Porsche zahlt künftig einem chinesischen Konkurrenten dafür, dass die eigene CO2-Bilanz in Brüssel aufgeht. Zum 5. August hat der Sportwagenbauer den gemeinsamen Emissionspool mit dem Mutterkonzern Volkswagen verlassen und sich stattdessen mit dem E-Auto-Hersteller XPeng zusammengetan. Der Deal zeigt, wie eng die deutschen Hersteller inzwischen an Chinas Elektroflotten hängen.

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Ein CO2-Emissionspool klingt nach Buchhaltung, entscheidet aber über Strafen in Milliardenhöhe. Porsche verlässt den Verbund des Volkswagen-Konzerns und bildet für die Jahre 2026 und 2027 einen offenen Pool mit XPeng, dessen rein elektrische Flotte die hohen Werte der Zuffenhausener Sportwagen ausgleicht. Angemeldet ist der Zusammenschluss bereits bei der EU-Kommission.

Das Wichtigste in Kürze

  • Porsche verlässt den Emissionspool des Volkswagen-Konzerns und schließt sich für 2026 und 2027 mit dem chinesischen Hersteller XPeng zusammen.
  • Als erste europäische Luxusmarke bildet Porsche einen Emissionspool mit einem chinesischen Premiumhersteller; XPengs Elektroflotte drückt den gemeinsamen Wert unter die EU-Marke von 93,6 Gramm CO2 je Kilometer.
  • Der Absatz der Porsche-Elektroautos brach im ersten Halbjahr 2026 um 30,8 Prozent ein und belastet die eigene Flottenbilanz.
  • Rechtsgrundlage ist Artikel 6 der EU-Verordnung 2019/631; branchenweit drohen bei Verfehlung Strafen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Warum verbündet sich Porsche ausgerechnet mit einem Rivalen?

Auspuff und Batterien auf Balkenwaage, Anhänger „gekauft“ rechts
Porsche und VW mitteln CO2-Werte ihrer Flotten. Porsches schwere Verbrenner und Hybrid überschreiten EU-Grenzwerte deutlich. Rettung durch Elektroautos fällt weg: H1 2026 sanken E-Modell-Verkäufe um 30,8 Prozent

Der Pool mittelt die Flottenwerte beider Marken. Die EU misst den CO2-Ausstoß nicht je Auto, sondern über die gesamte Neuwagenflotte eines Herstellers. Porsches Angebot aus schweren Verbrennern und Hybriden liegt weit über dem Grenzwert, und der Ausweg über eigene Stromer bricht gerade weg: Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Auslieferungen der Elektromodelle um 30,8 Prozent.[3] Dahinter steht auch der hohe Wertverlust vieler Elektroautos, der Käufer zögern lässt. XPeng dagegen verkauft ausschließlich E-Autos, deren Auspuff rechnerisch null Gramm ausstößt. Zusammengerechnet landet der Schnitt beider Flotten unter der Marke, und für diesen statistischen Ausgleich überweist Porsche dem chinesischen Hersteller Geld. Wie schnell die Elektro-Nachfrage im Premiumsegment gekippt ist, zeigt schon Porsches eigene Kehrtwende zurück zum Verbrenner.

Wie funktioniert ein EU-Emissionspool?

Artikel 6 der Verordnung 2019/631 erlaubt den Handel. Seit 2019 dürfen Hersteller ihre Flottenwerte bündeln, innerhalb des Konzerns oder mit fremden Partnern in einem offenen Pool.[2] Der Zielwert für Neuwagen liegt bei 93,6 Gramm CO2 je Kilometer; der Volkswagen-Konzern schloss 2025 bei rund 100 Gramm ab und damit darüber.[1] Genau diese Lücke musste der Konzern schon zuvor stopfen, wie das Manöver um die VW-Flottengrenzwerte zeigt. Neu ist die Idee nicht: Tesla führt den größten offenen Pool mit Ford, Honda, Mazda und Suzuki, Mercedes-Benz hat sich mit Volvo, Polestar und Smart verbündet. Ungewöhnlich ist allein der Partner. Verfehlt die Branche die Vorgaben, summieren sich die Strafzahlungen europaweit auf bis zu 15 Milliarden Euro. Der Zukauf von Verschmutzungsrechten ist für Porsche deshalb schlicht die günstigere Rechnung.

Porsche kauft sich mit XPeng nicht grün, sondern nur regelkonform. Die Rechnung geht auf, solange ein chinesischer Rivale genau die Elektroautos absetzt, die Porsche selbst nicht mehr los wird.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Emissionspool in Zahlen
Wie Porsche mit XPeng unter die EU-Marke rutscht
Grenzwert
93,6 g/km
EU-Flottenziel 2026
Durchschnittlicher CO2-Grenzwert für neue Pkw, gemessen nach WLTP
VW-Wert
rund 100 g/km
VW-Konzern 2025
Flottenschnitt über der Marke, eine Strafzahlung drohte
Absatz
−30,8 %
Porsche-Stromer
Absatz der E-Modelle im ersten Halbjahr 2026 gegenüber Vorjahr
Strafen
15 Mrd. €
Mögliche Strafen
Branchenweites Risiko bei verfehlten EU-Flottenzielen
Allein gegen Pool
Porsche allein
Die Flotte aus Verbrennern und Hybriden liegt über 93,6 Gramm, eine Strafzahlung droht.
Pool mit XPeng
XPengs reine Elektroflotte drückt den gemeinsamen Schnitt unter die Marke, die Vorgabe ist erfüllt.

Was bedeutet das für die deutsche Autoindustrie?

Der Deal offenbart eine paradoxe Abhängigkeit. Dieselben chinesischen Hersteller, die Brüssel mit Antisubventionszöllen bremsen will, retten nun die CO2-Bilanz deutscher Premiummarken. Porsche hat den eigenen Pool zugleich für weitere Hersteller geöffnet; andere Marken können bis zum 5. September beitreten. Die Botschaft für die Branche ist unbequem: Der EU-Grenzwert lässt sich mit einem Federstrich in Brüssel erfüllen, ohne ein einziges saubereres Auto zu bauen. Der Zukauf verschafft Zeit, löst aber das eigentliche Problem nicht, denn XPeng expandiert längst selbst nach Europa und produziert inzwischen in Österreich. Wie tief die Verflechtung reicht, zeigt der Blick auf die Technik: XPeng liefert Volkswagen bereits die Elektronik-Architektur für dessen China-Modelle. Für die deutschen Hersteller heißt das, die Compliance ist gesichert, die schwache Nachfrage nach eigenen Elektroautos bleibt die eigentliche Baustelle. Fuhrparkverantwortliche prüfen deshalb besser die CO2-Strategie ihrer Lieferanten, statt auf sinkende Listenpreise zu setzen.

FAQ: Porsche, XPeng und der EU-Emissionspool

Was ist ein CO2-Emissionspool in der EU?

Ein Emissionspool erlaubt mehreren Autoherstellern, ihre Flottenwerte für den EU-CO2-Grenzwert zusammenzurechnen. Artikel 6 der Verordnung 2019/631 lässt das innerhalb eines Konzerns oder mit fremden Partnern zu. Ein Hersteller mit vielen E-Autos hebt so den Schnitt eines Partners mit hohen Werten und erhält dafür in der Regel Geld.

Warum kauft Porsche Emissionsrechte von XPeng?

Porsches Flotte aus Sportwagen und Hybriden liegt über dem EU-Grenzwert, und der Absatz eigener Elektroautos brach 2026 um 30,8 Prozent ein. XPeng verkauft ausschließlich E-Autos mit rechnerisch null Gramm CO2. Zusammengerechnet landet der Schnitt beider Flotten unter der Marke, wofür Porsche den chinesischen Hersteller bezahlt.

Wie hoch ist der CO2-Flottengrenzwert der EU 2026?

Der Zielwert für neue Personenwagen liegt bei 93,6 Gramm CO2 je Kilometer im Flottendurchschnitt, gemessen nach dem WLTP-Verfahren. Für die Jahre 2025 bis 2027 gilt eine Mittelung über drei Jahre. Der Volkswagen-Konzern schloss 2025 bei rund 100 Gramm ab und lag damit über der Marke.

Verlässt Porsche den Volkswagen-Konzern?

Nein. Porsche bleibt eine Marke des Volkswagen-Konzerns und tritt nur aus dem gemeinsamen CO2-Emissionspool aus. Der Zusammenschluss mit XPeng betrifft allein die Verrechnung der Flottenwerte für die EU-Grenzwerte 2026 und 2027, nicht die Eigentümerstruktur oder das operative Geschäft.

Was droht Herstellern, die die EU-CO2-Ziele verfehlen?

Hersteller zahlen bei Überschreitung des Flottengrenzwerts 95 Euro Strafe je Gramm CO2 über dem Ziel und je verkauftem Fahrzeug. Branchenweit summiert sich das Risiko auf bis zu 15 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Emissionspool oder der Zukauf von Verschmutzungsrechten senkt diese Zahlung oder vermeidet sie ganz.

Quellen

[1] Europäische Kommission: „CO2 emission performance standards for cars and vans“

[2] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2019/631, Artikel 6 (Zusammenschluss von Herstellern)

[3] Porsche AG: „Porsche Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026“

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