Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat E.ONs Übernahme von OVO Energy am 1. Oktober freigegeben, ohne eine vertiefte Prüfung anzuordnen. Der Essener Konzern versorgt im Vereinigten Königreich damit bald rund 9,6 Millionen Haushalte. Offen bleibt die Technik: E.ON verwaltet seine Kunden auf der Plattform Kraken, OVO auf Kaluza.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür die Übernahme von OVO Energy brauchte die CMA 29 Tage. Am 2. September eröffnete die Behörde die formelle Fusionsprüfung, am 1. Oktober meldete sie die Freigabe, knapp vier Wochen vor Ablauf der Frist am 28. Oktober.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die CMA gab die Übernahme in Phase 1 frei, eine monatelange Phase-2-Prüfung mit möglichen Auflagen bleibt E.ON erspart.
- Mit OVO wächst E.ON im Vereinigten Königreich von 5,6 auf rund 9,6 Millionen Haushaltskunden, den Abschluss planen beide Seiten noch für 2026.
- E.ON führt den Lizenzvertrag von OVO mit der Plattform Kaluza fort, die eigenen Kunden betreut der Konzern über Kraken aus der Octopus-Gruppe.
Warum verkauft OVO an den größeren Rivalen?

OVO-Gründer Stephen Fitzpatrick begründete den Verkauf an E.ON im Mai mit den Regeln des Marktes: „Der Energievertrieb ist heute stärker reguliert und kapitalintensiver.“[2] Hinter dem Satz steht eine Vorgabe der Regulierungsbehörde Ofgem: Seit dem 31. März 2025 sollen britische Versorger als Zielwert ein bereinigtes Nettovermögen von rund 130 € je Haushaltskunde mit Strom und Gas als Kapitalpuffer vorhalten.[3]
Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Für vier Millionen Kunden wären das grob 520 Mio. € Eigenkapital, sofern alle Haushalte Strom und Gas bezögen. Ofgem führte die Regel nach der Energiekrise ein, in der ab 2021 Dutzende kleiner Versorger aus dem Markt ausschieden. Die Kosten für deren Kunden zahlten am Ende alle Haushalte über ihre Rechnungen.
Warum die CMA keine Bedenken gegen die Fusion sah, erklärt die Behörde erst im vollständigen Bescheid, den sie in Kürze veröffentlichen will. Für die meisten Haushalte begrenzt ohnehin der Preisdeckel von Ofgem, wie stark ein Versorger die Standardtarife anheben darf.
Warum entscheidet die Software über den Erfolg?
E.ON betreut seine britischen Kunden unter der Marke E.ON Next auf Kraken, einer Abrechnungs- und Kundenplattform aus der Octopus-Gruppe, die selbst um dieselben Haushalte wirbt. Erfahrung mit solchen Umzügen hat der Konzern: Zwischen Juli 2020 und Mai 2021 zog der Versorger zwei Millionen frühere npower-Kunden auf das System um.[4]
OVO verwaltet seine Kunden dagegen auf Kaluza. E.ON kündigte an, die Lizenz fortzuführen und einen Einsatz der Plattform im übrigen britischen Geschäft zu prüfen.[5] Vor dem Konzern liegt deshalb eine Wahl: Entweder wechseln vier Millionen Kundenkonten auf Kraken, oder der Konzern betreibt zwei Systeme dauerhaft nebeneinander.
Beide Wege kosten Geld. Doppelte Lizenzgebühren und zwei Datenmodelle schmälern den Größenvorteil, den der Kauf verspricht. Ein Umzug birgt dagegen das Risiko fehlerhafter Abrechnungen, solange Techniker Zählerstände und Tarife von einem System ins andere übertragen.
Mit der Freigabe der CMA hat E.ON die leichtere Hälfte geschafft. Rechnen wird sich der Kauf erst, sobald E.ON alle vier Millionen OVO-Konten auf derselben Plattform führt wie den Rest.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Weg zur Freigabe
Was lernen deutsche Unternehmen aus dem Fall?
Grenzüberschreitende Übernahmen hängen von fremden Behörden ab, und nicht jedes Verfahren endet so glatt wie das britische. Hapag-Lloyd musste sein Angebot für ZIM überarbeiten, weil Israel über eine Staatsaktie Zugeständnisse durchsetzte. Henkel scheiterte mit dem Kauf von Liquid Nails, nachdem ein US-Gericht den Deal gestoppt hatte.
Für Unternehmen, die selbst zukaufen, liefert der Fall zwei Prüfpunkte für die Due Diligence:
- Betreibt das Zielunternehmen sein Kerngeschäft auf lizenzierter Software, gehört der Lizenzvertrag samt Laufzeit und Klauseln zum Kontrollwechsel vor der Unterschrift auf den Tisch.
- Die Entscheidung über die gemeinsame Plattform fällt besser vor dem Abschluss als danach, weil jeder Monat im Parallelbetrieb doppelte Lizenz- und Betriebskosten verursacht.
Quellen
[1] UK Competition and Markets Authority: „E.ON / OVO merger inquiry“ (Freigabe vom 01.10.2026)
[2] OVO: „OVO agrees sale of energy retail business to E.ON and Home Services business to Hometree“ (11.05.2026)
[4] Octopus Energy: „E.ON completes migration of two million former npower customers to E.ON Next in record speed“ (07.05.2021)
[5] E.ON UK: „E.ON to acquire OVO and put customers in control by making new energy work for everyone“ (11.05.2026)
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