E.ON kauft mit OVO Energy einen Rivalen, der den britischen Strommarkt jahrelang von unten aufgerollt hat. 2019 übernahm der Konzern selbst den Anbieter npower, ein Jahr später schluckte OVO das Privatkundengeschäft von SSE und wuchs von 1,5 auf fünf Millionen Kunden. Jetzt schließt sich der Kreis.

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Mit dem Zukauf legt E.ON rund vier Millionen Kunden auf die bestehenden 5,6 Millionen im Königreich und kommt so auf etwa 9,6 Millionen Haushalte.[1] Aus zwei Wettbewerbern wird damit der größte Haushaltsversorger des Landes.

Das Wichtigste in Kürze

  • E.ON übernimmt den britischen Versorger OVO Energy und wächst um rund 4 Millionen auf etwa 9,6 Millionen Haushaltskunden.
  • Mit dem Deal übernimmt E.ON die Energieplattform Kaluza; mehr als 60 Prozent der Kunden sind vollständig digital angebunden.
  • Die Freigabe der Regulierer wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet, bis dahin arbeiten beide Firmen getrennt.
  • Der eigentliche Hebel ist Skalierung: Im preisregulierten Markt überleben nur Versorger, die Millionen Kunden softwaregestützt günstig bedienen.

Warum kauft E.ON ausgerechnet den kleineren Rivalen?

Zwei verbundene Aludosen vor weißem Hintergrund mit den Aufschriften „OVO“, „E.ON“ und Nr. 1
Britischer Strommarkt unter Preisdeckel: Ofgem-Cap zwingt Anbieter zu Massengeschäft, Gewinn liegt in der Technologieplattform statt Kundenmargen

Der britische Strommarkt lebt seit Jahren unter einer staatlichen Preisobergrenze, dem Ofgem-Cap. Diese Bremse drückt die Vertriebsmargen so weit, dass sich das Privatkundengeschäft nur noch über Masse rechnet. Größe ist hier kein Ziel, sondern Überlebensbedingung.

Der eigentliche Gewinn steckt nicht in der Kundenliste, sondern im Code. Mit OVO übernimmt E.ON die Plattform Kaluza, die Abrechnung, Smart Meter und flexible Tarife steuert; rund sieben Millionen intelligente Zähler laufen bereits darüber.[1] Wie viel Spielraum im Haushalt steckt, zeigt E.ONs Versuch zum bidirektionalen Laden, bei dem das E-Auto Strom ins Netz zurückspeist.

Ein Markt, der die Kleinen ausspuckt

OVO ist kein Sonderfall, sondern der jüngste Schritt einer Marktbereinigung. Die Energiekrise nach 2021 hat Dutzende kleine britische Versorger aus dem Markt gedrängt.

Der Anbieter Bulb kollabierte 2021 mit rund 1,5 Millionen Kunden, Shell zog sein Privatkundengeschäft 2023 zurück; beide Kundenstämme landeten beim Rivalen Octopus. Übrig bleiben wenige Schwergewichte, die ihre Stückkosten über Millionen Verträge und eine gemeinsame Software drücken. Ähnlich wie bei den Ladetarifen für E-Autos entscheidet am Ende die Skalierung über den Endpreis.

E.ON kauft bei OVO keine Kunden, sondern eine Software, die den Haushalt zum steuerbaren Teil des Stromnetzes macht. Der britische Markt zeigt die Richtung: Größe und Plattform schlagen den guten Tarif.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
E.ON und OVO: der Weg zur Nummer eins in Großbritannien
Wie aus zwei Rivalen der größte Haushaltsversorger des Landes wird
4 Mio.
Kunden bringt OVO in den Konzern ein
9,6 Mio.
Haushalte zählt E.ON danach in Großbritannien
7 Mio.
intelligente Zähler laufen über die Plattform
60 %
der Kunden sind voll digital angebunden

Drei Schritte zur Marktführung

2019
E.ON übernimmt den britischen Anbieter npower und baut das Privatkundengeschäft aus.
2020
OVO kauft das Privatkundengeschäft von SSE und wächst von 1,5 auf 5 Millionen Kunden.
2026
E.ON übernimmt OVO, Freigabe der Regulierer im zweiten Halbjahr erwartet.

Was heißt das für deutsche Entscheider?

Für deutsche Entscheider ist Großbritannien das Testfeld. Die Mechanik aus Preisdruck, Plattform und Konsolidierung erreicht auch den hiesigen Markt, in dem sich Stadtwerke und Discount-Anbieter dieselben dünnen Margen teilen. Wie stark London seinen Energie- und Mobilitätsmarkt zugleich umbaut, zeigt die geplante Kilometersteuer für E-Autos.

Auch die Endkundenpreise driften auseinander, ähnlich wie zuletzt die Ladepreise für E-Autos zwischen den Anbietern. Beim intelligenten Zähler bleibt Deutschland bislang EU-Schlusslicht, was jede softwaregestützte Flexibilität ausbremst.

Für den Stromeinkauf heißt das konkret: Versorger künftig auch danach bewerten, wie digital und wie stabil sie aufgestellt sind. Dynamische Tarife und der Smart-Meter-Rollout gehören genauso auf die Agenda wie die Frage, wer den eigenen Anbieter in fünf Jahren noch trägt.

Quelle

[1] E.ON SE: „E.ON announces acquisition of UK energy supplier OVO“

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