Der Maschinenbauer Zahoransky prüft den Abbau von bis zu 120 Stellen in Todtnau und Freiburg. Betroffen wäre rund ein Viertel der 467 Beschäftigten in Südbaden. Als Gründe nennt das Unternehmen den schwachen Auftragseingang, hohe Standortkosten und Doppelstrukturen in der eigenen Organisation.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer mögliche Stellenabbau bei Zahoransky trifft eine Stadt, in der seit 1770 Bürsten gefertigt werden: In Todtnau gründete Anton Zahoransky 1902 eine Fabrik für Maschinen der Bürstenindustrie. Am 24. September kündigte die Zahoransky AG an, weitere Schritte zu prüfen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.[1] Nach Angaben des Unternehmens könnten an den deutschen Standorten bis zu 120 Stellen wegfallen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zahoransky prüft den Abbau von bis zu 120 Stellen in Todtnau (324 Beschäftigte) und Freiburg (143 Beschäftigte), weltweit arbeiten 695 Menschen für die Gruppe.
- Beschlossen ist noch nichts: Die konkreten Maßnahmen will der Vorstand mit den Betriebsräten erarbeiten.
- Eine Schließung ist nicht geplant, beide Standorte sollen laut Vorstand erhalten bleiben.
- 2025 hatte Zahoransky 50 Stellen zur Streichung angekündigt, weggefallen sind am Ende 25.
Was plant Zahoransky in Todtnau und Freiburg?

Prüfung statt Beschluss. Die Zahoransky AG spricht von einer laufenden Prüfung. Der Vorstand will den strategischen Fokus schärfen, Kompetenzen bündeln und „Doppelstrukturen“ bereinigen.[1] Im Klartext: Zahoransky will Aufgaben zusammenlegen und dabei Stellen streichen. Wie sich die bis zu 120 Stellen auf Todtnau und Freiburg verteilen, hat Zahoransky nicht mitgeteilt. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Auftragseingang „deutlich unter dem Vorjahresniveau“.[3]
Kein Werk vor dem Aus. Eine Schließung plant Zahoransky nicht. „Unser Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit von Zahoransky und unserer deutschen Standorte nachhaltig zu sichern“, erklären die Vorstände Heinrich Sielemann und Ric Nachtmann. Todtnau und Freiburg sollen nach ihren Worten „langfristig erhalten und gestärkt werden“.[1] Am Stammsitz in Todtnau-Geschwend baut die Gruppe Maschinen für Zahnbürsten, Haushaltsbürsten und Verpackungen. Die Tochter Zahoransky Automation & Molds in Freiburg fertigt Spritzgießwerkzeuge und Automatisierungstechnik, unter anderem für die Medizintechnik. Der Betriebsrat war laut Schwarzwälder Bote für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.[2]
Warum prüft Zahoransky schon den nächsten Stellenabbau?
Dritter Einschnitt seit 2024. Schon 2025 hatte Zahoransky den Abbau von 50 Stellen angekündigt, am Ende fielen 25 weg.[2] Im Januar 2024 hatte das Unternehmen den Formen- und Werkzeugbau im sächsischen Rothenkirchen mit rund 70 Beschäftigten an den langjährigen Geschäftsführer verkauft. Den Werkzeugbau bündelte die Gruppe danach in Freiburg und im indischen Coimbatore.[4] Ob die jetzt genannten Doppelstrukturen zwischen Todtnau und Freiburg oder zwischen Deutschland und Indien liegen, lässt die Mitteilung offen.
Aufträge aus dem Ausland. Der VDMA erwartet für 2026 einen realen Produktionsrückgang im Maschinenbau von 2 %, das vierte Minusjahr in Folge. Bei Verpackungsmaschinen, einem der Geschäftsfelder von Zahoransky, sanken die Inlandsaufträge im Juli um 8 %, die Auslandsorders stiegen um 15 %.[5] Wachsen die Bestellungen nur jenseits der Grenze, geraten teure Arbeitsplätze im Inland unter Druck. Eine echte Trendwende im Maschinenbau blieb auch im Sommer aus. Krones etwa montiert Abfüllanlagen künftig auch bei Bangalore, näher an den wachsenden Märkten.
Was bedeutet der Abbau für die Beschäftigten in Südbaden?
Gewicht im Wiesental. Zahoransky zählt zu den größten Industriearbeitgebern in Todtnau, einer Kleinstadt im Landkreis Lörrach, in der neben einem Textilwerk mehrere Bürstenhersteller sitzen. Wie viele der bis zu 120 Stellen auf den Stammsitz entfallen, entscheidet über das Gewicht des Abbaus für die Stadt.
Im vergangenen Jahr fiel bei Zahoransky nur die Hälfte der angekündigten 50 Stellen weg. Die 120 sind eine Obergrenze für die Verhandlung mit den Betriebsräten, noch kein Beschluss.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Spielraum der Betriebsräte. Umfang, Abfindungen und mögliche Altersteilzeit handeln Vorstand und Betriebsräte jetzt in Interessenausgleich und Sozialplan aus. Andere Maschinenbauer zeigen die Bandbreite: Bei den Grob-Werken in Mindelheim verzichtet die Belegschaft auf 30 Millionen Euro, um Jobs bis 2028 zu sichern. Bei der Walter AG in Münsingen streikt die IG Metall für einen Sozialtarifvertrag. Beschäftigte sollten beim Betriebsrat erfragen, wie sich die Stellen auf beide Standorte verteilen, bevor sie ein Angebot für Abfindung oder Altersteilzeit annehmen.
Quellen
[1] Zahoransky AG: „ZAHORANSKY schafft Voraussetzungen für die Zukunft der deutschen Standorte“ (24.09.2026)
[2] Schwarzwälder Bote: Zahoransky baut Stellen ab: In Todtnau und Freiburg fallen bis zu 120 Stellen weg (29.09.2026)
[3] plasticker: Zahoransky: Stellenabbau an deutschen Standorten geplant (29.09.2026)
[4] plasticker: Zahoransky: Formen- und Werkzeugbau in Rothenkirchen veräußert (30.01.2024)
[5] VDMA: Wirtschaftliche Entwicklung und Konjunktur im Maschinen- und Anlagenbau (abgerufen am 30.09.2026)
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