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Auf dem Heizkessel in Ihrem Keller steht Viessmann, auch der Installateur bestellt die Ersatzteile unter diesem Namen. Der Familie gehört davon nur noch die Marke. Das Heizungsgeschäft übernahm im Januar 2024 der US-Konzern Carrier für rund zwölf Milliarden Euro, 80 Prozent davon in bar.

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Inhalt 12 Abschnitte
  1. Wer steckt hinter Viessmann und wie fing alles an?
  2. Wie wurde aus der Kesselfabrik ein Zwölf-Milliarden-Geschäft?
  3. Wie verdient Viessmann tatsächlich sein Geld?
  4. Wie groß ist die Marktmacht von Viessmann?
  5. Wer ist bei Viessmann eigentlich das Produkt?
  6. Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?
  7. Wer profitiert und wer zahlt drauf?
  8. Wie politisch ist Viessmann?
  9. Was könnte Viessmann zu Fall bringen?
  10. Was bedeutet Viessmann für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
  11. Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Viessmann
  12. FAQ: Wovon lebt Viessmann nach dem Verkauf an Carrier?

Carrier hat am 29. Oktober 2026 auf sein Europageschäft, dessen größter Teil das frühere Viessmann-Heizungsgeschäft ist, eine Abschreibung von rund 2,8 Milliarden Euro auf den Firmenwert verbucht.

Eine Woche zuvor war die Viessmann Generations Group mit knapp 6,7 Prozent beim FC Bayern München eingestiegen.

Der Käufer korrigiert seine Erwartungen nach unten, der Verkäufer kauft sich beim Rekordmeister ein. Zwischen beiden Meldungen steht ein Familienunternehmen, das 2023 noch 4,41 Milliarden Euro vor allem mit Heizungen umsetzte und heute Rohre für Fernwärme, Trafostationen und Kühlzellen verkauft.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Carrier übernahm das Heizungs- und Wärmepumpengeschäft Viessmann Climate Solutions am 2. Januar 2024 für rund zwölf Milliarden Euro, 80 Prozent in bar und 20 Prozent in Carrier-Aktien. Die Sparte stand 2023 für rund 90 Prozent des Konzernumsatzes.
  • Die Familie behielt die Marke Viessmann, das Kühl- und Reinraumgeschäft und eine Reihe von Beteiligungen. Seit 2024 kauft die Viessmann Generations Group Firmen für Fernwärmerohre, Trafostationen und Kühlzellen zu.
  • Viessmann beziffert den Umsatz der Gruppe auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr, mit etwa 6.000 Beschäftigten im Industriegeschäft. Eine Gewinnzahl für die neue Gruppe hat das Unternehmen bisher nicht veröffentlicht.
  • Von 58,6 Millionen Carrier-Aktien hat Viessmann bis Mai 2026 gut 20,6 Millionen verkauft, nach unserer Rechnung für rund 1,2 Milliarden Euro. Seit Oktober 2026 hält die Gruppe zudem knapp 6,7 Prozent am FC Bayern.

Fünf Fragen zum Kesselbauer, der keine Kessel mehr baut

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Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Viessmann?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wo eröffnete Johann Viessmann 1938 seine eigene Kesselfabrik? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Nach dem Umzug der Familie nach Battenberg platzte 1937 der Plan, bei einem Maschinenwerk einzusteigen. 1938 eröffnete Johann Viessmann seine Kesselfabrik im Nachbarort Allendorf.
2 Welchen Konzernumsatz wies die Viessmann-Gruppe für 2023 aus, das letzte Jahr mit dem Heizungsgeschäft? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Der Konzernabschluss 2023 nennt 4,41 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,85 Milliarden aus der Heizungssparte. 2,21 Milliarden entfielen auf Deutschland, 12 Milliarden war der Kaufpreis.
3 Welchen Teil des Kaufpreises sollte Carrier laut Vertrag in bar zahlen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Vereinbart waren 80 Prozent in bar und 20 Prozent in Carrier-Aktien. Viessmann erhielt 58,6 Millionen Aktien und wurde einer der größten Anteilseigner des US-Konzerns.
4 Wie viel Prozent der FC Bayern München AG hält Viessmann nach dem Einstieg im Oktober 2026? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Viessmann erwarb über eine Kapitalerhöhung das letzte freie Paket von ursprünglich fünf Prozent, daraus wurden knapp 6,7 Prozent. Der Verein hält weiterhin 70 Prozent.
5 Wie viele Carrier-Aktien hielt Viessmann nach dem Verkauf vom Mai 2026 noch? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Nach Verkäufen im Juni 2025 und Mai 2026 blieben knapp 38 Millionen Aktien, 4,57 Prozent des Konzerns. 58,6 Millionen hatte Viessmann beim Abschluss erhalten.

Wer steckt hinter Viessmann und wie fing alles an?

Hinter Viessmann steht seit über hundert Jahren eine Familie aus Oberfranken und Nordhessen. Johann Viessmann begann in einer Werkstatt in Hof, sein Sohn Hans machte daraus eine Kesselfabrik in Allendorf an der Eder, heute führt Urenkel Max Viessmann die Gruppe.

Eine Schlosserei in Hof

Das Unternehmen zählt seine Geschichte ab 1917. In jenem Jahr eröffnete der Schlosser Johann Viessmann in Hof an der Saale eine Werkstatt, im selben Jahr kam dort sein ältester Sohn Hans zur Welt. Die Firmengeschichte erzählt von einem schnelleren Stahlkessel, den Johann für einen Gärtner aus der Nachbarschaft gebaut habe.

Die Neue Deutsche Biographie zeichnet ein nüchterneres Bild. Die Werkstatt in Hof reparierte vor allem Landmaschinen, erst ab 1928 entstanden dort Stahlheizkessel in kleinen Stückzahlen.

Der Weg nach Hessen begann mit einem geplatzten Plan. 1937 zog die Familie nach Battenberg an der Eder, wo Johann Viessmann bei einem Maschinenwerk einsteigen wollte. Das Vorhaben scheiterte, 1938 eröffnete er stattdessen im Nachbarort Allendorf eine eigene Kesselfabrik. Allendorf blieb für fast neun Jahrzehnte der Stammsitz.

Der Sohn, der den Vater auskaufte

Hans Viessmann kehrte 1945 aus Krieg und Gefangenschaft zurück. Zwei Jahre später kaufte er seinen Vater und seinen Bruder aus und wandelte die Firma in eine Kommanditgesellschaft mit sich selbst als persönlich haftendem Gesellschafter um. Die Firma hieß fortan Hans Viessmann KG.

Zwischen 1952 und 1957 wuchs die Belegschaft von etwa 50 auf 150 Menschen, die Jahresproduktion von unter 500 auf 1.900 Kessel. Hans Viessmann meldete im Lauf seines Lebens mehr als 1.600 Patente und Schutzrechte an, darunter einen Kessel für mehrere Brennstoffe (1958) und einen Gaskessel mit weniger Stickoxid (1984). Die Firmengeschichte nennt als seinen Grundsatz, die Arbeit zu den Menschen zu bringen: Werke entstanden im hessischen Battenberg, im französischen Faulquemont und nach der Wiedervereinigung im brandenburgischen Mittenwalde.

Kühlzellen aus Hof, Kessel aus Allendorf

1974 begann Viessmann in Hof, Kühlzellen zu fertigen. Diese Sparte ist eine der wenigen, die den Verkauf von 2024 überlebt haben, und zählt heute zum Kern der neuen Gruppe.

Das Werk in Hof-Unterkotzau blieb bis zu seinem Tod 2002 im persönlichen Eigentum von Hans Viessmann.

Die Kesselfabrik übergab er schrittweise an seinen Sohn Martin, 1990 als Mitgeschäftsführer, 1992 mit der alleinigen Leitung. Martin Viessmann führte das Unternehmen rund ein Vierteljahrhundert und sitzt heute dem Verwaltungsrat vor.

Die vierte Generation kam 2015 ins Unternehmen. Max Viessmann, Jahrgang 1989, leitet die Gruppe laut hessenschau seit 2017.

In den Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC (Formular 13D/A) erscheint er als Geschäftsführer und beherrschender Gesellschafter der beiden Gesellschaften an der Spitze der Holding. Die Holding gehört vollständig der Familie Viessmann, ohne Aktionäre von außen.

Geschichte
Von der Werkstatt in Hof zur Beteiligungsgruppe
Stationen der Familie Viessmann seit 1917.
  • 1917Johann Viessmann eröffnet in Hof an der Saale eine Werkstatt, ab 1928 entstehen dort Stahlheizkessel.
  • 1938Nach dem Umzug nach Nordhessen eröffnet Johann Viessmann eine Kesselfabrik in Allendorf an der Eder.
  • 1947Hans Viessmann kauft Vater und Bruder aus und führt die Firma als Kommanditgesellschaft.
  • 1974In Hof beginnt die Fertigung von Kühlzellen.
  • 1992Martin Viessmann übernimmt die alleinige Leitung, das Unternehmen setzt 1,83 Mrd. D-Mark um.
  • 2017Max Viessmann aus der vierten Generation führt die Gruppe.
  • 2023Rekordumsatz von 4,41 Mrd. €, am 25. April Vertrag mit Carrier über rund 12 Mrd. €.
  • 2024Abschluss am 2. Januar, danach Zukäufe von KPS Global, GRITEC und ISOPLUS.
  • 2026Einstieg beim FC Bayern mit knapp 6,7 %, Carrier schreibt rund 2,8 Mrd. € auf das Europageschäft ab.

Wie wurde aus der Kesselfabrik ein Zwölf-Milliarden-Geschäft?

Rostiger Ofen „GELDVERBRENNUNGSANLAGE“ mit Umschlag „12 Mrd. €“ vor weißem Hintergrund
Vom Stahlkessel aus Hof zum Verkauf an Carrier: rund zwölf Milliarden Euro im Januar 2024.

Viessmann wuchs über drei Generationen mit Heizkesseln, zuletzt vor allem mit Wärmepumpen. Auf dem Höhepunkt des Booms 2023 verkaufte die Familie dieses Geschäft an Carrier, aus Sorge vor einem teuren Abnutzungskampf gegen Konzerne aus Asien und den USA.

Vom Kessel zum Komplettanbieter

Als Hans Viessmann 1992 die Leitung abgab, beschäftigte das Unternehmen fast 9.000 Menschen, baute rund 370.000 Geräte im Jahr und setzte 1,83 Milliarden D-Mark um. Seit 1972 betrieb Viessmann ein Werk in Frankreich, seit 1979 eine Tochterfirma in Kanada. Unter Martin und später Max Viessmann kamen Solaranlagen, Blockheizkraftwerke, Stromspeicher und vor allem die Wärmepumpe dazu. Aus dem Kesselbauer wurde ein Anbieter, der dem Hausbesitzer die ganze Energieversorgung des Gebäudes verkaufen wollte, vom Dach bis in den Keller.

Der Krieg in der Ukraine gab diesem Geschäft 2022 einen Schub. Viessmann meldete für 2022 einen Rekordumsatz von rund vier Milliarden Euro, ein Plus von 19 Prozent.

2023 kamen noch einmal 8,9 Prozent dazu, auf 4,41 Milliarden Euro. Allein in Deutschland stieg der Umsatz laut Konzernabschluss von 1,75 auf 2,21 Milliarden Euro. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie zählte 2023 einen Rekord von 356.000 verkauften Wärmepumpen.

Warum die Familie verkaufte

Den Grund für den Verkauf nennt der Konzernlagebericht 2023 ausführlich. Die Familie fürchtete, dass Hersteller von Klimaanlagen aus Asien und den USA in den europäischen Wärmepumpenmarkt drängen, mit mehr Geld, mehr Produktionskapazität und einer verwandten Technik. Der Bericht zieht selbst den Vergleich zur Solarindustrie, in der europäische Hersteller einen solchen Verdrängungswettbewerb verloren hatten. Um mitzuhalten, hätte Viessmann seine Werke von Gaswandgeräten auf Wärmepumpen umstellen und viel Geld in neue Leistungsklassen stecken müssen. Ein Familienunternehmen hätte das nur über einen längeren Zeitraum stemmen können, schreibt die Geschäftsführung.

Am 25. April 2023 unterschrieben Viessmann und Carrier den Vertrag. Der US-Konzern aus Palm Beach Gardens in Florida zahlte für die Sparte Viessmann Climate Solutions rund zwölf Milliarden Euro, 80 Prozent in bar und 20 Prozent in eigenen Aktien. Am 2. Januar 2024 war das Geschäft vollzogen. Beide Seiten vereinbarten, drei Jahre lang auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, die wichtigsten Werke und Entwicklungsstandorte fünf Jahre und den Hauptsitz in Allendorf zehn Jahre lang zu erhalten. Die Familie schüttete an die Beschäftigten der Sparte eine Einmalprämie von 106 Millionen Euro aus, eine Million für jedes Jahr Firmengeschichte.

Ein Preis an der Spitze des Booms

Die Börsen-Zeitung rechnete im April 2024 vor, dass Carrier das 13-Fache des operativen Ergebnisses der Sparte bezahlt habe. Finanzmarktbeobachter hielten den Zeitpunkt für perfekt, schrieb das Blatt, einen besseren Preis hätte die Familie wohl zu keinem anderen Moment erzielt.

Der Markt drehte bald nach der Unterschrift. Im ersten Quartal 2024 meldete Carrier für das Viessmann-Geschäft zwölf Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr, mehr als die Hälfte des Rückgangs ging auf schwächere Verkäufe von Solaranlagen zurück. In den ersten fünf Monaten 2024 halbierte sich der deutsche Wärmepumpenabsatz.

Mit dem Verkauf gab einer der bekanntesten Namen unter den deutschen Hidden Champions sein Kerngeschäft ab, rund 90 Prozent des Umsatzes. Was blieb, war eine Gruppe mit etwa einer Milliarde Euro Umsatz einschließlich nicht konsolidierter Beteiligungen und eine Kasse von rund zehn Milliarden Euro.

Die Familie setzte sich ein klares Ziel. Bis spätestens zum Ende des Jahrzehnts soll die neue Gruppe größer sein als die verkaufte Heizungssparte.

Auf den PunktDer Weg zum Verkauf
  • Wachstum: Rekordumsatz von 4,41 Milliarden Euro im Jahr 2023, getrieben vom Wärmepumpenboom.
  • Motiv: Die Familie fürchtete Konkurrenz aus Asien und den USA mit mehr Kapital und Fertigung.
  • Preis: Rund zwölf Milliarden Euro, laut Börsen-Zeitung das 13-Fache des operativen Ergebnisses.

Wie verdient Viessmann tatsächlich sein Geld?

Querschnitt eines gedämmten Rohres mit grünen Beschriftungsfahnen auf einem Betonsockel vor weiß
Netztechnik, Fernwärme sowie Kühl- und Reinräume: die drei Industriezweige der neuen Viessmann-Gruppe.

Viessmann verdient heute an drei Industriezweigen: Netztechnik, Fernwärme sowie Kühl- und Reinräume. Hinzu kommen Erträge aus dem Verkaufserlös, ein Restpaket Carrier-Aktien und Minderheitsbeteiligungen. Einen Gewinn veröffentlicht die Gruppe nicht.

Die letzte vollständige Rechnung

Der jüngste Konzernabschluss, den Viessmann im Unternehmensregister zugänglich gemacht hat, betrifft das Jahr 2023. Er zeigt die Gruppe ein letztes Mal mit dem Heizungsgeschäft: 4,41 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,85 Milliarden aus der Sparte, die wenige Tage nach dem Bilanzstichtag an Carrier ging.

Die übrigen 556 Millionen Euro stammten vor allem aus zwei Bereichen. Das Kälte- und Reinraumgeschäft setzte 276,5 Millionen Euro um, die Beteiligungen 267,7 Millionen Euro.

Immobilien, Wagniskapital und die Familienholding brachten zusammen knapp zwölf Millionen Euro. Rund die Hälfte des gesamten Umsatzes entstand in Deutschland, 2,21 Milliarden Euro. Die neue Gruppe ist mit KPS in den USA und ISOPLUS in mehr als 30 Ländern internationaler aufgestellt.

Erlösmodell
Womit Viessmann 2023 sein Geld verdiente
Umsatz nach Geschäftsbereichen im letzten Jahr vor dem Verkauf, in Millionen Euro.
  • Heizung und Wärmepumpen (an Carrier verkauft)3.849,8 Mio. €
  • Kühl- und Reinräume276,5 Mio. €
  • Beteiligungen267,7 Mio. €
  • Immobilien, Wagniskapital, Holding11,6 Mio. €
4,41 Mrd. €
Konzernumsatz 2023
469,9 Mio. €
EBITA 2023, Marge 10,5 % auf die Gesamtleistung
rund 2 Mrd. €
Jahresumsatz der neuen Gruppe, von Viessmann beziffert, Stand Oktober 2026

Drei Plattformen statt einer Sparte

Aus den Resten hat Viessmann seit 2024 drei Industrieplattformen gebaut, also Firmengruppen aus je einem großen Kernbetrieb und weiteren Zukäufen. Die erste heißt Netzinfrastruktur. Ihr Kern ist GRITEC, im Oktober 2024 vom Finanzinvestor capiton übernommen, mit rund 1.300 Beschäftigten an sechs Standorten in Deutschland und Tschechien. GRITEC baut Trafostationen, Umspannstationen und technische Gebäude für Stromnetze, Bahn und Industrie. Die zweite Plattform liefert Fernwärme und Fernkälte. ISOPLUS aus Rosenheim, im November 2024 vom Finanzinvestor Egeria gekauft, stellt mit mehr als 1.500 Beschäftigten in zehn Werken vorgedämmte Rohre her. Kleinere Hersteller von Übergabestationen und Regeltechnik ergänzen das Rohrgeschäft.

Die dritte Plattform kühlt. Neben den Kühlzellen aus Hof und dem Reinraumgeschäft gehören seit Oktober 2024 KPS Global aus Fort Worth in Texas mit mehr als 850 Beschäftigten in fünf Werken und der kleinere US-Systemintegrator BMIL dazu. KPS baut begehbare Kühlzellen für Supermärkte, Labore, Blutbanken und Kühllager.

Viessmann beziffert das Industriegeschäft auf rund 6.000 Beschäftigte und die Gruppe auf rund zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Im April 2023 hatte die Gruppe ohne Heizungsgeschäft noch etwa eine Milliarde Euro mit rund 4.000 Beschäftigten gemeldet, einschließlich nicht konsolidierter Firmen. Der Umsatz hat sich damit in gut drei Jahren ungefähr verdoppelt, überwiegend durch Zukäufe.

Die versteckten Erträge

Neben der Industrie besitzt die Familie ein Vermögen, das in keiner Umsatzzahl auftaucht. Aus dem Verkauf flossen der Gruppe liquide Mittel von rund zehn Milliarden Euro und etwa sieben Prozent an Carrier zu, schreibt der Konzernlagebericht 2023. Bis zur Wiederanlage parkte die Gruppe das Geld in Termin- und Tagesgeld sowie in Geldmarktfonds, einen Teil in der US-Währung. Jeder Prozentpunkt Zins auf zehn Milliarden Euro entspricht rechnerisch 100 Millionen Euro im Jahr. Wie viel des Geldes inzwischen in Firmen steckt, legt Viessmann nicht offen.

Das Carrier-Paket ist eine zweite Ertragsquelle. Am 5. Juni 2025 verkaufte Viessmann 8,5 Millionen Aktien, die Hälfte über die Börse, die andere Hälfte direkt an Carrier, nach unserer Umrechnung für rund 537 Millionen Euro. Am 20. Mai 2026 folgten 12,1 Millionen Aktien für rund 671 Millionen Euro. Seither hält die Gruppe noch knapp 38 Millionen Carrier-Aktien, 4,57 Prozent des Konzerns. Carrier zahlt im November 2026 eine Dividende von umgerechnet rund 21 Cent je Aktie und Quartal. Auf das Restpaket gerechnet, ergibt das nach unserer Rechnung rund 33 Millionen Euro im Jahr, ohne einen Handgriff in einer Fabrik.

Eine dritte Quelle ist die Marke. Die Viessmann Generations Group blieb Eigentümerin des Namens, Carrier nutzt ihn im Heizungsgeschäft per Lizenz. Was die Lizenz kostet, sagen beide Seiten nicht.

Hinzu kommen Minderheitsbeteiligungen. Mit geplanten 25,1 Prozent stieg Viessmann in das Konsortium ein, das unter Führung des Finanzinvestors KKR 2024 den Solar- und Windparkbetreiber Encavis übernahm. Weitere Beteiligungen bestehen am Desinfektionsmittelhersteller Schülke & Mayr, am Kasseler Druckluftspezialisten Landefeld und an der Frankfurter Netzsoftware-Firma Venios. Rund 500 Millionen Euro steckten bis Mitte 2024 in Wohnimmobilien und Wald, vor allem in den USA und Neuseeland.

Wo die Marge entsteht

Für 2023 weist der Konzernabschluss ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte (EBITA) von 469,9 Millionen Euro aus, eine Marge von 10,5 Prozent auf die Gesamtleistung. Den größten Teil zum Gewinn steuerte nach dem Lagebericht die Heizungssparte bei.

Das Kälte- und Reinraumgeschäft belastete das Ergebnis deutlich, statt den angestrebten Beitrag zu liefern. Die Beteiligungen verdienten weniger als im Vorjahr, weil die Nachfrage nach Heiztechnik für Wohnhäuser einbrach.

Für die neue Gruppe fehlt jede Marge. Viessmann nennt einen ungefähren Umsatz, aber weder ein operatives Ergebnis noch einen Jahresüberschuss. Den Abschluss für 2024 konnte die Redaktion bis Redaktionsschluss nicht einsehen.

Diese Lücke ist selbst ein Befund: Eine Gruppe, die Milliarden in Industrie investiert, zeigt der Öffentlichkeit derzeit nur die Umsatzseite.

Wer wen mitfinanziert

Das Kühlzellengeschäft war 2023 ein Sanierungsfall. Die Geschäftsführung beschloss ein tiefgreifendes Restrukturierungsprogramm mit Kosten im mittleren einstelligen Millionenbereich, die Gewinnschwelle auf Basis des EBITA sollte im Jahr darauf erreicht sein. Die Kosten blieben in der Gruppe, kein Fonds mit fester Laufzeit drängte auf einen Verkauf.

Mit genau dieser Geduld wirbt Viessmann um Firmen, die bisher Finanzinvestoren gehörten. GRITEC, ISOPLUS und KPS kamen jeweils aus der Hand von Beteiligungsgesellschaften, die nach einigen Jahren verkaufen wollten. Die Familie kauft auf Dauer, ohne festen Weiterverkaufstermin, der Vorstandschef von KPS lobte bei der Übernahme ausdrücklich die Stabilität eines Familieneigentümers.

Das Muster erinnert an Berkshire Hathaway, das Unternehmen ebenfalls auf Dauer übernimmt. Anders als Warren Buffetts Konzern veröffentlicht Viessmann allerdings keine Zahlen zu seinen Töchtern.

Wo Größe hilft

Die Plattformen folgen einer klaren Zukaufstrategie. Ein großer Hersteller bildet den Kern, kleinere Zukäufe ergänzen Technik oder Regionen. Für die Vorauswahl der Übernahmekandidaten setzt Viessmann seit Anfang 2026 ein selbst gebautes KI-System ein, die Entscheidung bleibt beim Investmentteam.

Netzwerkeffekte im Sinn einer Plattform wie Amazon hat das Modell nicht. Größe hilft im Einkauf von Stahl und Dämmstoffen, im Vertrieb an Stadtwerke und Netzbetreiber und bei der Finanzierung.

Was sich seit 2021 verschoben hat

Vor fünf Jahren lebte Viessmann von Heizungen für Einfamilienhäuser, verkauft über das Handwerk. Heute verkauft die Gruppe an Stadtwerke, Netzbetreiber, Supermarktketten und Labore. Der Kunde ist nicht mehr der Hausbesitzer, sondern ein Betrieb mit Ausschreibung und Einkaufsabteilung.

Die Wärmewende bleibt das Thema, nur auf anderer Ebene. Statt der Wärmepumpe im Keller liefert Viessmann nun Rohre und Stationen für die Wärmenetze, die Kommunen nach dem Wärmeplanungsgesetz planen müssen.

Auf den PunktWoran Viessmann heute verdient
  • Industrie: Drei Plattformen für Netztechnik, Fernwärme sowie Kühl- und Reinräume, zusammen rund zwei Milliarden Euro Umsatz.
  • Kapital: Rund zehn Milliarden Euro Verkaufserlös, ein Restpaket von 4,57 Prozent an Carrier.
  • Lücke: Keine veröffentlichte Gewinnzahl für die neue Gruppe.

Wie groß ist die Marktmacht von Viessmann?

Richterhammer und grünes Etikett mit Aufschrift „Familienkapital“ auf weißem Grund
GRITEC, ISOPLUS und KPS kamen von Finanzinvestoren zur Familie, die ohne Verkaufsdruck kauft.

Im Heizungsmarkt hatte Viessmann Gewicht, dieses Gewicht liegt seit 2024 bei Carrier. In ihren neuen Nischen sehen sich die Firmen der Gruppe an der Spitze, unabhängige Marktanteile fehlen. Am stärksten ist die Familie als Käufer mit viel Geld.

Der alte Markt, den andere jetzt bestreiten

Viessmann bezeichnete seine Heizungssparte bei der Unterschrift 2023 als Marktführer im europäischen Premium-Segment für Wohngebäude. Eine unabhängige Marktstatistik, die das stützt oder widerlegt, liegt der Redaktion nicht vor.

Bosch Home Comfort setzte 2024 rund 4,4 Milliarden Euro um, 12,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein Sprecher bezifferte den Rückgang des europäischen Heizungsmarkts auf 25 Prozent im Wert, bei Wärmepumpen auf 34 Prozent. Die deutsche Vaillant GmbH meldet für 2024 im Jahresabschluss einen Umsatz von 1,13 Milliarden Euro nach 1,74 Milliarden Euro im Jahr davor. Der Inlandsumsatz fiel von 911 auf 508 Millionen Euro. Stiebel Eltron aus Holzminden meldet für 2025 rund 954 Millionen Euro Umsatz.

Carriers Europageschäft, das neben Viessmann weitere Marken umfasst, setzte 2024 umgerechnet rund 4,46 Milliarden Euro um, 2025 rund 4,52 Milliarden Euro.

Für die Familie Viessmann zählt dieser Wettbewerb nur noch über den Aktienkurs von Carrier und über die Marke. Wie viele Heizungen unter dem Namen Viessmann verkauft werden, bestimmt Carrier.

Die neuen Nischen

ISOPLUS bezeichnet sich als führenden europäischen Anbieter vorgedämmter Rohre für Fernwärme und Fernkälte. GRITEC sieht sich als größten Lösungsanbieter für technische Gebäude und Stationen in Deutschland, KPS Global führte Viessmann bei der Übernahme als Marktführer für begehbare Kühlzellen in Nordamerika.

Belegte Marktanteile von unabhängiger Seite hat die Redaktion für keines der drei Unternehmen gefunden.

Stadtwerke und Netzbetreiber vergeben größere Aufträge in der Regel über Ausschreibungen, Supermarktketten verhandeln Rahmenverträge. Eine Bindung wie beim Heizungskunden, der über die Lebensdauer seiner Anlage Ersatzteile und Wartung vom selben Hersteller bezieht, entsteht so seltener.

Nach unserer Einschätzung kann die lange Lebensdauer der Netze Lieferanten begünstigen, deren Rohrsysteme schon im Boden liegen. Ob ISOPLUS daraus höhere Preise ableiten kann, lässt sich ohne Zahlen nicht prüfen.

Macht als Käufer

Die eigentliche Marktmacht der Viessmanns liegt im Markt für Firmenverkäufe im Mittelstand. Mit Milliarden auf dem Konto und ohne Pflicht, nach fünf Jahren wieder zu verkaufen, konkurriert die Familie mit Finanzinvestoren um dieselben Firmen. GRITEC, ISOPLUS und KPS stammen alle von Beteiligungsgesellschaften, die diese Firmen vorher ausgebaut hatten.

Kartellrechtlich ist die Gruppe bislang unauffällig. Die Zukäufe liefen durch die üblichen Fusionskontrollen, der Verkauf an Carrier wurde von der EU-Kommission freigegeben.

Beim FC Bayern kauft Viessmann dagegen keine Macht. Der Verein muss laut Satzung mindestens 70 Prozent der AG halten, Adidas, Audi und die Allianz besitzen je knapp 7,8 Prozent. Mit knapp 6,7 Prozent ist Viessmann der kleinste Aktionär eines Klubs, der in der Saison 2024/25 laut unserem Porträt des FC Bayern fast eine Milliarde Euro umsetzte. Max Viessmann soll in den Aufsichtsrat einziehen, der dafür von neun auf zehn Sitze wächst.

Portfolio
Was heute zur Viessmann-Gruppe gehört
Industrieplattformen, Beteiligungen und Vermögen, Stand Oktober 2026.
Plattform
Netzinfrastruktur
GRITEC mit rund 1.300 Beschäftigten, Trafostationen und technische Gebäude, dazu eine Minderheit an Venios.
Plattform
Fernwärme und Fernkälte
ISOPLUS mit mehr als 1.500 Beschäftigten in zehn Werken, vorgedämmte Rohre, dazu Stations- und Regeltechnik.
Plattform
Kühl- und Reinräume
KPS Global mit mehr als 850 Beschäftigten in fünf US-Werken, BMIL und die Kühlzellen aus Hof.
Beteiligung
Carrier
Knapp 38 Mio. Aktien, 4,57 % des Konzerns, ein Sitz im Verwaltungsrat.
Beteiligung
Minderheiten
Encavis, Schülke & Mayr, Landefeld, FC Bayern München AG mit knapp 6,7 %.
Vermögen
Wald und Immobilien
Rund 500 Mio. € bis Mitte 2024, vor allem in den USA und Neuseeland.

Wer ist bei Viessmann eigentlich das Produkt?

Eine blanko Metallplatte und ein Anhänger mit der Aufschrift „Lizenz“ auf einem grauen Block
Der Name gehört der Familie, die Heizungen dazu verkauft Carrier.

Das Produkt ist heute vor allem der Name. Die Familie besitzt die Marke, die Carrier auf Heizungen druckt, hält Carrier-Aktien und sitzt im Verwaltungsrat des Käufers. In den neuen Firmen hängt Viessmann dagegen an wenigen großen Kundengruppen.

Drei Rollen gegenüber Carrier

Gegenüber Carrier ist die Familie zugleich Lizenzgeberin der Marke, Großaktionärin mit 4,57 Prozent und über Max Viessmann im Verwaltungsrat vertreten.

Das Recht auf diesen Sitz steht in einer Investorenvereinbarung von Januar 2024. Viessmann darf ein Mitglied des Gremiums benennen, solange die Gruppe genug Aktien hält. Nach beiden Verkäufen betonte die Gruppe in den Börsenmeldungen, weiterhin eine erhebliche Beteiligung zu halten.

Carrier wiederum braucht den Namen. In Deutschland verkauft der Konzern Wärmepumpen und Kessel unter der Marke Viessmann über Handwerksbetriebe. Carrier-Chef David Gitlin lobte 2023 die einzigartigen Vertriebskanäle der Sparte.

Für Sie als Hausbesitzer heißt das: Mit dem Kauf einer Viessmann-Heizung landet Ihr Geld bei Carrier. Die Familie verdient nur über Umwege mit, über die Dividende auf ihre Aktien und über die Lizenz, deren Höhe niemand veröffentlicht.

Wer in den neuen Firmen den Takt vorgibt

In den Industrieplattformen hängt Viessmann an wenigen Abnehmergruppen. GRITEC und Venios verkaufen an Stromnetzbetreiber, deren Investitionen die Bundesnetzagentur über die erlaubten Erlöse mitbestimmt. ISOPLUS liefert an Stadtwerke und Wärmeversorger, die ihre Netze nach den kommunalen Wärmeplänen ausbauen sollen.

Beim Kühlzellengeschäft zeigt der Konzernlagebericht 2023, wie eng diese Bindung werden kann. Das enttäuschende Jahr lag am Geschäft in den deutschsprachigen Ländern, vor allem mit Lebensmitteldiscountern, die ihre Investitionen zurückhielten.

Ein Großteil des Geschäfts mit Kühlmöbeln und Kälteanlagen für den Lebensmittelhandel liegt seit Oktober 2023 in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem italienischen Hersteller Epta. Diese Aktivitäten machten rund zwei Drittel des früheren Kältegeschäfts aus.

Die Gründer als Partner

Eine dritte Abhängigkeit beschreibt Viessmann selbst. Viele Beteiligungen stammen aus privater Hand und werden mit den Gründern gemeinsam geführt, die Mehrheit übernimmt die Gruppe teils erst später. Verkäufer bleiben dadurch oft Mitunternehmer und hängen mit ihren Plänen vom Zeitplan der Familie ab.

Die Kehrseite der Abhängigkeit sind die Beschäftigten der früheren Heizungssparte. Diese Belegschaft arbeitet heute für Carrier, ihre Sicherheit hängt an Garantien, die die Familie beim Verkauf ausgehandelt hat und die nach und nach auslaufen.

Auf den PunktWer von wem abhängt
  • Carrier: Braucht die Marke, die der Familie gehört.
  • Familie: Hängt mit ihrem Restpaket am Carrier-Kurs.
  • Plattformen: Verkaufen an wenige große Abnehmer wie Netzbetreiber, Stadtwerke und Handelsketten.

Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein hellgrünes Kuchenstück mit „Firmenwert“ und Notiz auf einem weißen, blockartigen Podest
Rund 54 Prozent des Kaufpreises buchte Carrier als Firmenwert, im Oktober 2026 folgte die Abschreibung.

Mehr als die Hälfte des Kaufpreises verbuchte Carrier als Firmenwert, also als Erwartung an künftige Gewinne. Im Oktober 2026 schrieb der Konzern rund 40 Prozent des Firmenwerts in Europa ab. Die Kosten tragen vor allem die Carrier-Aktionäre, die Familie hat ihren Preis längst erhalten.

Was in den zwölf Milliarden steckte

Carrier hat den Kaufpreis in seinem Geschäftsbericht 2024 aufgeschlüsselt. Rund 79 Prozent zahlte der Konzern in bar, rund 21 Prozent in 58,6 Millionen eigenen Aktien. Carrier bewertete die Papiere zum Kurs am Abschlusstag, daher die Abweichung von den vereinbarten 20 Prozent. Auf der anderen Seite der Rechnung stehen Werke, Vorräte, Forderungen und immaterielle Werte wie Kundenbeziehungen, Technik und Markenrechte. Abzüglich der Schulden und künftigen Steuerlasten deckten diese Werte nur 46 Prozent des Preises. Die übrigen 54 Prozent buchte Carrier als Firmenwert.

BestandteilAnteil am KaufpreisBeleg
Barzahlung an Viessmannrund 79 %Carrier, Geschäftsbericht 2024, Anhang 19
58,6 Mio. Carrier-Aktienrund 21 %Carrier, Geschäftsbericht 2024, Anhang 19
Kundenbeziehungenrund 34 %Kaufpreisverteilung, Redaktionsrechnung
Technik und Markenrechterund 12 %Kaufpreisverteilung, Redaktionsrechnung
Sachanlagen, Vorräte, Forderungen, Kasse, Sonstigesrund 22 %Kaufpreisverteilung, Redaktionsrechnung
Schulden und künftige Steuerlastenrund minus 22 %Kaufpreisverteilung, Redaktionsrechnung
Firmenwert (Erwartung an künftige Gewinne)rund 54 %Kaufpreisverteilung, Redaktionsrechnung

Die Tabelle zeigt die Anteile am gesamten Kaufpreis, wie Carrier ihn verbucht hat. Euro-Beträge lassen sich daraus nur mit Wechselkursverzerrungen ableiten, weil Carrier in US-Währung bilanziert.

Die Abschreibung vom Oktober 2026

Am 29. Oktober 2026 meldete Carrier für das dritte Quartal eine Abschreibung von umgerechnet rund 2,8 Milliarden Euro auf den Firmenwert des Europageschäfts. Nach unserer Rechnung entspricht das rund 40 Prozent des Firmenwerts, den Carrier Ende 2025 für Europa bilanziert hatte.

Als Gründe nennt der Quartalsbericht schwächere Nachfrage, auch wegen staatlicher Vorgaben und Förderprogramme, einen langsameren Wechsel vom Kessel zur Wärmepumpe, höhere Zinsen und die Erwartung, dass sich der Markt später erholt als angenommen.

Das operative Geschäft entwickelt sich dabei ordentlich. Im dritten Quartal 2026 wuchs der Umsatz in Europa aus eigener Kraft um zwölf Prozent, Wärmepumpen und Klimageräte legten um jeweils rund 35 Prozent zu. Carrier rechnet für die kommenden Jahre aber mit weniger Gewinn, als beim Kauf angenommen, und mit einem höheren Abzinsungssatz.

Bargeld fließt durch die Abschreibung nicht ab. Die Buchung macht sichtbar, dass Carrier für das Geschäft nach heutiger Einschätzung zu viel bezahlt hat.

Kaufpreis
Was aus den Carrier-Aktien wurde
Bestand der Viessmann-Gruppe an Carrier-Aktien in Millionen Stück.
  • Januar 2024, Abschluss58,6 Mio.
  • Juni 2025, nach erstem Verkauf50,1 Mio.
  • Mai 2026, nach zweitem Verkauf38,0 Mio.
rund 537 Mio. €
Erlös im Juni 2025, je zur Hälfte Börse und Rückkauf durch Carrier
rund 671 Mio. €
Erlös im Mai 2026 aus einem Paketverkauf
rund 2,8 Mrd. €
Abschreibung von Carrier auf den Firmenwert in Europa, Oktober 2026

Wer die Rechnung bezahlt

Die Last liegt zuerst bei den Aktionären von Carrier, darunter mit 4,57 Prozent auch die Familie Viessmann. Den Barteil finanzierte Carrier mit Anleihen und Krediten, der Zinsaufwand stieg 2024 um 90 Prozent auf umgerechnet rund 519 Millionen Euro.

In Europa steigen zudem die Kosten für den Umbau. In den ersten neun Monaten 2026 verbuchte Carrier dort Restrukturierungskosten von umgerechnet rund 107 Millionen Euro, nach 43 Millionen im Vorjahreszeitraum. Wo genau Stellen wegfallen, schlüsselt der Bericht nicht auf.

Belege dafür, dass Kunden wegen des Eigentümerwechsels mehr für eine Wärmepumpe zahlen, hat die Redaktion nicht gefunden. Für Steuerzahler bleibt die Förderung des Heizungstauschs ein Kostenblock, den die Bundesregierung festlegt und der beim Kauf 2023 die Nachfrage angefacht hatte, wie der Viessmann-Lagebericht selbst festhält.

Die Familie dagegen hat ihren Preis kassiert. Rund 80 Prozent des Preises kamen in bar, gut ein Drittel der Aktien hat die Familie zu Kursen über dem Ausgabewert verkauft.

Auf den PunktWas der Kauf gekostet hat
  • Firmenwert: Rund 54 Prozent des Kaufpreises verbuchte Carrier als Erwartung an künftige Gewinne.
  • Abschreibung: Rund 2,8 Milliarden Euro im Oktober 2026, etwa 40 Prozent des Firmenwerts in Europa.
  • Familie: Von den Aktien hat Viessmann gut ein Drittel über dem Ausgabekurs verkauft.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Waage wiegt einen grünen Sack „Familie“ gegen einen Bauhelm mit Zettel „Feierabend!“
Gewinner und Verlierer des Verkaufs: Familie, Belegschaft und die Aktionäre von Carrier.

Gewonnen hat vor allem die Familie, die auf dem Höhepunkt des Booms verkaufte, die Marke behielt und ihr Vermögen seither über Branchen und Kontinente streut. Verloren haben bisher die Carrier-Aktionäre, gefährdet sind die Beschäftigten in Allendorf, deren Kündigungsschutz bald endet.

Die Gewinner

Die Familie Viessmann hat die Sparte, die 2023 den Großteil des operativen Ergebnisses von 470 Millionen Euro erwirtschaftete, gegen rund zehn Milliarden Euro Bargeld und ein Aktienpaket getauscht. Die Carrier-Aktien waren laut Börsenmeldung im Juni 2025 rund 26 Prozent mehr wert als beim Abschluss. Die Familie nutzte den Anstieg für zwei Verkäufe. Auch die Beschäftigten der Heizungssparte bekamen etwas ab. Die Einmalprämie von 106 Millionen Euro ging an alle Mitarbeitenden von Viessmann Climate Solutions, dazu kamen Garantien für Arbeitsplätze und Standorte.

Gewonnen haben die Finanzinvestoren, die GRITEC, ISOPLUS und KPS an Viessmann verkauften, und der FC Bayern. Präsident Herbert Hainer sprach nach dem Einstieg von einer noch einmal deutlich verbesserten Eigenkapitalbasis, das Geld fließt in die Kasse der AG.

Ein Teil des Erlöses geht in Spenden. Die 2020 gegründete Viessmann Foundation gab 2025 unter anderem 5,6 Millionen Euro an das Deutsche Krebsforschungszentrum und je eine Million Euro an Water.org und den One Acre Fund.

Die Verlierer

Die Aktionäre von Carrier haben für ein Geschäft bezahlt, dessen Wert der Konzern zweieinhalb Jahre später um rund 2,8 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Zu diesen Aktionären zählt mit einem Restpaket von 4,57 Prozent die Familie selbst, die ihr Risiko durch die Paketverkäufe allerdings verringert hat.

Für die Belegschaft in Allendorf könnte 2027 eine unsichere Zeit beginnen.

Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen galt drei Jahre. Rechnet man ab dem Abschluss im Januar 2024, endet er Anfang 2027, die Standortgarantie für Werke und Entwicklung Anfang 2029. Gleichzeitig steigen Carriers Umbaukosten in Europa.

Beim Kältegeschäft haben die Beschäftigten den Wechsel schon hinter sich. Rund zwei Drittel der Sparte gingen 2023 in das Gemeinschaftsunternehmen mit Epta, für den Rest beschloss die Gruppe ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm.

BeteiligteGewinn oder VerlustBeleg
Familie Viessmannrund 10 Mrd. € in bar, 58,6 Mio. Carrier-Aktien, davon bis Mai 2026 rund 1,2 Mrd. € zu Geld gemachtKonzernlagebericht 2023, Börsenmeldungen 2025 und 2026
Beschäftigte der Heizungssparte106 Mio. € Einmalprämie, Kündigungsschutz für drei JahreViessmann, Mitteilung 25.04.2023
Carrier-AktionäreAbschreibung von rund 2,8 Mrd. € auf das EuropageschäftCarrier, Quartalsbericht 30.09.2026
Verkäufer der ZukäufeAusstieg bei GRITEC, ISOPLUS und KPS, Preise nicht genanntMitteilungen 2024
FC Bayern München AGneues Eigenkapital, laut dpa rund 250 Mio. €FC Bayern, Mitteilung 22.10.2026
Kälte-BeschäftigteWechsel in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Epta, Sanierung im RestKonzernlagebericht 2023

Die Bilanz spricht eindeutig für das Timing der Familie. Ob das neue Geschäft ebenso klug ist, entscheidet sich erst, wenn Viessmann wieder Gewinne veröffentlicht.

Viessmann kassierte zwölf Milliarden Euro auf dem Gipfel des Wärmepumpenbooms, Carrier schreibt in Europa jetzt 2,8 Milliarden ab.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Viessmann?

Ein Holzstempel mit grünem Griff steht neben dem Abdruck „Unbedenklich“ auf Papier
Im Juni 2023 gab das Wirtschaftsministerium den Verkauf an Carrier mit Auflagen frei.

Politisch wurde Viessmann vor allem durch den Verkauf an Carrier, den die Bundesregierung 2023 mit Auflagen freigab. Ausgaben für Lobbyarbeit meldete die Gruppe für 2024 keine.

Ein Verkauf unter Beobachtung

Als der Verkauf im April 2023 bekannt wurde, stand die Bundesregierung mitten im Streit über das Gebäudeenergiegesetz. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte eine Prüfung an: „Wir werden uns das Vorhaben im Rahmen der vorgesehenen Prüfschritte anschauen.“ Grundsätzliche Einwände hatte er nicht, die Investition solle aber auch dem Standort Deutschland zugutekommen. Habeck erklärte den Schritt mit dem Wettbewerb: Um konkurrenzfähig zu bleiben, habe Viessmann sich einen finanziellen Partner gesucht.

Die Opposition im Bundestag warf dem Minister dagegen vor, mit seinen Plänen für die Heizungswende ausländische Hersteller angelockt zu haben. Die Bauphysikerin Lamia Messari-Becker von der Universität Siegen warnte: „Was bisher eine Stärke war, droht nun durch Fehlentscheidungen verloren zu gehen.“ Beide Seiten stritten damit weniger über Viessmann als über die richtige Heizungspolitik.

Am 23. Juni 2023 erteilte das Wirtschaftsministerium eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Die Freigabe band beide Seiten an die vereinbarten Garantien für Arbeitsplätze, Werke und den Hauptsitz in Allendorf.

Drei Jahre später liefert Carrier selbst ein Argument in diesem Streit. Als einen Grund für die Abschreibung nennt der Konzern schwächere Nachfrage, die auch auf staatliche Vorgaben und Förderprogramme zurückgehe.

Welche Länder und welche Programme gemeint sind, schlüsselt der Bericht nicht auf, weshalb sich daraus keine Schuld einer bestimmten Regierung ableiten lässt.

Lobbyarbeit mit null Euro

Im Lobbyregister des Bundestags stand die Viessmann Generations Group seit dem 29. April 2025. Für 2024 meldete die Gruppe null Euro Ausgaben für Interessenvertretung, null Vollzeitstellen und Mitgliedsbeiträge zwischen 10.001 und 20.000 Euro. Als Mitgliedschaft nennt der Eintrag den Wirtschaftsrat der CDU. Als Themen führte Viessmann das Gebäudeenergiegesetz, den Emissionshandel und das Wärmeplanungsgesetz, also genau die Regeln, von denen das Fernwärmegeschäft der Gruppe abhängt. Seit dem 21. Juli 2026 führt das Register Viessmann als frühere Interessenvertreterin.

Wo die Gruppe sitzt

Rechtlicher Sitz der Viessmann Generations Group GmbH & Co. KG ist Battenberg an der Eder, wo die Familie 1937 ankam. Den operativen Sitz verortet der Hessische Rundfunk in München.

Persönlich haftende Gesellschafterin der KG ist eine niederländische Gesellschaft, die Viessmann Komplementär B.V., die Max Viessmann kontrolliert.

Fragen der Exportkontrolle oder Geschäfte mit China, bei vielen Maschinenbauern ein Dauerthema, spielen laut den Unterlagen keine Rolle. Die Zukäufe in den USA unterlagen den üblichen Fusionskontrollen, der Kauf von ISOPLUS stand zusätzlich unter dem Vorbehalt der Prüfung von Auslandsinvestitionen.

Nachfolge in der vierten Generation

Die Nachfolge ist geregelt: Max Viessmann führt die Gruppe, sein Vater Martin den Verwaltungsrat. Zum Jahresende 2023 schied laut Konzernlagebericht ein Gesellschafter aus der KG aus, dessen Ansprüche die Bilanz seither als Verbindlichkeit ausweist. Einen Namen nennt der Bericht nicht. Die Viessmann Foundation bündelt seit 2020 die Spenden der Familie. Beim Verkauf kündigte Viessmann an, einen erheblichen Teil des Erlöses in gemeinnützige Zwecke zu lenken, eine Gesamtsumme nennt die Familie bisher nicht.

Auf den PunktPolitik bei Viessmann
  • Freigabe: Unbedenklichkeitsbescheinigung im Juni 2023, gebunden an Garantien.
  • Lobby: Null Euro Ausgaben für 2024 gemeldet, seit Juli 2026 als frühere Interessenvertreterin geführt.
  • Nachfolge: Max Viessmann führt, Vater Martin leitet den Verwaltungsrat.

Was könnte Viessmann zu Fall bringen?

Kartenhaus mit grünem Klebezettel „Zukauf“ an der Spitze
Fehlkäufe, der Carrier-Kurs und die Politik: die größten Risiken für die Viessmann-Gruppe.

Zu Fall bringen könnte die Gruppe am ehesten eine Serie teurer Fehlkäufe. Das Risiko hat die Geschäftsführung selbst benannt: Die Annahmen hinter einem Kaufpreis erfüllen sich nicht immer. Carrier hat gerade vorgeführt, wie teuer das werden kann.

Der Käufer als neues Risiko

Mit dem Verkauf hat sich das Risiko der Familie verschoben. Fabriken, Lieferketten und Produktionsausfälle spielen für Viessmann eine kleinere Rolle, schreibt der Konzernlagebericht 2023. Wichtiger sind nun Währungs-, Zins- und Kreditrisiken und vor allem der Aktienkurs von Carrier.

Bei jedem Zukauf besteht nach den Worten der Geschäftsführung das grundsätzliche Risiko, dass sich die Annahmen hinter der Bewertung nicht erfüllen. Dieser Satz liest sich nach der Abschreibung von Carrier wie eine Warnung in eigener Sache.

Viessmann kauft in einem Tempo zu, das Fehlgriffe wahrscheinlicher macht: drei große Übernahmen allein zwischen August und November 2024.

Abhängig von Politik und Zinsen

Fernwärmerohre und Trafostationen verkaufen sich, solange Kommunen Wärmenetze bauen und Netzbetreiber ihre Stromnetze ausbauen. Beides hängt an Gesetzen, Förderprogrammen und Zinsen. Ändert eine künftige Regierung das Gebäudeenergiegesetz oder die Wärmeplanung, verschiebt sich die Nachfrage der Kunden über Jahre.

Carrier hat diese Erfahrung gerade mit der Wärmepumpe gemacht. Höhere Zinsen nennt der Konzern ausdrücklich als einen Grund für die Abschreibung.

Das Kühlzellengeschäft hängt an den Investitionen von Lebensmittelhändlern. 2023 hielten Lebensmittelhändler in Deutschland und Frankreich ihre Investitionen zurück und die Sparte belastete das Ergebnis der Gruppe.

Die Macht einer Person

Max Viessmann kontrolliert die Holding, führt das Tagesgeschäft, sitzt im Verwaltungsrat von Carrier und bald im Aufsichtsrat des FC Bayern. Die Konzentration erlaubt schnelle Entscheidungen und macht die Gruppe zugleich abhängig vom Urteil einer einzelnen Person.

Drei Szenarien bis 2031

Im optimistischen Fall wachsen die Plattformen mit dem Ausbau der Wärme- und Stromnetze und die Gruppe erreicht wie angekündigt bis 2030 die Größe der verkauften Heizungssparte, also gut 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Ein Teil des Wachstums käme dann aus eigener Kraft. Im realistischen Fall wächst Viessmann weiter vor allem durch Zukäufe auf drei bis vier Milliarden Euro Umsatz, mit einzelnen Fehlgriffen, die das Vermögen der Familie aber nicht gefährden.

Im pessimistischen Fall fällt der Carrier-Kurs, mehrere Zukäufe enttäuschen gleichzeitig und die Gruppe muss Beteiligungen abschreiben oder unter Wert verkaufen. Zu Fall bringen würde selbst das die Familie nicht, wohl aber den Anspruch, ein neues Industrieunternehmen aufzubauen. Alle drei Szenarien sind Einschätzungen der Redaktion.

Risiken
Was Viessmann gefährlich werden könnte
Die wichtigsten Risiken nach Einschätzung der Redaktion, Stand 01.11.2026.
hoch
Fehlkäufe
Drei große Übernahmen zwischen August und November 2024, Annahmen hinter Kaufpreisen können sich als zu optimistisch erweisen.
hoch
Carrier-Kurs
4,57 % an einem Konzern, der gerade rund 2,8 Mrd. € auf Europa abgeschrieben hat.
mittel
Politik und Zinsen
Wärmeplanung, Gebäudeenergiegesetz und Netzausbau bestimmen die Nachfrage nach Rohren und Stationen.
mittel
Handel als Kunde
Kühlzellen hängen an den Investitionen von Supermärkten und Discountern.
mittel
Eine Person
Max Viessmann kontrolliert Holding, Tagesgeschäft und den Carrier-Sitz.
mittel
Fehlende Transparenz
Ohne veröffentlichte Gewinne lassen sich Fehlentwicklungen von außen schwer erkennen.

Was bedeutet Viessmann für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Wegweiser nach Allendorf und München mit Hinweisschild Abkürzung über Feldweg auf weißem Grund
Was Verbraucher, Mittelständler und Handwerker aus dem Verkauf an Carrier mitnehmen.

Für Verbraucher ist Viessmann heute eine Marke von Carrier, für Mittelständler ein finanzstarker Käufer. Inhaber von Firmen für Netztechnik, Wärme oder Kühlung haben mit der Familie einen Interessenten mehr, der langfristig plant und dafür Mitsprache verlangt.

Was Verbraucher wissen sollten

Ansprechpartner für Ihre Viessmann-Heizung, für Garantie und Kundendienst, ist die Carrier-Tochter Viessmann Climate Solutions mit Sitz in Allendorf. Die Abschreibung vom Oktober 2026 betrifft die Bewertung in Carriers Bilanz, nicht die Garantie Ihres Geräts.

Der Markt für Wärmepumpen hat sich nach dem Einbruch von 2024 erholt. Der Branchenverband BDH zählte 2025 in Deutschland 299.000 verkaufte Geräte, 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Carrier meldete im dritten Quartal 2026 ein Plus von rund 35 Prozent bei Wärmepumpen in Europa.

Für Ihre Kaufentscheidung zählen Förderung, Angebote mehrerer Installateure und die Erfahrung des Betriebs vor Ort mehr als die Frage, ob hinter dem Namen eine Familie oder ein Konzern aus Florida steht. Vergleichen Sie gerne mindestens zwei Angebote mit unterschiedlichen Herstellern, bevor Sie unterschreiben.

Kunden von Stadtwerken mit Fernwärme begegnen Viessmann künftig vielleicht unter der Straße, in Form vorgedämmter Rohre von ISOPLUS. Auf den Fernwärmepreis hat der Rohrlieferant keinen direkten Einfluss.

Was Mittelständler daraus lernen

Der Verkauf an Carrier zeigt, wie ein Familienunternehmen auf einen Strukturbruch reagieren kann. Viessmann verkaufte nicht in der Krise, sondern auf dem Höhepunkt und begründete das mit einer nüchternen Rechnung über Kapitalbedarf und Konkurrenz aus Asien und den USA. Die Arbeitsplatzgarantien halfen, den Schritt politisch durchzusetzen.

Für Inhaber, die über einen Verkauf nachdenken, ist Viessmann ein ernstzunehmender Bieter neben Finanzinvestoren. Die Gruppe kauft gern zunächst eine Minderheit, lässt Gründer an Bord und übernimmt die Mehrheit später. Klären Sie gerne früh, wann und zu welchem Preis die restlichen Anteile übergehen sollen und wer im Streitfall entscheidet.

Wettbewerber der Viessmann-Firmen treffen auf einen Eigentümer, der Verluste länger aushält als ein Fonds mit Laufzeit. Bei der Sanierung des Kühlzellengeschäfts hat die Familie das bereits gezeigt.

Was Handwerker und Lieferanten beachten sollten

Installateure verkaufen Viessmann-Geräte heute im Auftrag eines US-Konzerns, der in Europa Restrukturierungskosten verbucht und seine Erwartungen gesenkt hat. Konditionen, Schulungen und Lieferzusagen verhandeln Betriebe mit Carrier, nicht mit der Familie. Achten Sie gerne auf Änderungen bei Rabatten und Ersatzteilversorgung, sobald die Garantien von 2023 auslaufen.

Lieferanten der Industrieplattformen verhandeln dagegen mit einem Käufer, der zentral einkaufen kann. Mit wachsender Größe der Plattformen dürfte der Preisdruck auf Zulieferer von Stahl, Dämmstoffen und Elektrotechnik steigen.

Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate

Optimistisch: Die Wärmepumpe wächst weiter, Carriers Kurs erholt sich nach der Abschreibung und Viessmann veröffentlicht erstmals Ergebniszahlen der neuen Gruppe. Realistisch: Viessmann kauft ein bis zwei weitere Firmen zu, hält sein Carrier-Paket und bleibt bei Umsatzangaben ohne Gewinn. Pessimistisch: Carrier kündigt in Europa Stellenabbau an, sobald der Kündigungsschutz endet, und der Name Viessmann gerät in Allendorf in die Schlagzeilen, ohne dass die Familie daran noch etwas ändern kann.

Alle drei Szenarien sind Einschätzungen der Redaktion. Sicher ist nur, dass der Name Viessmann für zwei Unternehmen steht, deren Wege sich 2024 getrennt haben.

Auf den PunktKurz gesagt
  • Verbraucher: Garantie und Kundendienst für Viessmann-Heizungen liegen bei Carrier.
  • Mittelstand: Viessmann bietet Verkäufern Kapital ohne Verkaufsabsicht nach festen Jahren, verlangt aber Mitsprache.
  • Handwerk: Konditionen verhandeln Installateure mit Carrier, nicht mit der Familie.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Viessmann

Offenes Buch mit grünem Lesezeichen „Glossar“ auf weißem Sockel
Von Abzinsungssatz bis Zukaufstrategie: die wichtigsten Fachbegriffe zu Viessmann.

Abzinsungssatz

Der Abzinsungssatz rechnet künftige Zahlungen auf ihren heutigen Wert zurück. Je höher der Satz, desto weniger sind Gewinne in ferner Zukunft heute wert. Carrier nannte einen höheren Abzinsungssatz als einen Grund, warum das Europageschäft im Herbst 2026 weniger wert war als beim Kauf angenommen.

Aktienrückkauf

Bei einem Aktienrückkauf erwirbt ein börsennotiertes Unternehmen eigene Aktien von Anteilseignern zurück. Die Zahl der umlaufenden Papiere sinkt, der Anteil der übrigen Aktionäre steigt. Carrier kaufte im Juni 2025 rund 4,3 Millionen Aktien direkt von der Viessmann-Gruppe zurück.

EBITA

Das EBITA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte aus Übernahmen. Die Kennzahl blendet die Folgen früherer Zukäufe aus und zeigt die operative Ertragskraft. Viessmann steuerte die Gruppe 2023 nach dem EBITA und wies 469,9 Millionen Euro aus.

Fernwärme

Bei Fernwärme erzeugt ein Kraftwerk, eine Großwärmepumpe oder eine Abwärmequelle die Wärme zentral, ein Rohrnetz verteilt die Wärme an viele Gebäude. Kommunen müssen nach dem Wärmeplanungsgesetz prüfen, wo sich solche Netze lohnen. Die Viessmann-Tochter ISOPLUS liefert die vorgedämmten Rohre dafür.

Firmenwert

Der Firmenwert ist der Teil des Kaufpreises, den die Vermögenswerte und Schulden eines übernommenen Unternehmens nicht abdecken. Er bildet die Erwartung an künftige Gewinne ab. Sinkt diese Erwartung, muss der Käufer den Firmenwert abschreiben, wie Carrier im Oktober 2026 beim Europageschäft.

Haltefrist

Eine Haltefrist, auch Sperrfrist genannt, verpflichtet den Empfänger von Aktien, diese eine Zeit lang nicht zu verkaufen. Die Frist schützt den Kurs vor einem plötzlichen Überangebot. Viessmann stimmte beim Verkauf an Carrier einer solchen Frist für die erhaltenen Carrier-Aktien zu.

Kommanditgesellschaft

In einer Kommanditgesellschaft haftet mindestens ein Gesellschafter unbeschränkt, die übrigen nur mit ihrer Einlage. Bei einer GmbH und Co. KG übernimmt eine Kapitalgesellschaft die unbeschränkte Haftung. Die Viessmann Generations Group ist so aufgestellt, persönlich haftend ist eine niederländische Gesellschaft der Familie.

Konzernabschluss

Der Konzernabschluss fasst die Zahlen aller Gesellschaften einer Gruppe zusammen, als wäre die Gruppe ein einziges Unternehmen. Große Familienunternehmen müssen ihn spätestens zwölf Monate nach dem Stichtag im Unternehmensregister offenlegen. Der jüngste Abschluss, den die Redaktion einsehen konnte, betrifft bei Viessmann das Jahr 2023.

Lobbyregister

Das Lobbyregister des Bundestags verzeichnet seit 2022 Organisationen, die Einfluss auf Bundestag und Bundesregierung nehmen, samt Ausgaben, Themen und Mitgliedschaften. Die Viessmann Generations Group war vom April 2025 bis Juli 2026 eingetragen und meldete für 2024 keine Ausgaben.

Paketverkauf

Beim Paketverkauf gibt ein Großaktionär einen größeren Block Aktien auf einmal ab, meist über eine Bank an institutionelle Anleger und mit einem kleinen Abschlag auf den Börsenkurs. Viessmann verkaufte im Mai 2026 so rund 12,1 Millionen Carrier-Aktien.

Unbedenklichkeitsbescheinigung

Mit einer Unbedenklichkeitsbescheinigung bestätigt das Bundeswirtschaftsministerium, dass ein ausländischer Erwerber ein deutsches Unternehmen übernehmen darf, ohne die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu gefährden. Für den Verkauf an Carrier erteilte das Ministerium eine solche Bescheinigung im Juni 2023, verbunden mit Auflagen.

Vorgedämmtes Rohr

Ein vorgedämmtes Rohr besteht aus einem Mediumrohr aus Stahl oder Kunststoff, einer Dämmschicht und einem Schutzmantel, die im Werk zu einer Einheit verbunden werden. Solche Rohre transportieren Heiz- oder Kühlwasser mit geringen Verlusten unter der Erde. ISOPLUS stellt solche Rohre in zehn Werken her.

Zukaufstrategie

Bei einer Zukaufstrategie baut ein Investor um ein größeres Kernunternehmen eine Gruppe aus kleineren, ergänzenden Firmen auf. Einkauf, Vertrieb und Technik sollen so günstiger werden. Viessmann verfolgt diesen Ansatz in drei Plattformen für Netztechnik, Fernwärme sowie Kühl- und Reinräume.

FAQ: Wovon lebt Viessmann nach dem Verkauf an Carrier?

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Häufige Fragen zu Viessmann: Eigentümer, Carrier, Kaufpreis, Umsatz, Sitz und FC Bayern.

Wem gehört Viessmann?

Die Viessmann Generations Group gehört vollständig der Familie Viessmann. Max Viessmann aus der vierten Generation kontrolliert die beiden Gesellschaften an der Spitze der Holding und führt die Gruppe, sein Vater Martin Viessmann leitet den Verwaltungsrat.

Gehören Viessmann-Heizungen noch zur Familie Viessmann?

Nein. Das Heizungs- und Wärmepumpengeschäft Viessmann Climate Solutions gehört seit dem 2. Januar 2024 zum US-Konzern Carrier Global. Die Marke Viessmann blieb Eigentum der Familie, Carrier nutzt den Namen im Heizungsgeschäft per Lizenz.

Wie viel hat Carrier für Viessmann bezahlt?

Carrier zahlte für Viessmann Climate Solutions rund zwölf Milliarden Euro. Vereinbart waren 80 Prozent in bar und 20 Prozent in Carrier-Aktien, insgesamt 58,6 Millionen Stück. Der Vertrag wurde am 25. April 2023 unterschrieben und am 2. Januar 2024 vollzogen.

Wie viel Umsatz macht Viessmann heute?

Viessmann beziffert den Umsatz der Viessmann Generations Group auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr, mit etwa 6.000 Beschäftigten im Industriegeschäft. Eine Gewinnzahl für die neue Gruppe hat das Unternehmen bisher nicht veröffentlicht. 2023 setzte die Gruppe mit dem Heizungsgeschäft 4,41 Milliarden Euro um.

Wo hat Viessmann seinen Sitz?

Rechtlicher Sitz der Viessmann Generations Group ist Battenberg an der Eder in Hessen, operativ arbeitet die Führung laut Hessischem Rundfunk von München aus. Das an Carrier verkaufte Heizungsgeschäft hat seinen Hauptsitz weiter in Allendorf an der Eder.

Was hat Viessmann mit dem FC Bayern zu tun?

Die Viessmann Generations Group ist seit Oktober 2026 vierter Anteilseigner der FC Bayern München AG mit knapp 6,7 Prozent. Einen Preis nannten beide Seiten nicht, die Deutsche Presse-Agentur berichtete von rund 250 Millionen Euro. Max Viessmann soll in den Aufsichtsrat einziehen.

Quellen

34 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 01.11.2026
  1. UnternehmensregisterViessmann Generations Group GmbH & Co. KG: Konzernabschluss und Konzernlagebericht für das Geschäftsjahr 2023 (Auszug vom 17.10.2024)
  2. UnternehmensregisterViessmann Group GmbH & Co. KG: Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2022 (Auszug vom 15.09.2023)
  3. ViessmannMedienmitteilung: Viessmann Group stellt sich neu auf, 25.04.2023
  4. Viessmann Generations GroupViessmann Generations Group becomes a shareholder of FC Bayern München AG, 22.10.2026
  5. FC Bayern MünchenViessmann Generations Group wird Gesellschafter der FC Bayern München AG, 22.10.2026
  6. hessenschauHessisches Traditionsunternehmen steigt beim FC Bayern München ein, 22.10.2026
  7. Carrier GlobalForm 10-Q für das Quartal zum 30.09.2026
  8. Carrier GlobalCarrier Reports Third Quarter 2026 Results, 29.10.2026
  9. Carrier GlobalForm 10-K für das Geschäftsjahr 2025
  10. Carrier GlobalForm 10-K für das Geschäftsjahr 2024
  11. Carrier GlobalCarrier Reports First Quarter 2024 Results, 25.04.2024
  12. U.S. Securities and Exchange CommissionSchedule 13D/A zu Carrier Global, Amendment No. 5, 29.11.2024
  13. U.S. Securities and Exchange CommissionSchedule 13D/A zu Carrier Global, 05.06.2025
  14. U.S. Securities and Exchange CommissionSchedule 13D/A zu Carrier Global, 20.05.2026
  15. Viessmann Generations GroupViessmann Generations Group acquires GRITEC, 30.10.2024
  16. Viessmann Generations GroupViessmann Generations Group acquires ISOPLUS from Egeria, 25.11.2024
  17. Viessmann Generations GroupViessmann to significantly expand North American Clean & Cold platform with acquisition of KPS Global, 13.08.2024
  18. Viessmann Generations GroupViessmann Climate Solutions and Carrier: Combination successfully completed, 02.01.2024
  19. Viessmann Generations GroupUnternehmensüberblick (Plattformen, Beteiligungen, Stiftung)
  20. Viessmann Generations GroupOur Legacy (Firmengeschichte)
  21. Neue Deutsche BiographieUlrich Eisenbach: Viessmann, Hans, Band 262016
  22. Börsen-ZeitungViessmann wagt mit Verkauf von Heizungssparte größte Transformation der mehr als 100-jährigen Geschichte, 23.04.2024
  23. energate messengerMinistry of Economics allows Viessmann deal, 23.06.2023
  24. pv magazineViessmann verkauft Wärmepumpen-Geschäft für 12 Milliarden Euro, Habeck kündigt Prüfung an, 26.04.2023
  25. ORFWärmepumpen: Bedenken wegen Viessmann-Verkaufs, 26.04.2023
  26. Deutsche Handwerks ZeitungHabeck will Verkauf der Viessmann-Klimasparte genau prüfen, 26.04.2023
  27. Deutscher Bundestag, LobbyregisterRegistereintrag R007353 Viessmann Generations Group, Stand 06.07.2026
  28. EQS NewsViessmann Group: record revenues of EUR 4 billion and growth of 19 percent in 2022
  29. ZfKWeniger Heizungen verkauft, Absatz von Wärmepumpen halbiert, 10.07.2024
  30. HandwerksblattWärmepumpe ist meistverkaufte Heiztechnik 2025 in Deutschland, 01.03.2026
  31. cash.ch (AWP/dpa)Bosch-Heizungstochter stellt sich auf schwieriges Jahr ein, 17.03.2025
  32. Vaillant GmbHJahresabschluss zum 31.12.2024 (Bilanz, GuV und Anhang, Lobbyregister)
  33. Stiebel EltronDaten und Fakten (Presse)
  34. Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse, Stand 30.10.2026
4,5 16 Bewertungen

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