TE Connectivity beendet die Fertigung in Speyer bis Ende 2028, rund 630 Arbeitsplätze fallen weg. Am Mittwoch vereinbarten der Konzern und sein Gesamtbetriebsrat einen Interessenausgleich und bestätigten damit den Plan vom Mai. Auf dem früheren Siemens-Gelände bleiben nur Entwicklung und Verwaltung mit rund 140 Beschäftigten.

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In der Siemensstraße in Speyer-West stellt TE Connectivity Sensoren und Steckverbindungen her, vor allem für die Autoindustrie. Vier Monate lang verhandelten Unternehmen und Gesamtbetriebsrat über den Standort, am Ende stand das Produktionsende.[1] Die Domstadt verliert damit zwei Fertigungen: Auch Mann+Hummel will seinen Standort in Speyer bis Ende 2028 schließen.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • TE Connectivity und der Gesamtbetriebsrat vereinbarten am 30. September einen Interessenausgleich für Speyer, die Fertigung läuft schrittweise bis Dezember 2028 aus.
  • Rund 630 Arbeitsplätze in der Produktion fallen weg, rund 140 in Engineering und Verwaltung bleiben: Der Standort verliert rechnerisch gut vier von fünf Stellen.
  • Ende 2024 hatte TE in Speyer bereits den Abbau von 110 Stellen angekündigt, damals zählte das Werk etwas mehr als 900 Beschäftigte.
  • Zusammen mit dem Filterhersteller Mann+Hummel stehen in Speyer gut 1.200 Industriearbeitsplätze auf der Streichliste.

Was regelt die Einigung bei TE Connectivity in Speyer?

Orangefarbene Steckverbindung, nicht gesteckt, rechts Anhänger mit „»Speyer 2028«“
TE Connectivity beendet Produktion in Speyer bis Ende 2028. Interessenausgleich mit Betriebsrat unterzeichnet

Ankündigung bestätigt. Am 6. Mai hatte TE Connectivity angekündigt, die Produktion in Speyer bis Ende 2028 schrittweise zu beenden.[3] Mit dem Interessenausgleich steht nun die Einigung mit dem Betriebsrat, als nächste Stufe folgt die Umsetzung bis Dezember 2028. Mathias Franz, politischer Sekretär der IG Metall in der Vorderpfalz, war über den Stand der Verhandlungen jeweils informiert und zog eine verhaltene Bilanz: „Ob die Belegschaft zufrieden ist, weiß ich nicht.“[1]

Kein Vetorecht. Ein Interessenausgleich nach § 112 Betriebsverfassungsgesetz legt fest, ob, wann und wie ein Arbeitgeber seinen Betrieb ändert. Erzwingen kann der Betriebsrat diese Vereinbarung nicht: Scheitern die Gespräche auch vor der Einigungsstelle, darf das Unternehmen seinen Plan trotzdem umsetzen. Erzwingbar ist allein der Sozialplan, der Abfindungen und andere Ausgleichsleistungen regelt. Ob TE und Betriebsrat zugleich einen Sozialplan geschlossen haben und wie hoch die Abfindungen ausfallen, geht aus den bisher veröffentlichten Mitteilungen nicht hervor.

Kritik aus dem Rathaus. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) reagierte deutlich: „Das ist ein bitterer und einschneidender Tag für die Beschäftigten, ihre Familien und für den Industriestandort Speyer.“ Mit Kostendruck lasse sich die Entscheidung nicht erklären, ergänzte die SPD-Politikerin.[4] Der städtische Wirtschaftsförderer Mario Daum fordert für die verbleibenden Beschäftigten „Klarheit über die Zukunft hier am Standort Speyer“.[4]

Warum zieht TE die Fertigung aus Speyer ab?

Schwache Autonachfrage. TE Connectivity begründete den Schritt im Mai mit einem zunehmend schwierigen Marktumfeld im Autosektor. Der Konzern nannte eine schwache Nachfrage in Westeuropa, anhaltenden Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie steigende Anforderungen an Kosten, Nachhaltigkeit und Qualität.[5] Die Steckverbindungen und Sensoren aus Speyer gehen vorrangig in die Autoindustrie. Ein Zielwerk für die Speyerer Fertigung nennen die öffentlich zugänglichen Berichte nicht.

Dritter Rückzug seit 2023. Speyer ist der dritte deutsche Standort, an dem TE binnen drei Jahren die Fertigung aufgibt. Im Juli 2023 kündigte der Konzern das Aus für die Werke in Niedernhall in Hohenlohe und in Niederwinkling in Niederbayern an und verlagerte die Produktion nach Bydgoszcz in Polen, betroffen waren mehr als 250 Beschäftigte.[6] In Speyer kündigte TE Ende 2024 den Abbau von 110 Stellen an, bei damals etwas mehr als 900 Beschäftigten.[7] Von diesen gut 900 Arbeitsplätzen bleiben nach 2028 rund 140 übrig.

Entwicklung bleibt. TE trennt an seinen deutschen Standorten Entwicklung und Fertigung: Engineering und Verwaltung bleiben, die Produktion endet. In Bensheim, dem Sitz der deutschen Landesgesellschaft, unterhält TE nach Aussage eines Konzernsprechers ausschließlich Engineering und Verwaltung; Pläne für Veränderungen dort lägen derzeit nicht vor.[5] Mit mehr als 90.000 Beschäftigten weltweit kann der Konzern Volumen zwischen seinen Werken verschieben.[3] Ein Betriebsrat in Speyer verhandelt in dieser Lage über die Bedingungen des Abschieds, über den Erhalt der Fertigung entscheidet die Konzernzentrale.

TE Connectivity Speyer: Vom Werk zum Entwicklungsstandort
Arbeitsplätze am Standort und Stand des Abbaus nach dem Interessenausgleich vom 30. September 2026
rund 630
Arbeitsplätze in der Produktion fallen bis Dezember 2028 weg
rund 140
Stellen in Engineering und Verwaltung bleiben in Speyer
gut 80 %
der rund 770 Arbeitsplätze am Standort sind betroffen
über 1.200
Industriearbeitsplätze in Speyer stehen durch TE und Mann+Hummel zusammen auf der Streichliste
Juli 2023
TE kündigt das Aus für Niedernhall und Niederwinkling an, die Fertigung geht nach Polen
Ende 2024
TE kündigt in Speyer den Abbau von 110 der gut 900 Stellen an
06.05.2026
Ankündigung: Die Produktion in Speyer endet bis Dezember 2028
30.09.2026
Interessenausgleich mit dem Gesamtbetriebsrat
Dez. 2028
Fertigung endet, rund 140 Stellen bleiben

Was bedeutet das Aus für Speyer und die Region?

Zwei Werke, ein Zeitraum. Mann+Hummel kündigte Mitte April die Absicht an, sein Werk in Speyer spätestens Ende 2028 vollständig zu schließen. Von rund 600 Beschäftigten arbeiten etwa 400 in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen, die Fertigung von Filtrationsprodukten sollen schrittweise andere Werke der Gruppe übernehmen.[2] Ein Alternativkonzept von Betriebsrat und IG Metall lehnte der Ludwigsburger Filterhersteller zuletzt ab.[4] Mann+Hummel hatte schon 2022 seine Kunststoffsparte an Mutares abgegeben, die daraus entstandene MoldTecs will in Sonneberg 124 von rund 330 Stellen abbauen.

Teil einer Welle. Speyer reiht sich in eine Serie von Abbau- und Verlagerungsplänen der deutschen Industrie ein. Bosch plant in Nürnberg den Abbau von 900 der 1.800 Stellen, der Gießer Bohai schließt sein Werk in Harzgerode mit 550 Beschäftigten. Bilstein will in Ennepetal und Essen bis zu 180 Stellen streichen und einen Teil der Arbeit ins Ausland verlagern. Bei der Walter AG in Münsingen streikte die IG Metall um den Preis für 160 verlagerte Stellen, beim Aktionstag der Gewerkschaft im September gingen nach ihren Angaben 175.000 Menschen auf die Straße.

In Speyer sollen bis Ende 2028 zwei Fertigungen mit zusammen mehr als 1.000 Arbeitsplätzen in der Produktion enden, beide Konzerne verweisen auf die Kosten in Westeuropa. Der Interessenausgleich regelt den Abschied, eine Idee für die Hallen in der Siemensstraße liefert er nicht.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Fachkräfte für die Vorderpfalz. Für Arbeitgeber in der Vorderpfalz und im Rhein-Neckar-Raum wächst bis 2028 ein Pool an Fachkräften aus Elektronikfertigung und Montage. TE kündigte im Mai an, die Beschäftigten gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und mit internen Qualifizierungsangeboten beim Wechsel zu unterstützen.[3] Mittelständler mit Personalbedarf in der Fertigung suchen am besten schon jetzt den Kontakt zur örtlichen Arbeitsagentur, solange die Beschäftigten ihre nächste Stelle planen. Unternehmen mit eigenen Umbauplänen sehen an Speyer zudem den Zeitbedarf: Zwischen Ankündigung und Interessenausgleich lagen knapp fünf Monate, bis zum Ende der Fertigung vergehen noch einmal mehr als zwei Jahre.

Quellen

[1] Die Rheinpfalz: „Aus für Produktion: Das steckt hinter der Einigung bei TE Connectivity“ (01.10.2026)

[2] Mann+Hummel, Pressemitteilung: „MANN+HUMMEL prüft Produktionsverlagerung aus Speyer“ (16.04.2026)

[3] Wochenblatt Reporter: „Produktionsstopp in Speyer: TE Connectivity streicht 630 Jobs“ (06.05.2026)

[4] dpa, via Rhein-Zeitung: „Produktionsstopp in Speyer: «Ein bitterer Tag»“ (01.10.2026)

[5] Mannheimer Morgen: „TE Connectivity stellt Produktion in Speyer ein“ (06.05.2026)

[6] Heilbronner Stimme: „TE Connectivity schließt seinen Standort in Hohenlohe“ (11.07.2023)

[7] Die Rheinpfalz: „TE Connectivity: Job-Abbau und Sorgen um Standort“ (20.02.2025)

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