XPeng verdient an Europas CO2-Vorgaben mit: Porsche und weitere Autobauer zahlen dem chinesischen Elektroautohersteller für Emissionsgutschriften nach Schätzung von XPeng insgesamt über eine Milliarde Yuan, rund 131 Millionen Euro. Ein zusätzliches Auto muss XPeng dafür nicht bauen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 65 Millionen Euro aus dem Handel mit CO2-Gutschriften erwartet XPeng allein im laufenden Jahr. Die Zahlen veröffentlichte die Wirtschaftszeitung Yicai am 29. September.[1] Ein Vizepräsident des Herstellers bestätigte die Angaben gegenüber der Securities Times.[2] Die Verträge betreffen die Flottenvorgaben der EU, Großbritanniens und Australiens.
Das Wichtigste in Kürze
- XPeng schätzt die Einnahmen aus allen Verträgen über CO2-Gutschriften auf mehr als eine Milliarde Yuan, rund 131 Millionen Euro.
- Rund 65 Millionen Euro davon fließen im Jahr 2026.
- Käufer sind Porsche und weitere internationale Hersteller, die ohne den Zukauf ihre Flottenziele in der EU, in Großbritannien und in Australien verfehlen würden.
- Tesla nahm mit demselben Geschäft 2025 rund 1,75 Milliarden Euro ein.
Wofür bezahlen Porsche und andere Hersteller den Konkurrenten XPeng?

Der Flottenschnitt entscheidet in der EU über Strafzahlungen. Brüssel misst den CO2-Ausstoß über alle Neuwagen eines Herstellers. Das Ziel liegt im Schnitt bei 93,6 Gramm je Kilometer. Jedes Gramm darüber kostet 95 Euro je verkauftem Auto. Artikel 6 der Verordnung 2019/631 erlaubt Herstellern, ihre Flotten in einem gemeinsamen Pool zu verrechnen.[3] Porsche verließ deshalb Anfang August den Emissionspool von Volkswagen und tat sich mit XPeng zusammen. Die reinen Elektroautos von XPeng zählen mit null Gramm und drücken den gemeinsamen Schnitt unter die Marke.
Großbritannien setzt auf eine Elektroquote. Im Jahr 2026 müssen 33 Prozent der neu verkauften Pkw rein elektrisch fahren. Hersteller unter der Quote kaufen Zertifikate von Konkurrenten oder zahlen 12.000 Pfund je fehlendem Elektroauto, rund 14.000 Euro.[4] Australien führte 2025 eine Effizienznorm ein, deren Guthaben sich ebenfalls unter Herstellern handeln lassen. XPeng verkauft in allen drei Märkten vor allem reine Elektroautos und sammelt daher mit jedem exportierten Stromer überschüssige Gutschriften ein.
Kopiert XPeng das Geschäftsmodell von Tesla?
Tesla machte den Verkauf von Gutschriften zum Milliardengeschäft. Im Jahr 2025 nahm der US-Konzern damit 1,993 Milliarden Dollar ein, rund 1,75 Milliarden Euro und 28 Prozent weniger als im Vorjahr.[5] Das Geschäft von XPeng wächst mit dem Export: Im zweiten Quartal verkaufte der Hersteller erstmals mehr als 20.000 Autos im Ausland, ein Plus von 81 Prozent.[2]
Die Verluste machen den Nebenerlös wertvoll. Im ersten Halbjahr 2026 wies XPeng einen Nettoverlust von 3,12 Milliarden Yuan aus, rund 409 Millionen Euro. Die für 2026 erwarteten 65 Millionen Euro aus den Gutschriften entsprechen einem Sechstel dieses Halbjahresverlusts. Anders als beim Autoverkauf fallen dafür weder Material- noch Fertigungskosten an. Laut dem Portal 36Kr Auto legt XPeng zudem seine vier Produktlinien zu zwei zusammen, um die Entwicklungskosten zu senken.
Europas Grenzwerte sollen sauberere Autos erzwingen. Porsche erfüllt die Vorgaben per Überweisung nach China und XPeng deckt damit einen Teil seiner Verluste.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Handel für Europas Autobauer und Flottenkunden?
Ein Widerspruch zieht sich durch die europäische Autopolitik. Auf Elektroautos von XPeng aus China erhebt die EU zusammen mit dem regulären Einfuhrzoll 30,7 Prozent. Gleichzeitig überweist Porsche demselben Unternehmen Geld, damit die eigenen Verbrenner in Brüssel keine Strafe auslösen. Die Kommission drängt zudem London, die Zölle auf chinesische E-Autos anzuheben.
Für Fuhrparkleiter ändert der Pool-Handel die Preisrechnung. Die EU erlaubt den Herstellern, die CO2-Werte der Jahre 2025 bis 2027 zu mitteln, deshalb rechnen Hersteller wie Volkswagen mit Elektromodellen statt mit Bußgeldern. Die Kosten für zugekaufte Gutschriften dürften am Ende im Preis der Verbrenner landen. Bei Elektroautos haben Käufer dagegen Spielraum für Rabatte, weil die Hersteller jeden verkauften Stromer für ihren Flottenschnitt brauchen. Einkäufer von Dienstwagen verhandeln bis Ende 2027 deshalb am besten hart über Nachlässe auf Elektromodelle und setzen den Wertverlust von Elektroautos konservativ an.
Wie viel verdient XPeng mit CO2-Gutschriften?
XPeng schätzt die Einnahmen aus allen Verträgen auf mehr als eine Milliarde Yuan, rund 131 Millionen Euro. Im Jahr 2026 erwartet der Hersteller über 500 Millionen Yuan, rund 65 Millionen Euro. Ein Vizepräsident bestätigte die Zahlen, über die zuerst die Wirtschaftszeitung Yicai berichtete.
Warum kauft Porsche Gutschriften bei XPeng?
Die EU misst den CO2-Ausstoß über alle Neuwagen eines Herstellers. Porsches Verbrenner liegen über dem Ziel von 93,6 Gramm je Kilometer. In einem gemeinsamen Pool drücken die Elektroautos von XPeng den Schnitt unter die Marke, und Porsche vermeidet die Strafe von 95 Euro je Gramm und Auto.
In welchen Märkten verkauft XPeng Emissionsgutschriften?
Die Verträge betreffen die EU, Großbritannien und Australien. In der EU geht es um die Flottengrenzwerte, in Großbritannien um die Elektroquote von 33 Prozent im Jahr 2026 und in Australien um eine Effizienznorm, deren Guthaben sich unter Herstellern handeln lassen.
Quellen
[1] IT Home (IT之家), nach Yicai (第一财经): „消息称小鹏靠碳积分交易累计收入已超 10 亿元“
[2] Securities Times (证券时报): „碳积分交易收入超10亿元 小鹏交出海外销量‚第二曲线‘“
[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2019/631 zur Festsetzung von CO2-Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen“
[5] Tesla: „Form 10-K für das Geschäftsjahr 2025“
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