Delivery Hero und Uber haben das Business Combination Agreement unterzeichnet: 41,50 Euro je Aktie in bar, rund 12,9 Milliarden Euro für den gesamten Konzern. Der aufschlussreichste Teil steckt in einem zweiten Vertrag: 14 Ländergesellschaften gehen an SSW Partners, bevor die erste Kartellbehörde den Zusammenschluss geprüft hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Übernahme von Delivery Hero durch Uber ist besiegelt: Beide Unternehmen haben am 16. Juli 2026 ein Business Combination Agreement unterzeichnet[1]. Zwischen ersten Berichten über finale Verhandlungen und Unterschrift haben keine 48 Stunden gelegen. Aus dem indikativen 33-Euro-Gebot vom Mai sind 41,50 Euro geworden.
Das Wichtigste in Kürze
- Uber bietet 41,50 Euro je Aktie in bar, rund 127 Prozent über dem unbeeinflussten Kurs vor dem 8. Mai 2026.
- 14 Ländergesellschaften, darunter Österreich und Spanien, verkauft Delivery Hero parallel für rund 1,4 Milliarden Euro an SSW Partners.
- Prosus liefert seine rund 17 Prozent unwiderruflich an; mit Ubers Bestand sind gut 53 Prozent gesichert.
- Der Vollzug ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant; Berlin bleibt Konzernsitz.
Was haben Uber und Delivery Hero vereinbart?

Der Barpreis von 41,50 Euro bewertet Delivery Hero mit rund 12,9 Milliarden Euro; selbst auf den Dreimonatsschnitt vor der Ankündigung bleiben 34 Prozent Aufschlag[1]. Ubers Anlauf über 36,83 Prozent Stimmrechtsanteil haben wir vor zwei Tagen nachgezeichnet.
Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen die Annahme einstimmig. „Das Team von Delivery Hero hat ein beeindruckendes Unternehmen mit beliebten lokalen Marken und führenden Positionen in einigen der wachstumsstärksten Liefermärkte der Welt aufgebaut“, sagt Uber-Chef Dara Khosrowshahi[2].
Warum verkauft Uber 14 Märkte, bevor Brüssel prüft?
Der zweite Vertrag ist der eigentliche Kniff der Konstruktion. Parallel zum Angebot verkauft Delivery Hero 14 Ländergesellschaften mit zusammen rund 9,6 Milliarden Euro Buchungsvolumen an die New Yorker Investmentgesellschaft SSW Partners, darunter das spanische Glovo-Geschäft, Österreich, Polen, Schweden und die Türkei[1]. In genau diesen Regionen überschneidet sich das Liefergeschäft mit Uber Eats.
Kartellrechtler nennen dieses Vorgehen Fix-it-first: Der Käufer räumt Überschneidungen ab, bevor die Fusionskontrolle sie beanstandet. Nach dem 329-Millionen-Euro-Bußgeld gegen Delivery Hero und Glovo und der Verkaufsauflage gegen Prosus will Uber keine dritte Machtprobe mit Brüssel riskieren.
Für SSW Partners ist die Rolle nicht neu: 2021 hat die Gesellschaft den Autozulieferer Veoneer komplett übernommen, die Software-Sparte Arriver an Qualcomm durchgereicht und den Rest einzeln weiterverkauft[3]. Das Vehikel kauft, was der strategische Erwerber nicht behalten darf oder will.
Uber kauft mit dem SSW-Vertrag die Genehmigung gleich mit. Die 1,4 Milliarden Euro für 14 Märkte sind der Preis für ein Ja aus Brüssel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vom ersten Gerücht zur Unterschrift
Was bedeutet die Übernahme für den DACH-Markt?
In Österreich bekommt die Bestellplattform foodora mit SSW Partners einen neuen Eigentümer; das eigene Deutschlandgeschäft hat Delivery Hero schon 2018 verkauft. Der europäische Liefermarkt sortiert sich damit in drei Blöcke: Prosus mit Just Eat Takeaway, DoorDash mit Deliveroo und künftig Uber mit Delivery Hero.
Die Übernahmewelle läuft quer durch alle Branchen: Erst diese Woche haben Stripe und Advent 46 Milliarden Euro für PayPal geboten. Der deutsche Kurszettel verliert unterdessen nach dem Delisting von Klöckner und dem politisch nicht mehr blockierten Zugriff der UniCredit auf die Commerzbank mit Delivery Hero das nächste Schwergewicht.
Die Berliner Belegschaft ist laut Vereinbarung bis mindestens 2029 geschützt, einen Beherrschungsvertrag schließt Uber für drei Jahre aus, und 2 Milliarden Euro an Investitionen in Deutschland bis 2031 kommen dazu[1].
Entscheider mit Plattformgeschäft sollten die lange Übergangsphase nutzen. Wie stark KI inzwischen die Marge des Liefergeschäfts bestimmt, hat Delivery Hero gerade erst vorgerechnet; nach dem Eigentümerwechsel werden Provisionen und Konditionen in den SSW-Märkten neu verhandelt. Verträge mit foodora und Glovo gehören deshalb auf Wiedervorlage.
Quellen
[1] Delivery Hero: „Delivery Hero and Uber to Join Forces to Deliver More for Customers, Vendors and Riders“ ↩
[2] Uber: „Uber Announces Acquisition Offer for Delivery Hero“ ↩
[3] Qualcomm / SSW Partners: „Qualcomm and SSW Partners Reach Definitive Agreement to Acquire Veoneer“ ↩
Mehr Newshunger?
- Uber will Delivery Hero ganz übernehmen: Warum 37 Prozent zum Kartellrisiko geworden sind
- Ohne KI kein Gewinn: Wie Delivery Hero das Liefergeschäft profitabel macht
- 46 Milliarden Euro: Stripe und Advent greifen nach PayPal
- „Wir verhindern nicht diese Fusion“: Merz gibt den Widerstand gegen die UniCredit-Übernahme der Commerzbank auf
- Vom Digitalpionier zum Übernahmeziel: Warum Klöckner die Börse verlässt
- Zalando schließt das Logistikzentrum Erfurt: Konsolidierung nach der About-You-Übernahme