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Berkshire Hathaway liegt in Ihrer Küchenschublade, falls Sie dort Duracell-Batterien für die Fernbedienung aufbewahren: Der Hersteller gehört seit 2016 zum Konzern aus Omaha. Mit Batterien wurde Warren Buffett allerdings nicht reich. Im Geschäftsbericht 2025 weist Berkshire umgerechnet 157 Milliarden Euro an Versicherungsgeldern aus, die bis zur Zahlung künftiger Schäden beim Konzern liegen.

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Berkshire Hathaway hat am 17. September 2026 die Schwelle von 10 Prozent am US-Hausbauer Lennar überschritten und bis zum 2. Oktober weiter zugekauft, zuletzt auf 28,4 Millionen A-Aktien im Wert von rund 2 Milliarden Euro. Zwei Monate zuvor hatte der neue Konzernchef Greg Abel den Hausbauer Taylor Morrison für umgerechnet 6,1 Milliarden Euro übernommen, seinen ersten großen Zukauf. Nach sechs Jahrzehnten unter Warren Buffett zeigt sich damit erstmals, wie Berkshire ohne seinen Gründer mit einem Bargeldberg von zuletzt 320 Milliarden Euro umgeht und woher seine Marge eigentlich stammt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Berkshire setzte 2025 umgerechnet 331,5 Milliarden Euro um und erzielte einen operativen Gewinn von 39,7 Milliarden Euro, ohne Kursgewinne auf Aktien.
  • Der Kern ist der Float: Ende Juni 2026 rund 158 Milliarden Euro an Versicherungsprämien, die Berkshire bis zur Schadenzahlung anlegt und für die der Konzern seit Jahren nichts bezahlt.
  • Die 51 Tochterfirmen außerhalb der Versicherung liefern verlässliche Gewinne, aber mit sehr unterschiedlichen Margen: von 30 Prozent bei der Bahn BNSF bis 0,5 Prozent bei den Pilot-Raststätten.
  • Seit Januar 2026 führt Greg Abel den Konzern. Er kauft wieder eigene Aktien zurück, investiert in Hausbauer und sitzt trotzdem auf rund 320 Milliarden Euro in bar und kurzlaufenden Staatsanleihen.
  • Berkshire zahlt keine Dividende. Für deutsche Privatanleger fällt Abgeltungsteuer deshalb erst beim Verkauf an.

Fünf Fragen an Buffetts Erbe

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Berkshire Hathaway?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie groß war der Float der Berkshire-Versicherer Ende Juni 2026? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Ende Juni 2026 hielten die Versicherer umgerechnet rund 158 Milliarden Euro an Prämien und Reserven, die Berkshire bis zur Schadenzahlung anlegen kann.
2 Um wie viel unterbot Firmenchef Seabury Stanton 1964 den Preis, den er Buffett zugesagt hatte? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Das Angebot lag ein Achtel eines Kurspunkts unter der Zusage. Buffett verkaufte aus Ärger nicht und übernahm 1965 die Kontrolle.
3 Welche Sparte behielt 2025 von 100 Euro Umsatz am meisten als Gewinn vor Steuern? Aufklappen ↓
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Richtig: C. BNSF kam auf 30,50 Euro je 100 Euro Umsatz, GEICO auf 15,30 Euro und Pilot auf 0,45 Euro.
4 Wie hoch war Warren Buffetts Grundgehalt als Konzernchef über mehr als 40 Jahre? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Buffett erhielt unverändert umgerechnet 89.240 Euro im Jahr, ohne Bonus und ohne Aktien. Sein Nachfolger Greg Abel bekam 2025 als Vizechef 19,6 Millionen Euro.
5 An welchem US-Hausbauer überschritt Berkshire im September 2026 die Schwelle von 10 Prozent? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Am 17. September 2026 überschritt Berkshire die Schwelle bei Lennar und kaufte bis zum 2. Oktober weiter zu. Taylor Morrison gehört seit Juli komplett zu Berkshire, Clayton schon lange.

Wer steckt hinter Berkshire Hathaway und wie fing alles an?

Berkshire Hathaway war eine sterbende Textilfirma aus Neuengland, deren Aktien der Investor Warren Buffett ab 1962 billig kaufte und die er 1965 übernahm. Den Ausschlag gab Trotz, wie er selbst schreibt. Das eigentliche Fundament legte zwei Jahre später der Kauf eines kleinen Versicherers aus Omaha.

Die Wurzeln reichen ins 19. Jahrhundert zurück. 1955 schlossen sich die Spinnerei Berkshire Fine Spinning Associates und die Weberei Hathaway Manufacturing zusammen, mit 14 Werken und 10.000 Beschäftigten. Der neue Name stand für den größten Textilkonzern Neuenglands, doch die Branche wanderte in den Süden der USA ab.

In den sieben Jahren nach der Fusion schrieb Berkshire insgesamt Verluste und schloss neun Werke.

Buffetts Investmentpartnerschaft kaufte im Dezember 1962 die ersten Aktien für umgerechnet 6,69 Euro das Stück, deutlich unter dem Buchwert. Buffett nannte solche Käufe später Zigarrenstummel: hässlich, aber mit einem letzten kostenlosen Zug.

Im Mai 1964 bot Firmenchef Seabury Stanton an, Aktien zurückzukaufen, allerdings ein Achtel eines Kurspunkts unter dem Preis, den er Buffett zuvor mündlich zugesagt hatte. Buffett fühlte sich betrogen, verkaufte nicht und kaufte stattdessen weiter. Im April 1965 hielt seine Partnerschaft 392.633 von 1.017.547 Aktien, im Mai übernahm Buffett die Kontrolle, und Stanton verlor seinen Posten.

Im Aktionärsbrief von 2014 nennt Buffett seine Entscheidung, nicht zu verkaufen, „monumental dumm“.

Der Grund: Ein Großteil seines Kapitals steckte plötzlich in einem Geschäft, von dem er wenig verstand. Bis 1985 hielt Buffett die Webereien am Leben, dann schloss er die letzte.

Firmengeschichte
Von der Weberei zum Mischkonzern
Wegmarken von Berkshire Hathaway seit 1955.
  • 1955Fusion von Berkshire Fine Spinning und Hathaway Manufacturing zum größten Textilkonzern Neuenglands
  • 1962Buffetts Partnerschaft kauft die ersten Aktien für umgerechnet 6,69 Euro das Stück
  • 1965Buffett übernimmt die Kontrolle nach dem Streit um ein Rückkaufangebot
  • 1967Kauf des Versicherers National Indemnity für umgerechnet 7,7 Mio. €
  • 1985Schließung der letzten Weberei
  • 1996Vollständige Übernahme von GEICO
  • 2010Kauf der Güterbahn BNSF, Eigenkapitalwert umgerechnet 30,8 Mrd. €
  • 2026Greg Abel wird Konzernchef, Kauf von OxyChem und Taylor Morrison
19,7 %
Wertzuwachs pro Jahr 1965 bis 2025
387.800
Beschäftigte Ende 2025
331,5 Mrd. €
Umsatz 2025

1967 kaufte Berkshire für umgerechnet 7,7 Millionen Euro die National Indemnity Company aus Omaha, einen kleinen Kfz- und Spezialversicherer. Der Gründer Jack Ringwalt wollte eigentlich an Buffett persönlich verkaufen. Buffett ließ jedoch Berkshire kaufen und hält diesen Schritt heute für seinen teuersten Fehler, weil seine Partner so nur einen Teil des späteren Wertzuwachses bekamen.

Er beziffert den Nachteil auf umgerechnet rund 89 Milliarden Euro.

Für das Geschäftsmodell war National Indemnity der Glücksgriff. Ein Versicherer kassiert Prämien sofort und zahlt Schäden später. In der Zwischenzeit kann er das Geld anlegen. Buffett hatte dieses Prinzip schon 1951 bei der Kfz-Versicherung GEICO erkannt, in die er damals 65 Prozent seines kleinen Vermögens steckte. Bei Berkshire wurde der Mechanismus zum Motor.

Prägend war neben Buffett sein Partner Charlie Munger, ab 1978 Vizechef. Munger brachte ihn von den Zigarrenstummeln ab: lieber hervorragende Firmen zu fairen Preisen als mittelmäßige zu Schnäppchenpreisen. Der Kauf des Pralinenherstellers See’s Candies 1972 gilt als erster Beleg dieser Neuausrichtung.

Startkapital von außen brauchte Berkshire nie. Finanziert wurde das Wachstum aus Prämien, den Gewinnen der Tochterfirmen und den Kursgewinnen der Aktienanlagen. Neue Aktien gab Berkshire nur selten aus, etwa für den Rückversicherer General Re 1998 und teilweise für die Bahn BNSF 2010.

Auf den PunktEin Trotzkauf mit Versicherung
  • Textil: Berkshire war 1965 eine schrumpfende Weberei, die Buffett aus Ärger über ein Angebot übernahm.
  • Versicherung: National Indemnity brachte 1967 das Prinzip, Prämien anzulegen, bevor Schäden fällig werden.
  • Munger: Der Partner lenkte Buffett von Billigaktien zu hervorragenden Firmen.

Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Oranges Band verbindet eine weiße Spule mit einem Würfelturm, der die Zahl 1965 zeigt
Aus einer Weberei in Neuengland baute Warren Buffett ab 1965 einen Konzern mit 387.800 Beschäftigten.

Berkshire wuchs durch zwei Hebel zugleich: Versicherer lieferten billiges Kapital, und Buffett steckte dieses Geld in ganze Firmen und große Aktienpakete. Aus einer Weberei wurde so ein Konzern mit 387.800 Beschäftigten und einem Börsenwert von knapp einer Billion Euro.

In den 1970er- und 1980er-Jahren kaufte Berkshire vor allem Aktienpakete: an der Washington Post, ab 1988 an Coca-Cola, später an American Express. Parallel kamen mittelständische Familienfirmen dazu, etwa der Möbelhändler Nebraska Furniture Mart. Das Muster blieb immer gleich: Die Gründer behielten das Tagesgeschäft, Berkshire bekam die Gewinne und entschied über deren Verwendung.

Der Sprung in eine andere Größenordnung folgte mit zwei großen Versicherungskäufen. 1996 übernahm Berkshire den Rest von GEICO, 1998 den Rückversicherer General Re, bezahlt mit eigenen Aktien. Mit jedem Versicherer wuchs der Prämienstock, den Buffett anlegen konnte.

Ab der Jahrtausendwende kamen kapitalintensive Branchen dazu, die mit Versicherung nichts zu tun haben.

Über die Beteiligung an MidAmerican Energy stieg Berkshire ins Stromgeschäft ein; der damalige MidAmerican-Manager Greg Abel ist heute Konzernchef. Ende 2009 folgte der bis dahin größte Kauf: die Güterbahn BNSF mit einem Eigenkapitalwert von umgerechnet 30,8 Milliarden Euro. Buffett nannte das Geschäft eine Wette mit vollem Einsatz auf die wirtschaftliche Zukunft der USA.

Seit dem Kauf von BNSF verdient Berkshire mehr mit Schienen, Strom und Fabriken als mit dem Aktienportfolio allein.

JahrZukaufBranchePreis (umgerechnet)
1967National IndemnityVersicherung7,7 Mio. €
1972See’s CandiesSüßwaren22 Mio. €
1996GEICO (Restanteil)Kfz-Versicherungin bar
1998General ReRückversicherungin eigenen Aktien
2010BNSFGüterbahn30,8 Mrd. € Eigenkapitalwert
2016Precision CastpartsFlugzeugteile33,2 Mrd. € inkl. Schulden
2022AlleghanyVersicherung10,4 Mrd. €
2026OxyChemChemie8,4 Mrd. €
2026Taylor MorrisonHausbau6,1 Mrd. €

Die erfolgreichste Einzelentscheidung der jüngeren Zeit fiel an der Börse. Ab 2016 kaufte Berkshire Apple-Aktien, die verbliebenen Papiere hatten Ende 2025 einen Einstandswert von umgerechnet 5,6 Milliarden Euro und einen Kurswert von 55,3 Milliarden Euro. Selbst nach umfangreichen Verkäufen in den Jahren 2023 bis 2025 blieb Apple die größte Aktienposition des Konzerns.

Nicht jeder Kauf ging auf. 2025 musste Berkshire seine Beteiligungen am Lebensmittelkonzern Kraft Heinz und am Ölkonzern Occidental um zusammen umgerechnet 7,4 Milliarden Euro abschreiben. Greg Abel nennt die Rendite bei Kraft Heinz in seinem ersten Aktionärsbrief offen „deutlich unzureichend“. Auch die Tankstellenkette Pilot ist ein Lehrstück: Berkshire stieg 2017 ein, durfte die Führung aber vertraglich erst 2023 übernehmen. Abel schreibt dazu knapp, dieser Fehler passiere nicht noch einmal.

International blieb Berkshire zurückhaltend. Rund 87 Prozent der Umsätze aus Verkauf, Dienstleistung und Leasing entstehen in den USA.

Die größte Ausnahme sind seit 2020 Beteiligungen an den fünf großen japanischen Handelshäusern Mitsubishi, Itochu, Mitsui, Marubeni und Sumitomo, die Ende 2025 umgerechnet 31,6 Milliarden Euro wert waren.

Der Marktwert des Konzerns lag am 9. Oktober 2026 bei rund 985 Milliarden Euro. Seit 1965 stieg der Börsenwert je Berkshire-Aktie im Schnitt um 19,7 Prozent pro Jahr, der S&P 500 samt Dividenden um 10,5 Prozent. Aus 100 Euro wurden so über 6 Millionen Euro, beim Index rund 46.000 Euro.

Auf den PunktPrämien finanzieren Firmenkäufe
  • Versicherer zuerst: GEICO und General Re vergrößerten das anlegbare Kapital.
  • BNSF als Wendepunkt: Seit 2010 stehen Bahn, Strom und Industrie im Zentrum.
  • Fehlgriffe: Kraft Heinz und der späte Zugriff auf Pilot kosteten Milliarden.

Wie verdient Berkshire Hathaway tatsächlich sein Geld?

Gießkanne schüttet Münzen in drei Töpfe: „Versicherung“, „Bahn“, „Industrie“
Versicherung, Bahn und Energie sowie Industrie und Handel brachten 2025 zusammen 39,7 Milliarden Euro operativen Gewinn.

Berkshire verdient sein Geld auf drei Wegen: mit Versicherungen, deren Prämien bis zur Schadenzahlung angelegt werden, mit Bahn und Energie als Quasi-Monopolen und mit Dutzenden Industrie- und Handelsfirmen. 2025 blieben davon nach Steuern umgerechnet 39,7 Milliarden Euro operativer Gewinn.

Wo der Umsatz entsteht und wo der Gewinn

Der Umsatz von 331,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 täuscht über die Gewichte hinweg. Mehr als die Hälfte, 178 Milliarden Euro, stammt aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen, vom Diesel an der Pilot-Tankstelle bis zum Fertighaus von Clayton. Versicherungsprämien brachten 79,3 Milliarden Euro, Bahnfracht 20,8 Milliarden, Strom und Gas 19,5 Milliarden. Zinsen und Dividenden kamen auf 20,8 Milliarden Euro.

Beim Gewinn verschiebt sich das Bild. Die Versicherungssparte lieferte 2025 nach Steuern 17,6 Milliarden Euro, also 44 Prozent des operativen Gewinns. Davon stammten 6,5 Milliarden aus dem eigentlichen Versicherungsgeschäft und 11,2 Milliarden aus der Anlage der Prämien.

Industrie, Dienstleistung und Handel steuerten 12,2 Milliarden Euro bei, BNSF 4,9 Milliarden, die Energiesparte BHE 3,6 Milliarden.

Die Kursgewinne auf Aktien zählt Berkshire bewusst nicht mit. Im Nettogewinn kamen 2025 nach Steuern 27,4 Milliarden Euro an Anlagegewinnen hinzu, dagegen standen 7,4 Milliarden Euro Abschreibungen auf Kraft Heinz und Occidental.

Der Nettogewinn lag so bei 59,8 Milliarden Euro, mit starken Schwankungen von Quartal zu Quartal.

Erlösmodell
Woher die 39,7 Milliarden Euro operativer Gewinn 2025 kamen
Gewinn nach Steuern ohne Kursgewinne auf Aktien, nach Sparten.
  • Industrie, Dienstleistung und Handel12,2 Mrd. €
  • Kapitalerträge der Versicherer11,2 Mrd. €
  • Versicherungsgeschäft (Underwriting)6,5 Mrd. €
  • Güterbahn BNSF4,9 Mrd. €
  • Energiesparte BHE3,6 Mrd. €
  • Sonstiges1,4 Mrd. €
44 %
Anteil der Versicherung am operativen Gewinn
158 Mrd. €
Float Ende Juni 2026
87,1 %
Schaden-Kosten-Quote 2025

Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 10 Prozent auf umgerechnet 90,9 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 16 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro.

Das Plus kam aus Industrie und Handel, Bahn und Energie, während GEICO deutlich weniger verdiente.

Der Float: Geld, das Berkshire nicht gehört

Der wichtigste Erlösstrom taucht in keiner Umsatzzeile auf. Ende Juni 2026 hielten die Versicherer umgerechnet 158 Milliarden Euro an Prämien und Reserven für künftige Schäden, im Fachjargon Float. Dieses Geld gehört den Versicherten, bis die Schäden bezahlt sind; bis dahin darf Berkshire die Summe anlegen. 2015 lag der Float noch bei 78,5 Milliarden Euro.

Normalerweise kostet so ein Kapitalstock etwas, weil Versicherer im Schnitt mehr für Schäden und Verwaltung ausgeben, als an Prämien hereinkommt. Berkshire schafft seit Jahren das Gegenteil: 2025 lag die Schaden-Kosten-Quote im Sach- und Haftpflichtgeschäft bei 87,1 Prozent. Von 100 Euro Prämie blieben also fast 13 Euro Gewinn, bevor auch nur ein Euro angelegt war.

Der Float kostet Berkshire damit weniger als nichts.

Angelegt wird das Geld zu einem großen Teil in kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Bei Zinsen von zeitweise über 5 Prozent wuchsen die Kapitalerträge der Versicherer nach Steuern von 8,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 12,2 Milliarden im Jahr 2024. Mit sinkenden Zinsen gingen die Erträge 2025 auf 11,2 Milliarden zurück, im ersten Halbjahr 2026 um weitere 8 Prozent.

Versteckte Erlösströme

Drei weitere Quellen stehen nur in Fußnoten. Die erste sind die japanischen Handelshäuser. Berkshire hat sich in Yen etwa so viel geliehen, wie die Beteiligungen gekostet haben, zu durchschnittlich 1,2 Prozent Zins. Die Dividenden der fünf Konzerne entsprachen 2025 dagegen rund 5,6 Prozent der Anschaffungskosten, und der Kurswert hat sich seit dem Einstieg mehr als verdoppelt.

Die zweite Quelle sind Steuergutschriften. BHE betreibt große Windparks und erhält dafür in den USA Gutschriften je erzeugter Kilowattstunde. 2025 wies die Energiesparte deshalb statt einer Steuerlast eine Steuergutschrift von umgerechnet 1,6 Milliarden Euro aus. Der Konzern kann solche Gutschriften mit den Steuern anderer Töchter verrechnen, ein einzelner Stromversorger könnte das nicht in diesem Umfang.

Hinzu kommt die freie Umschichtung im Konzern: Die Versicherer überwiesen 2025 umgerechnet 25,9 Milliarden Euro an die Holding, BNSF 3,9 Milliarden. Abel kann das Geld dorthin lenken, wo er die beste Verwendung sieht, ohne Bank und ohne Kapitalmarkt.

Daten und Algorithmen

Ein Datenkonzern ist Berkshire nicht. Algorithmen spielen vor allem bei GEICO eine Rolle: Der Kfz-Versicherer hat seine Tarifierung nach Abels Worten in den vergangenen Jahren verfeinert, also Fahrer genauer nach Risiko sortiert.

Die Daten bleiben im Konzern und erscheinen nirgends als Bilanzwert. Für das Erlösmodell insgesamt spielen Kundendaten nur eine Nebenrolle.

Margen
Was von 100 Euro Umsatz vor Steuern übrig bleibt
Vorsteuergewinn je 100 Euro Umsatz oder Prämie 2025, nach Sparten.
  • Güterbahn BNSF30,50 €
  • Industrie (u. a. Precision Castparts, Lubrizol, Clayton)16,00 €
  • GEICO15,30 €
  • Dienstleistung und Handel9,50 €
  • Energiesparte BHE8,90 €
  • Rückversicherung BHRG7,20 €
  • Großhändler McLane1,30 €
  • Raststätten Pilot0,45 €
37,7 Mrd. €
Umsatz von Pilot 2025
170 Mio. €
Vorsteuergewinn von Pilot
6,4 Mrd. €
Vorsteuergewinn von BNSF

Margen: Bahn hui, Raststätte pfui

BNSF behielt 2025 von 100 Euro Umsatz 30,50 Euro vor Steuern, GEICO von 100 Euro Prämie 15,30 Euro. Die Raststättenkette Pilot setzte 37,7 Milliarden Euro um und verdiente vor Steuern 170 Millionen Euro, eine Marge von 0,45 Prozent. Der Großhändler McLane kam auf 1,3 Prozent.

Quersubventionen zwischen den Sparten sieht das Modell trotzdem nicht vor. Jede Tochter muss sich selbst finanzieren, und für die Schulden von BNSF und BHE haftet die Holding ausdrücklich nicht. BHE hatte Ende 2025 umgerechnet 52,9 Milliarden Euro an eigenen Schulden, für die allein die Energiesparte geradesteht.

Größenvorteile hat Berkshire vor allem beim Kapital: Weil der Konzern so groß ist, kann er Risiken selbst behalten, statt diese an Rückversicherer weiterzureichen. Verkäufer wissen zudem, dass Berkshire ohne Finanzierungsvorbehalt zahlt. Diese Gewissheit bringt Berkshire Angebote, die andere Käufer nie sehen.

Was sich seit 2021 verschoben hat

In fünf Jahren hat sich das Gewicht vom Aktienportfolio zu den Zinsen und zu eigenen Firmen verlagert. Berkshire verkaufte große Teile seiner Apple-Aktien und parkte den Erlös in Staatsanleihen. Mit Pilot und Alleghany kamen zwei große Firmen hinzu, 2026 OxyChem und Taylor Morrison. Der operative Gewinn lag im Fünfjahresschnitt bei 33,5 Milliarden Euro und 2025 mit 39,7 Milliarden deutlich darüber.

Unterm Strich bleiben zwei Mechanismen, die den Großteil der Marge erzeugen: der Float zum Nulltarif und die freie Verteilung des Kapitals zwischen Versicherung, Infrastruktur und Börse. Der Rest ist solides Handwerk.

Auf den PunktVersicherung bringt fast die Hälfte
  • Gewinnmix 2025: 44 Prozent Versicherung, 31 Prozent Industrie und Handel, 21 Prozent Bahn und Energie.
  • Float: 158 Milliarden Euro fremdes Geld, das Berkshire anlegt, ohne dafür Zinsen zu zahlen.
  • Margen: von 30,5 Prozent bei BNSF bis 0,45 Prozent bei Pilot.

Wie groß ist die Marktmacht von Berkshire Hathaway?

Modellzug mit goldfarbenen Plättchen im Waggon fährt auf Gleisen an einem Schild vorbei
BNSF teilt sich den Westen der USA im Wesentlichen mit Union Pacific.

Berkshire beherrscht keinen einzelnen Markt, ist aber in mehreren Schlüsselbranchen der USA eine feste Größe: als Nummer drei der Kfz-Versicherer, als eine von zwei großen Güterbahnen im Westen, als Stromversorger mit Gebietsmonopol und als Großaktionär von American Express, Coca-Cola und Moody’s.

Im wichtigsten Einzelmarkt, der privaten Kfz-Versicherung in den USA, kam GEICO 2025 laut der Versicherungsaufsicht NAIC auf 11,56 Prozent Marktanteil. Vor GEICO lagen State Farm mit 18,64 und Progressive mit 18,60 Prozent. Nach Berechnungen von S&P Global Market Intelligence hat Progressive in den zwölf Monaten bis März 2026 erstmals State Farm überholt. GEICO verliert dagegen Kunden: Die Preiserhöhungen der vergangenen Jahre haben laut Abel die Marge gerettet, aber die Treue gekostet.

Ein echter Lock-in existiert bei der Kfz-Police nicht. Ein Wechsel kostet einen Online-Antrag.

Anders liegt der Fall bei der Bahn. BNSF ist eine von sechs großen Güterbahnen Nordamerikas und teilt sich den Westen der USA im Wesentlichen mit Union Pacific. Kohle, Getreide und Container aus den Häfen an der Pazifikküste rollen fast immer über eines der beiden Netze ins Landesinnere. Die Wechselkosten für Verlader sind hoch, Lkw ersetzen die Schiene auf langen Strecken nur teuer.

Bei BHE ist die Marktmacht staatlich geregelt. Die Versorger PacifiCorp, MidAmerican und NV Energy haben feste Gebiete, Aufsichtsbehörden genehmigen die Preise. Abel betont, dass die Tarife 24 Prozent unter dem US-Durchschnitt liegen. Die Kehrseite: Über die Rendite entscheiden Regulierer, nicht der Markt.

Aktienportfolio
Die größten Aktienpakete Ende Juni 2026
Marktwert der Beteiligungen laut Meldung an die US-Börsenaufsicht für das zweite Quartal 2026.
  • Apple58,9 Mrd. €
  • American Express45,8 Mrd. €
  • Alphabet33,7 Mrd. €
  • Coca-Cola29,0 Mrd. €
  • Bank of America24,6 Mrd. €
  • Chevron12,5 Mrd. €
  • Occidental Petroleum11,5 Mrd. €
  • Moody’s10,0 Mrd. €
267 Mrd. €
Gesamtwert der gemeldeten Aktien
66 %
Anteil der fünf größten Positionen
31,6 Mrd. €
Japanische Handelshäuser Ende 2025

Großaktionär statt Konzernherr

Die zweite Form der Macht steckt im Aktienportfolio, das laut der Meldung an die Börsenaufsicht für das zweite Quartal 2026 zuletzt 267 Milliarden Euro wert war. Fünf Werte machten zwei Drittel aus. An American Express hielt Berkshire Ende Juni 22,5 Prozent, an der Ratingagentur Moody’s und an Coca-Cola Ende 2025 13,9 und 9,3 Prozent. Bei Apple hält Berkshire nur 1,6 Prozent, aber mit einem Wert von 58,9 Milliarden Euro ist das die größte Einzelposition.

Einfluss auf das Tagesgeschäft nimmt Berkshire bei diesen Firmen kaum. Bei American Express ist der Konzern seit 1995 vertraglich verpflichtet, einen großen Teil seiner Stimmen nach der Empfehlung des Verwaltungsrats abzugeben. Wie Coca-Cola selbst sein Geld verdient, zeigt unsere Analyse des Brauseriesen, das Prinzip ist bei Apple ähnlich: Berkshire kauft Marken mit Preissetzungsmacht und lässt das Management arbeiten.

Neu ist das Tempo bei Hausbauern. Mit Clayton besitzt Berkshire bereits einen großen Hersteller von Fertighäusern, der 2025 rund 49.400 Häuser auslieferte. Seit Juli gehört Taylor Morrison dazu, und Abel will die Hausbausparten zu einer gemeinsamen Plattform zusammenführen. Mit dem Paket an Lennar sitzt Berkshire nun bei einem der größten Konkurrenten mit am Tisch.

Kartellrecht: Die Makler-Klage

Seinen teuersten Kartellfall hat sich Berkshire über die Maklertochter HomeServices eingehandelt. Eine Jury in Missouri befand 2023, dass große Maklerketten und der Branchenverband die Provisionen für Hausverkäufer künstlich hochgehalten hatten, und setzte den Schaden auf umgerechnet 1,6 Milliarden Euro fest. HomeServices schloss 2024 einen Vergleich über 223 Millionen Euro, zahlbar über vier Jahre.

In Texas fordern Kläger in zwei weiteren Verfahren zusammen rund 8 Milliarden Euro, die Berufung gegen die Vergleiche ist noch offen.

Auf den PunktMacht durch Breite, nicht durch Monopol
  • Versicherung: GEICO ist mit 11,56 Prozent Nummer drei und verliert Kunden.
  • Infrastruktur: BNSF und BHE haben hohe Wechselkosten oder Gebietsschutz.
  • Portfolio: Große Pakete an American Express, Moody’s und Coca-Cola, kaum Einfluss aufs Tagesgeschäft.

Wer ist bei Berkshire Hathaway eigentlich das Produkt?

Sanduhr mit Münzen statt Sand vor weißem Hintergrund, untere Hälfte mit Schild „ZEIT“
Versicherte zahlen vorab, Berkshire legt das Geld bis zur Schadenzahlung an.

Das eigentliche Produkt von Berkshire ist Zeit: die Jahre zwischen der Prämienzahlung eines Versicherten und der Begleichung seines Schadens. Versicherte liefern das Kapital, Tochterfirmen die laufenden Gewinne, und die Aktionäre bekommen beides nur als Kurszuwachs.

Ein GEICO-Kunde in Texas zahlt seine Jahresprämie im Voraus. Nach einem Unfall vergehen Monate bis zur Regulierung, bei Personenschäden oft Jahre. In der Rückversicherung dauert die Abwicklung teils Jahrzehnte, etwa bei Asbest- und Umweltschäden, die Berkshire anderen Versicherern gegen eine Einmalzahlung abgenommen hat. Der Versicherte ist also Kunde und Kreditgeber zugleich, nur ohne Zinsen.

Die zweite Gruppe sind die Verkäufer von Familienfirmen. Berkshire wirbt mit einem Versprechen, das kaum ein Finanzinvestor geben kann: Die Firma wird nicht zerlegt, nicht weiterverkauft, und das Management bleibt. Für diese Sicherheit nehmen manche Verkäufer nach unserer Einschätzung einen niedrigeren Preis hin.

Der Chef von Bell Laboratories, einem Hersteller von Ködern gegen Ratten und Mäuse, bot Berkshire die Firma 2025 per Brief selbst an.

Nach dem Kauf fließt das Geld nur in eine Richtung. Was die Tochter verdient und nicht selbst investiert, geht nach Omaha.

Rollen
Wer zahlt, wer liefert, wer kassiert?
Die Geldströme rund um Berkshire Hathaway.
Zahlt vorab
Versicherte
Prämien Monate oder Jahre vor dem Schaden, Float von 158 Mrd. €.
Zahlt laufend
Verlader und Stromkunden
Frachtraten bei BNSF und regulierte Tarife bei BHE.
Liefert
Tochterfirmen
Überschüsse an die Holding, 2025 allein 25,9 Mrd. € von den Versicherern.
Verteilt
Konzernchef Greg Abel
Entscheidet über Zukäufe, Aktienkäufe und Rückkäufe.
Wartet
Aktionäre
Keine Dividende, Ertrag nur über den Kurs.

Zahlende Kunden im klassischen Sinn hat Berkshire natürlich auch. Verlader bezahlen BNSF für jeden Waggon, Stromkunden in Iowa, Nevada und Oregon die Tarife von BHE, und vermögende Kunden kaufen bei NetJets Anteile an Privatjets. Abel beziffert die Flotte auf knapp 1.100 Flugzeuge in mehr als 150 Ländern. Diese Kunden zahlen für Verlässlichkeit, und genau daraus entstehen die stabilen Gewinne, die Berkshire unabhängig von der Börse macht.

Die Aktionäre schließlich spielen die ungewöhnlichste Rolle. Die Anteilseigner bekommen keine Dividende, weil die Führung jeden einbehaltenen Euro für wertvoller hält als eine Ausschüttung. Trotzdem pilgern jedes Jahr Zehntausende zur Hauptversammlung nach Omaha. Das Treffen ist Teil der Markenpflege. Abel nennt die langfristigen Aktionäre in seinem ersten Brief eine der bemerkenswertesten Eigentümergruppen überhaupt.

Indirekt verdient Berkshire auch an Geschäften, die andere Branchen erst möglich machen. Bei der Ratingagentur Moody’s etwa zahlen die Herausgeber von Anleihen für ihre Noten, Berkshire kassiert als Großaktionär über die Dividende mit. Wie das Notengeschäft funktioniert, erklärt der Dr.-Web-Beitrag Wie verdienen Ratingagenturen ihr Geld?.

Deutsche Leser begegnen Berkshire meist unbemerkt: bei Duracell-Batterien, bei der Unterwäsche von Fruit of the Loom oder beim Motorradausrüster Louis aus Hamburg, den Berkshire 2015 für gut 400 Millionen Euro kaufte. In jedem dieser Fälle sind Sie als Kunde nicht das Produkt, sondern ein kleiner Zulieferer von Gewinnen, die in Omaha neu verteilt werden.

Auf den PunktVersicherte leihen, Aktionäre warten
  • Versicherte: zahlen vorab und stellen so zinsfreies Kapital bereit.
  • Firmenverkäufer: bekommen die Zusage, dass die Firma unverändert weiterbesteht.
  • Aktionäre: verzichten auf Dividenden und setzen auf den Kurs.

Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Weiße Torte auf Tortenständer mit Fähnchen „0,45 %“ und herausgeschnittenem Stück vor weißem Hintergrund
Die Raststättenkette Pilot behielt 2025 von 100 Euro Umsatz nur 45 Cent als Gewinn vor Steuern.

Von 100 Euro Prämie, die Autofahrer an GEICO zahlen, fließen im Schnitt rund 72 Euro als Schadenersatz zurück, gut 15 Euro bleiben als Gewinn vor Steuern. Die Bahn behält 30,50 Euro Gewinn je 100 Euro Fracht, an der Pilot-Zapfsäule weniger als 50 Cent.

Der Preis einer Kfz-Police folgt bei GEICO den Schäden mit Verzögerung. Zwischen Ende 2022 und 2024 hat die ganze Branche die Tarife kräftig erhöht, weil Reparaturen und Ersatzteile teurer wurden. GEICO zog mit und erreichte 2025 eine Schaden-Kosten-Quote von 84,7 Prozent. Für Kunden bedeutet das: Ein Tarif steigt schnell, sinkt aber erst, wenn Konkurrenten mit niedrigeren Preisen locken.

Abel rechnet damit, dass Preissenkungen der Konkurrenz GEICO auch 2026 unter Druck setzen.

Im zweiten Quartal 2026 sank der Gewinn vor Steuern aus dem Versicherungsgeschäft von GEICO auf umgerechnet 887 Millionen Euro, bei Prämien von 10,1 Milliarden Euro. Cathy Seifert, Analystin bei CFRA, bezifferte den Rückgang gegenüber dem Vorjahr laut der Nachrichtenagentur AP auf 45 Prozent. Der Preiszyklus dreht sich also bereits.

Wohin 100 Euro fließen

Bei Pilot frisst der Einkauf von Diesel und Benzin 90 Euro von 100 Euro Umsatz, bei BNSF schlagen Personal und Abschreibungen auf Gleise und Loks am stärksten zu Buche.

Je 100 Euro Umsatz 2025GEICOBNSFPilot
Schäden oder Wareneinsatz72,30 €entfällt90,05 €
Personalin Verwaltung enthalten23,50 €in Betrieb enthalten
Treibstoffentfällt12,80 €entfällt
Abschreibungenentfällt11,55 €2,60 €
Zinsenentfällt4,65 €in Betrieb enthalten
Vertrieb, Verwaltung, Betrieb, Sonstiges12,40 €17,00 €6,90 €
Gewinn vor Steuern15,30 €30,50 €0,45 €

Die dünne Marge bei Pilot ist kein Ausrutscher. Der Konzern setzt bei der Raststättenkette auf Menge und die Treue der Lkw-Fahrer. Der Anteil der Berufsfahrer, die Pilot anderen Ketten vorziehen, stieg laut einer externen Studie von 27 Prozent im Jahr 2022 auf 35 Prozent im Jahr 2025. Abel will Platz eins, und das kostet zunächst Investitionen in Läden, Essen und Ladesäulen.

Wer die Kosten am Ende trägt

Bei BHE tragen die Stromkunden die Last der Investitionen, weil die Aufsicht neue Leitungen und Kraftwerke in die Tarife einrechnen lässt. Abel stellt in seinem Brief klar, dass Rechenzentren ihre Netzanschlüsse selbst bezahlen sollen, nicht die Haushalte. Für Waldbrände, die PacifiCorp ausgelöst hat, verbuchte die Tochter bis Ende Juni 2026 umgerechnet 2,5 Milliarden Euro an wahrscheinlichen Verlusten.

Ein Teil der Rechnung landet beim Steuerzahler. Die aus dem US-Bundeshaushalt finanzierten Gutschriften für Windstrom senken die Steuerlast der Energiesparte. Seit dem Steuergesetz vom Juli 2025 laufen diese Förderungen schneller aus als geplant.

Für Aktionäre zählt ein zweiter Preis: der Kurs, zu dem Berkshire eigene Aktien zurückkauft. Im zweiten Quartal 2026 erwarb der Konzern Papiere für umgerechnet 4,0 Milliarden Euro, B-Aktien im Schnitt für 425 bis 435 Euro. Erlaubt sind Rückkäufe nur, wenn der Kurs nach Einschätzung des Konzernchefs unter dem inneren Wert liegt und mindestens 26,8 Milliarden Euro in bar übrig bleiben.

Und der Aktionär? Er zahlt keine Verwaltungsgebühr, bekommt aber auch keine Ausschüttung. Eine B-Aktie kostete am 9. Oktober 2026 umgerechnet 460 Euro.

Auf den PunktHohe Marge im Gleis, Cent-Beträge an der Zapfsäule
  • GEICO: 15,30 Euro Gewinn je 100 Euro Prämie, aber der Preiszyklus dreht sich.
  • BNSF: 30,50 Euro je 100 Euro Fracht, größte Kostenblöcke sind Personal und Abschreibungen.
  • Stromkunden und Steuerzahler: zahlen bei BHE über Tarife und Gutschriften mit.

Wer profitiert von Berkshire Hathaway und wer zahlt drauf?

Oranges Sparschwein mit „19,7 %“-Schild steht auf Platz 1 eines weißen Podests
Seit 1965 wuchs der Wert einer Berkshire-Aktie im Schnitt um 19,7 Prozent pro Jahr.

Am meisten profitieren langjährige Aktionäre: Seit 1965 wuchs der Wert einer Berkshire-Aktie um durchschnittlich 19,7 Prozent pro Jahr. Draufgezahlt haben frühere Textilarbeiter, Kunden in Phasen steigender Prämien und Opfer von Waldbränden, für die eine Tochter haftet.

Der größte Einzelgewinner ist Warren Buffett selbst, der mit Abstand die meisten Aktien hält. Seine Anteile sollen nach seinem Tod innerhalb von etwa zehn Jahren vollständig an gemeinnützige Stiftungen gehen. Sein Gehalt lag über 40 Jahre unverändert bei umgerechnet 89.240 Euro im Jahr, ohne Bonus und ohne Aktien. Mit Zulagen kam er 2025 auf 347.580 Euro, das 4,2-Fache dessen, was ein mittlerer Beschäftigter im Konzern verdient.

Sein Nachfolger Greg Abel erhielt 2025 als Vizechef ein Gehalt von umgerechnet 19,6 Millionen Euro, rund 235-mal so viel wie der mittlere Beschäftigte mit 83.630 Euro.

Für US-Konzernchefs ist das kein Spitzenwert, für Berkshire aber ein Kulturbruch. Der Governance-Ausschuss prüft mit Abel, ob die Regeln angepasst werden. Gewinn und Aktienkurs spielen bei der Bemessung der Vergütung bislang ausdrücklich keine Rolle.

Gewinner und Verlierer im Überblick

GruppeGewinnt oder verliertBeleg
Langjährige Aktionäregewinnen19,7 % Wertzuwachs pro Jahr seit 1965
Japanische Handelshäusergewinnenstabiler Großaktionär mit rund 10 % je Firma
Verkäufer von FamilienfirmengewinnenKäufer ohne Finanzierungsvorbehalt, keine Zerschlagung
Versichertegemischtgünstige Tarife bei GEICO, aber Preissprünge bis 2024
Stromkunden von BHEgemischtTarife 24 % unter US-Schnitt, aber Waldbrandkosten
Hausverkäufer in den USAverlierenJury sah künstlich hohe Maklerprovisionen
Teppichhersteller ShawverliertUmbau nach Qualitäts- und Lieferproblemen

Zu den Gewinnern zählen auch die Gegenparteien von Abels ersten Geschäften. Die Aktionäre von Taylor Morrison erhielten umgerechnet 64,70 Euro je Aktie in bar.

Occidental verbuchte für den Verkauf von OxyChem an Berkshire einen Gewinn von umgerechnet 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Pikant daran: Berkshire hält selbst 26,7 Prozent an Occidental und bezog den Gewinn deshalb ausdrücklich nicht in den eigenen Beteiligungsertrag ein.

Zu den Verlierern gehören die Opfer der Waldbrände vom September 2020, vor allem in Oregon. PacifiCorp hat bis Ende Juni 2026 umgerechnet 2,1 Milliarden Euro an Vergleichen gezahlt und für weitere Zahlungen Rückstellungen gebildet. Abel räumt Verantwortung ein, betont aber, PacifiCorp sei kein Versicherer der letzten Instanz.

Beim Teppichhersteller Shaw läuft ein harter Umbau. Abel schreibt, die Probleme seien teils selbst verschuldet, weil die Produktion von Hartböden schlecht organisiert gewesen sei.

Der Fluch des dauerhaften Zuhauses

Berkshire verspricht Firmenverkäufern Autonomie. Abel deutet bei Taylor Morrison erstmals an, davon abzuweichen: Der Hausbauer soll mit den übrigen Bausparten zu einer gemeinsamen Plattform verschmelzen. Für die Gründerfamilien früherer Zukäufe ist der Plan ein Warnsignal. Zurückkaufen können die Familien ihre Firma nicht, und die Zusage hing bisher an Buffetts Person.

Unsere Einschätzung: Ein Vertrauensbruch ist der Plan nicht, wohl aber ein Wechsel des Führungsstils. Ein Konzernchef, der wie Abel selbst aus dem operativen Geschäft kommt, greift eher ein als ein Investor, der nur Kapital verteilt.

Buffetts größte Leistung war kein einzelner Kauf, sondern ein System, das jetzt ohne ihn funktionieren muss.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Berkshire Hathaway?

Graues Modellgleis mit Weiche, oranger Weichenhebel, Schild „FUSION?“ auf weißem Grund
BNSF wehrt sich vor der Bahnaufsicht gegen die Fusion von Union Pacific und Norfolk Southern.

Berkshire gibt sich unpolitisch und zahlt seine Steuern fast vollständig in den USA, 2025 umgerechnet 12,5 Milliarden Euro. Politisch wird der Konzern über seine Töchter: bei Bahnfusionen, Strompreisen, Waldbrandhaftung und Steuergutschriften für Windkraft.

Steueroasen spielen in der Struktur kaum eine Rolle. Laut Geschäftsbericht waren die USA in den vergangenen drei Jahren das einzige Land, auf das mehr als 5 Prozent der gezahlten Ertragsteuern entfielen. Die Summe schwankt stark, weil Berkshire Steuern auf Kursgewinne erst beim Verkauf zahlt.

2024, als der Konzern große Teile seiner Apple-Aktien verkaufte, überwies er umgerechnet 25,5 Milliarden Euro.

Gezahlte Ertragsteuern202320242025
US-Bundessteuer5,0 Mrd. €23,6 Mrd. €10,5 Mrd. €
US-Bundesstaaten0,8 Mrd. €0,8 Mrd. €0,7 Mrd. €
Ausland1,1 Mrd. €1,0 Mrd. €1,2 Mrd. €
Summe6,9 Mrd. €25,5 Mrd. €12,5 Mrd. €

Buffett selbst hat sich politisch für höhere Steuern eingesetzt. 2011 forderte er in einem Gastbeitrag für die New York Times, Superreiche stärker zu besteuern. Für die eigene Steuerquote nutzt Berkshire trotzdem die staatlichen Gutschriften für Windstrom.

Im Geschäftsbericht nennt Berkshire keine Summe für Lobbyarbeit. Die Meldungen an den US-Kongress laufen über einzelne Töchter wie BNSF und Berkshire Hathaway Energy.

Die Bahn kämpft gegen eine Fusion

Der wichtigste politische Konflikt läuft derzeit vor der Bahnaufsicht STB. Union Pacific will den Konkurrenten Norfolk Southern für umgerechnet rund 76 Milliarden Euro übernehmen und so die erste Güterbahn von Küste zu Küste schaffen. BNSF lehnt das ab und wirft den Antragstellern laut dem Fachdienst Supply Chain 24/7 mangelnde Transparenz vor.

Die STB hat Anträge auf eine vorzeitige Ablehnung zurückgewiesen, das Verfahren läuft weiter.

Für Berkshire steht viel auf dem Spiel. Ein vereinter Konkurrent könnte Verladern Transporte ohne Übergabe an eine zweite Bahn quer durch die USA anbieten, was BNSF heute nur mit Partnern im Osten kann.

Strom, Brände und Steuergutschriften

Bei BHE ist Politik Alltag. Aufsichtsbehörden legen die Tarife in jedem Bundesstaat fest, und nach den Waldbränden von 2020 und 2022 streitet PacifiCorp vor Gericht über die Grenzen der Haftung. Abel spricht von einem Regulierungspakt: Versorger investieren, und der Staat sichert ihnen dafür eine angemessene Rendite zu. Funktioniert dieser Pakt nicht, sinkt nach Abels Worten die Bereitschaft, Kapital bereitzustellen.

Das Steuergesetz der Regierung Trump vom Juli 2025 lässt die Gutschriften für Wind- und Solarstrom schneller auslaufen. BHE muss neue Projekte deshalb anders rechnen.

Weil Berkshire mehr als 10 Prozent an American Express hält, hat sich der Konzern gegenüber der Notenbank Federal Reserve zu Passivität verpflichtet. Berkshire bleibt dort Großaktionär ohne Einfluss auf die Geschäftspolitik.

Den Ruf pflegt Berkshire bewusst. Auf jeder Hauptversammlung lief über 25 Jahre ein Ausschnitt aus Buffetts Aussage vor dem US-Kongress von 1991 zum Salomon-Skandal: Verluste für die Firma werde er verstehen, den Verlust auch nur eines Quäntchens Reputation nicht. 2025 legte BNSF einen langen Streit mit dem Stamm der Swinomish über Öltransporte durch dessen Land bei und entschuldigte sich für frühere Fehler.

Abel formuliert den Anspruch in seinem ersten Aktionärsbrief so: Berkshire wolle für die USA und das Finanzsystem eine Stütze bleiben, kein Risiko. Mit 320 Milliarden Euro in bar und kurzlaufenden Staatsanleihen hängt der Konzern zugleich eng an der Zahlungsfähigkeit des amerikanischen Staats.

Auf den PunktPolitik über die Töchter
  • Steuern: 12,5 Milliarden Euro im Jahr 2025, fast alles in den USA.
  • Bahn: BNSF bekämpft vor der Aufsicht die Fusion von Union Pacific und Norfolk Southern.
  • Energie: Haftung für Waldbrände und auslaufende Steuergutschriften belasten BHE.

Was könnte Berkshire Hathaway zu Fall bringen?

Kartenhaus auf Podest, unten eine orange Karte mit Aufschrift „ZINSEN“ auf Weiß
Sinkende Zinsen, Großschäden und teure Zukäufe sind die Schwachstellen des Konzerns.

Ein einzelner Schlag wird Berkshire kaum umwerfen, dafür ist der Konzern zu breit aufgestellt und zu liquide. Gefährlich ist eine schleichende Mischung: schlechtere Kapitalentscheidungen ohne Buffett, sinkende Zinsen auf den Bargeldberg und ein Preiskampf bei der Kfz-Versicherung.

Das größte Risiko ist die Kapitalverteilung. Jahrzehntelang entschied im Kern ein Mann, wohin hunderte Milliarden flossen. Heute verantwortet Abel die Aktienanlagen selbst; Ted Weschler verwaltet rund 6 Prozent des Portfolios. Todd Combs, der zweite Portfoliomanager, ist nicht mehr an Bord. Buffett bleibt mit 96 Jahren Verwaltungsratschef und kommt nach Abels Worten an fünf Tagen pro Woche ins Büro.

Ein Fehlgriff in der Größe von Kraft Heinz wäre verkraftbar, eine Serie davon nicht.

Das zweite Risiko liegt im Versicherungsgeschäft selbst. Berkshire versichert sich bewusst kaum bei Rückversicherern, um die volle Marge zu behalten. Ein Erdbeben in Kalifornien oder ein schwerer Hurrikan über Florida würde deshalb direkt in der eigenen Bilanz einschlagen. 2025 kosteten große Katastrophen, vor allem die Brände in Los Angeles, nach Steuern umgerechnet 760 Millionen Euro, ein niedriger Wert in einem Jahr ohne Hurrikan an der US-Küste.

Risiken
Was Berkshire gefährden kann
Fünf Risiken, sortiert nach zeitlicher Nähe (Einschätzung der Redaktion).
Akut
Fallende Zinsen
Ein Prozentpunkt weniger kostet bei 320 Mrd. € Barreserve gut 3 Mrd. € Ertrag im Jahr.
Akut
Preiskampf bei Kfz-Policen
Progressive wächst, GEICO verliert Kunden und Marge.
Mittelfristig
Großkatastrophe
Berkshire behält Risiken weitgehend selbst, statt diese rückzuversichern.
Mittelfristig
Fusionsbahn von Küste zu Küste
Union Pacific und Norfolk Southern wollen sich zusammenschließen.
Langfristig
Kapitalverteilung nach Buffett
Eine Serie teurer Zukäufe würde den Vorsprung aufzehren.

Ein großer Teil des Gewinns hängt außerdem an den Zinsen. Sinken die Renditen kurzlaufender US-Staatsanleihen, schrumpfen die Erträge aus dem Float und aus den 320 Milliarden Euro Barreserve. Im ersten Halbjahr 2026 fielen die Kapitalerträge der Versicherer bereits um 8 Prozent. Jeder Prozentpunkt weniger Zins kostet bei dieser Barreserve rechnerisch gut 3 Milliarden Euro Ertrag vor Steuern im Jahr.

Hinzu kommen die Gegner in den Einzelmärkten. Progressive liegt bei den Kfz-Prämien weit vor GEICO, hat zuletzt State Farm überholt und wirbt mit präziserer Tarifierung per Fahrdaten. Eine fusionierte Bahn aus Union Pacific und Norfolk Southern könnte BNSF Fracht abnehmen. Und bei BHE drohen weitere Haftungsurteile nach Waldbränden.

Strukturell lauert ein weiteres Risiko: Berkshire ist so groß geworden, dass nur noch wenige Zukäufe den Gewinn spürbar verändern. Ein Kauf wie Taylor Morrison für 6,1 Milliarden Euro entspricht weniger als 2 Prozent der Barreserve. Abel braucht also entweder sehr große Ziele oder sehr viele kleine, und beides erhöht die Fehlerquote.

Auch Schwarze Schwäne sind denkbar: eine Zahlungskrise des amerikanischen Staats, in dessen Anleihen das Bargeld liegt, oder eine Klagewelle wegen Klimaschäden gegen Versorger.

Drei Szenarien bis 2031

Im günstigen Fall nutzt Abel Börsenschwächen für große Zukäufe zu vernünftigen Preisen, GEICO findet zu Wachstum zurück, und der operative Gewinn steigt auf über 45 Milliarden Euro. Im mittleren Fall bleibt Berkshire ein solider, langsam wachsender Konzern, der überschüssiges Geld per Aktienrückkauf zurückgibt. Im ungünstigen Fall folgen auf teure Käufe Abschreibungen, und die Aktie verliert ihren Aufschlag gegenüber dem Gesamtmarkt.

Unsere Einschätzung: Das mittlere Szenario ist das wahrscheinlichste und kein schlechtes Ergebnis.

Auf den PunktSchleichende Risiken statt Knall
  • Kapital: Abel muss beweisen, dass er Hunderte Milliarden so klug verteilt wie Buffett.
  • Zinsen: Jeder Prozentpunkt weniger kostet rund 3 Milliarden Euro Ertrag.
  • Wettbewerb: Progressive bei der Kfz-Versicherung, eine Fusionsbahn bei der Fracht.

Was bedeutet Berkshire Hathaway für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Orangefarbene Jacke hängend an einem Kleiderständer mit Etikett
2015 kaufte Berkshire den Hamburger Motorradausrüster Louis für gut 400 Millionen Euro.

Für deutsche Anleger ist Berkshire eine Aktie ohne Dividende, deren Kursgewinne erst beim Verkauf versteuert werden. Für Mittelständler ohne Nachfolger ist der Konzern ein seltener, aber möglicher Käufer. Die meisten Verbraucher kaufen Berkshire-Produkte, ohne den Konzern zu bemerken, von Duracell bis Louis.

Der Einstieg bei Lennar und der Kauf von Taylor Morrison zeigen, wie Abel denkt: Er kauft in Branchen, die gerade unter hohen Zinsen leiden, und setzt auf den langfristigen Bedarf an Wohnungen in den USA. Für deutsche Anleger ist das vor allem ein Hinweis auf die Strategie: Berkshire bleibt ein Konzern, der auf die US-Wirtschaft wettet.

Beim Kauf der B-Aktie über einen deutschen Broker kommt deshalb immer das Währungsrisiko hinzu.

Steuerlich hat die fehlende Dividende einen Vorteil. Bei Aktien mit Ausschüttung zieht die Bank jedes Jahr Abgeltungsteuer ab, sobald der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro aufgebraucht ist. Bei Berkshire fällt die Steuer erst an, wenn Sie verkaufen. Bis dahin arbeitet der volle Gewinn im Depot weiter, ein privater Steuerstundungseffekt, den viele Anleger sonst nur über thesaurierende Fonds kennen.

Eine Vorabpauschale wie bei Fonds fällt für Einzelaktien nicht an.

Mittelbar besitzen viele Deutsche ohnehin Berkshire-Anteile, denn die Aktie steckt in den großen Indizes S&P 500 und MSCI World, damit auch in vielen ETF-Sparplänen.

Als Käufer für den Mittelstand

Für Familienunternehmer ist Berkshire eine Option, die selten genutzt wird. 2015 kaufte der Konzern den Hamburger Motorradausrüster Detlev Louis für gut 400 Millionen Euro, nachdem die Witwe des Gründers selbst angefragt hatte. 2017 übernahm die Tochter Precision Castparts den Rohrhersteller Wilhelm Schulz aus Krefeld. Abel betont, dass Angebote vertraulich geprüft werden und Berkshire ohne Finanzierungsvorbehalt zahlt.

Berkshire sucht Firmen mit dauerhaftem Vorsprung, hohen Margen und einem Management, das bleibt. Selbst über Bell Laboratories schreibt Abel, er wünschte, die Firma wäre zehnmal so groß.

Szenario für die kommenden 12 MonateWas passiertFolge für deutsche Leser
OptimistischAbel setzt Bargeld für einen großen Zukauf ein, GEICO stabilisiert sichAktie gewinnt, Berkshire sucht verstärkt auch in Europa
RealistischWeitere Aktienrückkäufe und kleinere Zukäufe wie Lennar-Paketeruhiger Depotwert mit Währungsrisiko
PessimistischZinsen fallen deutlich, Preiskampf bei GEICO, Fehlkauf im Hausbausinkende Gewinne, Kurs fällt hinter den Gesamtmarkt zurück

Was Sie jetzt tun können

Als Anleger sollten Sie Berkshire nicht als Ersatz für einen breit gestreuten Fonds sehen, sondern als Beteiligung an einem großen US-Konzern mit hohem Bargeldpolster. Prüfen Sie den Dollarkurs und Ihre Haltedauer, denn der Steuervorteil wirkt erst über viele Jahre.

Für Mittelständler mit Nachfolgefrage lohnt sich ein direkter Brief an Abel. So kam Bell Laboratories zu Berkshire.

Als Versicherer oder Industrieversicherter sollten Sie wissen, dass Berkshire über den Rückversicherer General Re mit einer Gesellschaft in Köln auch in Deutschland große Risiken zeichnet. Konkurrenten unterbieten kann der Konzern dank seiner Kapitalkraft, bietet aber nur mit, solange der Preis stimmt. Abels Satz dazu gilt für alle Sparten: Berkshire zieht sich zurück, wenn der Preis falsch ist.

Auf den PunktSteuern später, Währungsrisiko immer
  • Anleger: keine Dividende, Abgeltungsteuer erst beim Verkauf, volles Währungsrisiko.
  • Mittelstand: Berkshire kauft selten in Deutschland, dann ohne Finanzierungsvorbehalt.
  • Verbraucher: Duracell, Fruit of the Loom und Louis gehören zum Konzern.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Berkshire Hathaway

Ein offenes Buch, links ein Rettungsring, rechts ein oranges Etikett mit „Float“
Von Float bis Zigarrenstummel: die wichtigsten Begriffe zum Geschäftsmodell von Berkshire Hathaway.

Aktienrückkauf

Beim Aktienrückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien an der Börse und zieht diese Papiere ein. Den verbliebenen Aktionären gehört danach ein größerer Anteil am Unternehmen. Berkshire kauft nur zurück, wenn der Kurs unter dem inneren Wert liegt, und erwarb im ersten Halbjahr 2026 Aktien für umgerechnet 4,3 Milliarden Euro.

Equity-Methode

Die Equity-Methode ist eine Bilanzierungsregel für Beteiligungen, bei denen ein Investor maßgeblichen Einfluss hat, meist ab rund 20 Prozent. Der Investor verbucht seinen Anteil am Gewinn der Beteiligung statt ihres Börsenkurses. Berkshire bilanziert so Kraft Heinz mit 27,5 Prozent und Occidental mit 26,7 Prozent.

Float

Als Float bezeichnet Berkshire das Geld, das Versicherer aus Prämien und Reserven halten, bis die Schäden bezahlt sind. Bis dahin darf der Versicherer das Geld anlegen. Bei Berkshire lag der Float Ende Juni 2026 umgerechnet bei rund 158 Milliarden Euro, 2015 bei 78,5 Milliarden Euro.

Form 13F

Das Form 13F ist eine Pflichtmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC, in der große Vermögensverwalter vierteljährlich ihre börsennotierten US-Aktienpositionen offenlegen. Die Meldung erscheint bis zu 45 Tage nach Quartalsende. Anleger lesen daraus ab, welche Aktien Berkshire gekauft oder verkauft hat.

Innerer Wert

Der innere Wert eines Unternehmens ist der abgezinste Wert aller Barmittel, die das Unternehmen bis zum Ende seines Bestehens erwirtschaften kann. Die Größe lässt sich nur schätzen, nicht exakt berechnen. Berkshire macht seine Aktienrückkäufe davon abhängig, dass der Kurs vorsichtig geschätzt unter diesem Wert liegt.

Operativer Gewinn

Der operative Gewinn zeigt bei Berkshire das Ergebnis der Tochterfirmen und der Versicherung nach Steuern, ohne Kursgewinne oder Kursverluste auf Aktien. Der Konzern hält diese Größe für aussagekräftiger als den Nettogewinn. 2025 lag der operative Gewinn umgerechnet bei 39,7 Milliarden Euro.

Production Tax Credit

Der Production Tax Credit ist eine Steuergutschrift der US-Regierung je erzeugter Kilowattstunde aus Wind- oder anderen erneuerbaren Quellen. Betreiber verrechnen die Gutschrift mit ihrer Steuerschuld. Das Steuergesetz vom Juli 2025 lässt die Gutschriften schneller auslaufen, was neue Windprojekte von Berkshire Hathaway Energy weniger attraktiv macht.

Retroaktive Rückversicherung

Bei der retroaktiven Rückversicherung übernimmt ein Rückversicherer gegen eine Einmalzahlung Schäden, die bereits eingetreten, aber noch nicht abgewickelt sind, etwa aus Asbestfällen. Der Rückversicherer kann das Geld bis zur Zahlung jahrzehntelang anlegen. Berkshire zeichnet seit einigen Jahren keine neuen Verträge dieser Art mehr.

Rückversicherung

Eine Rückversicherung ist die Versicherung eines Versicherers: Ein Erstversicherer gibt einen Teil seiner Risiken gegen Prämie weiter, um sich gegen Großschäden abzusichern. Berkshire ist mit General Re und der Berkshire Hathaway Reinsurance Group selbst Rückversicherer und gibt eigene Risiken nur in geringem Umfang weiter.

Schaden-Kosten-Quote

Die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) setzt Schadenzahlungen und Verwaltungskosten eines Versicherers ins Verhältnis zu den verdienten Prämien. Unter 100 Prozent arbeitet das Versicherungsgeschäft mit Gewinn. Berkshire kam 2025 im Sach- und Haftpflichtgeschäft auf 87,1 Prozent, der Zehnjahresschnitt lag bei 93,0 Prozent.

Underwriting-Gewinn

Der Underwriting-Gewinn ist der Gewinn aus dem reinen Versicherungsgeschäft, also verdiente Prämien minus Schäden und Kosten, ohne Kapitalerträge. Ist er positiv, kostet der Float nichts. Berkshire erzielte 2025 vor Steuern einen Underwriting-Gewinn von umgerechnet 8,4 Milliarden Euro, davon 6,1 Milliarden bei GEICO.

Zigarrenstummel-Prinzip

Das Zigarrenstummel-Prinzip beschreibt Buffetts frühe Anlagestrategie: Aktien schwacher Firmen weit unter ihrem Substanzwert kaufen und nach einem schnellen Kursgewinn wieder verkaufen. Buffett verglich das mit einem weggeworfenen Stummel, der noch einen letzten Zug hergibt. Berkshire selbst war 1962 so ein Kauf.

FAQ: Läuft Berkshire Hathaway auch ohne Warren Buffett?

Verkehrter weißer Regenschirm voller Goldmünzen mit einem FAQ-Anhänger vor weißem Hintergrund
Häufige Fragen zu Berkshire Hathaway: Dividende, A- und B-Aktien, Bargeld und deutsche Töchter.

Zahlt Berkshire Hathaway eine Dividende?

Nein. Berkshire hat seit 1967 keine Dividende mehr gezahlt. Der Verwaltungsrat überprüft die Politik jährlich und behält Gewinne ein, solange jeder einbehaltene Euro voraussichtlich mehr als einen Euro Börsenwert schafft. Überschüssiges Geld gibt der Konzern über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück.

Was ist der Unterschied zwischen A- und B-Aktien?

Die A-Aktie ist die ursprüngliche Aktie und kostet wegen fehlender Aktiensplits rund 690.000 Euro. Eine B-Aktie entspricht wirtschaftlich einem 1.500stel einer A-Aktie und kostete am 9. Oktober 2026 umgerechnet rund 460 Euro. Deutsche Privatanleger kaufen in der Regel die B-Aktie.

Wer leitet Berkshire Hathaway heute?

Seit dem 1. Januar 2026 ist Greg Abel Konzernchef. Der Kanadier kam über die Energiesparte zu Berkshire und war zuvor Vizechef für alle Geschäfte außerhalb der Versicherung. Warren Buffett bleibt Vorsitzender des Verwaltungsrats, Ajit Jain führt weiterhin das Versicherungsgeschäft.

Wie viel Bargeld hat Berkshire Hathaway?

Ende Juni 2026 hielten Versicherung und übrige Töchter umgerechnet 320,5 Milliarden Euro in bar und kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Ein Teil davon sichert die Versicherungsgeschäfte ab, der Rest steht für Zukäufe, Aktienkäufe und Rückkäufe bereit. Unter 26,8 Milliarden Euro darf der Bestand durch Rückkäufe nicht sinken.

Was passiert mit Warren Buffetts Aktien?

Buffett hat angekündigt, sein gesamtes Berkshire-Vermögen zu verschenken. Nach seinem Tod sollen die verbliebenen Aktien innerhalb von etwa zehn Jahren an gemeinnützige Zwecke gehen. Schon heute überträgt er jedes Jahr Pakete an Stiftungen, unter anderem an die Stiftungen seiner Kinder.

Welche Berkshire-Firmen sind in Deutschland aktiv?

Zu Berkshire gehören unter anderem der Hamburger Motorradausrüster Louis, seit 2015 im Konzern, und der Krefelder Rohrhersteller Wilhelm Schulz, den die Tochter Precision Castparts 2017 kaufte. Hinzu kommen deutsche Gesellschaften von Konzernmarken wie Duracell und des Rückversicherers General Re in Köln.

Quellen

Berkshire Hathaway | Form 10-K 2025 (Geschäftsbericht) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526083899/brka-20251231.htm | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Form 10-Q zum zweiten Quartal 2026 (10.08.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526341032/brka-20260630.htm | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Aktionärsbrief 2025 von Greg Abel | https://www.berkshirehathaway.com/letters/2025ltr.pdf | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Aktionärsbrief 2014 von Warren Buffett | https://www.berkshirehathaway.com/letters/2014ltr.pdf | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Proxy Statement 2026 (13.03.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526106253/d882687ddef14a.htm | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Form 13F zum 30.06.2026 (14.08.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526352200/0001193125-26-352200-index.html | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Form 3 zu Lennar (21.09.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526397052/0001193125-26-397052-index.html | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Form 4 zu Lennar (05.10.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526414744/0001193125-26-414744-index.html | besucht am 11.10.2026

Berkshire Hathaway | Schedule 13G/A zu Lennar (07.10.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1067983/000119312526417254/0001193125-26-417254-index.html | besucht am 11.10.2026

CNBC | Berkshire buys more Lennar shares, but pace of purchases slows (03.10.2026) | https://www.cnbc.com/2026/10/03/berkshire-buys-more-lennar-shares-but-pace-of-purchases-slows.html | besucht am 11.10.2026

National Mortgage News | Berkshire’s bet on US housing grows with Lennar buying binge | https://www.nationalmortgagenews.com/articles/berkshires-bet-on-us-housing-grows-with-lennar-buying-binge | besucht am 11.10.2026

Associated Press | Berkshire Hathaway’s new CEO Greg Abel spends a chunk of the company’s massive cashpile (08.08.2026) | https://ny1.com/nyc/all-boroughs/ap-top-news/2026/08/08/berkshire-hathaways-new-ceo-greg-abel-spends-a-chunk-of-the-companys-massive-cashpile | besucht am 11.10.2026

Associated Press | New Berkshire Hathaway CEO Greg Abel makes first deal since taking over from Warren Buffett (01.06.2026) | https://www.news4jax.com/business/2026/06/01/new-berkshire-hathaway-ceo-greg-abel-makes-first-deal-since-taking-over-from-warren-buffett/ | besucht am 11.10.2026

Repairer Driven News | State Farm, Progressive hold 37% of auto insurance market share, NAIC data shows (31.03.2026) | https://www.repairerdrivennews.com/2026/03/31/state-farm-progressive-hold-37-of-auto-insurance-market-share-naic-data-shows/ | besucht am 11.10.2026

S&P Global Market Intelligence | Progressive now No. 1 US private auto insurer for full 12 months, estimates show (Mai 2026) | https://www.spglobal.com/market-intelligence/en/news-insights/research/2026/05/progressive-now-no-1-us-private-auto-insurer-for-full-12-months-estimates-show | besucht am 11.10.2026

Supply Chain 24/7 | UP-Norfolk Southern Merger Survives Push for Early Rejection | https://www.supplychain247.com/article/stb-union-pacific-norfolk-southern-merger-review | besucht am 11.10.2026

Reuters über Yahoo Finance | Berkshire to buy German motorcycle equipment retailer (20.02.2015) | https://au.news.yahoo.com/berkshire-hathaway-buys-german-motorbike-184841650.html | besucht am 11.10.2026

Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse, Stichtag 09.10.2026 | https://data.ecb.europa.eu/data/datasets/EXR | besucht am 11.10.2026

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