Beim Verbrenner-Aus für 2035 gibt Frankreich seinen Widerstand im Rat der EU auf. Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron haben sich nach Berichten von Handelsblatt sowie Frankfurter Allgemeiner Zeitung auf eine Linie geeinigt: Paris trägt eine stärkere Lockerung der CO2-Flottengrenzwerte mit, Berlin akzeptiert dafür strengere Made-in-EU-Regeln für Elektroautos.

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Mit dem Tausch geht die deutsch-französische Position über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus. Brüssel hatte im Dezember 2025 für Neuwagen eine Minderung um 90 Prozent gegenüber 2021 vorgeschlagen, den Rest sollen Hersteller über grünen Stahl aus der EU, E-Fuels oder Biokraftstoffe ausgleichen.[2] Nach Informationen des Handelsblatts, das sich auf drei Insider beruft, soll das Ziel um weitere zehn Prozentpunkte sinken, ohne Pflicht zum Ausgleich.[1] Rechnerisch bliebe eine Minderung von mindestens 80 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland und Frankreich wollen nach Berichten von Handelsblatt sowie FAZ das CO2-Ziel für Neuwagen 2035 auf eine Minderung von mindestens 80 Prozent absenken.
  • Die EU-Kommission hatte 90 Prozent vorgeschlagen, das geltende Recht verlangt 100 Prozent.
  • Im Gegenzug unterstützt die Bundesregierung strengere Herkunftsregeln für geförderte Elektroautos.
  • Ein gemeinsames Positionspapier wollen beide Regierungen vor dem EU-Gipfel am 15. und 16. Oktober vorlegen.

Was haben Merz und Macron vereinbart?

Zapfpistole und E-Ladekabel, verbunden durch orange Schleife mit
Frankreich führt Gruppe von sieben EU-Staaten an, die stärkere Aufweichung ablehnen und Sperrminorität bilden

Nach Darstellung der FAZ führte Frankreich bislang eine Gruppe von sieben Staaten an, darunter Spanien und die Niederlande, die eine stärkere Aufweichung ablehnte. Diese Gruppe reichte im Rat für eine Sperrminorität. Ein Beschluss braucht dort 15 Staaten, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung vertreten; blockieren können mindestens vier Staaten mit mehr als 35 Prozent.[4] Ohne Frankreich, das allein rund 15 Prozent der Bevölkerung stellt, dürfte den übrigen Gegnern dieses Gewicht fehlen.

Den Preis zahlt Berlin in der Industriepolitik. Die Bundesregierung wollte laut FAZ Zulieferer aus Partnerländern wie Großbritannien oder Kanada bei den Herkunftsregeln den Firmen aus der EU gleichstellen. Der geplante Industrial Accelerator Act knüpft Kaufprämien, Steuervorteile, Vorgaben für Firmenflotten und öffentliche Aufträge an Elektroautos, die in der EU montiert sind und Batteriezellen aus der EU enthalten. Nach einer Studie im Auftrag der Hersteller könnten 2028 rund drei Millionen E-Autos die Made-in-EU-Regel verfehlen, weil Zellen fehlen. Die Umweltorganisation T&E hält die Produktion der EU-Zellwerke dagegen für ausreichend.

Wie viele Verbrenner bleiben bei 80 Prozent erlaubt?

Die EU misst den Flottenschnitt in Gramm CO2 je Kilometer. Für 2025 bis 2029 gelten 93,6 Gramm, ein Minus von 15 Prozent gegenüber 2021. Ab 2030 sind 49,5 Gramm vorgeschrieben, ab 2035 null.[3] Aus diesen Werten ergibt sich für 2021 ein Ausgangswert von rund 110 Gramm. Das Kommissionsziel entspricht damit etwa 11 Gramm, eine Minderung um 80 Prozent etwa 22 Gramm.

Die Verdopplung des Restbudgets wirkt direkt auf den Modellmix. Ein Hersteller, dessen Verbrenner im Schnitt auf dem Niveau von 2021 liegen, könnte bei 11 Gramm rechnerisch jedes zehnte Auto mit Verbrennungsmotor verkaufen, bei 22 Gramm jedes fünfte. Plug-in-Hybride mit niedrigem Normwert erhöhen diesen Anteil weiter. Zusätzlich soll laut FAZ das Ziel für 2030 nicht mehr in einem einzelnen Jahr gelten, sondern im Schnitt der Jahre 2028 bis 2032.

Wie viel CO2 Neuwagen 2035 noch ausstoßen dürfen
Flottengrenzwert für neue Pkw im EU-Schnitt, Gramm CO2 je Kilometer
93,6 g
gelten von 2025 bis 2029, 15 % weniger als 2021
0 g
verlangt das geltende Recht ab 2035, das bisherige Verbrenner-Aus
rund 11 g
blieben nach dem Vorschlag der EU-Kommission, Hersteller müssen den Rest ausgleichen
rund 22 g
blieben bei 80 % Minderung, jedes fünfte Auto dürfte rechnerisch ein Verbrenner sein

Was ändert der Kurswechsel für Hersteller und Fuhrparks?

Deutsche Hersteller gewinnen Spielraum für Hybride und Verbrenner. Hybridautos verkaufen sich weltweit schon heute besser als reine E-Autos. Sinkt der Druck auf die Flottenziele, verlieren zugleich die CO2-Gutschriften an Wert, die Elektro-Hersteller an Nachzügler verkaufen. XPeng etwa nahm über diesen Handel mehr als 130 Millionen Euro von Porsche ein.

Berlin erkauft dem Verbrenner Spielraum und bezahlt mit Herkunftsregeln, die geförderte E-Autos verteuern.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Beschlossen ist noch nichts. Im Europaparlament vertagte der Verkehrsausschuss die Abstimmung über das Auto-Paket auf Mitte Oktober, das Plenum folgt im November. Fuhrparkleiter mit Bestellungen ab 2027 sollten trotzdem prüfen, ob ihre Modelle die geplanten Made-in-EU-Kriterien erfüllen, denn Förderung und öffentliche Aufträge sollen daran hängen. Einen Überblick über die aktuelle E-Auto-Förderung bietet Dr. Web ebenso wie eine Einordnung zum Wertverlust von Elektroautos.

Quellen

[1] Handelsblatt: „EU: Deutschland und Frankreich wollen das Verbrenner-Aus weiter lockern“ (7. Oktober 2026)

[2] EU-Kommission: „Automotive package“ (16. Dezember 2025)

[3] EU-Kommission: „CO2-Emissionsnormen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge“ (abgerufen am 7. Oktober 2026)

[4] Rat der EU: „Qualifizierte Mehrheit“ (abgerufen am 7. Oktober 2026)

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