Volkswagen hat sich beim autonomen Fahren nach Informationen des Spiegels für das Londoner KI-Start-up Wayve entschieden und Nvidia eine Absage erteilt. Wayve soll nur die Fahrsoftware liefern, die Integration in die Autos übernimmt die VW-Softwaretochter Cariad. Nach Nissan, Stellantis und Mercedes-Benz wäre VW der vierte Autobauer, der den KI-Fahrer aus London lizenziert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 1,5 Milliarden Euro sollen seit 2022 in die Allianz von VW und Bosch für das autonome Fahren geflossen sein, im Sommer zog Volkswagen den Schlussstrich. Den Nachfolger hat der Konzern laut Spiegel gefunden: Drei Insider berichten, Wayve habe sich gegen Nvidia und rund ein Dutzend weitere Anbieter durchgesetzt. Offiziell bestätigt hat Volkswagen die Wahl bisher nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Spiegel überzeugte Wayve bei einer Testfahrt im August in einer süddeutschen Großstadt technisch und finanziell.
- Wayve liefert dem Bericht zufolge nur die KI-Software, Cariad baut das System in die Fahrzeuge von Marken wie Audi und Porsche ein.
- Wayves Fahrsoftware läuft auf Bordrechnern verschiedener Chiphersteller, Volkswagen behält damit die Wahl der Hardware.
- Mit Nvidias Komplettpaket hätten nach Aussage eines VW-Verantwortlichen rund 1.000 Cariad-Beschäftigte keine Arbeit mehr gehabt.
Was hat VW laut Spiegel entschieden?

Nach dem Spiegel-Bericht schickte Volkswagen im August mehrere Anbieter zu einer Testfahrt in eine süddeutsche Großstadt. Wayve setzte sich dort laut den Insidern technisch und finanziell durch. Den Vertrag verhandelt der Einkauf von Audi. Die Assistenzsysteme von Konzernmarken wie Audi oder Porsche sollen damit zu Tesla und Mercedes-Benz aufschließen.
Im Juli bestätigte VW das Ende der Automated Driving Alliance mit Bosch, deren Technik intern als nicht wettbewerbsfähig galt, vor allem beim freihändigen Fahren in der Stadt. Bis Ende September wollte der Konzern einen neuen Partner vertraglich binden.
Hinter der Wahl steht ein Machtkampf an der Konzernspitze. Das Manager Magazin beschrieb im August, wie Konzernchef Oliver Blume die Softwaretochter Cariad erhalten will. Audi-Chef Gernot Döllner signalisierte dagegen intern, Cariad in dieser Form nicht mehr zu brauchen.
Warum lizenziert VW eine Software statt Nvidias Komplettpaket?
Nvidia bot laut Manager Magazin ein Gesamtpaket aus Chips, KI-Modellen und passender Software an, Cariad wäre dabei weitgehend außen vor geblieben. Ein VW-Verantwortlicher sagte dem Spiegel: „Dann hätten 1.000 Leute bei Cariad keine Arbeit mehr gehabt.“
Wayve vergibt dagegen Lizenzen für ein Fahrmodell auf Basis künstlicher Intelligenz. Der Wayve AI Driver lernt das Fahren durchgängig aus Daten, kommt ohne hochauflösende Karten aus und läuft vollständig auf dem Bordrechner des Autos.[1] Den Bordrechner wählt der Autobauer selbst: Im April stiegen AMD, Arm und Qualcomm mit rund 52 Millionen Euro bei Wayve ein, die Software soll auf Nvidias Drive-Plattform ebenso laufen wie auf Qualcomms Snapdragon Ride.[2]
Volkswagen behält mit dem Lizenzmodell zwei Dinge selbst in der Hand: die Wahl des Chiplieferanten und die Integration ins Fahrzeug. Ganz aus dem Spiel ist Nvidia trotzdem nicht: Der Chipkonzern beteiligte sich im Februar an Wayves Finanzierungsrunde über rund 1,04 Milliarden Euro[1] und arbeitet mit dem Start-up seit Jahren beim KI-Training zusammen.[2]
Volkswagen lässt seine Autos künftig in London fahren lernen und behält in Wolfsburg die Integration. Ob Cariad als Integrator schneller liefert als zuvor als Entwickler, entscheidet über die nächste Sparrunde bei der Softwaretochter.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Diese Autobauer setzen auf den Wayve AI Driver
Was bedeutet die Wahl für Cariad und deutsche Fuhrparks?
Für die rund 4.300 Beschäftigten von Cariad bringt die Entscheidung nur begrenzt Entlastung. Laut Handelsblatt will die Softwaretochter ohnehin rund 1.000 Stellen streichen, um gegenüber externen Softwareanbietern wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie viele Entwickler künftig Wayves Modelle anpassen statt eigene zu bauen, lässt der Bericht offen.
Andere Autobauer kaufen den KI-Fahrer ebenfalls von außen ein. Mercedes-Benz baut die Wayve-Software zusätzlich zu Nvidias System in Serienautos ein, Stellantis will freihändiges Fahren der Stufe 2++ mit Wayve ab 2028 anbieten.[3] Bosch, der bisherige VW-Partner, bringt inzwischen die Fahrassistenz-Chips von Horizon Robotics nach Europa.
Den Maßstab setzt Tesla. Die Fahrsoftware FSD ist laut Spiegel in den Niederlanden und Tschechien zugelassen, das Kraftfahrt-Bundesamt prüft das System derzeit. Wie FSD im Stadtverkehr abschneidet, zeigt ein Test in Brüsseler Tempo-30-Zonen. Fuhrparkleiter sollten Assistenzsysteme bei Leasingverträgen deshalb nach Softwarestand und Update-Zusage bewerten. Beim Hersteller lohnt zudem die Frage, welcher Anbieter die Fahrsoftware liefert.
Quellen
[1] Wayve: „Wayve secures $1.5B to deploy its global autonomy platform“ (25.02.2026)
[2] Wayve: „Wayve Broadens Silicon Backing with $60M Investment from AMD, Arm and Qualcomm“ (15.04.2026)
[3] Wayve: „Stellantis and Wayve Partner to Bring Hands-Free Door-to-Door Supervised Automated Driving at Scale“ (21.05.2026)
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