GameStop hält 9,8 Prozent an eBay und verfolgt die Übernahme des Marktplatzes weiter. Der größte Teil dieser Beteiligung ist nie durch ein Orderbuch gelaufen, sondern über Optionspaare entstanden. In Deutschland hätte genau diese Konstruktion schon bei 5 Prozent gemeldet werden müssen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Am 17. Juli 2026 hat GameStop 39.046.658 eBay-Aktien aus Put-Call-Paaren abgerechnet und damit auf einen Schlag 9,8 Prozent am Marktplatzbetreiber gehalten.[1] Über die Börse gekauft hat der Videospielhändler davon keine einzige. Vier Tage später hat Firmenchef Ryan Cohen angekündigt, die im Mai abgelehnte Offerte notfalls am Verwaltungsrat vorbei direkt den Aktionären vorzulegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • GameStop hält 43.390.383 eBay-Aktien, das entspricht 9,8 Prozent.
  • Nur 3.516.077 Stück davon stammen aus regulären Börsenkäufen für rund 332 Millionen Euro.
  • Die restlichen 39 Millionen Aktien stammen aus Optionspaaren und haben bei der Abrechnung 3,45 Milliarden Euro gekostet.
  • Nach deutschem Recht wäre die Position bereits ab 5 Prozent meldepflichtig gewesen, weil § 38 WpHG auch Derivate erfasst.

Wie baut man 9,8 Prozent auf, ohne sie zu zeigen?

Hausschuhe vor Stahltür mit „GESCHLOSSEN“-Schild und handschriftlichem Rabattetikett
Put-Call-Paare ermöglichen es, eine Aktienposition nachzubilden: Ein gekaufter Call plus verkaufter Put entsprechen wirtschaftlich dem Aktienbesitz ohne Stimmrecht

Der Trick steckt im Put-Call-Paar. Ein gekaufter Call und ein gleichzeitig verkaufter Put auf denselben Basispreis ergeben wirtschaftlich dieselbe Position wie die Aktie selbst, nur eben ohne Stimmrecht und ohne Eigentum.

GameStop hat für diese Paare zunächst lediglich 8,6 Millionen Euro Nettoprämie gezahlt, bei einem durchschnittlichen Basispreis von 88,13 Euro je Aktie. Erst mit der Ausübung am 15. Juli und der Abrechnung zwei Tage später sind daraus echte Aktien geworden, zum Preis von 3,45 Milliarden Euro.

Regulär an der Börse eingesammelt hat der Konzern nur zwischen dem 8. und 15. Juni, damals 3.516.077 Stück für rund 332 Millionen Euro. Anders gesagt: rund neun von zehn Aktien der heutigen Beteiligung sind für den Markt unsichtbar entstanden.

Warum wäre das in Deutschland früher aufgefallen?

Der deutsche Gesetzgeber hat diese Lücke vor Jahren geschlossen, und zwar nach zwei Fällen, die genauso funktioniert haben. Schaeffler hat sich 2008 über Aktienswaps mit Barausgleich an Continental herangeschlichen, Porsche kurz zuvor an Volkswagen. Beide Male ist der Aufbau bis zur Enthüllung nahezu unsichtbar geblieben.

Als Konsequenz gilt seit 2012 der § 25a WpHG, heute als § 38 WpHG geführt.[2] Seither zählen Instrumente mit Barausgleich bei den Meldeschwellen mit, Optionen und Swaps also genauso wie echte Stücke. Bei 5 Prozent wäre für GameStop damit Schluss mit der Stille gewesen.

In den USA greift die Offenlegung per Schedule 13D dagegen an gehaltenen Aktien. Wie schnell Meldeschwellen ein Übernahmeverfahren prägen, hat zuletzt der Fall Kontron gezeigt, und auch bei der Commerzbank kontrolliert UniCredit die Bank trotz gescheiterter Offerte.

Eine Beteiligung, die zu neun Zehnteln aus Optionen besteht, ist kein Investment, sondern eine Drohkulisse. Der deutsche Gesetzgeber hat aus dem Fall Schaeffler gelernt, die amerikanische Meldepflicht lässt diese Lücke bis heute offen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Neun von zehn Aktien kamen nicht von der Börse
So hat GameStop bis zum 17. Juli 2026 eine Beteiligung von 9,8 Prozent an eBay aufgebaut. Alle Beträge in Euro, umgerechnet zum Kurs 0,87 (Stand 20. Juli 2026).
9,8 %
Anteil an eBay
43.390.383 Aktien, gemeldet am 17. Juli 2026.
3,45 Mrd. €
Abrechnung der Optionspaare
39.046.658 Aktien zum Basispreis von 88,13 € je Stück.
332 Mio. €
Käufe über die Börse
Nur 3.516.077 Aktien, erworben vom 8. bis 15. Juni 2026.
8,6 Mio. €
Nettoprämie für die Optionen
Dieser Einsatz sicherte den Zugriff auf 3,45 Mrd. € Aktienwert.
5 %
Deutsche Meldeschwelle
§ 38 WpHG zählt Derivate mit, US-Recht bei Schedule 13D nicht.

Warum der Unterschied zählt

Ein gekaufter Call und ein verkaufter Put auf denselben Basispreis bilden die Aktie wirtschaftlich nach, ohne Stimmrecht und ohne Eigentum. Seit dem Fall Schaeffler/Continental erfasst das deutsche Recht solche Instrumente bei den Meldeschwellen. In den USA blieb der Aufbau bis zur Abrechnung weitgehend unsichtbar.

Was bedeutet das für Händler auf eBay?

Cohen hat gegenüber der Financial Times bereits skizziert, was er im Fall eines Erfolgs vorhat: harte Kostensenkungen. eBays Betriebsaufwand ist in fünf Jahren um 26 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro gestiegen, das Betriebsergebnis im selben Zeitraum um 14 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gefallen.[3]

Für gewerbliche Verkäufer im deutschsprachigen Raum hängt daran mehr als eine Aktionärsfrage. Ein Sparprogramm dieser Größenordnung trifft erfahrungsgemäß zuerst Support, Verkäuferschutz und Rückerstattungen, also genau die Leistungen, die einen Marktplatz von einem reinen Vertriebskanal unterscheiden.

Cohen selbst formuliert den nächsten Schritt unmissverständlich: „Im Kern stimmen die Aktionäre darüber ab, wen sie an der Spitze sehen wollen: mich oder den amtierenden Chef.“ eBay hat das Angebot über 108,75 Euro je Aktie im Mai als weder glaubwürdig noch attraktiv zurückgewiesen und äußert sich seither nicht.

Konkret heißt das: Händler mit relevantem eBay-Umsatz sollten die kommende Hauptversammlung im Kalender haben und ihre Abhängigkeit vom Marktplatz jetzt beziffern, statt erst nach einem Eigentümerwechsel. Ein zweiter Vertriebskanal lässt sich in Ruhe aufbauen, unter Zeitdruck nicht.

Quellen

[1] US-Börsenaufsicht SEC: „Schedule 13D/A, GameStop Corp. zu eBay Inc., 17. Juli 2026“

[2] Bundesministerium der Justiz: „§ 38 WpHG, Mitteilungspflichten bei Instrumenten“

[3] US-Börsenaufsicht SEC: „Formular 425 von GameStop Corp. mit dem Wortlaut des Financial-Times-Interviews, 20. Juli 2026“

Mehr Newshunger?

4,4 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?