Die US-Regierung senkt die Verbrauchsstandards für Neuwagen: Statt 50,4 Meilen je Gallone gilt für 2031 nur noch ein Flottenziel von 34,9. Ab Modelljahr 2028 endet zudem der Handel mit Verbrauchsgutschriften, von dem Tesla 2024 besonders profitierte. Europa hält an strengen CO2-Flottengrenzwerten fest, der Verkauf von Gutschriften lohnt sich dort weiter.

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Mit den neuen US-Verbrauchsstandards habe die Regierung „endlich das illegale Mandat beendet, das Autohersteller zwang, teurere Elektroautos zu bauen, die amerikanische Familien nicht wollten“, sagte Verkehrsminister Sean Duffy am 28. September.[1] Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ersetzt damit die Vorgaben der Biden-Regierung. Herstellern reiner Elektroautos bricht eine Einnahmequelle weg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das US-Flottenziel für 2031 sinkt von 50,4 auf 34,9 Meilen je Gallone, umgerechnet von 4,7 auf 6,7 Liter je 100 Kilometer.
  • Ab Modelljahr 2028 dürfen Hersteller neu erworbene CAFE-Gutschriften nicht mehr an Konkurrenten verkaufen.
  • Das Verkehrsministerium verspricht 1.130 Euro niedrigere Neuwagenpreise, die Umweltorganisation EDF rechnet mit mehr als 1.390 Euro zusätzlichen Spritkosten je Auto.
  • In der EU bleiben Flottengrenzwerte und Emissionspools bestehen.

Was ändert die neue CAFE-Regel?

Modell einer Zapfsäule neben orangem Gutschein mit Text „UNGÜLTIG AB 2028“ und Wert „50€“
Neue US-Verbrauchsziele für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge 2022-2031: Flottenschnitt steigt nur um 16 Prozent

Die Regel mit dem Titel „Freedom Means Affordable Cars“ legt die Verbrauchsziele für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Modelljahre 2022 bis 2031 neu fest. Gegenüber dem Modelljahr 2024 mit 30,1 Meilen je Gallone steigt der Flottenschnitt bis 2031 damit nur noch um rund 16 Prozent. Ab 2030 stuft die Behörde viele kleine Crossover-SUVs als Pkw statt als leichte Lkw ein. Der Anteil der Pkw an der Flotte soll so von rund 30 auf rund 70 Prozent steigen.[1]

Das Verkehrsministerium rechnet mit im Schnitt 1.130 Euro niedrigeren Neuwagenpreisen und mit Einsparungen von 120 Milliarden Euro in fünf Jahren.[1] Die Gegenrechnung liefert der Environmental Defense Fund aus der Folgenabschätzung der NHTSA selbst: Über die Lebensdauer eines Autos zahlen Fahrer demnach im Schnitt mehr als 1.390 Euro zusätzlich für Benzin. Die Behörde kalkulierte mit höchstens 0,76 Euro je Liter, derzeit kostet der Liter in den USA umgerechnet rund 1,03 Euro.[2]

Warum verlieren E-Auto-Hersteller eine Einnahmequelle?

Hersteller, die ihr Verbrauchsziel übertreffen, sammeln Gutschriften und verkaufen den Überschuss an Konkurrenten, denen sonst eine Strafe droht. Den Preis einer Gutschrift bestimmt deshalb die vermiedene Strafe. Seit dem Haushaltsgesetz vom Juli 2025 liegt die CAFE-Strafe bei null Dollar, der Markt verlor seine Grundlage also schon vor der neuen Regel. Mit dem Verbot ab 2028 schreibt das Verkehrsministerium das Ende nun fest.

Das Ende des Handels trifft vor allem Tesla. Der Konzern nahm 2024 mit Gutschriften aus mehreren Regelwerken, darunter CAFE, rund 2,4 Milliarden Euro ein. Die Summe entsprach mehr als einem Drittel des Nettogewinns von 6,2 Milliarden Euro. Laut Geschäftsbericht stieg die Nachfrage in Nordamerika, weil andere Hersteller ihre Elektropläne zurückfuhren.[3] Teslas operative Marge lag im zweiten Quartal 2026 ohnehin nur noch bei 1,4 Prozent.

Die neuen US-Verbrauchsstandards in Zahlen
Was die Regel „Freedom Means Affordable Cars“ vom 28. September 2026 ändert
4,7 → 6,7 l
Flottenziel 2031 je 100 Kilometer, bisher und neu, umgerechnet aus 50,4 und 34,9 Meilen je Gallone
2028
Ab diesem Modelljahr dürfen Hersteller neu erworbene CAFE-Gutschriften nicht mehr verkaufen
1.130 €
niedrigerer Neuwagenpreis im Schnitt, so rechnet das US-Verkehrsministerium
1.390 €
höhere Spritkosten je Auto über die Lebensdauer, errechnet vom EDF aus der NHTSA-Analyse
2,4 Mrd. €
Umsatz von Tesla mit Gutschriften im Jahr 2024, mehr als ein Drittel des Nettogewinns

Washington entwertet Teslas US-Gutschriften, während XPeng in Europa mit CO2-Guthaben gerade Geld verdient. Deutsche Hersteller planen künftig zwei Flotten: eine sparsame für die EU und eine durstigere für die USA.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Kurswechsel für Europa?

In der EU gilt für Neuwagen weiterhin ein Flottenziel von 93,6 Gramm CO2 je Kilometer, gemittelt über die Jahre 2025 bis 2027. Jedes Gramm darüber kostet einen Hersteller 95 Euro je neu zugelassenem Fahrzeug. Emissionspools bleiben erlaubt: Porsche verrechnet seine Flotte mit XPeng. Der chinesische Hersteller erwartet aus seinen Verträgen in mehreren Märkten mehr als 130 Millionen Euro.

BMW und Mercedes-Benz bauen in Spartanburg und Tuscaloosa vor allem SUVs. Beide Konzerne stehen dort nun unter weniger regulatorischem Druck, Elektroautos zu verkaufen. Getrennte Modellpläne für Europa und die USA haben allerdings einen Preis, weil sich die Entwicklungskosten auf kleinere Stückzahlen verteilen. Fuhrparkleiter mit Standorten in beiden Märkten sollten ihre Beschaffung für US-Flotten neu prüfen, da das Angebot an Elektromodellen dort schrumpfen dürfte. Warum Elektroautos in der Anschaffung weiterhin mehr kosten als Verbrenner, lesen Sie in unserer Kostenanalyse.

Quellen

[1] US Department of Transportation: „President Trump & Transportation Secretary Duffy Finalize ‚Freedom Means Affordable Cars‘ Initiative to Reset Fuel Economy Standards“ (28. September 2026)

[2] Environmental Defense Fund: „In the midst of soaring gas prices, Trump administration weakens fuel economy standards for new cars and trucks“ (28. September 2026)

[3] Tesla: „Annual Report on Form 10-K for the fiscal year ended December 31, 2024“ (SEC, Januar 2025)

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