Der Volkswagen-Konzern liegt im ersten Halbjahr 2026 acht Gramm über seinem EU-Flottenziel für den CO2-Ausstoß. Rechnerisch droht eine Strafe jenseits der Milliarde. Eine Brüsseler Ausnahmeregel und der Elektro-Hochlauf drehen das Ergebnis jedoch, und daraus ergibt sich die eigentliche Nachricht für Flottenverantwortliche.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie EU-CO2-Flottengrenzwerte bringen Volkswagen auf dem Papier in die Bredouille: 100 Gramm CO2 je Kilometer stehen einem individuellen Zielwert von 92 Gramm gegenüber. Aus dieser Lücke ließe sich eine Strafe in Milliardenhöhe ableiten. Fällig wird diese Strafe aller Voraussicht nach nie.
Das Wichtigste in Kürze
- Volkswagen verfehlt im ersten Halbjahr 2026 sein CO2-Flottenziel um acht Gramm je Kilometer.
- Je Gramm über dem Ziel und je zugelassenem Fahrzeug sieht Brüssel 95 Euro Strafe vor.
- Eine EU-Regel erlaubt den Ausgleich über die Jahre 2025 bis 2027 statt in jedem Einzeljahr.
- Außer Volkswagen liegt nur Hyundai über seinem Ziel, der Branchenschnitt trifft die Vorgabe.
Wie wird aus acht Gramm eine Milliardenrechnung?

Volkswagen liegt im ersten Halbjahr 2026 mit 100 Gramm CO2 je Kilometer acht Gramm über seinem Ziel von 92 Gramm. Weil die EU je Gramm und je zugelassenem Fahrzeug 95 Euro verlangt, wächst diese Lücke über Millionen Neuwagen rechnerisch in den Milliardenbereich.
Jeder Hersteller erhält ein eigenes Ziel, berechnet aus dem Durchschnittsgewicht seiner Flotte: Volkswagen 92 Gramm, Hyundai 94, Kia 97.[1] Alle Konzernmarken rechnet Volkswagen in einem gemeinsamen Pool zusammen, der die Bilanz glättet.
Warum bleibt die Strafe trotzdem aus?
Die EU lässt die Hersteller ihre CO2-Werte über 2025, 2026 und 2027 mitteln, statt das Ziel in jedem Jahr einzeln zu treffen. Volkswagens Elektro-Hochlauf gleicht das schwache Jahr aus, und bisher hat noch kein Hersteller wegen der Grenzwerte gezahlt.
Die Drei-Jahres-Regel steht so im überarbeiteten EU-Recht.[1] Bei der Kernmarke sind im Juni 2026 bereits 33 Prozent der Neuwagen rein elektrisch, weitere Modelle stehen vor dem Marktstart. Jeder zusätzliche Stromer drückt den Flottenwert, sodass sich das Minus von 2026 im Schnitt auflösen dürfte.
Die Grenzwerte wirken wie ein Preisschild am Verbrenner, das jedes Jahr größer wird. Volkswagen begleicht die Rechnung nicht in Bußgeldern, sondern in Elektromodellen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ist-Wert gegen EU-Ziel (1. Halbjahr 2026)
Was bedeutet der Grenzwert für den Markt?
Der Grenzwert zwingt die Hersteller, Elektromodelle mit Nachdruck und Rabatten in den Markt zu bringen. Für Käufer und Fuhrparks bedeutet das mehr Auswahl und niedrigere Preise, allerdings bei weiterhin höherem Wertverlust der Stromer.
Die Neuzulassungen sind im Juni um 78 Prozent gestiegen, ein Signal über den Einzelmonat hinaus. Ein Haken bleibt der Wiederverkauf, denn Elektroautos verlieren oft schneller an Wert, auch wenn die Gebrauchtpreise zuletzt angezogen haben.
Bei einer Flottenumstellung zählt daher, die Nachlässe hart zu verhandeln und den Restwert konservativ anzusetzen. Der regulatorische Druck bleibt bestehen, und das Angebot an Stromern wächst mit ihm.
Quelle
[1] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2019/631 zur Festsetzung von CO2-Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen“
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