bei umgerechnet 1,78 Milliarden Euro und wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent. 13,94 Prozent beträgt die Take Rate, also der Anteil des Umsatzes am gesamten Warenwert.
3 Wie viel Provision zahlt ein gewerblicher Händler auf eBay.de für einen neuen Artikel in der Kategorie Sport? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Fällig werden 14 Prozent auf den Gesamtbetrag samt Versand und Umsatzsteuer, dazu 35 oder 45 Cent je Bestellung. Für gebrauchte Ware verlangt eBay 5 Prozent.
4 Wie viel Geld schüttete eBay 2025 über Aktienrückkäufe und Dividenden an seine Aktionäre aus? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Ausschüttung entsprach dem Anderthalbfachen des Jahresgewinns von 1,81 Milliarden Euro. 474 Millionen Euro entfielen allein auf die Dividende.
5 Welche Behörde stellte im Juli 2026 vorläufig Verstöße von eBay gegen den Digital Services Act fest? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Bundesnetzagentur ist zuständig, weil eBay seine europäische Hauptniederlassung in Deutschland hat. Eine abschließende Entscheidung steht noch aus.

Wer steckt hinter eBay und wie fing alles an?

Der Programmierer Pierre Omidyar gründete eBay 1995 in San Jose, Kalifornien, damals unter dem Namen AuctionWeb. Als erstes Objekt ging ein defekter Laserpointer für umgerechnet 13,25 Euro weg. Aus der Auktionsseite eines Einzelnen wurde ein Marktplatz mit heute 135 Millionen aktiven Käufern.

Die Geschichte vom Laserpointer ist die Gründungslegende, die eBay selbst am liebsten erzählt. Ein Käufer aus Kanada namens Mark Fraser bot mit und bekam den Zuschlag für ein Gerät, das nicht mehr leuchtete. Die Episode enthält im Kleinen schon das Prinzip jedes Marktplatzes: Für fast jeden Gegenstand findet sich ein Interessent, sobald genug Menschen zuschauen.

Omidyars Idee: Privatleute versteigern an Privatleute, die Plattform bietet nur den Treffpunkt.

Heute verdient eBay an zwei Dingen: an Provisionen auf verkaufte Ware und an Gebühren, die Händler für Werbung auf der Plattform zahlen. So beschreibt eBay das Erlösmodell im Geschäftsbericht 2025, und am Prinzip der Vermittlung hat sich seit AuctionWeb nichts geändert. Verschoben haben sich die Gewichte, wie Kapitel 3 zeigt.

Das Geld kam von der Börse

Am 24. September 1998 ging eBay an die Börse. Der Konzern verkaufte gut vier Millionen Aktien zu je umgerechnet 16,08 Euro und nahm netto rund 59 Millionen Euro ein. Am ersten Handelstag schloss die Aktie bei umgerechnet 42,32 Euro, wie der Sender CNN damals berichtete. Verantwortlich für den Börsengang war bereits Meg Whitman, die im März 1998 als Vorstandschefin kam und den Posten bis Ende März 2008 behielt.

In Whitmans Amtszeit fielen auch die beiden größten Zukäufe der Firmengeschichte, PayPal im Jahr 2002 und Skype im Jahr 2005.

Deutschland war früh dabei

Im Februar 1999 startete in Berlin die Auktionsplattform alando.de, an deren Gründung unter anderem die Brüder Samwer beteiligt waren. Schon im Juni 1999 kaufte eBay das junge Unternehmen und bezahlte mit 316.000 eigenen Aktien. Aus alando wurde eBay.de, und Deutschland zählt bis heute zu den vier umsatzstärksten Märkten des Konzerns.

Später kaufte eBay noch oft junge Spezialisten zu, und ab 2015 trennte sich der Konzern selbst von großen Sparten.

Firmengeschichte
Vom Laserpointer zum Sammlermarkt
Wegmarken von eBay seit der Gründung 1995.
  • 1995Pierre Omidyar startet AuctionWeb in San Jose, erster Verkauf: ein defekter Laserpointer
  • 1998Börsengang am 24. September, Meg Whitman führt den Konzern bis 2008
  • 1999Übernahme der Berliner Auktionsseite alando.de, daraus wird eBay.de
  • 2002Kauf von PayPal für Aktien im Wert von 1,34 Mrd. €
  • 2015PayPal geht als eigener Konzern an die Börse
  • 2021Verkauf des Kleinanzeigengeschäfts an Adevinta für rund 11,9 Mrd. €
  • 2026Depop übernommen, Übernahmegebot von GameStop abgelehnt
135 Mio.
aktive Käufer Ende 2025
9,9 Mrd. €
Umsatz 2025
46,5 Mrd. €
Börsenwert am 14.10.2026

Wie wurde aus dem Online-Flohmarkt ein Konzern?

Karton mit „VERKAUFT“-Aufkleber neben einem Telefonhörer auf einem Sockel
PayPal, Skype, StubHub und das Kleinanzeigengeschäft: eBay hat mehr verkauft als behalten.

eBay wuchs durch zwei große Zukäufe, PayPal 2002 und Skype 2005, und schrumpfte danach durch Abspaltungen und Verkäufe wieder auf den Marktplatz zusammen. 2025 setzte der Konzern mit rund 12.300 Beschäftigten 9,9 Milliarden Euro um, an der Börse ist er 46,5 Milliarden Euro wert.

Im Oktober 2002 schloss eBay die Übernahme von PayPal ab, für Aktien im Wert von umgerechnet 1,34 Milliarden Euro. Mit dem Bezahldienst verdiente eBay an jeder Transaktion ein zweites Mal. Wie sich der Bezahldienst nach der Trennung als eigenständiger Konzern finanziert, zeigt unsere Analyse des Zahlungspioniers PayPal.

2005 zahlte eBay umgerechnet 2,32 Milliarden Euro für den Telefondienst Skype, vier Jahre später ging die Mehrheit an eine Investorengruppe um Silver Lake. Bei einer Bewertung von umgerechnet 2,46 Milliarden Euro erhielt eBay 1,70 Milliarden Euro in bar und behielt 35 Prozent.

Wir sehen in Skype bis heute den Zukauf, für den eBay nie eine Verbindung zum Marktplatz gefunden hat.

Die große Entflechtung

Am 17. Juli 2015 trennte sich eBay von PayPal und gab die Aktien vollständig an die eigenen Aktionäre weiter. Ab 2020 folgten die Verkäufe Schlag auf Schlag. Im Februar 2020 ging die Ticketbörse StubHub für umgerechnet 3,62 Milliarden Euro an den Konkurrenten viagogo.

Im Juni 2021 verkaufte eBay das gesamte Kleinanzeigengeschäft an den norwegischen Konzern Adevinta, darunter eBay Kleinanzeigen in Deutschland. Der Gesamtwert lag bei umgerechnet 11,88 Milliarden Euro, davon 2,23 Milliarden Euro in bar und der Rest in Adevinta-Aktien. eBay verkaufte die verbliebene Beteiligung im Mai 2024 für weitere 2,14 Milliarden Euro plus Anteile an der neuen Adevinta-Mutter Aurelia.

In Deutschland heißt die frühere Tochter seit 2023 nur noch Kleinanzeigen und ist heute ein Wettbewerber von eBay.

Zurück zum Kerngeschäft

Seit April 2020 führt Jamie Iannone den Konzern. Iannone konzentriert den Marktplatz auf Kategorien, in denen Sammler und Bastler viel Geld ausgeben. Für diese Kategorien kaufte eBay wieder zu, diesmal kleinere Spezialisten. 2022 kam der Sammelkarten-Marktplatz TCGplayer für umgerechnet 204 Millionen Euro, 2024 das Auktionshaus Goldin, 2025 Caramel, ein Dienst für den privaten Autoverkauf, und die norwegische Secondhand-App Tise.

Den bisher größten Zukauf unter Iannone schloss eBay am 30. Juli 2026 ab: die Modeplattform Depop, für die der Konzern einschließlich Anpassungen umgerechnet 1,25 Milliarden Euro zahlte. Depop richtet sich an junge Käufer gebrauchter Kleidung, dasselbe Publikum, um das auch Vinted wirbt.

Der Umsatz der fortgeführten Geschäfte stieg von umgerechnet 9,31 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 9,92 Milliarden Euro im Jahr 2025, ein Plus von gut 6 Prozent in vier Jahren.

Erst 2026 zieht das Wachstum an, mit 15 Prozent Umsatzplus im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal.

Auf den PunktEin Konzern, der sich gesundgeschrumpft hat
  • Abgegeben: Skype, StubHub und das Kleinanzeigengeschäft brachten zusammen rund 20 Milliarden Euro in bar und Aktien, PayPal ging an die Aktionäre.
  • Zugekauft: Seit 2022 übernimmt eBay gezielt Spezialisten für Sammelkarten, Autos und Secondhand-Mode.
  • Gewachsen: Der Umsatz stieg von 2021 bis 2025 nur um gut 6 Prozent, erst 2026 zieht das Wachstum an.

Wie verdient eBay tatsächlich sein Geld?

Registrierkasse mit Flagge „13,94 %“ und Schild „ZINS“ auf weißem Sockel vor weißem Hintergrund
Von jedem gehandelten Euro behielt eBay 2025 im Schnitt 13,94 Cent, Werbung eingerechnet.

eBay verdient auf zwei Wegen: an der Provision auf verkaufte Ware, 2025 umgerechnet 8,13 Milliarden Euro, und an Werbung, die Händler für bessere Plätze in der Suche buchen, 1,78 Milliarden Euro. Von jedem gehandelten Euro behält der Konzern im Schnitt 13,94 Cent.

Provision auf 71 Milliarden Euro Warenwert

Über den Marktplatz liefen 2025 Waren im Wert von umgerechnet 71,1 Milliarden Euro, im Konzernjargon das Gross Merchandise Volume. Gut die Hälfte davon entfiel auf das Geschäft außerhalb der USA. Der Umsatz lag bei 9,92 Milliarden Euro, daraus ergibt sich eine Take Rate von 13,94 Prozent.

Zwei Jahre zuvor lag der Wert bei 13,81 Prozent, im zweiten Quartal 2026 schon bei 13,99 Prozent.

Im Geschäftsbericht 2025 teilt eBay den Umsatz in zwei Posten auf. Die Marketplace-Erlöse, im Wesentlichen Verkaufsprovisionen, Angebotsgebühren und Zusatzdienste, brachten 8,13 Milliarden Euro, 82 Prozent des Umsatzes. Die Werbeerlöse kamen auf 1,78 Milliarden Euro und wuchsen gegenüber dem Vorjahr mit 22 Prozent viermal so schnell wie der Rest. Nach Ländern entfielen 5,17 Milliarden Euro auf die USA, 1,40 Milliarden Euro auf Großbritannien und 1,12 Milliarden Euro auf China. Der chinesische Posten stammt von Händlern, die von dort aus in die ganze Welt verkaufen. Deutschland kam auf 874 Millionen Euro, knapp 9 Prozent des Umsatzes.

Erlösmodell
Woher die 9,9 Milliarden Euro kommen
Umsatz von eBay 2025 nach Art der Erlöse und nach Märkten.
Nach Art der Erlöse
  • Marktplatz (Provisionen, Gebühren)8,13 Mrd. € (82 %)
  • Werbung1,78 Mrd. € (18 %)
Nach Märkten
  • USA5,17 Mrd. €
  • Großbritannien1,40 Mrd. €
  • China (Händler mit Verkauf ins Ausland)1,12 Mrd. €
  • Deutschland874 Mio. €
  • Übrige Länder1,35 Mrd. €

Wo die Marge entsteht

Die Bruttomarge lag 2025 bei 71,5 Prozent. Von 100 Euro Umsatz gingen 28,55 Euro für Kundendienst, Rechenzentren, Zahlungsabwicklung und Versandprogramme ab. Für Marketing gab eBay 21,57 Euro aus, für Produktentwicklung 14,79 Euro und für Verwaltung 10,79 Euro. Betrugsfälle und Zahlungsausfälle kosteten 3,57 Euro. Übrig blieb eine operative Marge von 20,5 Prozent, ohne Sondereffekte wie aktienbasierte Vergütung 27,8 Prozent.

Die Verwaltungskosten stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent, vor allem wegen Rechtsstreitigkeiten und des Konzernumbaus.

Eigene Margen für einzelne Sparten weist eBay nicht aus. Die Konzernbilanz kennt nur ein einziges Segment, und der Vorstandschef beurteilt die Leistung nach dem konsolidierten Nettogewinn. Wie profitabel die Werbung im Vergleich zur Provision ist, bleibt damit offen. Einen Hinweis liefern die Umsatzkosten: Die Kosten der Anzeigenprodukte stiegen 2025 um umgerechnet 54 Millionen Euro, die Werbeerlöse um 320 Millionen Euro.

Margen
Was von 100 Euro Umsatz übrig bleibt
Kosten und operativer Gewinn von eBay je 100 Euro Umsatz, Geschäftsjahr 2025.
Je 100 Euro Umsatz
  • Umsatzkosten (Kundendienst, Technik, Zahlung, Versand)28,55 €
  • Marketing21,57 €
  • Produktentwicklung14,79 €
  • Verwaltung10,79 €
  • Betrug und Zahlungsausfälle3,57 €
  • Abschreibung auf Zukäufe0,22 €
  • Operativer Gewinn20,51 €
71,5 %
Bruttomarge 2025
13,94 %
Take Rate 2025
18,0 %
Anteil der Werbung am Umsatz

Werbung und Zinsen im Kleingedruckten

Neben den Provisionen wirkt der Werbeposten klein, doch er wächst am schnellsten. Händler bezahlen dafür, dass ihre Angebote in der Trefferliste weiter oben erscheinen, je nach Kampagne pro Klick, als Prozentsatz nach dem Verkauf oder als Pauschale im Voraus. Im zweiten Quartal 2026 nahm eBay mit Anzeigen in der eigenen Trefferliste 509 Millionen Euro ein, 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Alle Werbeformen zusammen entsprachen im selben Quartal 2,7 Prozent des Warenvolumens.

Eine dritte Einnahmequelle taucht im Geschäftsbericht nur in einer Fußnote auf. Seit eBay die Zahlungen selbst abwickelt, liegt das Geld der Käufer bis zur Auszahlung an die Verkäufer beim Konzern. Ende 2025 hielt eBay umgerechnet 908 Millionen Euro an Kundengeldern, 33 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zinsen darauf stecken im Posten „Interest income and other“, der 2025 insgesamt 237 Millionen Euro einbrachte. Welcher Teil davon aus Zinsen auf Kundengelder stammt, weist eBay nicht gesondert aus.

Die Trefferliste als Kasse

eBay sieht, wonach 135 Millionen aktive Käufer suchen, was sie anklicken und was sie am Ende kaufen. Aus diesen Daten berechnet der Marktplatz die Reihenfolge der Suchergebnisse. Mit der Werbung verkauft eBay genau diese Reihenfolge: Ein Händler, der zahlt, rückt in einer Trefferliste nach oben, die der Algorithmus ohnehin schon sortiert. Einen Bilanzwert für den Datenbestand weist eBay nicht aus, sein Wert steckt in den Werbeerlösen.

Wir halten die Werbung deshalb für den eigentlichen Hebel im Modell. Die Provision bekommt eBay für die Vermittlung, die Anzeigengebühr für das Versprechen, dass ein bestimmter Händler früher gesehen wird als seine Konkurrenz. Der Marktplatz verdient also zweimal am selben Kauf.

Für Verkäufer füllt ein KI-Assistent die Angaben zum Artikel anhand eines Fotos vor, in frühen Tests stieg die Rate neu eingestellter Angebote dadurch um mehr als 50 Prozent. Käufer in den USA testen seit Dezember 2025 eine Suche im Gesprächsstil. Welches Risiko die KI zugleich für das Werbegeschäft birgt, beschreibt Kapitel 9.

Kennzahl202320242025
Umsatz gesamt9,03 Mrd. €9,19 Mrd. €9,92 Mrd. €
davon Marktplatz-Erlöse7,74 Mrd. €7,72 Mrd. €8,13 Mrd. €
davon Werbung1,29 Mrd. €1,46 Mrd. €1,78 Mrd. €
Anteil Werbung am Umsatz14,3 %15,9 %18,0 %
Take Rate13,81 %13,77 %13,94 %

Gratis für die einen, teuer für die anderen

Seit dem 1. März 2023 zahlen Privatleute auf eBay.de für Verkäufe innerhalb Deutschlands weder Angebotsgebühr noch Provision. Vorher kassierte eBay auch von Privatverkäufern 11 Prozent und bis zu 35 Cent je Verkauf. Der Verzicht ist eine bewusste Quersubventionierung: Private Angebote liefern das Sortiment an gebrauchter, seltener und sammelwürdiger Ware, das Käufer anzieht.

Für die Quersubventionierung zahlen die gewerblichen Händler, die für Standardkategorien wie Sport bis zu 14 Prozent Provision abgeben.

Weltweit macht das Geschäft zwischen Privatleuten etwa ein Viertel des Warenvolumens aus. Im zweiten Quartal 2026 wuchs dieses Geschäft weltweit um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, auch Deutschland verzeichnete ein Plus. Bei den Fahrzeugteilen investiert eBay ebenfalls in die Käuferseite: Seit dem 28. September 2026 können Käufer Teile ab 10 Euro Warenwert 30 Tage lang kostenlos zurückgeben, eBay übernimmt die Hälfte der Kosten für das Rücksendeetikett.

Größe, die sich selbst verstärkt

Auf eBay standen Ende 2025 rund 2,5 Milliarden Angebote. Jeder neue Verkäufer macht den Marktplatz für Käufer interessanter, jeder neue Käufer lockt weitere Verkäufer an. Ein zusätzliches Angebot kostet den Konzern fast nichts, Speicherplatz und Suchindex sind ohnehin vorhanden.

Der Netzwerkeffekt wirkt am stärksten bei Sammlern: 16 Millionen sogenannte Enthusiast Buyers kaufen an mindestens sechs Tagen im Jahr und geben dabei mindestens umgerechnet 715 Euro aus.

Vom Kaufhaus zum Sammlermarkt

Der Anteil der Werbung am Umsatz stieg von 14,3 Prozent im Jahr 2023 auf 18,0 Prozent im Jahr 2025. Die sogenannten Focus Categories, vor allem Sammlerstücke, Fahrzeugteile und Mode, wuchsen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 26 Prozent und machten erstmals mehr als 40 Prozent des Warenvolumens aus.

Das Warenvolumen über eBay Live, den Verkauf per Videostream, verachtfachte sich gegenüber dem Vorjahresquartal.

Seit 2020 hat eBay die Ticketbörse StubHub und das Kleinanzeigengeschäft abgegeben, 2024 folgten die Beteiligungen an Adevinta, Adyen und Gmarket. Neu hinzugekommen sind spezialisierte Marktplätze für Sammelkarten, Sammlerauktionen, Autos und gebrauchte Mode. eBay setzt auf Sammler, die für seltene Ware mehr bezahlen, und auf Händler, die deshalb auch höhere Gebühren hinnehmen.

Auf den PunktDrei Mechanismen erzeugen die Marge
  • Provision: Gewerbliche Händler zahlen je nach Kategorie bis zu 14 Prozent, im Schnitt bleiben samt Werbung 13,94 Prozent des Warenwerts beim Konzern.
  • Sichtbarkeit: Werbung in der eigenen Trefferliste wächst mit 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr am schnellsten, die Kosten der Anzeigenprodukte stiegen 2025 nur um 54 Millionen Euro.
  • Gratis-Sortiment: Private Verkäufer liefern in Deutschland kostenlos die Ware, die Käufer und damit zahlende Händler anlockt.

Wie groß ist die Marktmacht von eBay?

Ein weißer und ein orangefarbener Einkaufskorb auf einem weißen Podest vor weißem Hintergrund
Bei Neuware dominiert Amazon, eBays Stärke liegt bei Gebrauchtem, Ersatzteilen und Sammlerstücken.

Neben Amazon wirkt eBay im deutschen Onlinehandel klein: Amazon kommt auf 63,3 Prozent der Umsätze, alle anderen Marktplätze zusammen, eBay eingeschlossen, auf 10,8 Prozent. Stark ist eBay dort, wo Amazon schwach ist, bei Gebrauchtem, Ersatzteilen und Sammlerstücken.

Der HDE Online-Monitor 2026 beziffert den deutschen Onlinehandel für 2025 auf 92,3 Milliarden Euro, ohne Umsatzsteuer. Marktplätze vermittelten davon 56,7 Prozent, allein Amazons Marktplatz für fremde Händler 46,1 Prozent. Hinzu kommen 17,2 Prozent aus Amazons eigenem Handel. Alle übrigen Marktplätze, darunter eBay und seit Kurzem TikTok Shop, teilen sich 10,8 Prozent.

Der Handelsverband zählt dabei nur Neuware im Geschäft mit Verbrauchern. Im Gebrauchtgeschäft, das in dieser Rechnung fehlt, liegt eBays Stärke: Den Onlinemarkt für Secondhand-Ware schätzt derselbe Bericht auf 10,5 Milliarden Euro, 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Neuwarengeschäft tritt eBay gegen Amazon mit einem anderen Modell an. Amazon verdient zusätzlich am eigenen Handel, an Lagerung, Versand und Abo, eBay verkauft nichts auf eigene Rechnung und bleibt reiner Vermittler. Wie unterschiedlich die beiden Konzerne Geld verdienen, zeigt unsere Analyse des Amazon-Paradoxes.

Die Angreifer kommen aus zwei Richtungen

Von unten drängen Temu und Shein in den Markt, die nach der Zählung des Handelsverbands 2025 zusammen 5,0 Prozent des deutschen Onlinehandels erreichten. Beide verkaufen billige Neuware direkt aus China und konkurrieren mit eBay-Händlern, die ähnliche Ware aus europäischen Lagern anbieten.

Von der Seite der Gebrauchtware greifen Vinted und Kleinanzeigen an: Vinted hat sich bei gebrauchter Kleidung festgesetzt, Kleinanzeigen, bis 2021 selbst Teil von eBay, beim Verkauf mit Abholung vor Ort. Die Analysten von Wells Fargo nennen Vinted ausdrücklich als Risiko für eBay und stufen die Aktie mit „Untergewichten“ ein, wie Yahoo Finance am 12. Oktober berichtete.

Wie schwer der Wechsel fällt

Für Käufer ist der Wechsel leicht. Ein Konto bei einem anderen Marktplatz kostet nichts, und Preisvergleiche über Suchmaschinen sind Alltag.

Verkäufer binden sich stärker. Ein gewerblicher Händler hat seine Bewertungen, seinen Shop und oft eine Schnittstelle zur eigenen Warenwirtschaft auf eBay aufgebaut. Ein Wechsel bedeutet für den Händler, bei null anzufangen, und genau diese Wechselkosten binden ihn an die Plattform.

Bei Sammlern ist eBay am stärksten verankert: Sammlerstücke und Fahrzeugteile gehören zu den Kategorien, die 2026 am schnellsten wachsen, und mit TCGplayer und Goldin hat der Konzern diese Nischen zusätzlich abgesichert.

Wettbewerb
Wer den deutschen Onlinehandel beherrscht
Anteile am deutschen Onlinehandel mit Neuware an Verbraucher 2025, netto.
Anteil am Onlineumsatz
  • amazon.de Marktplatz46,1 %
  • amazon.de Eigenhandel17,2 %
  • Andere Marktplätze inkl. eBay und TikTok Shop10,8 %
  • Temu und Shein5,0 %
  • Übriger Onlinehandel20,9 %
92,3 Mrd. €
Onlinehandel Deutschland 2025
10,5 Mrd. €
Onlinehandel mit Secondhand 2025
874 Mio. €
eBay-Umsatz in Deutschland 2025

Wer ist bei eBay eigentlich das Produkt?

Weißes Fernglas auf Podest mit orangefarbenem Schild „Werbeplatz“
Die Aufmerksamkeit der Käufer verkauft eBay als Werbeplatz an Händler.

Auf eBay zahlen vor allem die gewerblichen Händler, private Verkäufer in Deutschland und Käufer zahlen nichts direkt. Das Produkt sind die Aufmerksamkeit der Käufer, die eBay als Werbeplatz verkauft, und das kostenlose Sortiment der Privatleute, das diese Käufer anlockt.

Drei Gruppen treffen sich auf dem Marktplatz, und nur eine davon bezahlt eBay regelmäßig. Käufer zahlen den Artikelpreis und den Versand an den Verkäufer, eine Käufergebühr verlangt eBay.de nicht. Private Verkäufer zahlen innerhalb Deutschlands ebenfalls nichts. Die gewerblichen Händler dagegen geben auf jeden Verkauf eine Provision ab und kaufen zusätzlich Werbung, um in der Trefferliste aufzufallen.

Die Privatleute arbeiten für eBay ohne Lohn. Die Verkäufer übernehmen Fotos, Beschreibung, Verpackung und Versand selbst, und ihre Angebote machen die Plattform für Käufer interessant.

Im Recommerce Report, den eBay am 7. Oktober 2026 veröffentlichte, gaben 47 Prozent der weltweit 10.522 Befragten an, mindestens einmal im Monat gebrauchte Ware zu kaufen, ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 35 Prozent. In Deutschland haben 82 Prozent schon einmal Gebrauchtes bei eBay gekauft, 66 Prozent nutzen Gebrauchtkäufe, um ihr Haushaltsbudget zu entlasten.

Ihre Suche ist die Ware

Die Käufer sind das zweite Produkt. Jede Suche, jeder Klick und jeder Kauf verbessert die Trefferliste, und Plätze darin verkauft eBay an Händler.

Seit dem ersten Quartal 2026 arbeitet der Konzern zudem mit Meta zusammen: Creator können über das Affiliate-Programm von Facebook eBay-Angebote in ihren Beiträgen zeigen. Facebook wird so zum zusätzlichen Vertriebskanal, für den wiederum die Händler das Sortiment liefern.

Über den chinesischen Markt flossen 2025 umgerechnet 1,12 Milliarden Euro Umsatz, mehr als über Deutschland. Die Händler dahinter beliefern von China aus Käufer in den anderen eBay-Märkten. Viele dieser Händler kennen den Onlinehandel aus ihrem Heimatmarkt, in dem Konzerne wie Alibaba den Ton angeben.

Aus welcher Rolle Sie eBay kennen

Meist begegnen Sie eBay als Käufer, der ein Ersatzteil oder ein gebrauchtes Gerät sucht, und verkaufen vielleicht gelegentlich selbst privat, seit März 2023 ohne Gebühren. Für Händler und Gründer ist eBay dagegen ein Vertriebskanal mit Provisionen von meist 5 bis 14 Prozent in den gängigen Kategorien, zuzüglich Werbung. Was einem Händler nach Provision und Werbung vom Verkaufspreis bleibt, rechnet das nächste Kapitel vor.

Auf den PunktWer zahlt, wer liefert
  • Händler bringen mit Provision und Werbung den größten Teil des Umsatzes.
  • Privatleute liefern in Deutschland gebührenfrei die gebrauchte Ware, die Käufer anlockt.
  • Käufer zahlen nichts an eBay, ihre Suchen machen die Werbeplätze aber erst wertvoll.

Was kostet ein Verkauf auf eBay wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein weißer Fußball auf einem Podest mit einem 14%-Diagramm-Segment und einer Flagge
Bei 100 Euro Gesamtbetrag fallen in der Kategorie Sport 14 Euro Provision an, auch auf Versand und Umsatzsteuer.

Ein gewerblicher Händler gibt in einer Standardkategorie wie Sport 14 Prozent des Gesamtbetrags plus 45 Cent je Bestellung ab. Weil eBay die Provision auch auf Versand und Umsatzsteuer berechnet, entspricht die Provision gut 17 Prozent des Nettoerlöses. Private Verkäufer zahlen innerhalb Deutschlands nichts.

Im Kleingedruckten der Gebührenseite für gewerbliche Verkäufer steht: Der Gesamtbetrag, auf den eBay die Provision berechnet, umfasst den Artikelpreis, die Versandkosten, die Umsatzsteuer und alle weiteren Gebühren. Für einen deutschen Händler ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten, den er an das Finanzamt abführt. Die Provision darauf zahlt er trotzdem.

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Händler verkauft einen neuen Fußball für 100 Euro einschließlich Versand und 19 Prozent Umsatzsteuer.

PostenBetragAnteil am Nettoerlös
Gesamtbetrag, den der Käufer zahlt100,00 €
Umsatzsteuer (an das Finanzamt)15,97 €
Nettoerlös des Händlers vor Gebühren84,03 €100 %
Verkaufsprovision 14 % auf den Gesamtbetrag14,00 €16,7 %
Fixgebühr je Bestellung über 10 €0,45 €0,5 %
Werbung, angenommen 5 % Anzeigengebühr5,00 €6,0 %
Bleibt für Ware, Versand, Personal und Gewinn64,58 €76,9 %

Mit Anzeige würden also gut 23 statt 17,2 Prozent des Nettoerlöses an eBay gehen. Vom Kaufpreis blieben dem Händler damit 64,58 Euro für Ware, Versand, Personal und Gewinn.

Für Händler ohne eigenen eBay-Shop kommen Angebotsgebühren hinzu, sobald das monatliche Kontingent kostenloser Angebote aufgebraucht ist: 35 Cent je Festpreisangebot, 50 Cent je Auktion. Zusatzoptionen kosten extra, etwa 1,50 Euro für einen Untertitel in der Trefferliste oder 2,75 Euro für ein vergrößertes Vorschaubild bei Festpreisangeboten. Händler, die viele Artikel einstellen und wenige verkaufen, zahlen so auch für Angebote, die nie einen Käufer finden.

Für denselben Fußball in gebrauchtem Zustand verlangt eBay nur 5 Prozent Provision, gebrauchte und generalüberholte Ware ist in vielen Kategorien deutlich günstiger gestellt. Für Kleidung und Accessoires verlangt eBay 12 Prozent Provision bis zu einem Verkaufspreis von 990 Euro.

Wer am Ende bezahlt

Formal zahlt der Händler, wirtschaftlich zahlt der Käufer. Ein Händler, der 17 bis 23 Prozent seines Nettoerlöses an die Plattform abgibt, kalkuliert diese Kosten in den Preis ein. Der Endpreis auf eBay enthält damit die Provision, auch wenn auf keiner Rechnung des Käufers eine eBay-Gebühr steht.

Im zweiten Quartal 2026 entsprachen alle Werbeerlöse von eBay 2,7 Prozent des Warenvolumens. Rechnerisch kamen damit auf 100 Euro Warenwert 2,70 Euro für Anzeigen, gemittelt über alle Verkäufe, auch über jene ohne Werbung. Für den einzelnen Händler, der Anzeigen bucht, liegt der Satz entsprechend höher.

Gebühren steigen bei eBay leiser, als sie sinken. Dass Privatverkäufer ab März 2023 keine Gebühren mehr zahlen, kündigte eBay per Pressemitteilung an. Die Erhöhung der Gebühr für Währungsumrechnung von 3 auf 3,25 Prozent zum 2. Dezember 2026 steht dagegen auf der Hilfeseite für private Verkäufer, eine Pressemitteilung dazu haben wir nicht gefunden.

Auch eBay selbst trägt höhere Kosten: 2025 verbuchte der Konzern umgerechnet 96 Millionen Euro mehr Versandkosten als im Vorjahr, die operative Marge sank auch deshalb von 22,5 auf 20,5 Prozent.

Auf den PunktProvision auf den Bruttobetrag
  • Bemessung: eBay berechnet die Provision auf den Gesamtbetrag samt Versand und Umsatzsteuer.
  • Effektiv: Aus 14 Prozent Provision werden so gut 17 Prozent des Nettoerlöses, mit Werbung gut 23 Prozent.
  • Gebraucht: Für gebrauchte Ware verlangt eBay in vielen Kategorien nur 5 Prozent.

Wer profitiert von eBay und wer zahlt drauf?

Weiße Münzen und eine orangefarbene Münze mit Zettel
2,71 Milliarden Euro flossen 2025 über Rückkäufe und Dividenden an die Aktionäre.

Am meisten profitieren die Aktionäre: 2025 schüttete eBay über Rückkäufe und Dividenden umgerechnet 2,71 Milliarden Euro aus, das Anderthalbfache des Jahresgewinns von 1,81 Milliarden Euro. Draufzahlen müssen gewerbliche Händler und über den Preis ihre Kunden, denn die Provision wird auch auf Versand und Umsatzsteuer fällig.

Von den 2,71 Milliarden Euro entfielen 2,23 Milliarden Euro auf Aktienrückkäufe und 474 Millionen Euro auf Dividenden. Die durchschnittliche Zahl der ausstehenden Aktien sank von 530 Millionen im Jahr 2023 auf 459 Millionen im Jahr 2025. Jeder verbliebene Aktionär besitzt damit einen größeren Teil des Konzerns, ohne einen Euro nachgelegt zu haben.

Der Free Cashflow lag 2025 bei 1,34 Milliarden Euro und reichte damit für die Ausschüttung nicht aus.

Im Februar 2026 genehmigte der Verwaltungsrat weitere Rückkäufe über umgerechnet 1,79 Milliarden Euro. Im ersten Quartal kaufte eBay für umgerechnet 447 Millionen Euro eigene Aktien zurück, im zweiten Quartal, kurz vor dem Kauf von Depop, nur noch für 277 Millionen Euro. Die Quartalsdividende stieg zum Jahresbeginn um 7 Prozent auf umgerechnet 0,28 Euro je Aktie, im ersten Halbjahr zahlte eBay so 247 Millionen Euro an Dividenden.

Der Videospielhändler GameStop kaufte bis Juli 2026 gut 43 Millionen eBay-Aktien zu im Schnitt umgerechnet 90,30 Euro. Zum Schlusskurs vom 14. Oktober, umgerechnet 104,40 Euro, ist das Paket rund 4,5 Milliarden Euro wert, gut 600 Millionen Euro mehr als der Einstand.

eBay hatte das Übernahmegebot von 111,66 Euro je Aktie im Mai als „weder glaubwürdig noch attraktiv“ abgelehnt.

Auch die Beschäftigten verdienen an der Aktie mit. 2025 verbuchte eBay umgerechnet 542 Millionen Euro für aktienbasierte Vergütung, 5,5 Prozent des Umsatzes, davon 261 Millionen Euro allein in der Produktentwicklung. Für einen Marktplatz, dessen Wert in Software und Daten steckt, sind Aktienpakete ein übliches Mittel, Entwickler zu halten. Die Aktionäre kostet die aktienbasierte Vergütung Geld, denn neu ausgegebene Aktien verwässern ihren Anteil, und ein Teil der Rückkäufe gleicht diese Verwässerung erst wieder aus.

Der Vergütungsbericht weist für Jamie Iannone 2025 umgerechnet 25,4 Millionen Euro aus. Das Mediangehalt im Konzern lag bei 161.000 Euro, das Verhältnis damit bei 158 zu 1. Auf der Hauptversammlung im Juni 2026 billigten die Aktionäre das Vergütungssystem mit 323,5 Millionen zu 43,6 Millionen Stimmen.

GruppeRolleBilanz
AktionäreEigentümerGewinner: 2,71 Mrd. € Ausschüttung 2025, 13 % weniger Aktien seit 2023
GameStopGroßaktionär mit 9,8 %Gewinner: rund 600 Mio. € Buchgewinn gegenüber dem Einstand
ManagementFührungGewinner: 25,4 Mio. € für den Vorstandschef, das 158-Fache des Mediangehalts
Private Verkäufer in DeutschlandLieferanten von GebrauchtwareGewinner: seit März 2023 keine Gebühren im Inland
Sammler und SchnäppchenjägerKäuferGemischt: große Auswahl, aber Provision und Werbung stecken im Preis
Gewerbliche HändlerZahler der ProvisionVerlierer: bis zu 14 % auf den Bruttobetrag, dazu Werbekosten
Kleinanzeigen und VintedWettbewerberUnter Druck: eBay holt sich mit Depop und Gratis-Verkauf das Gebrauchtgeschäft zurück

Für Händler wirkt der Marktplatz wie ein Mietvertrag ohne Kündigungsschutz. Der Vermieter erhöht die Nebenkosten, und ausziehen hieße, die gesammelten Bewertungen zurückzulassen. Die meisten Händler nehmen neue Gebühren deshalb hin, und eBay kann Preise erhöhen, ohne eine Abwanderung fürchten zu müssen.

Dreilinden und San Jose

Der Konzernsitz liegt in San Jose, Kalifornien, wo eBay rund 46.000 Quadratmeter Fläche nutzt. Von den 12.300 Beschäftigten arbeiten 7.200 in den USA.

Die deutsche eBay GmbH sitzt in Dreilinden am südwestlichen Stadtrand von Berlin. Wie viele Menschen dort arbeiten, veröffentlicht eBay nicht. Wirtschaftlich zählt eBay in Deutschland vor allem als Vertriebskanal für Zehntausende gewerbliche Händler, deren genaue Zahl der Konzern ebenfalls nicht nennt.

eBay lässt deutsche Privatleute gratis verkaufen und kassierte 2025 von Händlern 1,78 Milliarden Euro für bessere Plätze in der Suche.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie politisch ist eBay?

Weißer Briefkasten mit orangefarbenem Umschlag im Einwurf, beschriftet mit „BRÜSSEL“
In Brüssel gab eBay 2025 zwischen 900.000 und 999.999 Euro für Lobbyarbeit aus.

In Europa lobbyiert eBay vor allem in Brüssel, mit 900.000 bis 999.999 Euro im Jahr 2025, in Berlin mit 130.001 bis 140.000 Euro. Politisch am heikelsten ist derzeit ein Verfahren der Bundesnetzagentur, die im Juli 2026 vorläufig Verstöße gegen den Digital Services Act der EU festgestellt hat.

Im Lobbyregister des Bundestags steht die eBay GmbH seit Februar 2022 unter der Nummer R002009, der Eintrag wurde zuletzt am 15. September 2026 aktualisiert. Für 2025 meldete die deutsche Tochter Ausgaben zwischen 130.001 und 140.000 Euro und einen Personaleinsatz von 0,15 Vollzeitstellen. Deutlich mehr Gewicht legt der Konzern auf Brüssel. Das EU-Verbindungsbüro gab für 2025 eine Spanne von 900.000 bis 999.999 Euro an und kommt auf 1,95 Vollzeitstellen. Seit der Registrierung zählt das Transparenzregister 67 Treffen mit hochrangigen Vertretern der EU-Kommission.

In den USA meldete eBay allein für das zweite und dritte Quartal 2025 Lobbyausgaben von umgerechnet 2,83 Millionen Euro, wie der Datendienst Quiver Quantitative aus den Pflichtmeldungen auswertete.

Steuern: der Schweizer Rabatt

Die effektive Steuerquote lag 2025 bei 13,5 Prozent, nach 13,0 Prozent im Jahr 2024. Der Regelsatz in den USA beträgt 21 Prozent. Die Schweiz erklärt einen Teil der Differenz: Laut Steuerüberleitung im Geschäftsbericht senkte der niedrigere Schweizer Bundessteuersatz die Steuerlast um umgerechnet 102 Millionen Euro, also um 4,9 Prozentpunkte der Quote, die Kantonssteuern holten davon 2,7 Prozentpunkte zurück.

Die Steuerprüfungen für die Jahre 2017 bis 2024 laufen noch, unter anderem in den USA, in Deutschland und in der Schweiz.

Der Streit um den Digital Services Act

Weil eBay seine europäische Hauptniederlassung in Deutschland hat, überwacht die Bundesnetzagentur die Einhaltung des Digital Services Act. Seit Januar 2026 läuft ein Verfahren. Am 6. Juli 2026 stellte die Behörde vorläufig Verstöße fest: beim Meldeweg für illegale Inhalte, bei der Begründung von Sperren und bei den Pflichtangaben über gewerbliche Händler. Eine abschließende Entscheidung steht aus, ein Zwangsgeld ist möglich. Im Geschäftsbericht weist eBay darauf hin, dass der DSA Bußgelder bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes erlaubt, bei eBay rechnerisch bis zu 595 Millionen Euro.

In den USA zahlte eBay wegen des Verkaufs von Pillenpressen über den Marktplatz im Januar 2024 umgerechnet 52,7 Millionen Euro an das US-Justizministerium. Für eine Einschüchterungskampagne früherer Sicherheitsmitarbeiter gegen ein Ehepaar aus Massachusetts zahlte eBay nach einer Mitteilung der Bundesstaatsanwaltschaft in Boston umgerechnet 2,68 Millionen Euro Strafe und akzeptierte für drei Jahre einen unabhängigen Aufseher.

Ein Gericht wies im September 2024 eine Klage der Umweltbehörde EPA wegen verkaufter Abgas-Manipulationsteile ab.

Der Recommerce Report stellt den Gebrauchtkauf als Hilfe für das Haushaltsbudget heraus: 70 Prozent der Befragten weltweit halten gebrauchte Ware für ein wichtiges Mittel zum Sparen. Wir lesen den Bericht deshalb auch als Lobbypapier: Ein Marktplatz, der sich als Helfer der Haushaltskasse präsentiert, tritt in Brüssel anders auf als einer, der vor allem Provisionen kassiert.

Auf den PunktBrüssel ist wichtiger als Berlin
  • Lobby: In Brüssel gibt eBay rund siebenmal so viel aus wie in Berlin.
  • Steuern: Die Schweiz drückt die Steuerquote, 2025 lag sie bei 13,5 Prozent.
  • Aufsicht: Die Bundesnetzagentur sieht vorläufig Verstöße gegen den DSA, eine Entscheidung fehlt noch.

Was könnte eBay zu Fall bringen?

Wackeliger Stapel weißer Karten mit oranger Karte oben und
Eine einzige Pikachu-Karte brachte 2026 umgerechnet 14,74 Millionen Euro. Der Sammlerboom ist Chance und Risiko.

eBay benennt selbst eine Gefahr: KI-Agenten, die Käufer an der eigenen Suche vorbeiführen und damit das Werbegeschäft von 1,78 Milliarden Euro treffen könnten. Hinzu kommen ein schwaches Geschäft außerhalb der USA, die Abhängigkeit vom Sammlerboom und ein Großaktionär mit Übernahmeplänen.

Im Geschäftsbericht 2025 warnt eBay unter den Risikofaktoren, KI-Technologien wie Agenten und Chatbots könnten verändern, wie Verbraucher nach Produkten suchen. Erledigt ein Assistent den Preisvergleich und den Kauf, sieht der Käufer keine Trefferliste mehr, und gesponserte Plätze verlieren ihren Wert. Laut HDE Online-Monitor 2026 nutzen 60 Prozent der Internetnutzer in Deutschland KI-Dienste, und mehr als jeder Fünfte der Befragten nutzt KI bereits für die Produktrecherche.

Ein solcher Wandel träfe bei eBay genau den Posten, der am schnellsten wächst. Die eigene Suche im Gesprächsstil, die US-Käufer seit Dezember 2025 testen, dient auch der Abwehr.

Im zweiten Quartal 2026 legte das Warenvolumen in den USA gegenüber dem Vorjahresquartal um 24 Prozent zu, außerhalb der USA nur um 6 Prozent. Der deutsche Umsatz liegt seit 2023 nahezu unverändert bei rund 870 Millionen Euro.

Der Sammlerboom als Klumpenrisiko

Mehr als 40 Prozent des Warenvolumens stammen inzwischen aus den Focus Categories, und dort wiederum treiben Sammlerstücke wie Sammelkarten das Wachstum. Über das Auktionshaus Goldin wechselte im ersten Quartal 2026 eine Pikachu-Illustrator-Karte für umgerechnet 14,74 Millionen Euro den Besitzer. Solche Rekordpreise zeigen, wie viel Geld in den Markt fließt, und damit auch, wie tief die Preise fallen könnten, falls die Begeisterung nachlässt.

Die Bank Morgan Stanley schätzt, dass eBay Live mindestens 40 Prozent des Wachstums beim Warenvolumen 2026 ausmacht, wie Yahoo Finance am 12. Oktober berichtete. Ein Format, dessen Warenvolumen sich binnen eines Jahres verachtfacht hat, kann ebenso schnell wieder abkühlen.

Der Großaktionär vor der Tür

GameStop hält 9,8 Prozent der Aktien und hat im Mai ein Gebot von umgerechnet 111,66 Euro je Aktie vorgelegt, in bar und in GameStop-Aktien. Die Bank TD Securities zeigte sich in einem Brief zuversichtlich, dafür bis zu 17,87 Milliarden Euro Fremdkapital beschaffen zu können.

Das Gebot liegt nur noch rund 7 Prozent über dem Kurs vom 14. Oktober.

Eine schuldenfinanzierte Übernahme würde den Free Cashflow, der heute über Rückkäufe an die Aktionäre geht, in Zinszahlungen umlenken. Seit Juli hat GameStop seine Beteiligung nicht mehr verändert und spricht von einer langfristigen Anlage.

Weitere Risiken: Die Bundesnetzagentur kann ein Zwangsgeld verhängen, Temu, Shein und TikTok Shop wachsen mit billiger Neuware, Vinted mit Gebrauchtmode. eBay selbst erwartet, dass sich die Übernahme von Depop erst ab 2028 positiv auf den Gewinn je Aktie auswirkt.

Drei Szenarien bis 2031

Im günstigen Szenario setzt sich eBay als Marktplatz für Sammler, Ersatzteile und Gebrauchtware durch, die KI-Suche lenkt Käufer auf die Plattform statt an ihr vorbei, und die Werbung wächst weiter zweistellig.

Im mittleren Fall bleibt eBay ein profitabler Nischenmarktplatz mit Wachstum im einstelligen Bereich, der seine Gewinne vor allem über Rückkäufe verteilt. Im ungünstigen Fall fällt der Sammlerboom in sich zusammen, KI-Agenten entwerten die Trefferliste, und ein Käufer übernimmt den Konzern mit Schulden, die der Marktplatz abtragen muss.

Risiken
Was eBay gefährden kann
Fünf Risiken, sortiert nach zeitlicher Nähe (Einschätzung der Redaktion).
Akut
Großaktionär GameStop
9,8 Prozent der Aktien, Gebot von 111,66 Euro je Aktie im Mai abgelehnt.
Akut
DSA-Verfahren
Bundesnetzagentur sieht vorläufig Verstöße, ein Zwangsgeld ist möglich.
Mittelfristig
KI-Agenten
Kaufen Assistenten selbst ein, verlieren gesponserte Plätze in der Trefferliste ihren Wert.
Mittelfristig
Schwäche außerhalb der USA
Warenvolumen im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal in den USA plus 24 Prozent, außerhalb nur plus 6 Prozent.
Langfristig
Ende des Sammlerbooms
Mehr als 40 Prozent des Warenvolumens stammen aus den Focus Categories.

Was bedeutet eBay für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Weiße Box mit Aufklebern „AUSLAND“ und Kompass-Motiv auf weißem Sockel
42 Prozent der deutschen eBay-Verkäufer haben laut Recommerce Report schon ins Ausland verkauft.

Verbraucher verkaufen auf eBay gebrauchte Ware im Inland kostenlos und finden dort Ersatzteile und Sammlerstücke. Händler zahlen je nach Kategorie 5 bis 14 Prozent Provision auf den Bruttobetrag, dazu Werbung und Zusatzgebühren.

Mit 874 Millionen Euro Umsatz lag Deutschland 2025 hinter den USA, Großbritannien und dem Geschäft chinesischer Händler auf Platz vier der Märkte. Gegenüber 2023 wuchs der deutsche Umsatz um 0,7 Prozent. Mehr als 18 Millionen Menschen nutzen den Marktplatz hierzulande.

Seit dem 11. September 2026 führt Saskia Meier-Andrae die europäischen Marktplätze gebündelt, Deutschland bleibt in ihrer direkten Verantwortung.

Heute, am 15. Oktober, trifft sich die Händlerszene in Berlin zur eBay OPEN, Schwerpunkte sind Live-Verkauf, KI und internationaler Handel.

Was Verbraucher wissen sollten

Privat verkaufen Sie innerhalb Deutschlands ohne Gebühr. Für Verkäufe in fremder Währung verlangt eBay ab dem 2. Dezember 2026 jedoch 3,25 Prozent statt 3 Prozent. Und das Finanzamt schaut mit: Seit 2023 meldet eBay nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz die Verkäufe jedes Nutzers, der im Jahr 30 oder mehr Verkäufe oder mindestens 2.000 Euro Erlös erreicht.

Eine Steuerpflicht folgt daraus nicht automatisch, der Verkauf privater Gebrauchsgegenstände bleibt in der Regel steuerfrei. Beim Kauf von Neuware lohnt der Preisvergleich mit dem eigenen Onlineshop des Händlers, weil dort keine Marktplatz-Provision im Preis steckt.

Was Händler wissen sollten

Laut dem deutschen Teil des Recommerce Reports haben 42 Prozent der Verkäufer hierzulande schon ins Ausland verkauft. Als Hürden nennen 47 Prozent der Befragten die Logistik und 40 Prozent Zölle und Steuern. Ein deutscher Händler, der über eBay grenzüberschreitend verkauft, erreicht damit Käufer in Märkten, in denen er sonst keinen eigenen Vertrieb hätte. Die Kehrseite: Provision, Werbung und Umrechnungsgebühr summieren sich, und die Plattform bestimmt, wer in der Trefferliste oben steht.

Für Artikel im Zustand „Neu: Sonstige“, für Gebrauchtware und für generalüberholte Geräte verlangt eBay in vielen Kategorien nur 5 Prozent Provision. Händler können Rückläufer und Ausstellungsstücke so günstig absetzen.

Seit dem vierten Quartal 2025 können Händler in Deutschland auch über eBay Live verkaufen. Für Kleidung, Schuhe, Accessoires und Schmuck bietet eBay hierzulande zudem eine Echtheitsprüfung an, das Prüfzentrum in Deutschland arbeitet seit August 2026 auch für Frankreich und Italien. Käufer erhalten damit einen Nachweis der Echtheit, Händler hochwertiger Markenware ein zusätzliches Verkaufsargument.

Ausblick
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
Was bis Herbst 2027 auf eBay und deutsche Nutzer zukommen kann (Einschätzung der Redaktion).
Optimistisch
Prognose übertroffen
Werbung und eBay Live wachsen weiter, das Deutschland-Geschäft zieht mit dem Live-Verkauf an.
Realistisch
Wachstum in den USA
eBay erreicht das angekündigte Umsatzplus von 11 bis 12 Prozent für 2026 vor allem in den USA, während Deutschland stagniert.
Pessimistisch
Doppelter Druck
Zwangsgeld der Bundesnetzagentur und abkühlender Sammlermarkt treffen zusammen.
28.10.2026
Zahlen zum dritten Quartal
2,74 bis 2,79 Mrd. €
Umsatzprognose drittes Quartal
3,25 %
Umrechnungsgebühr ab 02.12.2026

Die nächsten zwölf Monate

Am 28. Oktober legt eBay die Zahlen zum dritten Quartal vor, die Telefonkonferenz mit Analysten beginnt um 22:30 Uhr deutscher Zeit. Der Konzern erwartet einen Umsatz zwischen 2,74 und 2,79 Milliarden Euro und ein Warenvolumen zwischen 19,65 und 20,01 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026 stellt eBay ein Umsatzwachstum von 11 bis 12 Prozent in Aussicht, ohne Währungseffekte und einschließlich Depop.

Unsere Einschätzung: Für deutsche Händler wird eBay teurer, nicht über die Provision, sondern über Werbung und Zusatzgebühren. Händler sollten die Werbekosten deshalb so genau kalkulieren wie die Provision selbst.

Zum MitnehmenWas Sie jetzt tun können
  • Privat verkaufen: Behalten Sie gerne im Blick, ab wann eBay Ihre Daten an das Finanzamt meldet: ab 30 Verkäufen oder 2.000 Euro Erlös im Jahr.
  • Als Händler kalkulieren: Rechnen Sie die Provision am besten auf den Bruttobetrag samt Versand und Umsatzsteuer, nicht auf den Nettopreis.
  • Werbung testen: Buchen Sie Anzeigen gerne zunächst für wenige Artikel und prüfen Sie, ob der Mehrumsatz die Gebühr deckt.
  • Gebrauchtkategorien nutzen: Bieten Sie Rückläufer und generalüberholte Ware gerne gezielt in Kategorien mit 5 Prozent Provision.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von eBay

Aufgeschlagenes Buch auf Podest mit orangem Tag und Aufschrift
Von Aktienrückkauf bis Take Rate: die wichtigsten Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von eBay.

Aktienrückkauf

Beim Aktienrückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien an der Börse und zieht sie meist ein. Die Zahl der Aktien sinkt, jeder verbliebene Aktionär besitzt einen größeren Anteil am Gewinn. eBay gab 2025 umgerechnet 2,23 Milliarden Euro dafür aus und senkte die durchschnittliche Aktienzahl von 2023 bis 2025 um 13 Prozent.

Bruttomarge

Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der direkten Umsatzkosten übrig bleibt. Bei eBay zählen dazu Kundendienst, Rechenzentren, Zahlungsabwicklung und Versandprogramme. 2025 lag die Bruttomarge bei 71,5 Prozent, weil eBay keine eigene Ware einkauft.

C2C

C2C steht für Consumer-to-Consumer, also den Handel zwischen Privatleuten. Auf eBay macht dieses Geschäft weltweit etwa ein Viertel des Warenvolumens aus. Private Verkäufer zahlen auf eBay.de seit März 2023 für Verkäufe im Inland keine Gebühren mehr.

Digital Services Act

Der Digital Services Act (DSA) ist eine EU-Verordnung, die Online-Plattformen Pflichten auferlegt, etwa einen Meldeweg für illegale Inhalte und die Überprüfung gewerblicher Händler. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für eBay ist die Bundesnetzagentur zuständig.

Focus Categories

Als Focus Categories bezeichnet eBay die Kategorien, in die der Konzern gezielt investiert, vor allem Sammlerstücke, Fahrzeugteile, Mode und generalüberholte Ware. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Warenvolumen dort gegenüber dem Vorjahresquartal um 26 Prozent und überstieg erstmals 40 Prozent des gesamten Volumens.

Free Cashflow

Der Free Cashflow ist der Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft nach Abzug der Investitionen in Anlagen. Er zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen tatsächlich für Schuldentilgung, Zukäufe oder Ausschüttungen übrig hat. Bei eBay lag er 2025 bei umgerechnet 1,34 Milliarden Euro.

Gesponserte Anzeige

Eine gesponserte Anzeige rückt ein Angebot gegen Gebühr in den Suchergebnissen nach oben. Auf eBay.de zahlen Händler je nach Kampagne einen Betrag pro Klick, einen Prozentsatz nach dem Verkauf oder eine Pauschale. Die Werbeerlöse von eBay stiegen 2025 um 22 Prozent auf umgerechnet 1,78 Milliarden Euro.

Gross Merchandise Volume

Das Gross Merchandise Volume (GMV) ist der Gesamtwert aller Waren, die über einen Marktplatz verkauft werden, einschließlich Versand. Die Kennzahl misst die Größe einer Plattform, nicht ihren Umsatz. Bei eBay lag das GMV 2025 bei umgerechnet 71,1 Milliarden Euro.

Live Commerce

Live Commerce bezeichnet den Verkauf per Videostream, bei dem Verkäufer Waren live vorführen und Zuschauer direkt kaufen oder bieten. eBay betreibt das Format unter dem Namen eBay Live, seit Ende 2025 auch in Deutschland. Im zweiten Quartal 2026 verachtfachte sich das Warenvolumen darüber gegenüber dem Vorjahresquartal.

Netzwerkeffekt

Ein Netzwerkeffekt liegt vor, wenn ein Angebot für jeden Nutzer wertvoller wird, je mehr andere Menschen dasselbe Angebot nutzen. Auf einem Marktplatz ziehen mehr Verkäufer mehr Käufer an und umgekehrt. Der Effekt erschwert Neulingen den Einstieg, weil sie beide Seiten zugleich gewinnen müssen.

Non-GAAP

Non-GAAP bezeichnet Kennzahlen, die von den US-Bilanzregeln abweichen. Unternehmen rechnen dabei Posten wie aktienbasierte Vergütung, Abschreibungen auf Zukäufe oder Umbaukosten heraus. Die operative Marge von eBay lag 2025 nach US-Bilanzregeln bei 20,5 Prozent, in der bereinigten Non-GAAP-Rechnung bei 27,8 Prozent.

Quersubventionierung

Bei der Quersubventionierung finanziert ein profitabler Teil eines Geschäfts einen anderen, der wenig oder nichts einbringt. eBay verzichtet in Deutschland auf Gebühren für private Verkäufer, weil deren Angebote Käufer anlocken. Finanziert wird der Verzicht durch Provisionen und Werbeausgaben der gewerblichen Händler.

Recommerce

Recommerce bezeichnet den Handel mit gebrauchter und generalüberholter Ware. eBay beziffert den Anteil dieses Bereichs auf mehr als 40 Prozent des eigenen Warenvolumens. Im Recommerce Report 2026 gaben 47 Prozent der weltweit Befragten an, mindestens einmal im Monat gebraucht zu kaufen.

Take Rate

Die Take Rate ist der Anteil des Warenwerts, den ein Marktplatz als Umsatz einbehält. Die Kennzahl ergibt sich aus Umsatz geteilt durch Gross Merchandise Volume und enthält Provisionen, Gebühren und Werbung. Bei eBay lag die Quote 2025 bei 13,94 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 13,99 Prozent.

FAQ: Wovon lebt eBay, wenn privates Verkaufen gratis ist?

Kamera auf Tisch, darüber ein orangefarbenes Hängeschild mit der Aufschrift FAQ
Häufige Fragen zu eBay: Gebühren, Eigentümer, Kleinanzeigen, Finanzamt und Quartalszahlen.

Ist Verkaufen auf eBay für Privatpersonen kostenlos?

Ja, innerhalb Deutschlands verkaufen Privatpersonen auf eBay.de seit dem 1. März 2023 ohne Angebotsgebühr und ohne Verkaufsprovision. Gebühren fallen nur für Zusatzoptionen an, für mehr als 320 Angebote im Monat und für Verkäufe in fremder Währung, ab dem 2. Dezember 2026 mit 3,25 Prozent.

Wie viel Gebühren zahlen gewerbliche Händler bei eBay?

Gewerbliche Händler zahlen eine Verkaufsprovision, die je nach Kategorie meist zwischen 5 und 14 Prozent liegt, plus 35 Cent je Bestellung, bei Bestellungen über 10 Euro 45 Cent. Berechnet wird die Provision auf den Gesamtbetrag samt Versand und Umsatzsteuer. Optional kommen Kosten für Anzeigen hinzu.

Wem gehört eBay?

eBay ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in San Jose, Kalifornien. Der größte bekannte Einzelaktionär ist der Videospielhändler GameStop mit 9,8 Prozent. eBay lehnte das Übernahmeangebot von GameStop über umgerechnet 111,66 Euro je Aktie im Mai 2026 ab.

Gehört Kleinanzeigen noch zu eBay?

Nein. eBay verkaufte sein Kleinanzeigengeschäft samt eBay Kleinanzeigen 2021 an den norwegischen Konzern Adevinta, die restliche Beteiligung folgte 2024. Seit 2023 heißt die Plattform nur noch Kleinanzeigen und ist heute ein Wettbewerber von eBay.

Meldet eBay meine Verkäufe an das Finanzamt?

Ja, sobald Sie in einem Jahr 30 oder mehr Verkäufe oder mindestens 2.000 Euro Erlös erreichen. Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz schreibt diese Meldung seit 2023 vor. Steuerpflichtig wird der Verkauf privater Gebrauchsgegenstände dadurch in der Regel nicht.

Wann veröffentlicht eBay die nächsten Quartalszahlen?

eBay legt die Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 28. Oktober 2026 vor. Die Telefonkonferenz mit Analysten beginnt um 22:30 Uhr deutscher Zeit. Der Konzern erwartet einen Umsatz zwischen umgerechnet 2,74 und 2,79 Milliarden Euro.

Quellen

46 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 15.10.2026
  1. eBay Inc.Annual Report on Form 10-K for the fiscal year 2025Geschäftsbericht 2025
  2. eBay Inc.Quarterly Report on Form 10-Q, Q2 2026
  3. eBay Inc.eBay Q2 2026 Results (Pressemitteilung vom 05.08.2026)
  4. eBay Inc.eBay Q1 2026 Results (Pressemitteilung vom 29.04.2026)
  5. eBay Inc.eBay Q4 and Full Year 2025 Results (Pressemitteilung vom 18.02.2026)
  6. eBay Inc.Q4 2025 Earnings Presentation
  7. eBay Inc.Q2 2026 Earnings Presentation
  8. eBay Inc.Proxy Statement 2026 (DEF 14A)
  9. eBay Inc.eBay Q3 2026 Earnings Call (Termin)
  10. eBay Inc.eBay’s 2026 Recommerce Report is here07.10.2026
  11. eBay GmbHeBay Recommerce Report: 82 Prozent kaufen gebraucht bei eBay, doch der grenzüberschreitende Handel stockt07.10.2026
  12. eBay GmbHeBay stärkt Vertrauen durch Einführung von kostenlosen Rückgaben für Fahrzeugteile und Zubehör14.09.2026
  13. eBay GmbHeBay stärkt europäische Ausrichtung und bündelt Führung seiner EU-Marktplätze11.09.2026
  14. eBay GmbHLive verkaufen, international wachsen: die eBay OPEN 2026
  15. eBay GmbHeBay Handelsupdate im 2. Quartal 2026
  16. eBay GmbHeBay.de macht das private Verkaufen kostenlos28.02.2023
  17. eBay GmbHGebühren für private Verkäufer
  18. eBay GmbHGebühren für gewerbliche Verkäufer
  19. eBay Inc.Meet the Buyer of the Broken Laser Pointer
  20. eBay Inc.Form 10-Q für das dritte Quartal 1998 (Börsengang)
  21. eBay Inc.Form 10-Q für das zweite Quartal 1999 (Übernahme alando.de)
  22. eBay Inc.Pressemitteilung zum Abschluss der PayPal-ÜbernahmeOktober 2002
  23. eBay Inc.Pressemitteilung zur Skype-Übernahme15.09.2005
  24. eBay Inc.Pressemitteilung zum Skype-Verkauf01.09.2009
  25. eBay Inc.Form 8-K zur Abspaltung von PayPal20.07.2015
  26. eBay Inc.Pressemitteilung zum Verkauf von StubHub13.02.2020
  27. eBay Inc.Pressemitteilung zum Wechsel an der Konzernspitze 200825.01.2008
  28. eBay Inc.Annual Report on Form 10-K for the fiscal year 2022
  29. eBay Inc.Annual Report on Form 10-K for the fiscal year 2024
  30. eBay Inc.Form 8-K, Exhibit 99.2: Schreiben an GameStop12.05.2026
  31. eBay Inc.Form 8-K, Exhibit 99.1: Finanzierungsschreiben von TD Securities12.05.2026
  32. eBay Inc.Form 8-K zur Hauptversammlung 202618.06.2026
  33. GameStop Corp.Schedule 13D zu eBay04.05.2026
  34. GameStop Corp.Schedule 13D/A Amendment No. 4 zu eBay17.07.2026
  35. GameStop Corp.Quarterly Report on Form 10-Q (eingereicht 09.09.2026)
  36. Handelsverband Deutschland (HDE)HDE Online-Monitor 2026
  37. BundesnetzagenturPressemitteilung zum DSA-Verfahren gegen eBay06.07.2026
  38. Deutscher BundestagLobbyregister, Eintrag eBay GmbH (R002009)
  39. LobbyFactseBay EU Liaison Office (Daten aus dem EU-Transparenzregister)
  40. Quiver QuantitativeLobbying-Meldung von eBay Inc. für das dritte Quartal 2025
  41. United States Attorney’s Office, District of MassachusettsPressemitteilung zur Strafzahlung von eBay wegen einer Cyberstalking-Kampagne
  42. Bundesministerium der JustizPlattformen-Steuertransparenzgesetz, § 4
  43. Yahoo FinanceBericht zur Einstufung von eBay durch Morgan Stanley und Wells Fargo12.10.2026
  44. CNN MoneyBericht zum Börsengang von eBay24.09.1998
  45. NasdaqeBay Inc. (EBAY) Kursdaten
  46. Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates
4,3 10 Bewertungen

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