Die Commerzbank hatte für 2026 mit einem Einlagesatz der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent gerechnet. Seit dem 16. September liegt der Satz bei 2,50 Prozent, nach der zweiten Zinserhöhung binnen drei Monaten. Wem die zusätzlichen Zinserträge künftig zufließen, entscheidet die UniCredit in Mailand mit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Commerzbank erlebt im Herbst 2026 einen doppelten Umbruch. Die EZB hat ihren Einlagesatz seit Juni zweimal angehoben, weil der Krieg im Nahen Osten die Preise treibt. Gleichzeitig hält die italienische UniCredit nach ihrem Umtauschangebot 49,65 Prozent der Stimmrechte. Ende September berichtete die dpa unter Berufung auf die Financial Times, UniCredit-Chef Andrea Orcel wolle alle zehn Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat austauschen und Vorstandschefin Bettina Orlopp ablösen. Ob die Bank ihr Geld künftig für die eigenen Aktionäre oder für einen Mutterkonzern in Mailand verdient, hängt von einem Geschäftsmodell ab, das zu zwei Dritteln auf Zinsen beruht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Commerzbank erzielte 2025 Erträge von 12,2 Milliarden Euro, davon 8,2 Milliarden aus dem Zinsgeschäft und 4,0 Milliarden aus Gebühren. Der Konzerngewinn lag bei 2,6 Milliarden Euro.
- Den Kern des Modells bildet ein Replikationsportfolio von 179 Milliarden Euro: Die Bank legt stabile Kundeneinlagen über Jahre gestaffelt an und gibt im Schnitt nur 41 Prozent des EZB-Zinses an ihre Kunden weiter.
- Die polnische Tochter mBank steuerte 2025 fast ein Viertel des operativen Ergebnisses bei, nachdem Rückstellungen für Schweizer-Franken-Kredite die Erträge seit 2020 um rund 4,1 Milliarden Euro geschmälert hatten.
- Die UniCredit kontrolliert nach dem Umtauschangebot 49,65 Prozent der Stimmrechte. Der Bund hält laut dpa noch gut 13 Prozent und verlangt Zusagen für Sitz, Börsennotiz und Mittelstandsgeschäft.
- Für 2026 will die Bank den gesamten Gewinn an die Aktionäre zurückgeben, rund 3,2 Milliarden Euro. Der Aktienkurs hat sich seit September 2024 ungefähr verdreifacht.
Fünf Fragen an die Bank des deutschen Mittelstands
1 Welchen Anteil hatte der Zinsüberschuss 2025 an den Erträgen der Commerzbank? Aufklappen ↓
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2 In welcher Stadt wurde die Commerzbank 1870 gegründet? Aufklappen ↓
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3 Wie viel Kapital stellte der Staat der Commerzbank 2008 und 2009 über den Rettungsfonds SoFFin zur Verfügung? Aufklappen ↓
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4 Welchen Anteil an der Finanzierung des deutschen Außenhandels beansprucht die Commerzbank für sich? Aufklappen ↓
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5 Wie stark belasteten Rückstellungen für Franken-Kredite der polnischen mBank die Erträge von 2020 bis Mitte 2026? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter der Commerzbank und wie fing alles an?
Gegründet wurde die Commerzbank am 26. Februar 1870 in Hamburg als Commerz- und Disconto-Bank. Hinter der Gründung standen Kaufleute, Merchantbanker und Privatbankiers, erster Aufsichtsratschef war der Reeder Carl Woermann.
Unter den beteiligten Firmen fanden sich Namen, die in der Hamburger Wirtschaftsgeschichte bis heute einen guten Klang haben: das Handelshaus Wm. O’Swald, das Bankhaus M. M. Warburg und die Berliner Privatbank Mendelssohn. Am 25. April 1870 nahm die Bank ihre Geschäfte auf, gut zwei Wochen nachdem in Berlin die Deutsche Bank ihren ersten Schalter geöffnet hatte. Beide Institute entstanden im selben Frühjahr und setzten auf dasselbe Feld: die Finanzierung von Handelsgeschäften deutscher Kaufleute.
Der Name verriet das Programm. „Commerz“ stand für den Warenhandel, „Disconto“ für den Ankauf von Wechseln, also für kurzfristige Kredite an Händler, die ihre Ware schon verschickt, aber noch nicht bezahlt bekommen hatten. Aus diesem Wechselgeschäft entwickelte sich über die Jahrzehnte eine Universalbank mit Privatkunden, Firmenkunden und Kapitalmarktgeschäft. Die Grundidee ist bis heute sichtbar: Die Commerzbank beziffert ihren Anteil an der Finanzierung des deutschen Außenhandels auf rund 30 Prozent.
Der heutige Name kam später. Im Jahr 1920 benannte sich die Bank in Commerz- und Privat-Bank um, seit 1940 heißt das Institut Commerzbank Aktiengesellschaft. Der Schwerpunkt wanderte um 1900 nach Berlin, nach dem Zweiten Weltkrieg nach Düsseldorf und ab 1970 nach Frankfurt am Main, wo seit 1990 auch der juristische Sitz liegt und der Commerzbank-Tower heute zur Skyline gehört.
In der Bankenkrise von 1932 ordnete die Reichsregierung die Fusion mit dem Barmer Bank-Verein an, danach hielten Reich und Reichsbank 70 Prozent des Kapitals. Die Commerzbank war damit schon einmal eine Staatsbank, lange bevor der Bund in der Finanzkrise 2009 einstieg. Gerettet vom Staat, später wieder privatisiert, heute umworben von einem ausländischen Konkurrenten: Dieses Muster zieht sich durch die Geschichte der Bank.
Ursprüngliche Idee und heutiges Geschäftsmodell liegen näher beieinander als bei vielen anderen Konzernen dieser Reihe. Die Commerzbank finanziert noch immer vor allem Unternehmen, die Waren über Grenzen schicken, und sammelt dafür Einlagen von Privatkunden ein. Neu ist die Größenordnung: Aus einer Hamburger Handelsbank wurde ein Konzern mit fast 40.000 Vollzeitkräften, Niederlassungen in mehr als 40 Ländern und einer Tochterbank in Polen.
- 1870Gründung als Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg am 26. Februar, Geschäftsstart am 25. April
- 1932Bankenkrise: Zwangsfusion mit dem Barmer Bank-Verein, Reich und Reichsbank halten 70 Prozent
- 1940Umbenennung in Commerzbank Aktiengesellschaft
- 1990Juristischer Sitz wechselt nach Frankfurt am Main
- 2009Verschmelzung mit der Dresdner Bank, 18,2 Mrd. € Kapitalhilfe, der Bund hält 25 Prozent plus eine Aktie
- 2019Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank scheitern
- 2020Konzernverlust von 2,87 Mrd. €, Start der Strategie 2024 mit dem Abbau von 10.000 Stellen
- 2023Rückkehr in den DAX am 27. Februar
- 2024Der Bund verkauft 4,5 Prozent zu 13,20 € je Aktie, das Paket geht an die UniCredit
- 2026UniCredit-Umtauschangebot: 49,65 Prozent der Stimmrechte, Rekordergebnis im ersten Halbjahr
Wie wurde aus der Hamburger Handelsbank ein Übernahmekandidat?

Zum Übernahmekandidaten wurde die Commerzbank durch einen zu großen Zukauf im falschen Moment. Die Übernahme der Dresdner Bank fiel 2008 mitten in die Finanzkrise, der Staat musste mit 18,2 Milliarden Euro einspringen. Danach folgten 15 Jahre Sanierung.
Der Weg zur zweitgrößten Privatbank des Landes führte über Zukäufe. Im Jahr 2005 übernahm die Commerzbank den Immobilienfinanzierer Eurohypo, im August 2008 kündigte der Vorstand die Übernahme der Dresdner Bank in zwei Schritten an. Der Zeitpunkt hätte kaum schlechter sein können: Wenige Wochen später brach die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Zudem brachte die Dresdner Bank neben elf Millionen Kunden auch riskante Wertpapierbestände mit. Eingetragen wurde die Verschmelzung am 11. Mai 2009, die Zusammenführung der IT dauerte bis April 2011.
Die Finanzkrise machte die Commerzbank zum Fall für den Staat. Im Dezember 2008 erhielt die Bank vom Bankenrettungsfonds SoFFin eine stille Einlage von 8,2 Milliarden Euro und einen Garantierahmen bis zu 15 Milliarden Euro, im Januar 2009 folgten weitere 10 Milliarden Euro Eigenkapital. Insgesamt flossen damit 18,2 Milliarden Euro Kapitalhilfe, der Bund hielt danach 25 Prozent plus eine Aktie. Im Jahr 2011 zahlte die Bank 14,3 der 16,2 Milliarden Euro stiller Einlagen zurück, nach einer Kapitalerhöhung 2013 sank der Anteil des Staates auf rund 17 Prozent.
Ein Befreiungsschlag durch eine Fusion scheiterte. Im Frühjahr 2019 sprachen Commerzbank und Deutsche Bank über einen Zusammenschluss, am 25. April 2019 erklärten beide Banken die Gespräche für beendet. Die Commerzbank blieb allein und rutschte im Corona-Jahr 2020 tief ins Minus: Der Konzernverlust betrug 2,87 Milliarden Euro, vor allem wegen Abschreibungen von rund 1,6 Milliarden Euro auf Firmenwerte und Umbaukosten von 814 Millionen Euro.
Aus diesem Tiefpunkt entstand die „Strategie 2024“: Die Bank strich brutto rund 10.000 Vollzeitstellen und verkleinerte das Netz von 790 auf rund 400 Filialen. Am 27. Februar 2023 kehrte die Aktie in den DAX zurück, ein Symbol dafür, dass die Sanierung gelungen war.
Die Wende kam im September 2024. Die Finanzagentur des Bundes bot 53,1 Millionen Commerzbank-Aktien zu 13,20 Euro je Stück an, rund 4,5 Prozent des Kapitals. Das gesamte Paket ging an die UniCredit, die am 11. September 2024 einen Anteil von rund 9 Prozent meldete. Der Bund nahm 702 Millionen Euro ein und öffnete damit einer Bank die Tür, deren Übernahmepläne die Bundesregierung wenige Tage später als unfreundlich zurückwies.
Danach baute die UniCredit ihre Position Schritt für Schritt aus. Im März 2026 kündigte die Mailänder Bank ein freiwilliges Umtauschangebot an: 0,485 UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie, beim Start der Annahmefrist rechnerisch rund 31,07 Euro. Der Gegenwert lag 8,7 Prozent unter dem Börsenkurs, Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfahlen die Ablehnung. Trotzdem wurden 17,6 Prozent der Aktien angedient, überwiegend von Banken und anderen Marktteilnehmern, die nach Darstellung der Commerzbank der UniCredit nahestehen. Zusammen mit dem direkten Anteil und weiteren Instrumenten kommt die UniCredit damit auf 47,59 Prozent des Kapitals und wegen der stimmrechtslosen eigenen Aktien der Commerzbank auf 49,65 Prozent der Stimmrechte.
Heute ist die Commerzbank wieder ein Schwergewicht im DAX. Bei einem Xetra-Kurs von 39,36 Euro am 7. Oktober 2026 ist die Bank an der Börse rund 44 Milliarden Euro wert, im September 2024 lag der Kurs noch bei gut 13 Euro.
- Dresdner Bank: Der Zukauf von 2008 fiel in die Finanzkrise und kostete die Eigenständigkeit.
- Staatshilfe: 18,2 Milliarden Euro Kapital, der Bund hält bis heute einen Anteil.
- UniCredit: Der Einstieg begann 2024 mit einem Aktienpaket des Bundes zu 13,20 Euro.
Wie verdient die Commerzbank tatsächlich ihr Geld?

Die Commerzbank verdient vor allem an der Spanne zwischen dem, was Kredite und angelegte Einlagen einbringen, und dem, was die Bank ihren Sparern zahlt. 2025 stammten 8,2 von 12,2 Milliarden Euro Erträgen aus dem Zinsgeschäft, ein Drittel aus Gebühren.
Hauptumsatzquellen: zwei Drittel Zins, ein Drittel Gebühr
Der Geschäftsbericht 2025 weist Erträge von 12.171 Millionen Euro aus. Der Zinsüberschuss lag bei 8.226 Millionen Euro oder 67,6 Prozent, der Provisionsüberschuss bei 4.029 Millionen Euro oder 33,1 Prozent. Die Summe liegt über 100 Prozent, weil die übrigen Posten zusammen negativ waren: Allein das sonstige Ergebnis drückte die Erträge um 466 Millionen Euro, vor allem wegen der Vorsorge für Franken-Kredite in Polen. Ein Handelshaus im Stil einer Investmentbank ist die Commerzbank nicht, das Fair-Value-Ergebnis des Konzerns lag 2025 bei 14 Millionen Euro.
Nach Kundengruppen verteilt sich das Geschäft auf drei Säulen. Das Segment Firmenkunden erzielte 4.865 Millionen Euro Erträge, also 40 Prozent. Die Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland kamen auf 4.607 Millionen Euro oder 38 Prozent, die polnische mBank auf 2.329 Millionen Euro oder 19 Prozent. Der Rest entfällt auf das Treasury und Konsolidierungseffekte.
Beim operativen Ergebnis verschieben sich die Gewichte deutlich. Von 4.509 Millionen Euro steuerten die Firmenkunden 2.151 Millionen bei, das deutsche Privatkundengeschäft 1.276 Millionen und die mBank 1.050 Millionen Euro. Die Firmenkundensparte ist damit die Gewinnmaschine des Konzerns, die Privatkunden liefern vor allem die Einlagen, mit denen die Bank arbeitet.
Der versteckte Motor: das Replikationsportfolio
Die wichtigste Zahl des Geschäftsmodells steht nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern in der Analystenpräsentation zum zweiten Quartal 2026. Dort beziffert die Bank ihr Replikationsportfolio auf 179 Milliarden Euro, mit einer durchschnittlichen Laufzeit von 3,7 Jahren und einer Durchschnittsrendite von 1,33 Prozent. Gemeint ist ein Bestand an Zinsgeschäften, mit dem die Commerzbank ihre Sicht- und Spareinlagen so anlegt, als wären die Guthaben langfristig gebunden.
Ein großer Teil der Girokontoguthaben bleibt erfahrungsgemäß jahrelang liegen, auch wenn Kunden täglich darüber verfügen können. Die Bank legt diesen Sockel deshalb in gestaffelten Tranchen mit Laufzeiten bis über zehn Jahre an. Auslaufende Tranchen aus der Nullzinszeit ersetzt die Bank laufend durch neue mit höheren Zinsen. Dieser Rollover hebt den Zinsertrag Jahr für Jahr an, fast unabhängig davon, was die EZB im nächsten Quartal beschließt.
In der Prognose der Bank lässt sich dieser Effekt ablesen. Für 2026 erwartet die Commerzbank einen Zinsüberschuss von rund 8,6 Milliarden Euro, nach 8,2 Milliarden im Vorjahr. Den größten Beitrag liefert das Replikationsportfolio mit plus 0,6 Milliarden Euro, während die direkt vom EZB-Satz abhängigen Positionen 0,2 Milliarden Euro kosten. Bis 2030 rechnet die Bank mit einem Zinsüberschuss von 11,2 Milliarden Euro. Der Zinsumbruch, um den die Debatte kreist, ist für die Commerzbank deshalb weniger eine Frage des nächsten EZB-Termins als der Zinskurve über zehn Jahre.
Zum versteckten Ertrag gehört auch das Wertpapiergeschäft. Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland hielten Mitte 2026 Wertpapiere im Wert von 285 Milliarden Euro bei der Bank, über die Direktbank comdirect liefen im ersten Halbjahr rund 21 Millionen Wertpapiertransaktionen, 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Jeder Fondsanteil und jede Order bringt Provisionen, ohne dass die Bank dafür Eigenkapital binden muss wie bei einem Kredit.
Daten und Algorithmen: noch kein eigener Erlösstrom
Die Commerzbank betreibt kein datengetriebenes Geschäftsmodell im Sinne der Plattformkonzerne und verkauft keine Kundendaten. Die Bank nutzt Daten indirekt: Zahlungsströme der Firmenkunden zeigen der Bank, wie gut ein Unternehmen läuft, und können in die Kreditentscheidung einfließen. In der Strategie „Momentum 2030“ plant der Vorstand rund 600 Millionen Euro für künstliche Intelligenz zwischen 2026 und 2030 ein und verspricht sich davon ab 2030 einen Wertbeitrag von rund 500 Millionen Euro pro Jahr, überwiegend durch niedrigere Kosten.
Margen: Firmenkunden und Polen verdienen am besten
Die Segmente arbeiten mit sehr unterschiedlichen Margen. Rechnet man das operative Ergebnis auf die Erträge um, kommen die Firmenkunden auf 44 Prozent, die mBank auf 45 Prozent und das deutsche Privatkundengeschäft auf nur 28 Prozent. Die Aufwandsquote im Firmenkundengeschäft lag bei 47,1 Prozent, im gesamten Privatkundensegment einschließlich Polen bei 62,3 Prozent. Der Grund liegt im Filialnetz: Rund 400 Standorte, Berater und Bargeldversorgung verursachen Kosten, die sich nur über große Einlagenvolumen rechnen.
Die polnische Tochter verdient besonders gut, weil die Zinsen in Polen lange deutlich höher lagen als im Euroraum. Der durchschnittliche Leitzins der polnischen Notenbank sank allerdings von 5,75 Prozent im ersten Quartal 2025 auf 3,75 Prozent im zweiten Quartal 2026. Der Zinsüberschuss der mBank ging im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal entsprechend von 587 auf 533 Millionen Euro zurück. Dass die Tochter im ersten Halbjahr trotzdem mehr verdiente als ein Jahr zuvor, lag am Wegfall alter Belastungen.
Quersubventionierung: Das Girokonto finanziert die Bank
Das Girokonto ist bei der Commerzbank kein Verlustbringer, aber auch nicht der eigentliche Gewinnbringer. Ab 50.000 Euro Vermögenswerten bei der Bank kostet das digitale GiroKonto nichts, Kunden bis 27 Jahre zahlen für das StartKonto keine Grundgebühr. Die Bank verzichtet bei diesen Gruppen bewusst auf Gebühren, weil jeder Kunde mit Gehaltskonto Einlagen mitbringt, die über das Replikationsportfolio verlässlich Zinsen abwerfen.
Im Konzern finanziert das Einlagengeschäft damit indirekt das Kreditgeschäft mit Unternehmen. Ende 2025 hatte die Bank Firmenkunden Kredite über 102,5 Milliarden Euro gewährt, die Privatkunden hielten 194,6 Milliarden Euro Einlagen. Die Guthaben der Sparer sind für die Bank die günstigste Refinanzierung, deutlich billiger als Anleihen am Kapitalmarkt.
Skaleneffekte: Größe drückt die Kostenquote
Banken arbeiten mit hohen Fixkosten. Kosten für IT-Plattformen, Regulierung, Meldewesen sowie Pflichtbeiträge an Einlagensicherung und Bankenabgabe fallen weitgehend unabhängig davon an, ob eine Bank 300 oder 400 Milliarden Euro Einlagen verwaltet. Die Commerzbank kam Ende 2025 auf Einlagen von 413,6 Milliarden Euro. Jeder zusätzliche Euro senkt die Stückkosten. Die Aufwandsquote fiel von 58,8 Prozent im Jahr 2024 auf 57,0 Prozent 2025 und lag im ersten Halbjahr 2026 bei 53 Prozent. Bis 2030 will der Vorstand 43 Prozent erreichen.
Die Verschiebung der letzten fünf Jahre
Kein Faktor hat das Geschäftsmodell seit 2021 so verändert wie die Zinswende. Der Zinsüberschuss stieg von 4.849 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 8.226 Millionen Euro 2025, ein Plus von rund 70 Prozent. Der Provisionsüberschuss wuchs im selben Zeitraum nur um 12 Prozent auf 4.029 Millionen Euro. Aus einem Konzernverlust von 2,87 Milliarden Euro im Jahr 2020 wurde 2025 ein Gewinn von 2,6 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr 2026 kamen bereits 1,8 Milliarden Euro zusammen.
Die Commerzbank steht damit nicht allein. Die Deutsche Bundesbank stellt in ihrem Monatsbericht vom September 2026 fest, dass der Zinsüberschuss aller deutschen Banken 2025 trotz sinkender Leitzinsen zum dritten Mal in Folge ein Rekordniveau erreichte: 109,9 Milliarden Euro. Der Grund: Die Zinserträge fielen gegenüber dem Vorjahr um 19,0 Prozent, die Zinsaufwendungen aber um 26,3 Prozent, weil Banken die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld schneller senkten, als ihre langfristig angelegten Mittel an Rendite verloren.
Gleichzeitig ist die Bank weniger zinsabhängig geworden. Im Geschäftsbericht 2025 rechnet die Commerzbank vor, wie ein paralleler Rückgang aller Zinsen im Szenario der Aufsicht den Zinsüberschuss über zwölf Monate verändern würde: Ende 2024 lag der Effekt bei minus 627 Millionen Euro, Ende 2025 nur noch bei minus 246 Millionen Euro. Den Unterschied macht das gewachsene Replikationsportfolio. Unsere Einordnung: Der Vorstand hat die Bank gegen fallende Zinsen abgesichert und kassiert bei steigenden Zinsen trotzdem mit. Genau diese Absicherung macht die Commerzbank für die UniCredit so attraktiv, weil die Erträge der nächsten Jahre bereits zu großen Teilen feststehen.
Wie groß ist die Marktmacht der Commerzbank?

Im Privatkundengeschäft ist die Commerzbank eine von vielen Banken, im Firmenkundengeschäft eine feste Größe. Die Bank beziffert ihren Anteil an der deutschen Außenhandelsfinanzierung auf rund 30 Prozent, rund 24.000 Firmenkundenverbünde zählen zum Kundenstamm.
Der deutsche Bankenmarkt ist zersplittert, keine einzelne Bank beherrscht das Privatkundengeschäft. Mit mehr als 10 Millionen Privat- und Unternehmerkunden nimmt die Commerzbank eine solide Stellung ein, ihre eigentliche Marktmacht liegt im Geschäft mit dem Mittelstand und mit exportierenden Unternehmen.
Dort profitiert die Bank von einem Netz, das kaum ein deutscher Wettbewerber in dieser Breite hat. Mit Niederlassungen und Repräsentanzen in mehr als 40 Ländern begleitet die Commerzbank Unternehmen bei Akkreditiven, Garantien, Devisengeschäften und Exportfinanzierungen. In der Branchenumfrage des Fachmagazins FINANCE belegte die Bank 2026 neun erste Plätze, darunter Platz eins als beste Mittelstandsbank. Bettina Orlopp sieht die Commerzbank in der Schweiz seit dem Ende der Credit Suisse bei staatlich abgesicherten Exportfinanzierungen auf Platz zwei hinter der UBS.
Das Kreditgeschäft mit Firmenkunden wächst derzeit vor allem außerhalb Deutschlands. Das durchschnittliche Kreditvolumen der Sparte stieg im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf 123 Milliarden Euro. Vom Zuwachs im ersten Halbjahr entfielen rund 60 Prozent auf Europa, 30 Prozent auf die USA und 10 Prozent auf Asien. Die Bank folgt ihren deutschen Kunden dorthin, wo diese investieren, und bindet die Unternehmen damit enger an sich. Diese Kundenbindung ist schwer zu kopieren, weil eine neue Bank erst Länderlizenzen erwerben, Korrespondenzbanken gewinnen und Vertrauen aufbauen müsste.
Die Großbanken insgesamt haben ihre Position langfristig ausgebaut. Laut Bundesbank stieg ihr Anteil an den Einlagen von Unternehmen von 20,5 Prozent im Jahr 1999 auf 28,8 Prozent 2025. Bei den Spareinlagen von Arbeitnehmern kommen die Großbanken auf fast 15 Prozent, mehr als doppelt so viel wie vor gut 25 Jahren. Zu dieser Gruppe zählt die Bundesbank neben der Commerzbank vor allem die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank, die Tochter der UniCredit.
Genau diese Konstellation macht die Übernahme kartellrechtlich interessant. Kommt die Commerzbank unter die Kontrolle der UniCredit, gehören zwei der großen Privatbanken des Landes zum selben Konzern. Die Angebotsunterlage nennt eine lange Liste nötiger Freigaben: Fusionskontrolle in der EU, Serbien und den USA, Investitionsprüfungen in Frankreich und den USA, die EU-Subventionskontrolle, die Bankaufsicht der EZB sowie Behörden in Deutschland, Luxemburg, Polen, den USA und Italien. Spätestens am 19. Juni 2027 müssen alle Genehmigungen vorliegen, laut dpa wird die Entscheidung der EZB im Oktober 2026 erwartet.
Für Firmenkunden macht die enge Verflechtung mit der Bank einen Wechsel teuer. Ein Mittelständler mit Konsortialkredit, Avalrahmen für Bürgschaften, Zahlungsverkehr in mehreren Ländern und Absicherungsgeschäften für Währungen wechselt seine Hausbank nicht wegen eines halben Prozentpunkts. Die Wechselkosten liegen weniger im Preis als im Aufwand für eine neue Kreditprüfung, neue Verträge und neue Schnittstellen zur eigenen Buchhaltung.
- Großbanken: Ihr Anteil an den Unternehmenseinlagen stieg von 20,5 Prozent 1999 auf 28,8 Prozent 2025.
- Firmenkredite: Plus 16 Prozent im zweiten Quartal 2026, getrieben vom Auslandsgeschäft der Kunden.
- Freigaben: Die Übernahme braucht Genehmigungen in mehreren Ländern bis spätestens Juni 2027.
Wer ist bei der Commerzbank eigentlich das Produkt?

Bei der Commerzbank ist der Sparer zugleich Kunde und Rohstoff. Seine Guthaben finanzieren Kredite und das Replikationsportfolio, im Schnitt erhält er dafür nur 41 Prozent des EZB-Zinses.
Eine Bank verkauft auf den ersten Blick Dienstleistungen: Konto, Karte, Kredit, Depot. Bei genauerem Hinsehen ist der Privatkunde mit seinem Gehaltskonto vor allem ein Einleger, der der Bank Geld leiht, ohne dafür viel zu verlangen. Ende 2025 lagen 194,6 Milliarden Euro Einlagen von Privatkunden bei der Commerzbank, dazu 133,6 Milliarden Euro von Firmenkunden.
Wie viel von der Zinswende bei diesen Kunden ankommt, misst die Bank mit dem sogenannten Einlagen-Beta. Die Kennzahl beschreibt, welcher Anteil des EZB-Einlagesatzes im Durchschnitt aller verzinsten und unverzinsten Einlagen an die Kunden weitergegeben wird. Im zweiten Quartal 2026 lag das Beta bei rund 41 Prozent, im gesamten Jahr 2025 bei 40 Prozent. Den Rest behält die Bank als Einlagenmarge.
Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Kunde hätte 10.000 Euro bei der Commerzbank liegen und das Beta von 41 Prozent würde für ihn genau gelten: Beim aktuellen EZB-Einlagesatz von 2,50 Prozent bekäme er rechnerisch 1,03 Prozent oder 103 Euro im Jahr. Die Bank könnte dasselbe Geld bei der Notenbank zu 2,50 Prozent parken, also für 250 Euro im Jahr. Die Differenz von 147 Euro wäre der Preis, den der Sparer für die Bequemlichkeit seines Kontos zahlt. In der Wirklichkeit verteilt sich die Spanne ungleich: Auf dem Girokonto bekommt der Kunde in der Regel gar keine Zinsen, ein Festgeldkunde dagegen deutlich mehr.
Dieser Mechanismus erklärt, warum der Wettbewerb um Einlagen härter geworden ist. Die Bundesbank beschreibt, dass seit der Zinswende 2022 vor allem Auslands- und Direktbanken mit überdurchschnittlichen Konditionen um Sparer werben. Anbieter wie Revolut locken mit hohen Zinsen auf Tagesgeld und bauen gleichzeitig ein vollwertiges Girokontoangebot auf. Für die Commerzbank ist jeder abwandernde Gehaltskunde ein Verlust an billiger Refinanzierung, nicht nur an Kontogebühren.
Firmenkunden erleben die Bank in einer anderen Rolle. Für Unternehmen ist die Commerzbank ein Dienstleister, der Kredite gibt, Zahlungen in Fremdwährung abwickelt und Risiken absichert. Der Mittelständler zahlt dafür Zinsen, Provisionen und Spreads im Devisenhandel. Gleichzeitig parken Unternehmen hohe Guthaben auf ihren Geschäftskonten. Dieses Geld steht der Bank wieder als Liquidität zur Verfügung. Firmen sind damit Kunden und Einleger zugleich, nur auf höherem Niveau als Privatkunden.
Die dritte Rolle spielen die Aktionäre, allen voran die UniCredit als größter Anteilseigner. Zugespitzt finanziert damit jedes Gehaltskonto bei der Commerzbank einen italienischen Konzern mit.
Was kostet ein Konto bei der Commerzbank wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein Girokonto der Commerzbank kostet zwischen 4,90 und 12,90 Euro im Monat, also 58,80 bis 154,80 Euro im Jahr. Teurer wird der Dispokredit: Der Standardzins liegt bei 11,90 Prozent, gut neun Prozentpunkte über dem EZB-Hauptrefinanzierungssatz.
Seit Juni 2025 gilt bei der Commerzbank ein überarbeitetes Kontomodell. Der Vorstand nennt das neue Preismodell ausdrücklich als einen Grund für den steigenden Provisionsüberschuss. Hinzu kommen Einzelpreise: Eine beleghafte Überweisung oder ein Auftrag am Schalter kostet beim GiroKonto 3,90 Euro.
Die folgende Übersicht zeigt die Kontomodelle mit dem Stand vom 7. Oktober 2026. Beim Dispozins gilt: Je teurer das Konto, desto günstiger der Überziehungskredit.
| Kontomodell | Preis pro Monat | Preis pro Jahr | Dispozins |
|---|---|---|---|
| GiroKonto (digital) | 4,90 € (0 € ab 50.000 € Vermögen) | 58,80 € | 11,90 % |
| KlassikKonto | 9,90 € | 118,80 € | 10,90 % |
| PremiumKonto | 12,90 € | 154,80 € | 8,90 % |
| StartKonto | 0 € bis 27 Jahre, danach 9,90 € | 0 € bzw. 118,80 € | nach Kontomodell |
Die Kontogebühr ist aber nur ein kleiner Teil dessen, was die Bank am Kunden verdient. Ein Kunde mit 5.000 Euro auf dem digitalen GiroKonto zahlt 58,80 Euro Gebühren im Jahr. Bei 2,50 Prozent EZB-Einlagesatz könnte die Bank dasselbe Guthaben rechnerisch für 125 Euro im Jahr bei der Notenbank anlegen, ohne dem Kunden Zinsen zu zahlen. Der unsichtbare Teil des Kontopreises ist also größer als der sichtbare.
Wohin das Geld der Kunden am Ende fließt, zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung. Die folgende Tabelle rechnet die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 auf 100 Euro Ertrag um. Den größten Teil verschlingen die Verwaltungskosten für Personal, IT und Gebäude, gut ein Fünftel bleibt als Gewinn für die Aktionäre.
| Bestandteil (Geschäftsjahr 2025) | Mio. € | je 100 € Ertrag |
|---|---|---|
| Erträge insgesamt | 12.171 | 100,00 € |
| Verwaltungsaufwand (Personal, IT, Gebäude, Abschreibungen) | 6.666 | 54,80 € |
| Pflichtbeiträge (Einlagensicherung, Bankenabgabe, polnische Bankensteuer) | 274 | 2,30 € |
| Risikoergebnis (Vorsorge für Kreditausfälle) | 722 | 5,90 € |
| Restrukturierung (Stellenabbau) | 562 | 4,60 € |
| Ertragsteuern | 1.089 | 8,90 € |
| Anteile anderer Gesellschafter (vor allem Minderheitsaktionäre der mBank) | 233 | 1,90 € |
| Konzernergebnis für die Aktionäre der Commerzbank | 2.625 | 21,60 € |
Ein Posten taucht in dieser Rechnung nur indirekt auf: die Vorsorge für die Franken-Kredite der mBank. Polnische Haushalte hatten vor der Finanzkrise Hypotheken in Schweizer Franken aufgenommen, die nach dem Kursanstieg des Franken für viele kaum noch bezahlbar waren. Die Gerichte des Landes gaben zahlreichen Klägern recht. Die Commerzbank hat dafür seit 2020 Belastungen von zusammen rund 4,1 Milliarden Euro verbucht, davon allein 1.094 Millionen Euro im Jahr 2023. Die Aktionäre bezahlten diese Altlast mit niedrigeren Gewinnen, nicht die Kunden in Deutschland.
Auch der Staat verdient mit. Die polnische Bankensteuer kostete die mBank im Jahr 2025 184 Millionen Euro, deutlich mehr als die Beiträge zur Einlagensicherung im gesamten Konzern mit 44 Millionen Euro und zur europäischen Bankenabgabe mit 46 Millionen Euro. Hinzu kommen Ertragsteuern von 1.089 Millionen Euro, davon laut Länderbericht 709 Millionen in Deutschland. Drei Gruppen tragen damit die Kosten: Kunden über Gebühren und Zinsspannen, Aktionäre über Altlasten, Beschäftigte über den Stellenabbau. Der Fiskus steht als Mitverdiener auf der anderen Seite.
Steigt der EZB-Zins, gibt die Bank nur einen Teil davon an die Einleger weiter. Beim Dispokredit dagegen ist der Abstand zum Leitzins traditionell groß und wenig beweglich: Der EZB-Hauptrefinanzierungssatz liegt seit dem 16. September 2026 bei 2,65 Prozent, der Standard-Dispozins der Commerzbank bei 11,90 Prozent. Die Bank verdient an den Zinsen also in beide Richtungen, bei der Einlage wie bei der Überziehung.
- Gebühr: 58,80 bis 154,80 Euro im Jahr für das Girokonto.
- Zinsspanne: 5.000 Euro Guthaben bringen der Bank rechnerisch 125 Euro im Jahr, mehr als die Kontogebühr.
- Gewinn: Von 100 Euro Ertrag bleiben 21,60 Euro für die Aktionäre.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Die großen Gewinner sind die Aktionäre: Der Kurs hat sich seit September 2024 ungefähr verdreifacht, 2026 fließt der gesamte Gewinn an die Anteilseigner. Draufzahlen müssen Beschäftigte in Zentralfunktionen, Sparer mit unverzinsten Guthaben und der Bund, der 2024 zu billig verkauft hat.
Die Aktionäre profitieren gleich doppelt. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte die Commerzbank eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie, nach 0,65 Euro im Vorjahr, und kaufte für rund 1,5 Milliarden Euro eigene Aktien zurück. Für 2026 plant die Bank eine Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro, am 4. September startete ein weiterer Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro. Im Interview mit der „Finanz und Wirtschaft“ verwies Bettina Orlopp auf den Kursanstieg von 13 Euro im September 2024 auf über 41 Euro.
Besonders profitiert hat die UniCredit. Die italienische Bank kaufte im September 2024 das Bundespaket zu 13,20 Euro je Aktie und baute ihre Position danach über Derivate und Zukäufe aus. Beim heutigen Kurs ist ihre Beteiligung ein Vielfaches des Einsatzes wert. Jede Ausschüttung der Commerzbank fließt anteilig nach Mailand. Mit einem Umtauschangebot ohne Prämie gelang der UniCredit zudem der Sprung über die 30-Prozent-Schwelle, ab der normalerweise ein Pflichtangebot an alle Aktionäre fällig wird.
Der Bund steht auf der anderen Seite der Rechnung. Zum Xetra-Kurs vom 7. Oktober 2026 wären die 2024 für 702 Millionen Euro verkauften Aktien rund 2,1 Milliarden Euro wert. Rechnerisch hat der Steuerzahler damit rund 1,4 Milliarden Euro Wertzuwachs an die UniCredit abgegeben. Wir halten diesen Verkauf für einen der teuersten Fehler der Bankenpolitik dieses Jahrzehnts: Der Bund hat nicht nur zu billig verkauft, er hat den Zugriff, den er heute begrenzen will, selbst ermöglicht.
Die Beschäftigten bezahlen den Umbau mit ihren Arbeitsplätzen. Die Strategie „Momentum“ vom Februar 2025 sieht den Abbau von brutto rund 3.900 Vollzeitstellen bis 2028 vor, davon rund 3.300 in Deutschland, vor allem in Zentralfunktionen und im Betrieb. Mit „Momentum 2030“ kündigte der Vorstand im Mai 2026 den Abbau von weiteren brutto rund 3.000 Stellen an. Die Gewerkschaft ver.di sieht bei einer Übernahme bis zu 10.000 Arbeitsplätze bei der Commerzbank in Gefahr, zusammen mit der HypoVereinsbank bis zu 15.000. Gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat hat ver.di einen faktischen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ausgehandelt.
Auch Standorte gehören zu den Verlierern: Viele Kleinstädte haben seit der „Strategie 2024“ keine Commerzbank-Filiale mehr. In der Frankfurter Zentrale beschäftigt die Bank weiter Tausende Menschen, genau deshalb besteht der Bund auf dem Sitz in Frankfurt als Bedingung für seine Zustimmung. Der stellvertretende Vorstandschef Michael Kotzbauer sagte Ende August der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, die UniCredit wolle bis 2028 rund 20 Prozent der jährlichen Kosten senken, was nicht allein im Ausland gehe. Für Frankfurt und die Zentrale wäre diese Sparvorgabe die eigentliche Bewährungsprobe.
Die folgende Übersicht fasst Gewinner und Verlierer zusammen. Die Einordnung beruht auf Geschäftsbericht, Pressemitteilungen und Angebotsunterlage, die Tabelle bildet eine Momentaufnahme vor dem Abschluss der Übernahme.
| Gruppe | Bilanz | Beleg |
|---|---|---|
| Aktionäre der Commerzbank | Gewinner | Kurs von rund 13 auf über 39 Euro, 100 Prozent Ausschüttung für 2025 und 2026 |
| UniCredit | Gewinner | Einstieg zu 13,20 Euro, 49,65 Prozent der Stimmrechte ohne Übernahmeprämie |
| Firmenkunden mit Auslandsgeschäft | Gewinner, vorerst | Kreditvolumen plus 16 Prozent, Netz in über 40 Ländern; die UniCredit will das Auslandsnetz prüfen |
| Bund und Steuerzahler | Verlierer | 702 Millionen Euro Erlös für ein Paket, das heute rund 2,1 Milliarden Euro wert wäre |
| Beschäftigte in Zentralfunktionen | Verlierer | 3.900 plus 3.000 Stellen im Abbau, ver.di befürchtet bis zu 10.000 |
| Sparer mit Girokontoguthaben | Verlierer | Durchschnittlich 41 Prozent des EZB-Zinses kommen an, auf dem Girokonto meist nichts |
| Kreditnehmer der mBank mit Franken-Hypotheken | gemischt | Gerichte gaben Klägern recht, die Bank bietet Umstellung auf Złoty-Kredite an |
Ein Plattform-Fluch im Sinne der Digitalkonzerne trifft die Kunden der Commerzbank nicht, wohl aber ein milderer Bindungseffekt. Ein Gehaltskunde mit Dauerauftrag, Kreditkarte, Depot und Baufinanzierung bei derselben Bank wechselt selten, selbst wenn die Konditionen schlechter werden. Ende 2025 standen im deutschen Privatkundengeschäft Baufinanzierungen über 96 Milliarden Euro in den Büchern. Diese Trägheit ist der stille Verbündete jeder Universalbank.
Die Commerzbank schüttet 100 Prozent ihres Gewinns aus, weil ein hoher Aktienkurs ihre beste Verteidigung gegen die UniCredit ist.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist die Commerzbank?

Kaum eine deutsche Bank ist so politisch wie die Commerzbank. Seit der Rettung 2009 ist der Bund Aktionär, heute laut dpa mit gut 13 Prozent. Über die Zukunft der Bank verhandelt der Finanzminister direkt mit dem Chef der UniCredit.
Mit dem Verkauf im September 2024 wollte die Finanzagentur den Ausstieg des Bundes einleiten, stattdessen begann die Übernahmeschlacht. Weil die Commerzbank zurückgekaufte Aktien einzieht, wächst der Bundesanteil inzwischen sogar wieder: Im Juli 2026 lag er laut Presseberichten bei rund 12 Prozent, Ende September laut dpa bei gut 13 Prozent. Die Bank selbst weist im Faktenblatt „mehr als 10 Prozent“ aus.
Am 14. September 2026 traf Finanzminister Lars Klingbeil UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin und übermittelte ihm die Bedingungen des Bundes. Das Handelsblatt zitiert Klingbeil mit dem Satz: „Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt.“ Regierungskreise nannten außerdem das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Laut dpa verlangt der Bund zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat.
Die Antwort aus Mailand fiel laut dem Bericht der Financial Times, den die dpa am 29. September wiedergab, deutlich aus. Orcel wolle nach allen Freigaben auf einer außerordentlichen Hauptversammlung alle zehn Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat austauschen, im Basisszenario bis Ende Februar 2027, und Vorstandschefin Bettina Orlopp ablösen. Zwei Sitze für den Bund lehne er ab. Regierungskreise reagierten mit dem Satz: „Wir erwarten jetzt, dass der CEO der Unicredit diese Zusagen zeitnah gibt.“ Orlopp verwies gegenüber der dpa auf ihren Vertrag bis 2029. Anfang Oktober meldete das Handelsblatt, bei der UniCredit werde der frühere HVB-Chef Michael Diederich als möglicher Nachfolger gehandelt.
Die Bundesregierung hat ihren Kurs schrittweise geändert. Bundeskanzler Friedrich Merz gab im Juli 2026 den grundsätzlichen Widerstand gegen den Zusammenschluss auf, seitdem verhandelt der Bund über Bedingungen statt über ein Nein. Der Hebel der UniCredit hat Grenzen: Die Mailänder Bank kann wesentliche Strukturmaßnahmen wie einen Beherrschungsvertrag erst mit 75 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung durchsetzen, einen Ausschluss der übrigen Aktionäre erst ab 90 oder 95 Prozent. Unterhalb dieser Schwellen bleibt der Bund ein Mitspieler, ab einer UniCredit-Mehrheit im Aufsichtsrat aber kein Gegengewicht mehr.
Der Länderbericht nach Paragraf 26a des Kreditwesengesetzes zeigt, dass Steueroasen im Geschäftsmodell der Commerzbank kaum eine Rolle spielen. Im Jahr 2025 verbuchte die Bank in Deutschland einen Gewinn vor Steuern von 2.045 Millionen Euro und zahlte 709 Millionen Euro Ertragsteuern, eine Quote von rund 35 Prozent. Polen folgt mit 1.201 Millionen Euro Vorsteuergewinn und 355 Millionen Euro Steuern. In Luxemburg arbeiten nur 45 Vollzeitkräfte, der Vorsteuergewinn lag dort bei 33 Millionen Euro. In Großbritannien erzielte die Bank 486 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und erhielt trotzdem eine Steuergutschrift von 51 Millionen Euro. Die Commerzbank begründet die Gutschrift vor allem mit latenten Steuern und Effekten aus Vorjahren.
Politisch heikel ist auch die Lage in Polen. Die mBank zahlt dort Bankensteuer, zuletzt 184 Millionen Euro im Jahr. Die Rechtsprechung zu den Franken-Krediten kostete die Bank Milliarden. Für die UniCredit ist Polen neben Deutschland ein Kernmarkt der Commerzbank, laut „Finanz und Wirtschaft“ will die italienische Bank das Geschäft künftig auf diese beiden Länder konzentrieren. Die mBank ist damit zugleich Gewinnbringer und politisches Risiko.
- Bund: Gut 13 Prozent der Aktien, Bedingungen für Sitz, Börsennotiz und Mittelstand.
- UniCredit: Will laut FT den Aufsichtsrat komplett neu besetzen und die Chefin ablösen.
- Steuern: 709 Millionen Euro Ertragsteuern in Deutschland, keine nennenswerten Gewinne in Steueroasen.
Was könnte die Commerzbank zu Fall bringen?

Ein Zusammenbruch ist unwahrscheinlich, die harte Kernkapitalquote liegt bei 14,4 Prozent. Gefährlicher für das heutige Geschäftsmodell sind ein Umbau durch die UniCredit, der das Auslandsnetz für Firmenkunden zusammenstreicht, und eine Rezession mit steigenden Kreditausfällen.
Die Bank hat das Zinsrisiko weitgehend im Griff. In der Präsentation zum zweiten Quartal beziffert die Commerzbank den Effekt einer Bewegung des EZB-Einlagesatzes um 10 Basispunkte auf rund 60 Millionen Euro Zinsüberschuss über zwölf Monate. Rechnet man diese Angabe linear hoch, brächten die beiden Zinserhöhungen um zusammen 50 Basispunkte rund 300 Millionen Euro zusätzlichen Zinsüberschuss pro Jahr, vorausgesetzt, das Beta bleibt stabil. Sinken die Zinsen wieder, verliert die Bank in derselben Größenordnung. Die nächste Sitzung des EZB-Rats findet am 28. und 29. Oktober 2026 statt. Bedrohlich wäre erst ein Zinsschock über viele Jahre.
Steigende Zinsen haben eine Kehrseite, die in der Gewinn- und Verlustrechnung kaum auffällt. Das Replikationsportfolio und andere festverzinsliche Positionen verlieren an Marktwert, wenn das Zinsniveau steigt. Im Geschäftsbericht 2025 beziffert die Commerzbank den Barwertverlust bei einem parallelen Zinsanstieg nach Vorgabe der Aufsicht auf 3.886 Millionen Euro. Solange die Bank die Positionen bis zur Fälligkeit hält, schlägt dieser Verlust nicht auf das Ergebnis durch. Bei einem massiven Abzug von Einlagen müsste die Bank Papiere aber vorzeitig verkaufen und den Verlust realisieren. Wahrscheinlicher ist ein schleichender Abfluss an Direktbanken und Finanz-Apps, den die Bank nur mit höheren Zinsen bremsen kann: Jeder Prozentpunkt mehr Einlagen-Beta kostet rund 60 Millionen Euro Zinsüberschuss im Jahr.
Ähnliches gilt für den Zahlungsverkehr. Die Bank wickelt Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen ab, doch im Onlinehandel haben sich Zahlungsdienste wie PayPal zwischen Händler und Kunde geschoben. Für die Commerzbank bedeutet jede Zahlung, die über eine solche Plattform läuft, weniger Kontakt zum Kunden und weniger Wissen über dessen Zahlungsströme. Die eigentliche Bastion der Bank bleibt der grenzüberschreitende Firmenzahlungsverkehr.
Das größte strukturelle Risiko kommt aus dem eigenen Aktionärskreis. Laut Angebotsunterlage rechnet die UniCredit bei einem Umbau der Commerzbank mit Einsparungen von rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr, aber auch mit rund 0,65 Milliarden Euro weniger Erträgen, weil Nicht-Kerngeschäft und Teile des Auslandsnetzes wegfallen sollen. Die Commerzbank nennt den Plan einen „Restrukturierungsvorschlag“ nach dem Vorbild der HypoVereinsbank, die seit ihrer Übernahme durch die UniCredit im Jahr 2005 deutlich geschrumpft ist. Genau das Auslandsnetz aber begründet die Stellung der Bank im Mittelstand.
Hinzu kommen klassische Bankrisiken. Für 2026 erwartet die Commerzbank ein Risikoergebnis von rund minus 850 Millionen Euro, nach minus 722 Millionen Euro im Vorjahr. Die EZB rechnet für 2026 mit 0,9 Prozent Wachstum im Euroraum und 3,0 Prozent Inflation, eine Kombination, die Unternehmen mit hohen Schulden unter Druck setzt. In Polen standen Ende 2025 noch 823 Millionen Euro an Rückstellungen für Franken-Kredite in der Bilanz, eine Sammelklage läuft.
Für die kommenden fünf Jahre zeichnen sich drei realistische Szenarien ab. Im ersten bleibt die Commerzbank als börsennotierte Tochter der UniCredit weitgehend eigenständig und erreicht die Ziele aus „Momentum 2030“: eine Eigenkapitalrendite von rund 21 Prozent und 11,2 Milliarden Euro Zinsüberschuss. Im zweiten erreicht die UniCredit die 75-Prozent-Schwelle und verschmilzt die Commerzbank ab 2028 mit der HypoVereinsbank, mit Synergien von 1,1 Milliarden Euro und einem deutlichen Stellenabbau. Im dritten fallen die Zinsen in einer Rezession wieder, der Zinsüberschuss stagniert und die Risikovorsorge steigt, während der Umbau läuft.
- Zinsen: 10 Basispunkte EZB-Satz bewegen rund 60 Millionen Euro Zinsüberschuss.
- Einlagen: Ein Prozentpunkt höheres Beta kostet ebenfalls rund 60 Millionen Euro.
- Umbau: Die UniCredit rechnet durch den Rückzug aus Geschäftsfeldern mit 0,65 Milliarden Euro weniger Erträgen.
Was bedeutet die Commerzbank für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Verbraucher ändert sich kurzfristig wenig: Konten, Karten und Kredite laufen weiter. Unternehmer mit Auslandsgeschäft sollten die Übernahme dagegen genau beobachten, weil die UniCredit das Auslandsnetz der Commerzbank als Sparpotenzial ansieht.
Für Privatkunden ist die Übernahme zunächst eine Frage der Eigentümer, nicht des Kontos. Ein neuer Großaktionär ändert weder Kontonummer noch Vertragsbedingungen, über Preise entscheidet weiter der Vorstand der Commerzbank. Spürbarer als der Eigentümerwechsel ist der Dispozins: Mit 11,90 Prozent im Standardmodell liegt er hoch. Kunden, die regelmäßig ins Minus rutschen, fahren mit einem Ratenkredit in der Regel günstiger.
Zum 1. Januar 2027 startet das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, die Commerzbank will dafür ein eigenes Produkt anbieten. In einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Bank hielten 38 Prozent der Befragten zwischen 18 und 55 Jahren einen Abschluss für wahrscheinlich, unter den 18- bis 25-Jährigen sogar 47 Prozent. Für die Bank ist das Altersvorsorgedepot eine neue Provisionsquelle, für Kunden lohnt der Vergleich der laufenden Kosten mit Direktbanken und Fondsplattformen.
Für Unternehmer ist die Lage anspruchsvoller. Die Commerzbank ist für viele Mittelständler die Bank für Exportgeschäfte, Akkreditive und Währungsabsicherung. Klingbeil verlangte zwar, dass das Mittelstandsgeschäft „in Deutschland“ und international fortgeführt wird, verbindliche Zusagen der UniCredit stehen aber aus. Die italienische Bank will laut Angebotsunterlage Teile des Auslandsnetzes abbauen. Für einen Exporteur mit Tochtergesellschaften in drei Ländern kann der Abbau bedeuten, dass seine Ansprechpartner wechseln oder einzelne Standorte wegfallen.
Die kommenden zwölf Monate lassen sich in drei Szenarien fassen. Optimistisch: Die UniCredit gibt dem Bund verbindliche Zusagen, der EZB-Einlagesatz bleibt bei 2,50 Prozent und die Commerzbank erreicht ihr Ziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettoergebnis für 2026. Realistisch: Die EZB genehmigt die Kontrolle, der Aufsichtsrat wird Anfang 2027 neu besetzt und die Bank prüft ihr Auslandsnetz, ohne große Märkte aufzugeben. Pessimistisch: Die Konjunktur schwächelt, die Zinsen fallen, die Kreditausfälle steigen und die UniCredit beschleunigt den Stellenabbau in Deutschland.
Die folgende Liste ordnet die wichtigsten Handlungsempfehlungen nach Kundengruppe.
- Privatkunden: Guthaben über den Bedarf hinaus auf Tages- oder Festgeld verschieben, das Kontomodell an die eigene Nutzung anpassen und den Dispo nicht als Dauerkredit verwenden.
- Mittelständler mit Auslandsgeschäft: Eine zweite Bankverbindung für Zahlungsverkehr und Garantien aufbauen, Kreditlinien und Laufzeiten jetzt sichern und nach Zusagen für die Betreuung im Ausland fragen.
- Wettbewerber und Partner: Die Integration mit der HypoVereinsbank als Chance begreifen, enttäuschte Firmenkunden und erfahrene Berater abzuwerben.
Unser Fazit: Die Commerzbank verdient ihr Geld solider als je seit der Finanzkrise. Den Ausschlag gibt weniger Geschick bei der Zinsprognose als eine kluge Absicherung, die die Erträge über Jahre festschreibt. Der Zinsumbruch bringt der Bank mehrere Hundert Millionen Euro zusätzlich. Ob diese Gewinne künftig in Frankfurt oder in Mailand verteilt werden, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Für den deutschen Mittelstand wäre eine Commerzbank, die als Exportbank erhalten bleibt, wichtiger als jede Zusage zum Firmensitz.
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell der Commerzbank

Aufwandsquote
Die Aufwandsquote (Cost-Income-Ratio) setzt die Kosten einer Bank ins Verhältnis zu ihren Erträgen. Ein niedriger Wert steht für effizientes Arbeiten. Die Commerzbank kam 2025 einschließlich Pflichtbeiträgen auf 57,0 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 auf 53 Prozent. Bis 2030 will der Vorstand die Quote auf 43 Prozent senken.
Einlagen-Beta
Das Einlagen-Beta gibt an, welchen Anteil einer Leitzinsänderung eine Bank im Durchschnitt aller Einlagen an ihre Kunden weitergibt. Ein Beta von 41 Prozent bedeutet: Von einem EZB-Satz von 2,50 Prozent kommen rechnerisch gut 1 Prozent bei den Einlegern an. Je niedriger das Beta, desto höher die Einlagenmarge.
Fair-Value-Ergebnis
Das Fair-Value-Ergebnis erfasst Gewinne und Verluste aus Finanzinstrumenten, die eine Bank zum aktuellen Marktwert bilanziert, etwa Derivate und Handelsbestände. Bei Investmentbanken ist der Posten groß, bei der Commerzbank spielt er im Konzern kaum eine Rolle. Im Firmenkundengeschäft stammt er vor allem aus Absicherungsgeschäften für Kunden.
Harte Kernkapitalquote
Die harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) misst das Eigenkapital höchster Qualität im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva. Die Kennzahl zeigt, wie hohe Verluste eine Bank aus eigener Kraft auffangen kann. Die Commerzbank lag Mitte 2026 bei 14,4 Prozent und schüttet den gesamten Gewinn aus, bis die Quote auf 13,5 Prozent sinkt.
Länderbezogene Berichterstattung
Die länderbezogene Berichterstattung verpflichtet Banken in der EU, Umsatz, Gewinn, Steuern und Beschäftigte für jedes Land offenzulegen. In Deutschland regelt Paragraf 26a des Kreditwesengesetzes diese Pflicht. Die Daten zeigen, wo ein Konzern seine Gewinne verbucht und wo er Steuern zahlt.
Pflichtangebot
Ein Pflichtangebot an alle Aktionäre muss ein Investor nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz abgeben, sobald er die Kontrolle über eine börsennotierte Gesellschaft erlangt, also mindestens 30 Prozent der Stimmrechte. Ein Käufer, der die Schwelle über ein freiwilliges Übernahmeangebot überschreitet, ist davon befreit. Die UniCredit nutzte diesen Weg 2026 mit ihrem Umtauschangebot.
Provisionsüberschuss
Der Provisionsüberschuss ist die Differenz zwischen eingenommenen und gezahlten Gebühren einer Bank. Dazu zählen Kontoführung, Wertpapiergeschäft, Zahlungsverkehr und Auslandsgeschäft. Die Commerzbank erzielte 2025 einen Provisionsüberschuss von 4,0 Milliarden Euro, ein Drittel ihrer Erträge.
Rendite auf das materielle Eigenkapital
Die Rendite auf das materielle Eigenkapital (Return on Tangible Equity, RoTE) setzt den Gewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital ohne Firmenwerte. Analysten vergleichen Banken bevorzugt mit dieser Kennzahl. Die Commerzbank kam im ersten Halbjahr 2026 auf 12,6 Prozent und will 2030 rund 21 Prozent erreichen.
Replikationsportfolio
Ein Replikationsportfolio bildet Kundeneinlagen ohne feste Laufzeit so ab, als wären die Guthaben langfristig gebunden. Die Bank legt den stabilen Sockel der Einlagen in gestaffelten Zinsgeschäften an und verdient an der Laufzeit. Bei der Commerzbank umfasst das Portfolio 179 Milliarden Euro mit einer Durchschnittsrendite von 1,33 Prozent.
Risikoergebnis
Das Risikoergebnis zeigt, wie viel Geld eine Bank für erwartete und eingetretene Kreditausfälle zurücklegt. Der Betrag mindert den Gewinn, bevor ein Kredit tatsächlich ausfällt. Die Commerzbank verbuchte 2025 ein Risikoergebnis von minus 722 Millionen Euro und erwartet für 2026 rund minus 850 Millionen Euro.
Stille Einlage
Eine stille Einlage ist Kapital, das ein Geldgeber einem Unternehmen überlässt, ohne Stimmrechte zu erhalten. Der Geber bekommt dafür eine feste Vergütung. Der Bankenrettungsfonds SoFFin stützte die Commerzbank 2008 mit einer stillen Einlage von 8,2 Milliarden Euro, die Bank zahlte den Großteil 2011 zurück.
Umtauschangebot
Bei einem Umtauschangebot bietet ein Käufer den Aktionären eines Unternehmens eigene Aktien statt Bargeld an. Die UniCredit bot 2026 je Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien. Der Wert schwankt mit beiden Kursen, beim Start der Annahmefrist lag er unter dem Börsenkurs der Commerzbank.
Zinsüberschuss
Der Zinsüberschuss ist die Differenz zwischen den Zinsen, die eine Bank aus Krediten und Wertpapieren einnimmt, und den Zinsen, die das Institut für Einlagen und eigene Anleihen zahlt. Bei der Commerzbank lag er 2025 bei 8,2 Milliarden Euro, gut zwei Drittel der Erträge.
FAQ: Wie verdient die Commerzbank im Zinsumbruch?

Übernimmt die UniCredit die Commerzbank?
Die UniCredit hält nach ihrem Umtauschangebot 47,59 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte. Wirksam wird die Kontrolle nach den Freigaben von EZB und Kartellbehörden, die spätestens bis Juni 2027 vorliegen müssen. Für eine Verschmelzung mit der HypoVereinsbank bräuchte die UniCredit 75 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung.
Was kostet ein Girokonto bei der Commerzbank?
Das digitale GiroKonto kostet 4,90 Euro im Monat, ab 50.000 Euro Vermögenswerten bei der Bank nichts. Das KlassikKonto kostet 9,90 Euro, das PremiumKonto 12,90 Euro. Bis 27 Jahre ist das StartKonto kostenlos. Der Dispozins liegt je nach Modell zwischen 8,90 und 11,90 Prozent.
Gehört comdirect zur Commerzbank?
Ja. Die Commerzbank übernahm die Direktbank comdirect im Jahr 2020 vollständig. Die frühere onvista bank stellte den Geschäftsbetrieb im vierten Quartal 2025 ein, Depots und Guthaben gingen an comdirect. Seitdem tritt der Konzern im Privatkundengeschäft in Deutschland mit den Marken Commerzbank und comdirect auf.
Wie viele Commerzbank-Aktien hält der Bund noch?
Laut dpa hielt der Bund Ende September 2026 gut 13 Prozent der Aktien und ist damit zweitgrößter Aktionär. Die Commerzbank selbst gibt mehr als 10 Prozent an. Der Anteil steigt rechnerisch, weil die Bank zurückgekaufte Aktien einzieht.
Hat die Commerzbank die Staatshilfe zurückgezahlt?
Zum großen Teil. Im Jahr 2011 zahlte die Bank 14,3 der 16,2 Milliarden Euro stiller Einlagen zurück. Die Aktien aus der Kapitalhilfe von 2009 hält der Bund teilweise bis heute. Einen Teil verkaufte er im September 2024 zu 13,20 Euro je Aktie an die UniCredit.
Was ist die mBank?
Die mBank ist die polnische Tochter der Commerzbank mit rund 6 Millionen Kunden. 2025 erzielte die Tochter ein operatives Ergebnis von 1.050 Millionen Euro, fast ein Viertel des operativen Konzernergebnisses. Über Jahre belasteten Rechtsstreitigkeiten um Hypotheken in Schweizer Franken und die polnische Bankensteuer das Ergebnis der mBank.
Quellen
Commerzbank | Geschäftsbericht 2025 (Konzern, englische Fassung, bereitgestellt von UniCredit) | https://www.unicreditgroup.eu/content/dam/unicreditgroup-eu/documents/en/investors/unicredit-unlimited-next-phase/copy-of-the-english-translation-of-the-german-language-version-of-the-commerzbank-group-annual-report-2025.pdf | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Bilanzpressekonferenz für 2025 (11.02.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/bilanzpressekonferenz-fuer-2025.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Commerzbank erzielt Rekordergebnis im ersten Halbjahr (06.08.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/commerzbank-erzielt-rekordergebnis.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Analystenpräsentation Q2 2026 | https://investor-relations.commerzbank.com/media/document/60e68976-2294-4444-a563-51e99536484d/assets/2026_Q2_Analyst_Presentation.pdf | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Commerzbank startet weiteren Aktienrückkauf (03.09.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/aktienrueckkauf-sept-2026.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Studie zum Altersvorsorgedepot (01.10.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/altersvorsorgedepot.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Starkes erstes Quartal und Momentum 2030 (08.05.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/commerzbank-liefert-starkes-erstes-quartal.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Ergebnis 2024 und Strategie Momentum (13.02.2025) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/ergebnis-2024-und-strategie-upgrade.html | besucht am 07.10.2026
Deutsche Bundesbank | Monatsbericht September 2026: Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2025 | https://publikationen.bundesbank.de/publikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-september-2026-1007720?article=die-ertragslage-der-deutschen-kreditinstitute-im-jahr-2025-1007704 | besucht am 07.10.2026
Europäische Zentralbank | Geldpolitische Beschlüsse (10.09.2026) | https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260910~314e508016.de.html | besucht am 07.10.2026
Europäische Zentralbank | Monetary policy decisions (11.06.2026) | https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260611~4d41bd5e83.en.html | besucht am 07.10.2026
Europäische Zentralbank | Zinssatz der Einlagefazilität, Zeitreihe | https://data-api.ecb.europa.eu/service/data/FM/B.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV?startPeriod=2019-01-01&format=csvdata | besucht am 07.10.2026
Europäische Zentralbank | Sitzungskalender des EZB-Rats | https://www.ecb.europa.eu/press/calendars/mgcgc/html/index.en.html | besucht am 07.10.2026
Handelsblatt | Commerzbank: Klingbeil übermittelt Unicredit-Chef Forderungskatalog (14.09.2026) | https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/commerzbank-klingbeil-uebermittelt-unicredit-chef-forderungskatalog/100253185.html | besucht am 07.10.2026
Tagesspiegel/dpa | Kreise: Bund will schnelle Zusagen von Orcel bei Commerzbank (29.09.2026) | https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/dpa-ubernahmeringen-kreise-bund-will-schnelle-zusagen-von-orcel-bei-commerzbank-16107711.html | besucht am 07.10.2026
t-online/dpa | Kreise: Bund will schnelle Zusagen von Orcel bei Commerzbank (29.09.2026) | https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/id_101458380/kreise-bund-will-schnelle-zusagen-von-orcel-bei-commerzbank.html | besucht am 07.10.2026
finanznachrichten.de/dts | Unicredit soll Michael Diederich als Commerzbank-Chef prüfen (01.10.2026) | https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-10/69727087-unicredit-soll-michael-diederich-als-commerzbank-chef-pruefen-003.htm | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Interview mit Bettina Orlopp, Finanz und Wirtschaft (25.09.2026) | https://www.commerzbank.de/group/what-drives-us/commerzbank-as-a-company/20260925-fuw-interview-orlopp-more-value-shareholders.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Interview mit Michael Kotzbauer, F.A.S. (29.08.2026) | https://www.commerzbank.de/group/what-drives-us/commerzbank-as-a-company/article-2.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | FAQ zur Position gegenüber UniCredit | https://www.commerzbank.de/konzern/was-uns-bewegt/commerzbank-als-unternehmen/2026-unicredit-position-faq.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Faktenblatt August 2026 | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/publikationen/commerzbank-faktenblatt.pdf | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Annahmefrist des UniCredit-Angebots beendet (08.07.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/ergebnis-uebernahmeangebot-unicredit.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Angebotsunterlage der UniCredit veröffentlicht | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/angebotsunterlage.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Begründete Stellungnahme zum Umtauschangebot | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/begruendete-stellungnahme-umtauschangebot-unicredit.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Commerzbank weist feindliches Vorgehen zurück (20.04.2026) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/20260420-commerzbank-weist-feindliches-vorgehen-zurueck.html | besucht am 07.10.2026
UniCredit | Final Results of Tender Offer (08.07.2026) | https://www.unicreditgroup.eu/en/press-media/press-releases/2026/july/unicredit-announces-final-results-of-tender-offer.html | besucht am 07.10.2026
UniCredit | Angebotsunterlage vom 5. Mai 2026 | https://www.unicreditgroup.eu/content/dam/unicreditgroup-eu/documents/de/investors/unicredit-unlimited-next-phase/Angebotsunterlage-vom-5.-Mai-2026-einschliesslich-Befreiungsdokument.pdf | besucht am 07.10.2026
UniCredit | Exchange offer for Commerzbank (16.03.2026) | https://www.unicreditgroup.eu/content/dam/unicreditgroup-eu/documents/en/press-and-media/price-sensitive/2026/march/PR-UniCredit-exchange-offer-Commerzbank-_16032026.pdf | besucht am 07.10.2026
UniCredit | Pressemitteilung zum Commerzbank-Anteil (11.09.2024) | https://www.unicreditgroup.eu/en/press-media/press-releases-price-sensitive/2024/september/press-release.html | besucht am 07.10.2026
finanznachrichten.de/Dow Jones | Bund verkauft 53 Mio Commerzbank-Aktien zu 13,20 Euro an Unicredit (11.09.2024) | https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2024-09/63227946-bund-verkauft-53-mio-commerzbank-aktien-zu-13-20-euro-an-unicredit-015.htm | besucht am 07.10.2026
ver.di | Commerzbank: ver.di und Betriebsrat sichern Beschäftigung (16.06.2026) | https://www.verdi.de/nachrichten/commerzbank-verdi-und-betriebsrat-sichern-beschaeftigung | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Geschichte | https://www.commerzbank.de/konzern/wer-wir-sind/geschichte/ | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Zahlen und Fakten | https://www.commerzbank.de/konzern/wer-wir-sind/zahlen-fakten/ | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Umsetzung der Strategie 2024, Ergebnis 2020 (11.02.2021) | https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/umsetzung-strategie2024.html | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Girokonto eröffnen, Kontomodelle | https://www.commerzbank.de/privatkunden/girokonten/girokonto-eroeffnen/ | besucht am 07.10.2026
Commerzbank | Dispokredit | https://www.commerzbank.de/privatkunden/kredite/dispokredit/ | besucht am 07.10.2026
onvista bank | Startseite mit Hinweis zur Einstellung des Geschäftsbetriebs | https://www.onvista-bank.de/ | besucht am 07.10.2026
