Aus einem alten BMW lässt sich mehr als die Hälfte des Materials so sauber zurückgewinnen, dass daraus wieder Fahrzeugteile entstehen könnten. Diese Recyclingquote von 51 Prozent meldet die BMW Group aus dem Forschungsprojekt Car2Car. Der Haken steckt in den Bedingungen: Der Wert gilt nur mit erweiterter Sortier- und Aufbereitungstechnik, die industriell noch nicht flächendeckend bereitsteht.

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Ohne diese Technik bleiben von einem Altfahrzeug gerade einmal 6 Prozent in Fahrzeugqualität. Der Sprung auf 51 Prozent zeigt, was möglich wäre, nicht, was der Serienkreislauf heute zurückgibt. Für Entscheider in der Zulieferindustrie ist genau diese Lücke die eigentliche Nachricht, denn die neue EU-Altfahrzeug-Verordnung verlangt bald feste Rezyklatanteile.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Car2Car-Quote, also der Anteil hochwertig rückführbaren Materials, steigt im Forschungsprojekt von 6 auf 51 Prozent.
  • Den größten Sprung macht Stahl mit 1 auf 81 Prozent, vor Kupfer und Aluminium; Kunststoff und Glas bleiben ungelöst.
  • Der Feldtest zerlegte 433 Altfahrzeuge aus 60 BMW-Modellen, im Werk Leipzig entstanden über 100.000 Serienteile aus rückgeführtem Stahl.
  • Die neue EU-Altfahrzeug-Verordnung schreibt Rezyklatquoten vor und macht aus der PR-Zahl eine Pflichtaufgabe.

Was steckt hinter den 51 Prozent?

Metallkreis aus Würfeln (blank u. rostig) u. Pfeil; Mitte Plakette mit „51%“
Car2Car-Quote unter Praxis: Bei Zerlegung von 433 BMW-Fahrzeugen (max. 5 Jahre alt) konnten nur 6% des Materials als Fahrzeugteile wiederverwendet werden

Die Quote gilt nur unter Idealbedingungen. Die Car2Car-Quote misst, wie viel Material aus einem Altfahrzeug so rein zurückkommt, dass daraus wieder Fahrzeugteile entstehen können.[1] Im Feldtest zerlegten die Partner 433 Fahrzeuge aus 60 BMW-Modellen, keines älter als fünf Jahre. Unter heutiger Praxis fielen nur 6 Prozent in dieser Güte an, unter erweiterten Sortier- und Aufbereitungsbedingungen 51 Prozent. Der Unterschied liegt nicht in einer neuen Maschine im Werk, sondern in einer feineren Trennung des Schrotts, die im großen Maßstab erst aufgebaut werden muss. Zu den Partnern zählt der Kupferverwerter Aurubis, der in Hamburg eine weltweit einmalige Recyclinganlage betreibt.

Warum scheitert das Recycling an Kunststoff und Glas?

Metalle schließen den Kreis, Kunststoff nicht. Beim Stahl springt die Quote von 1 auf 81 Prozent, beim Kupfer von 48 auf 68 und beim Aluminium von 23 auf 52 Prozent.[1] Metalle vertragen das Einschmelzen ohne Qualitätsverlust, und im Werk Leipzig hat BMW bereits über 100.000 Serienteile aus rückgeführtem Stahl verbaut. „Wir konnten nachweisen, dass aus Altfahrzeugschrott wieder hochwertige Flachstähle entstehen können“, sagt Hilke Schaer aus der Car2Car-Projektleitung bei der BMW Group. Kunststoff und Glas machen den Sprung nicht mit: Gemischte Kunststofffraktionen verlieren beim Recycling an Güte, und verbautes Autoglas ist durch Folien und Beschichtungen zu stark verunreinigt. Wie eng Stahlkreislauf und Rohstoffnachschub zusammenhängen, zeigt der Recycler Befesa mit seiner Stahlwende. Dass ein geschlossener Materialkreislauf auch jenseits der Metalle möglich ist, führen BASF und Pirelli beim Altreifen vor.

BMWs 51 Prozent im Versuch sind ein Forschungserfolg, keine Bilanzzahl. Solange die Sortiertechnik fehlt und der Kunststoff durchs Raster fällt, entscheidet über echte Kreislaufwirtschaft nicht die Schlagzeile, sondern die EU-Quote.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Car2Car in Zahlen
Wie viel Material aus dem Altauto BMW im Versuch zurückgewinnt
Kreislauf
6 auf 51 %
Car2Car-Quote
Anteil, der hochwertig ins Auto zurückkann, unter erweiterten Sortierbedingungen
Stahl
1 auf 81 %
Stahl
größter Sprung; Kupfer 48 auf 68, Aluminium 23 auf 52 Prozent
Feldtest
433
zerlegte Altfahrzeuge
aus 60 BMW-Modellen, keines älter als fünf Jahre
EU-Quote
25 %
EU-Rezyklatpflicht
Kunststoffanteil in Neuwagen, Zielmarke zehn Jahre nach Inkrafttreten
Labor gegen Serie
Ohne neue Technik
Nur 6 Prozent des Materials kommen in Fahrzeugqualität zurück, der Rest wird abgewertet.
Mit erweiterter Aufbereitung
51 Prozent sind möglich, doch Kunststoff und Glas bleiben bislang ausgeschlossen.

Was bedeutet das für die EU-Vorgaben?

Die Pflicht erzwingt, was die PR verspricht. Der Rat der EU hat Ende Juni 2026 die neue Altfahrzeug-Verordnung verabschiedet.[3] Sechs Jahre nach Inkrafttreten verlangt die Verordnung 15 Prozent Rezyklat im Kunststoff neuer Fahrzeuge, nach zehn Jahren 25 Prozent, und nimmt die Hersteller für den gesamten Lebenszyklus in die Pflicht. Im Serienauto liegt der Anteil an Sekundärmaterial heute bei rund 30 Prozent, den BMW bis dahin auf 50 Prozent heben will.[2] Ausgerechnet beim Kunststoff, wo Car2Car nicht vorankam, wird der Nachschub knapp: Post-Consumer-Rezyklat ist in Europa rar, und Material aus der Produktion zählt nicht auf die Quote. Dieselbe Knappheit treibt bereits den Recycling-Markt für E-Auto-Akkus. Zulieferer sichern sich Rezyklatmengen deshalb besser früh vertraglich und prüfen, welche Bauteile sich auf recycelten Stahl umstellen lassen.

FAQ: BMW-Recyclingquote von 51 Prozent

Wie hoch ist die Recyclingquote bei einem Auto?

Die EU-Altfahrzeug-Richtlinie schreibt vor, dass 95 Prozent des Fahrzeuggewichts verwertet und 85 Prozent stofflich recycelt werden. Diese Werte zählen jede Wiederverwertung mit, auch das Downcycling in geringerwertige Anwendungen. Die Car2Car-Quote von BMW misst strenger nur das Material, das in Fahrzeugqualität zurückkommt, und erreicht im Versuch 51 Prozent.

Was ist das Car2Car-Projekt von BMW?

Car2Car ist ein Forschungsprojekt unter Leitung der BMW Group, das hochwertige Materialkreisläufe für Altfahrzeuge nachweist. Ein Konsortium aus Universitäten und Recyclingunternehmen zerlegte 433 Altfahrzeuge aus 60 BMW-Modellen und prüfte, wie viel Stahl, Aluminium, Kupfer, Kunststoff und Glas sich in Fahrzeugqualität zurückgewinnen lässt.

Warum lassen sich Autoglas und Kunststoff schlecht recyceln?

Gemischte Kunststofffraktionen aus dem Fahrzeug verlieren beim Recycling an Qualität, und verbautes Autoglas ist durch Folien, Kleber und Beschichtungen stark verunreinigt. Im Car2Car-Projekt erreichten beide keine mit Stahl, Aluminium oder Kupfer vergleichbaren Rückgewinnungsquoten und bleiben die ungelöste Baustelle.

Was schreibt die neue EU-Altfahrzeug-Verordnung vor?

Die im Juni 2026 verabschiedete EU-Altfahrzeug-Verordnung verlangt sechs Jahre nach Inkrafttreten 15 Prozent Rezyklat im Kunststoff neuer Fahrzeuge und nach zehn Jahren 25 Prozent. Zusätzlich haften Hersteller für den gesamten Lebenszyklus und für das Aufspüren illegal exportierter Altfahrzeuge.

Wie viel Sekundärmaterial steckt heute in einem BMW?

In der Serie liegt der Anteil an Sekundärmaterial bei rund 30 Prozent, den die BMW Group auf 50 Prozent steigern will. Die 51 Prozent aus dem Car2Car-Projekt sind davon zu trennen und gelten nur unter erweiterten Sortierbedingungen, noch nicht im laufenden Serienkreislauf.

Quellen

[1] BMW Group: „Vom Altfahrzeug zum Neufahrzeug: Forschungsprojekt Car2Car weist hochwertige Materialkreisläufe im industriellen Maßstab nach“

[2] BMW Group: „Vom Schrott zum Rohstoff: Förderprojekt Car2Car entwickelt Technologien für optimiertes Recycling von Altfahrzeugen“

[3] Rat der Europäischen Union: „Council greenlights rules for a more circular automotive sector“ (29. Juni 2026)

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