Bundeskanzler Friedrich Merz will die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit nicht mehr verhindern. Die Mailänder Großbank hat nach der zweiten Annahmefrist Zugriff auf 47,6 % der Aktien. Für die zweitgrößte deutsche Privatbank beginnt damit die entscheidende Phase.

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Die Commerzbank-Übernahme durch UniCredit hat in Berlin fast zwei Jahre lang als feindlicher Angriff gegolten. Auf der Sommerpressekonferenz am 15. Juli 2026 hat Bundeskanzler Friedrich Merz diese Linie mit einem Satz beendet: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Merz hat auf der Sommerpressekonferenz erklärt, die Bundesregierung verhindere die Übernahme nicht und habe das auch nie versucht.
  • UniCredit hat sich nach der zweiten Annahmefrist Zugriff auf 47,6 % der Commerzbank-Aktien gesichert; das entspricht bis zu 49,65 % der Stimmrechte auf der Hauptversammlung.
  • Der Bund bleibt mit 12 % zweitgrößter Aktionär und hat die Andienung der eigenen Aktien im Juni abgelehnt.
  • Die Commerzbank-Aktie hat nach den Äußerungen rund 1,7 % nachgegeben.

Was genau hat Merz gesagt?

Offene Schranke mit Schild „Einfahrt frei“ und rosa Sparschwein auf Rollen davor auf weißem Grund
Bundesregierung erlaubt UniCredit-Übernahme der Commerzbank. Kanzler Merz betont: In der Marktwirtschaft entscheiden Eigentümer, nicht Politik

Die Bundesregierung verhindert die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit nicht und hat das nach den Worten von Kanzler Merz auch nie versucht. In einer Marktwirtschaft entscheiden die Eigentümer über die Unternehmensstruktur, nicht die Politik.

Ganz ohne Spitze ist das Bekenntnis nicht ausgekommen: Die Art und Weise, wie die Frankfurter Bank ins Visier genommen wurde, findet nach den Worten des Kanzlers nicht die Zustimmung der Regierung. Zugleich hat Merz betont, Europa brauche große und starke Banken, die den US-Konkurrenten standhalten.[2]

Der Kontrast zur bisherigen Linie fällt deutlich aus: Das Bundesfinanzministerium hat UniCredits Vorgehen als aggressiv und feindlich kritisiert, die Andienung des eigenen 12-Prozent-Pakets hat der Bund am 16. Juni abgelehnt. Warum die Mailänder die Bank trotz gescheiterter Offerte faktisch kontrollieren, zeigt unsere Analyse zur Commerzbank-Übernahme von Anfang Juli.

Warum kann Berlin die Übernahme kaum noch stoppen?

Der Bundesregierung fehlt ein rechtlicher Hebel: Über Bank-Beteiligungen entscheidet die EZB-Aufsicht, und die Investitionsprüfung nach Außenwirtschaftsrecht greift bei EU-Erwerbern nicht. Berlin bleiben das eigene Aktienpaket und politischer Druck.

Pikant ist die Vorgeschichte: Die Tür hat der Bund selbst geöffnet. Im September 2024 hat die Finanzagentur ein Paket von 4,5 % verkauft, das UniCredit übernommen hat; die EZB hat den Italienern im März 2025 genehmigt, auf bis zu 29,9 % aufzustocken. Jede weitere Eskalationsstufe ist über den Kapitalmarkt gelaufen, nicht über Verhandlungen mit Berlin.

Die Stimmrechts-Mechanik verschärft die Lage: Eigene Aktien der Commerzbank ruhen auf der Hauptversammlung, deshalb entsprechen 47,6 % Zugriff bis zu 49,65 % der Stimmen. Bei üblicher Präsenz reicht das für jede einfache Mehrheit, von der Dividende bis zur Aufsichtsratswahl.

Der Bund hat UniCredit 2024 selbst das erste Aktienpaket verkauft und sich anschließend zwei Jahre über die Folgen empört. Merz spricht nur aus, was in Frankfurt längst Realität ist.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Commerzbank-Übernahme: Die Machtverhältnisse im Juli 2026
Warum Berlin die Fusion nicht mehr aufhält: vier Zahlen und fünf Etappen
47,6 %
der Commerzbank-Aktien hat UniCredit nach der zweiten Annahmefrist im Zugriff
49,65 %
der Stimmrechte erreicht dieser Anteil maximal auf der Hauptversammlung, weil eigene Aktien der Bank ruhen
12 %
hält der Bund und bleibt damit zweitgrößter Aktionär der Commerzbank
4,5 %
umfasste das Startpaket, das der Bund im September 2024 verkauft hat und das an UniCredit ging

Vom Paketverkauf zum Kanzler-Satz: die fünf Etappen

Sept. 2024
Die Finanzagentur des Bundes verkauft ein Aktienpaket von 4,5 %. UniCredit greift zu und steigt bei der Commerzbank ein.
März 2025
Die EZB-Bankenaufsicht genehmigt UniCredit, den Anteil auf bis zu 29,9 % aufzustocken.
16. Juni 2026
Der Bund lehnt die Andienung seiner 12 % ab. Das Übernahmeangebot verfehlt die Mehrheit.
Juli 2026
Nach der zweiten Annahmefrist sichert sich UniCredit Zugriff auf 47,6 % der Aktien.
15. Juli 2026
Kanzler Merz erklärt auf der Sommerpressekonferenz: „Wir verhindern nicht diese Fusion.“

Was bedeutet der Kurswechsel für den Mittelstand?

Kurzfristig ändert sich für Firmenkunden nichts, mittelfristig steht das Geschäftsmodell der wichtigsten deutschen Mittelstandsbank zur Debatte. Merz selbst stellt die Frage nach dem Geschäftsmodell und will die Mittelstandsfinanzierung erhalten sehen.

Der Blick auf die Nachbarländer zeigt das Muster: Madrid hat BBVA beim Griff nach der Sabadell eine mehrjährige Fusionssperre auferlegt, Rom hat UniCredit per Golden Power bei Banco BPM so lange ausgebremst, bis die Italiener ihr Angebot 2025 zurückgezogen haben. Berlin verzichtet nun ausdrücklich auf solche Instrumente und stellt sich damit an die Seite der EU-Kommission, die grenzüberschreitende Bankenfusionen seit Jahren anmahnt.

Für Entscheider heißt das konkret: Dokumentieren Sie Ihre Kreditlinien und Konditionen, und prüfen Sie eine zweite Bankverbindung, denn Integrationsphasen binden erfahrungsgemäß über Jahre Kapazitäten im Firmenkundengeschäft. Wie schnell Bank-IT dabei zum Compliance-Risiko wird, zeigen die 260.000 fehlerhaften Meldungen der Deutschen Bank.

Die Konsolidierung erfasst derweil den gesamten Finanzsektor: Stripe und Advent bieten 46 Milliarden Euro für PayPal, und die BaFin-Bilanz zu Cum-Ex und Cum-Cum erinnert daran, wie teuer Altlasten im Bankgeschäft werden. Beobachten Sie deshalb weniger den Aktienkurs als die Personalentscheidungen im Frankfurter Firmenkundengeschäft; dort entscheidet sich, was von der Mittelstandsbank übrig bleibt.

Quellen

[1] Börsen-Zeitung: „Merz zur Commerzbank: ‚Wir verhindern nicht diese Fusion‘“

[2] Bloomberg: „Merz Says He Won’t Stop UniCredit From Taking Over Commerzbank“

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