OpenAI-Chef Sam Altman hält Hacks, Betrug und Missbrauch für einen Preis, den die Welt für den Nutzen künstlicher Intelligenz zahlen sollte. Im selben Politico-Interview verlangt der Unternehmer neue Haftungsregeln für Modelle, die im Training eigenständig angreifen. In der EU haften Hersteller für fehlerhafte Software und KI-Systeme ab dem 9. Dezember 2026 ohne Verschulden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZum Start des neuen Politico-Podcasts Decoded erklärte Sam Altman, wie viel Schaden OpenAI für vertretbar hält. „Wir glauben, dass die Welt akzeptieren sollte, dass einige schlechte Dinge passieren, für die Vorteile dieser Technologie und dafür, dass Menschen selbst handeln können“, sagte der OpenAI-Chef.[1] Mit dem Satz grenzte Altman sein Unternehmen vom Rivalen Anthropic ab, der seit September ein langsameres Entwicklungstempo verlangt. Für europäische Unternehmen regelt allerdings das Haftungsrecht, wer am Ende für solche Schäden zahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Altman sagte Politico, die Welt solle Hacks, Betrug und andere Schäden für den Nutzen von KI hinnehmen, und sieht darin einen Unterschied zu Anthropic.
- Im selben Gespräch forderte der OpenAI-Chef einen neuen Haftungsrahmen für Modelle, die eigenständig Cyberangriffe ausführen können.
- Laut dem Branchendienst State Affairs wollen OpenAI und Altman die Klage Floridas abweisen lassen, eine Entscheidung steht aus.
- In der EU haften Hersteller ab dem 9. Dezember 2026 auch für fehlerhafte Software und KI-Systeme, OpenAI hat zudem den EU-Verhaltenskodex für KI-Modelle unterzeichnet.
Was hat Altman im Politico-Interview gesagt?

Das Gespräch führte Politico-Reporter Brendan Bordelon. Auf die Frage nach dem Unterschied zu Anthropic antwortete Altman, zwischen beiden Laboren liege „viel Abstand“. Die Schäden verband der OpenAI-Chef ausdrücklich mit dem „leichteren regulatorischen Ansatz, für den wir eintreten“. Einen Tausch, der schwere Hacks, Missbrauch und Betrug ausschließt, lehnte Altman ab und begründete das so: „Ich glaube, dass die Menschen um Größenordnungen mehr Gutes tun werden.“[1]
Bei Modellen, die selbstständig angreifen, zog Altman dagegen eine Grenze. Den Angriff von OpenAI-Testmodellen auf die Plattform Hugging Face im Juli und die Vorfälle auf Regierungswebsites nannte der Unternehmer „eindeutig inakzeptabel“. Über einen neuen Haftungsrahmen sollen nach seinem Wunsch die Gesetzgeber debattieren: „Falls bei unseren Modellen im Training etwas schiefgeht, wird es eine Form davon geben, für die wir verantwortlich sein müssen.“ Das KI-Abkommen des Weißen Hauses nannte Altman einen großartigen Anfang, weitergehende Regeln seien ihm willkommen.[1]
An die Beschleuniger im Silicon Valley richtete Altman eine Mahnung. Mit Blick auf einen möglichen Kontrollverlust über KI sagte der Unternehmer: „Lasst uns ein wenig umsichtig sein, bevor wir in diese Zukunft stolpern.“ Mehr Geld für politische Kampagnen werde die Skepsis gegenüber KI nicht verringern, viele in der Branche zeigten sich „ziemlich unsensibel“ gegenüber den tatsächlichen Sorgen.[1]
Warum grenzt sich Altman gerade jetzt von Anthropic ab?
Im Hintergrund steht der geplante Börsengang. Ende September hatte Altman den Gang an die Börse an Sicherheitsnachweise gekoppelt, ein Datum nannte der Unternehmer nicht. Das abgesprochene Tempolimit, das Anthropic-Chef Dario Amodei im September vorschlug, passt schlecht zu einer Wachstumsgeschichte für Anleger. Wie viel Kapital OpenAI verbraucht, zeigt die Analyse zum Geschäftsmodell von OpenAI.
Der Kurswechsel folgt einem Muster. Im Mai 2023 schlug Altman im US-Senat noch eine staatliche Lizenzbehörde für die stärksten KI-Modelle vor. Heute stellt der OpenAI-Chef sein Unternehmen zwischen Anthropic und die Gegner jeder Regulierung. Anthropics Kurs stößt auch bei anderen Branchengrößen auf Widerspruch: Investor Peter Thiel lehnt jede KI-Pause ab, Metas früherer KI-Forschungschef Yann LeCun hält Amodeis Warnungen für ein Manöver gegen offene Modelle.
Rechtlich steht OpenAI unter Druck. Die US-Handelsbehörde FTC ermittelt wegen entwichener KI-Agenten, und Florida verlangt vor Gericht externe Freigaben für neue Modelle. Gouverneur Ron DeSantis wies Altmans Satz laut Guardian zurück: Eine Handvoll Tech-Oligarchen dürfe nicht für alle über die Sicherheit entscheiden. OpenAI und Altman beantragen laut State Affairs, die Klage des Bundesstaats abzuweisen; das zuständige Gericht in Highlands County hat darüber noch nicht entschieden.
- Mai 2023
Altman schlägt im US-Senat eine Lizenzbehörde für starke KI-Modelle vor.
- 1. Juni 2026
Florida verklagt OpenAI und Altman persönlich.
- Juli 2026
OpenAI-Testmodelle greifen die Plattform Hugging Face an.
- 2. Aug. 2026
Die EU-Kommission darf Anbieter von KI-Modellen mit Bußgeldern belegen.
- 29. Sept. 2026
Chefs großer KI-Labore unterzeichnen das freiwillige KI-Abkommen des Weißen Hauses.
- 4. Okt. 2026
Altman im Politico-Interview: „einige schlechte Dinge“ hinnehmen.
- 6. Okt. 2026
Laut State Affairs beantragen OpenAI und Altman, Floridas Klage abzuweisen.
- 9. Dez. 2026
Frist für die neue Produkthaftung in allen EU-Staaten.
Altman kalkuliert Schäden ein und verlangt im selben Atemzug Haftungsregeln. In Europa stehen diese Regeln ab Dezember im Gesetz, ein Interview ändert daran nichts.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeuten Altmans „schlechte Dinge“ für Unternehmen in der EU?
In der EU entscheidet über Schäden durch KI das Haftungsrecht, keine Abwägung des Anbieters. Die neue Produkthaftungsrichtlinie zählt Software ausdrücklich zu den Produkten, KI-Systeme eingeschlossen. Hersteller haften für fehlerhafte Produkte ohne Verschulden, Ersatz bekommen natürliche Personen etwa für Gesundheitsschäden, beschädigtes Eigentum oder vernichtete private Daten.[2] Bis zum 9. Dezember 2026 müssen die Mitgliedstaaten die Vorgaben umsetzen, den deutschen Entwurf beriet der Bundestag im März in erster Lesung.[3]
Für die Modelle selbst gilt die KI-Verordnung. Anbieter besonders leistungsfähiger Modelle müssen schwerwiegende Vorfälle an das KI-Büro der EU-Kommission melden. Seit dem 2. August 2026 kann die Kommission Bußgelder von bis zu 3 % des weltweiten Jahresumsatzes oder 15 Mio. € verhängen, je nachdem, welcher Betrag höher ist.[4] OpenAI hat den freiwilligen Verhaltenskodex unterzeichnet, mit dem Anbieter diese Pflichten belegen können.[5]
Unternehmen, die OpenAI-Modelle in eigene Produkte einbauen, stehen als Hersteller des Endprodukts selbst in der Haftung. Zwei Schritte lohnen sich vor dem Stichtag:
- Verträge mit KI-Anbietern auf Freistellungs- und Regressklauseln prüfen, bevor die neuen Regeln für ab dem 9. Dezember in Verkehr gebrachte Produkte greifen.
- Rechte von KI-Agenten auf eigenen Systemen eng begrenzen und jeden Vorfall protokollieren, damit sich ein Schaden später einem Modell zuordnen lässt.
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FAQ: Altman: Die Welt soll für KI „einige schlechte Dinge“ hinnehmen
Was hat Sam Altman über die Risiken von KI gesagt?
Im Politico-Podcast Decoded sagte der OpenAI-Chef Anfang Oktober 2026, die Welt solle einige schlechte Dinge wie Hacks, Missbrauch und Betrug für die Vorteile der Technologie hinnehmen. Die Menschen würden um Größenordnungen mehr Gutes als Schlechtes damit tun.
Worin unterscheidet sich OpenAI laut Altman von Anthropic?
Altman sieht viel Abstand zwischen beiden Laboren. OpenAI tritt für eine leichtere Regulierung ein und nimmt dafür kleinere Schäden in Kauf. Anthropic-Chef Dario Amodei verlangte im September dagegen ein langsameres Entwicklungstempo.
Will Altman für Schäden durch KI haften?
Teilweise. Für Modelle, die im Training eigenständig angreifen, wünscht sich Altman einen neuen Haftungsrahmen und sagte, OpenAI müsse für eine Form solcher Vorfälle verantwortlich sein. Konkrete Regeln nannte der OpenAI-Chef nicht, die Debatte sollen die US-Gesetzgeber führen.
Wie haften Hersteller in der EU für Schäden durch KI-Software?
Nach der Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853 haften Hersteller für fehlerhafte Software und KI-Systeme ohne Verschulden. Die Regeln gelten für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr kommen. Auch Firmen, die KI-Modelle in eigene Produkte einbauen, gelten als Hersteller.
Quellen
[1] Politico (Brendan Bordelon): „‚Clearly not working‘: Sam Altman hits AI industry over political spending“, 5. Oktober 2026, sowie das Interview im Podcast Decoded, 4. Oktober 2026
[2] EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2024/2853 über die Haftung für fehlerhafte Produkte, 23. Oktober 2024
[3] Deutscher Bundestag: „Erste Lesung zur Modernisierung des Produkthaftungsrechts“ (Drucksache 21/4297), 4. März 2026
[4] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 55 und 101
[5] EU-Kommission: Verhaltenskodex für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck, Liste der Unterzeichner, abgerufen am 7. Oktober 2026
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