Reine Benziner machten im ersten Halbjahr 2026 nur noch 49 Prozent der weltweit verkauften Neuwagen aus. Zum ersten Mal, seit sich das Auto in den 1920er-Jahren verbreitete, liegt dieser Wert unter der Hälfte. Mehr Käufer als reine Elektroautos fanden dabei Hybride ohne Ladestecker: 7,27 Millionen gegenüber 6,87 Millionen.

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Wann haben Sie zuletzt einen reinen Benziner als Neuwagen bestellt? Weltweit verkauften die Hersteller von Januar bis Juni noch 20,25 Millionen davon, 10 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahlen stammen vom Datenanbieter Mobility Global, der bis zur Abspaltung in diesem Jahr S&P Global Mobility hieß. Nikkei Asia veröffentlichte die Daten am 2. Oktober und nennt als wichtigsten Grund die Spritpreise, die mit dem Konflikt im Nahen Osten gestiegen sind.[1] 2021 lag der Benziner-Anteil noch bei 73 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Reine Benziner kamen im ersten Halbjahr auf 49 Prozent des Weltmarkts, Hybride ohne Stecker auf 18 und reine Elektroautos auf 17 Prozent.
  • In China sank der Benziner-Absatz um 26 Prozent, in Europa um 13 Prozent.
  • Der weltweite Zuwachs bei Elektroautos kommt aus Märkten außerhalb Chinas.
  • Rund 83 Prozent aller Neuwagen haben weiterhin einen Verbrennungsmotor an Bord.

Wo wächst das Elektroauto wirklich?

Ein weißer Wasserhahn, ein oranger 49%-Anhänger, schwarze Schläuche, ein Stecker auf weiß
Chinas Elektroautoverkäufe sanken um 3 Prozent, erreichten aber mit 3,44 Millionen Fahrzeugen die Hälfte des Weltabsatzes

In China verkauften sich reine Elektroautos im ersten Halbjahr 3 Prozent schlechter als ein Jahr zuvor. Mit 3,44 Millionen Stück stellt das Land trotzdem die Hälfte des Weltabsatzes. Benziner fanden dort sogar 26 Prozent weniger Käufer.[1] Chinas Automarkt schrumpft insgesamt, unter anderem weil Käufer von Elektroautos seit Januar wieder die halbe Kaufsteuer zahlen. Der Elektroanteil steigt dort also vor allem, weil der Verbrenner schneller verschwindet.

Europa liefert dagegen echtes Wachstum. Die Verkäufe reiner Elektroautos stiegen dort um 32 Prozent auf 1,81 Millionen.[1] Rechnerisch stammt der weltweite Zuwachs von 12 Prozent damit vollständig aus Märkten außerhalb Chinas, allen voran aus Europa. In Deutschland übertrafen die E-Auto-Neuzulassungen nach neun Monaten bereits jedes frühere Gesamtjahr.

Wohin wandern die Benziner-Käufer?

Viele Käufer behalten den Benzinmotor und wählen einen Hybrid. Mit 7,27 Millionen Autos und 10 Prozent Zuwachs verkauften sich Hybride ohne Ladestecker weltweit häufiger als reine Elektroautos. Diesel und Plug-in-Hybride teilen sich die übrigen 16 Prozent des Markts.[1] Nur die 17 Prozent reiner Elektroautos fahren ganz ohne Verbrennungsmotor.

In der EU ist die Verschiebung weiter fortgeschritten. Reine Benziner kamen dort im ersten Halbjahr auf 22,2 Prozent der Neuzulassungen, reine Elektroautos auf 20,7 Prozent und Hybride auf 37,3 Prozent.[2] Der Herstellerverband ACEA zählt Voll- und Mild-Hybride in einer gemeinsamen Spalte. Ein Mild-Hybrid ist meist ein Benziner, dem ein 48-Volt-Starter-Generator beim Anfahren hilft. Ein Teil des Benziner-Rückgangs ist damit bloß eine Umbuchung in der Statistik.

Wo der Benziner Käufer verliert
Neuwagenverkäufe im ersten Halbjahr 2026, Veränderung zum Vorjahr
−26 %
weniger reine Benziner verkauften die Händler in China
+32 %
mehr reine Elektroautos fanden in Europa einen Käufer, zusammen 1,81 Millionen
+81 %
wuchs der Absatz reiner Elektroautos in Südostasien, auf 350.000 Stück
−15 %
weniger reine Elektroautos verkauften die Hersteller in Nordamerika

Was bedeutet die Verschiebung für Hersteller und Käufer in Deutschland?

Europas Hersteller müssen jeden verkauften Neuwagen in ihren CO2-Flottenwert einrechnen. Die EU rechnet die CO2-Vorgaben für 2025 bis 2027 im Schnitt der drei Jahre ab,[3] ab 2030 müssen die Emissionen neuer Pkw um 55 Prozent unter dem Wert von 2021 liegen.[4] Ein Hybrid stößt mit seinem Benzinmotor weiter Kohlendioxid aus und senkt den Schnitt deshalb deutlich weniger als ein reines Elektroauto. Wie streng die Vorgabe ab 2035 ausfällt, ist offen, seit der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments die Abstimmung über das Auto-Paket vertagt hat.

Der Benziner verliert die Mehrheit, der Verbrennungsmotor noch lange nicht: 83 Prozent der Neuwagen weltweit haben einen an Bord.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Privatkäufer in Deutschland erhalten je nach Einkommen für ein reines Elektroauto 3.000 bis 6.000 Euro Förderung, für einen Plug-in-Hybrid 1.500 bis 4.500 Euro. Hybride ohne Ladestecker fördert der Bund nicht. Fuhrparkleiter, die Hybride als Übergangslösung bestellen, sollten den Restwert für die Jahre ab 2029 vorsichtig ansetzen. Mit jeder Verschärfung der Flottengrenze steigt für die Hersteller der Druck, mehr Elektroautos zu verkaufen.

Quellen

[1] Nikkei Asia: „Gas vehicles fall under 50% of global new auto sales for first time“ (2. Oktober 2026, Daten von Mobility Global)

[2] ACEA: „New car registrations: +5.7% in H1 2026; battery-electric 20.7% market share“ (23. Juli 2026)

[3] Rat der Europäischen Union: „CO2 emissions in cars: Council gives final approval to additional flexibility for carmakers“ (27. Mai 2025)

[4] Europäisches Parlament: „Fit for 55: zero CO2 emissions for new cars and vans in 2035“ (14. Februar 2023)

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