Das EU-Parlament braucht mehr Zeit für das gelockerte Verbrenner-Aus. Der Verkehrsausschuss stimmt rund zwei Wochen später als geplant über den Vorschlag ab, ab 2035 nur noch 90 statt 100 Prozent CO2-Minderung zu verlangen. Autohersteller warten damit länger auf verbindliche Regeln für ihre Modellplanung.

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Über das Verbrenner-Aus sollte der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments am 5. Oktober abstimmen. Laut Spiegel rückt der Termin um rund zwei Wochen nach hinten, wie das Büro des CDU-Abgeordneten Jens Gieseke und die EVP-Fraktion mitteilten.[1] Die Fraktionen der Mitte suchen noch einen Kompromiss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Verkehrsausschuss verschiebt sein Votum über das Auto-Paket der EU-Kommission, das Plenum soll im November entscheiden.
  • Neuwagen sollen ab 2035 im Flottenschnitt 90 statt 100 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2021.
  • Die EVP will die Vorgaben weiter lockern als die Kommission, eine Mehrheit mit Sozialdemokraten und Liberalen steht nicht fest.

Warum verschiebt das Parlament die Abstimmung?

Zapfpistole liegt auf einem Kalenderblatt für Oktober 2026, mit einem Zettel „VERTAGT“
EU-Kommission präsentiert umstrittenes Auto-Paket. EVP mit CDU/CSU strebt strengere Regelungen an, findet aber keine Mehrheit bei SPD und Liberalen

Umstritten sind die Bedingungen, die die EU-Kommission an die Lockerung knüpft. Vorgelegt hatte die Behörde das Auto-Paket am 16. Dezember 2025.[2] Die EVP-Fraktion mit CDU und CSU will über den Vorschlag hinausgehen, findet dafür aber noch keine Mehrheit mit Sozialdemokraten und Liberalen.

Auch im Rat stehen sich zwei Lager gegenüber. Deutschland und sechs weitere Staaten wollen schwächere CO2-Ziele, Spanien, Frankreich, Dänemark und Belgien setzen stärker auf Elektrifizierung.[1] Dort braucht das Paket 15 Staaten mit 65 Prozent der EU-Bevölkerung.

Wie soll die 90-Prozent-Regel funktionieren?

Ab 2035 gilt ein Flottenwert von rund 11 Gramm CO2 je Kilometer statt null. Die fehlenden zehn Prozentpunkte müssen Hersteller ausgleichen: bis zu sieben über CO2-armen Stahl aus der EU, bis zu drei über E-Fuels und Biokraftstoffe. Plug-in-Hybride, Range-Extender und Verbrenner bleiben so über 2035 hinaus zulässig.[2] Nach 2035 rechnet die Kommission mit 27 bis 29 Prozent Neuzulassungen mit Verbrennungsmotor.[1]

Der Stahl-Ausgleich verknüpft zwei Branchen in der Krise: Grüner Stahl aus europäischen Hütten wird für Autobauer zum Posten in der CO2-Bilanz. Bei den Kraftstoffen drängt BMW bereits auf eine eigene Fahrzeugklasse für HVO100-Autos.

Vor 2035 lockert die Kommission die Zwischenziele. Für 2030 bis 2032 dürfen Hersteller Übererfüllung und Rückstand über drei Jahre verrechnen, das Ziel für Transporter sinkt von 50 auf 40 Prozent.[2] In der EU gebaute Elektroautos bis 4,2 Meter Länge zählen 1,3-fach.[3] Ob BMWs Elektro-Kompaktwagen für 2028 unter die Längengrenze fällt, ist offen.

Das Auto-Paket der EU in Zahlen
Was die Kommission für Pkw und Transporter vorschlägt, über das Parlament und Rat noch entscheiden
Flottenziel ab 2035
90 %
weniger CO2 als 2021 statt bisher 100 Prozent, rund 11 Gramm je Kilometer
Ausgleich für den Rest
7 + 3
Prozentpunkte über grünen Stahl aus der EU und über E-Fuels oder Biokraftstoffe
Transporter 2030
40 %
CO2-Minderung statt der bisher vorgesehenen 50 Prozent
Battery Booster
1,8 Mrd. €
für Batteriezellen aus der EU, davon 1,5 Milliarden Euro als zinslose Kredite

Was bedeutet die Hängepartie für Hersteller und Fuhrparks?

Die Vorgeschichte zeigt, wie zäh das Dossier ist. Am 14. Februar 2023 beschloss das Parlament das Aus für neue Verbrenner ab 2035 mit 340 zu 279 Stimmen.[4] Kurz darauf blockierte Deutschland die Schlussabstimmung im Rat, bis die Kommission eine Zusage für E-Fuel-Fahrzeuge gab.

Für die Hersteller wird die Zeit knapp. Modelle, die 2030 bis 2032 in die Flottenbilanz eingehen, stecken heute in der Entwicklung. Jedes Gramm über dem Flottenziel kostet 95 Euro je verkauftem Auto. Fehlende Gutschriften kaufen Konzerne deshalb bei Elektro-Herstellern zu: XPeng erwartet aus Verträgen über CO2-Gutschriften mit Porsche und weiteren Herstellern über 130 Millionen Euro.

Das gelockerte Verbrenner-Aus öffnet keine Hintertür, sondern eine teure Seitentür: Die zehn Prozent Restausstoß bezahlen Hersteller mit grünem Stahl oder E-Fuels. Für Fuhrparks zählt die geplante Elektroquote für Firmenwagen mehr als jede Ausnahme für den Verbrenner.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Das Paket enthält auch nationale Quoten für die Firmenflotten großer Unternehmen. Für Deutschland nennt electrive 54 Prozent emissionsfreie Neuwagen bis 2030 und 100 Prozent bis 2035.[3] Bei Leasingverträgen über 2030 hinaus lohnt deshalb ein Blick auf den Wertverlust eines Elektroautos. Wegen der Restwerte hat die Schwarz-Gruppe bereits neue Elektro-Dienstwagen gestoppt.

Quellen

[1] electrive.net: „EU-Verkehrsausschuss vertagt Abstimmung über das ‚Auto-Paket‘“ (2. Oktober 2026)

[2] Europäische Kommission: „Commission takes action for clean and competitive automotive sector“ (16. Dezember 2025)

[3] electrive.com: „EU Commission weakens CO₂ targets“ (16. Dezember 2025)

[4] Europäisches Parlament: „Fit for 55: zero CO2 emissions for new cars and vans in 2035“ (14. Februar 2023)

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