Das BMW-Werk Leipzig bekommt eine eigene Wasserstoff-Pipeline: Am 30. September begann der Bau der rund zwei Kilometer langen Leitung zum künftigen Kernnetz. Fertig sein soll der Anschluss im ersten Halbjahr 2028, vor einem Jahr hatte der Netzbetreiber Ontras noch Mitte 2027 genannt. Für Industriebetriebe zwischen Leipzig und Leuna zeigt der Fall, wie lange der Weg vom Vertrag bis zur ersten Lieferung dauert.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Im BMW-Werk Leipzig fahren seit 2013 Gabelstapler mit Wasserstoff: Mehr als 230 Fahrzeuge der Intralogistik, darunter Routenzugschlepper, nutzen dort Brennstoffzellen.[1] Seit 2022 stehen in der Lackiererei zudem elf Brenner, die wahlweise Erdgas oder Wasserstoff verbrennen. Erst die Pipeline soll aber Mengen liefern, mit denen die Lacktrockner dauerhaft vom Erdgas loskommen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • BMW begann am 30. September 2026 mit dem Bau einer rund zwei Kilometer langen Wasserstoff-Leitung zum Werk Leipzig, Fertigstellung und Anschluss sind für das erste Halbjahr 2028 geplant.
  • Mitnetz Gas baut die Leitung, BMW hat bei Ontras Gastransport Transportkapazität im Kernnetz reserviert.
  • Der EU-Regionalfonds EFRE und der Freistaat Sachsen finanzieren das Projekt mit, eine Summe nennen die Beteiligten nicht.
  • Wasserstoff soll vor allem in den Trocknern der Lackiererei das Erdgas ersetzen.

Was baut BMW in Leipzig und wie weit ist das Projekt?

Metallhahn mit orangem Griff und Schild „»H2 ab 2028«“
Ministerpräsident Kretschmer und Staatssekretär Hirte beim symbolischen Baubeginn der Gasleitung am 30. September. Mitnetz Gas verlegt zwei Kilometer Rohr

Baustart mit Politik: Zum symbolischen Baubeginn am 30. September kamen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.[1] Der regionale Netzbetreiber Mitnetz Gas verlegt die rund zwei Kilometer Rohr samt Gasdruckregel- und Messanlage. Mit Ontras Gastransport, dem für das Kernnetz in der Region zuständigen Fernleitungsbetreiber, hat BMW einen Vertrag über reservierte Kapazität geschlossen.

Später als geplant. Für die Pipeline liegen Verträge und Förderzusage vor, Wasserstoff fließt frühestens 2028. Bei der Unterzeichnung am 30. September 2025 hatte Ontras die Versorgung des Werks noch für Mitte 2027 angekündigt.[2] Das Werk mit rund 6.800 Beschäftigten baute 2025 genau 259.430 Autos, vom BMW 1er bis zum Mini Countryman.[5] Erst im August hatte BMW den Standort für die vollelektrische Neue Klasse umgerüstet.

Warum braucht ausgerechnet die Lackiererei Wasserstoff?

Hohe Temperaturen. Die Trockner der Lackiererei härten den Lack bei hohen Temperaturen aus und verbrauchen dafür bislang Erdgas. Genau dort soll Wasserstoff einspringen.[1] Werksleiterin Petra Peterhänsel spricht von einer Versorgung „in völlig neuen Größenordnungen“ und nennt die Pipeline einen „Grundpfeiler zur Sicherung unserer künftigen Energie-Resilienz“.

Brenner mit Wahlrecht. Die elf bivalenten Brenner verbrennen Erdgas oder Wasserstoff, BMW kann also je nach Preis und Verfügbarkeit umschalten. Fällt Wasserstoff 2028 teurer aus als erhofft, läuft die Lackiererei mit Erdgas weiter. Zugleich will BMW im Betrieb lernen, wie sich Technik und Kosten im Hochlauf des Kernnetzes entwickeln.

Leitung statt Elektrolyseur. BMW folgt in Leipzig dem Muster anderer Industriekunden, die Wasserstoff per Leitung beziehen, statt ihn selbst zu erzeugen. Lanxess trocknet in Krefeld-Uerdingen Pigmente mit Wasserstoff, den Covestro nebenan als Nebenprodukt liefert. Wacker stoppte 2024 die eigene Elektrolyse in Burghausen und bucht stattdessen Kapazität im Kernnetz. Wie zäh das Geschäft mit Elektrolyseuren läuft, zeigt thyssenkrupp nucera: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres sank der Umsatz des Anlagenbauers im grünen Wasserstoff um 79 Prozent auf 80 Millionen Euro.

BMW-Werk Leipzig: vom Brennstoffzellen-Stapler zur Pipeline
Was im Werk schon mit Wasserstoff läuft und wann das Kernnetz liefern soll
rund 2 km
lang wird die Anschlussleitung vom Werk zum Wasserstoff-Kernnetz von Ontras
über 230
Gabelstapler und Routenzugschlepper fahren im Werk bereits mit Brennstoffzellen
11
Brenner in der Lackiererei verbrennen wahlweise Erdgas oder Wasserstoff
25 €
Hochlaufentgelt je kWh/h und Jahr zahlen Kunden für reservierte Kapazität im Kernnetz
2013
Erste Flurförderzeuge fahren mit Brennstoffzellen
2022
Bivalente Brenner gehen in der Lackiererei in Betrieb
30.09.2025
BMW unterschreibt bei Ontras und Mitnetz Gas, Ontras nennt Mitte 2027 als Start
30.09.2026
Der Bau der Pipeline beginnt
1. Halbjahr 2028
BMW plant Fertigstellung und Anschluss ans Kernnetz

Was kostet der Anschluss und wann fließt das Gas?

Kapazität kostet. Ob sich Wasserstoff als Brennstoff für das Werk rechnet, hängt neben dem Einkaufspreis vom Netzentgelt ab. Die Bundesnetzagentur legte im Juli 2025 ein bundesweit einheitliches Hochlaufentgelt von 25 Euro je kWh/h und Jahr fest, für Ein- und Ausspeisung gleichermaßen.[3] Der Satz steigt jährlich mit der Inflation und gilt zunächst bis 2055. Abgerechnet wird die gebuchte Jahreskapazität. Die reservierte Kapazität kostet BMW ab Lieferbeginn also auch dann Geld, wenn die Brenner gerade Erdgas verbrennen.

Netz im Aufbau. Der Netzausbau bestimmt den Zeitplan. Ontras plant für Mittel- und Ostdeutschland ein Startnetz von rund 600 Kilometern, mit Abschnitten von Bad Lauchstädt nach Salzgitter, von Leipzig nach Berlin und in der Leipziger Region.[4] In Betrieb ist bisher ein umgestelltes, 25 Kilometer langes Teilstück vom Energiepark Bad Lauchstädt zur Raffinerie Leuna. Bundesweit soll das Kernnetz mit 9.040 Kilometern bis 2032 stehen.

BMW sichert sich in Leipzig doppelt ab: Die Brenner laufen notfalls mit Erdgas weiter, die Kapazität im Kernnetz ist trotzdem gebucht. Ein Mittelständler ohne Konzernbilanz im Rücken muss sich diese Doppelstrategie erst einmal leisten können.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Früh anfragen. Betriebe mit Prozesswärme auf hohem Temperaturniveau entlang des Ontras-Startnetzes, etwa zwischen Leipzig, Halle und Leuna, klären am besten jetzt mit dem Netzbetreiber, ob und ab wann ein Anschluss möglich ist. Steht ohnehin ein Brennertausch an, lohnt der Blick auf bivalente Brenner, wie BMW sie seit 2022 betreibt: Die Anlage läuft mit Erdgas und kann später auf Wasserstoff umgestellt werden. In die Kalkulation gehört neben dem Wasserstoffpreis das Hochlaufentgelt, in den Projektplan ein Zeitpuffer: Zwischen Vertrag und erster Lieferung liegen in Leipzig nach heutigem Plan rund zweieinhalb Jahre.

Quellen

[1] BMW Group: „Baubeginn der Wasserstoff-Pipeline: BMW Group bindet das Werk Leipzig an Wasserstoff-Kernnetz an.“ (30.09.2026)

[2] Ontras Gastransport: „BMW, ONTRAS und MITNETZ GAS ebnen Weg für Wasserstoffversorgung des BMW Group Werks Leipzig“ (01.10.2025)

[3] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur legt Hochlaufentgelt für das Wasserstoff-Kernnetz fest“ (14.07.2025)

[4] Ontras Gastransport: „ONTRAS H2-Startnetz“ (Stand 06/2026)

[5] BMW Group: „BMW Group Werk Leipzig“ (Werksporträt, abgerufen 01.10.2026)

Mehr Newshunger?

4,4 17 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?