BMW will 2028 einen vollelektrischen Kompaktwagen der Neuen Klasse für Europa auf den Markt bringen. Am selben Kapitalmarkttag strich der Konzern den 2er Active Tourer ersatzlos. Warum ein kleiner Stromer trotzdem zum Sanierungsplan passt, erklären Batteriekosten und Brüsseler Flottenregeln.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Elektro-Kompaktwagen von BMW stand am 30. September im selben Investorenvortrag wie eine ernüchternde Zahl: Für 2028 traut Vorstandschef Milan Nedeljković der Autosparte nur 3 bis 5 Prozent operative Marge zu. Ein kompaktes Elektroauto passt auf den ersten Blick schlecht zu diesem Sparkurs.
Das Wichtigste in Kürze
- BMW bringt 2028 ein weiteres vollelektrisches Modell der Neuen Klasse ins Einstiegssegment, mit Fokus auf Europa.
- Der 2er Active Tourer bekommt keinen Nachfolger, Bereiche und Führungsrollen schrumpfen bis Mitte 2027 um 20 Prozent.
- Die EU-Kommission will kleine, in der EU gebaute Elektroautos bis 4,2 Meter Länge bei den CO2-Flottenzielen bevorzugt anrechnen.
Was hat BMW am Kapitalmarkttag angekündigt?

Das neue Modell soll das Einstiegssegment in Europa stärken.[1] Namen, Preis und Werk hat BMW noch nicht verraten. Branchenmedien handeln den Wagen als i1 mit dem internen Kürzel NB0.
Zugleich dünnt BMW das Modellprogramm aus. Der 2er Active Tourer läuft ohne Nachfolger aus. Bis Mitte 2027 fallen 20 Prozent der Bereiche und Führungsrollen weg, begleitet von einem freiwilligen Abfindungsprogramm. Bereits im August kündigte der Konzern den Abbau von rund 8.000 Stellen an.
Erst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts will BMW wieder 8 bis 10 Prozent Marge im Autogeschäft erreichen.[1] „Wir verbessern unsere Strukturen und unsere Kostenbasis, um im immer härteren Wettbewerb der kommenden Jahre zu bestehen“, sagt Nedeljković.
Warum setzt BMW im Einstieg auf einen Stromer?
Ein Grund steckt in der Batterie. Für die Rundzellen der Neuen Klasse kalkulierte BMW mit bis zu 50 Prozent geringeren Kosten für den Hochvoltspeicher gegenüber der Vorgängergeneration.[2] Im Kompaktwagen macht der Akku einen größeren Teil des Verkaufspreises aus als im großen SUV, jeder gesparte Euro je Kilowattstunde schlägt deshalb stärker auf die Marge durch. Die Plattform läuft bereits in großer Stückzahl an: Für den iX3, das erste Modell der Neuen Klasse, zählte der Hersteller 100.000 Bestellungen in Europa.
Den zweiten Grund liefert Brüssel. Die EU-Kommission schlug im Dezember 2025 vor, kleine, bezahlbare und in der EU gebaute Elektroautos bis 4,2 Meter Länge vor 2035 mit sogenannten Super-Credits auf die CO2-Flottenziele anzurechnen.[3] Ab 2035 sollen Hersteller den Ausstoß ihrer Neuwagen um 90 statt um 100 Prozent senken.[4] Über beide Vorschläge entscheiden noch Parlament und Rat. Ob der neue BMW unter die Längengrenze fällt, lässt der Konzern offen.
Den Preisanker in der Klasse setzt Volkswagen. Der ID. Polo startet bei 24.995 Euro und sammelte kurz nach dem Marktstart mehr als 30.000 Bestellungen ein.
Was bedeutet der Plan für Leipzig und für Flottenkunden?
Offen bleibt die Frage nach dem Werk. In Leipzig laufen heute der 1er, das 2er Gran Coupé, der 2er Active Tourer und der Mini Countryman vom Band.[5] Im August rüstete BMW das Werk für die Neue Klasse um. Einen Produktionsort für den Kompaktwagen hat der Konzern bisher nicht genannt.
BMW holt sich die Marge über große, teure Modelle zurück und braucht im Einstieg einen Stromer für die CO2-Bilanz. Ob der Kompaktwagen Käufer findet, entscheidet der Abstand zum ID. Polo, nicht das Logo auf der Haube.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für Fuhrparkleiter ändert sich vor 2028 wenig. Bei Leasingverträgen über 2027 hinaus lohnt trotzdem ein Blick auf den Wertverlust eines Elektroautos, denn ein neues Einstiegsmodell auf frischer Plattform kann die Restwerte älterer Kompaktwagen drücken. Ohne eigene Wallbox entscheiden zudem die Ladetarife über die laufenden Kosten.
Quellen
[1] BMW Group: „Agility, efficiency, AI-based innovations: BMW Group sets course for greater profitability and resilience“ (30. September 2026)
[2] BMW Group: „Mehr Leistung, CO2-reduzierte Produktion, Kosten deutlich reduziert: Die BMW Group setzt in der Neuen Klasse ab 2025 innovative BMW Batteriezellen im Rundformat ein“ (9. September 2022)
[3] Europäische Kommission: „Commission takes action for clean and competitive automotive sector“ (16. Dezember 2025)
[4] Europäische Kommission: „Cars and vans“, CO2-Flottengrenzwerte
[5] BMW Group: „BMW Group Werk Leipzig“
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