Infineon liefert dem Energiemanagement-Konzern Eaton Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter für einen Festkörpertransformator, der KI-Rechenzentren mit 800 Volt Gleichstrom versorgt. Seit Ende August hat der Neubiberger Chipkonzern vier Geschäfte rund um den Strom für KI-Server verkündet. Anders als bei der Absichtserklärung mit Skeleton steht hinter der Liefervereinbarung mit Eaton eine bereits nach IEC zertifizierte Plattform.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Festkörpertransformator wandelt den Strom aus dem Mittelspannungsnetz mit schnell schaltender Leistungselektronik statt mit einem großen 50-Hertz-Transformator aus Kupfer und Eisen. Eaton bringt seine Plattform MVSST 2.0 zunächst im asiatisch-pazifischen Raum auf den Markt, die Siliziumkarbid-Chips dafür kommen von Infineon.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Infineon liefert Eaton Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter für die Festkörpertransformator-Plattform MVSST 2.0, angekündigt am 29. September 2026.
- Die Plattform wandelt Mittelspannung direkt in 800 Volt Gleichstrom für KI-Rechenzentren um und zählt für Infineon zu den ersten Festkörpertransformatoren mit IEC-Zertifizierung.
- Für deutsche Betreiber lohnt jede eingesparte Umwandlungsstufe, denn neue Rechenzentren müssen einen PUE-Wert von höchstens 1,2 erreichen.
Warum braucht das KI-Rechenzentrum einen neuen Transformator?

Lange Umwandlungskette. Im heutigen Rechenzentrum senkt ein klassischer Transformator die Mittelspannung auf 400 Volt Wechselstrom, die unterbrechungsfreie Stromversorgung wandelt ihn in Gleichstrom und wieder zurück. Erst das Netzteil im Serverschrank erzeugt den Gleichstrom mit niedriger Spannung. Jede dieser Stationen kostet Wirkungsgrad und Platz.
Ein Megawatt pro Schrank. Nvidia treibt deshalb eine Architektur mit 800 Volt Gleichstrom voran. Infineon arbeitet seit Mai 2025 daran mit und erwartet, dass einzelne Serverschränke noch vor 2030 ein Megawatt und mehr benötigen.[2] Bei den heute üblichen 54 Volt im Rack entspräche diese Leistung rund 18.500 Ampere, bei 800 Volt fließen nur 1.250 Ampere. Dünnere Stromschienen und geringere Leitungsverluste sind die Folge.
Schnelles Schalten. Der Festkörpertransformator fasst mehrere Stationen der alten Kette zusammen. Seine Halbleiter takten den Strom mit vielen Kilohertz statt mit 50 Hertz, und mit steigender Frequenz schrumpft der Transformator im Inneren. Siliziumkarbid hält dabei hohe Spannungen aus und verliert beim Schalten weniger Energie als Silizium. Eaton verspricht für MVSST 2.0 weniger Umwandlungsstufen und damit einen besseren Wirkungsgrad bei höherer Leistungsdichte.[1] Effizienzwerte nennen beide Unternehmen nicht.
Wie baut Infineon seine Rolle in der 800-Volt-Kette aus?
Vier Geschäfte in fünf Wochen. Ende August kündigte Infineon die Übernahme von C2i Semiconductors an, dessen Mehrphasen-Controller die Spannung am KI-Chip regeln. Anfang September folgten eine Absichtserklärung mit Skeleton Technologies zu Festkörpertransformatoren und Superkondensatoren sowie die Lieferung von Siliziumkarbid-Transistoren an SolarEdge für Halbleiter-Schutzschalter. Mit Eaton kommt ein Abnehmer hinzu, dessen Festkörpertransformator die Zertifizierung bereits hinter sich hat.
Halbleiteranteil. Infineon rechnet damit, dass der Anteil der Leistungshalbleiter in einer zentralen Gleichstrom-Architektur gleich hoch oder höher ausfällt als in der heutigen Wechselstrom-Verteilung.[2] Setzt sich die 800-Volt-Technik durch, verkauft der Konzern also nicht weniger Chips, obwohl viele Netzteile im Schrank wegfallen. Auch Siemens sieht den Engpass in der Stromverteilung und baut für 300 Millionen Euro die Fertigung von Schaltanlagen in Frankfurt und Offenbach aus.
Am KI-Boom verdienen auch die Hersteller der Bauteile zwischen Umspannwerk und Prozessor. Infineon sichert sich dort gerade Stufe für Stufe einen Partner.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Infineons Geschäfte rund um den Strom für KI-Server
Was bedeutet das für Rechenzentren in Deutschland?
Effizienz per Gesetz. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von Rechenzentren, die ab dem 1. Juli 2026 den Betrieb aufnehmen, einen PUE-Wert von höchstens 1,2. Ältere Anlagen müssen ab Juli 2027 auf 1,5 kommen und ab Juli 2030 auf 1,3.[3] Verluste in Transformator und USV fließen in diesen Wert ein, weil sie vor der IT-Last anfallen. Jede eingesparte Umwandlungsstufe senkt den PUE deshalb.
Netzanschluss als Nadelöhr. Am knappen Netzanschluss ändert ein kompakter Transformator nichts: Über das geplante 300-Megawatt-Rechenzentrum in Wenzenbach entscheidet zuerst TenneT. Planer neuer Standorte sollten die 800-Volt-Option trotzdem früh in Ausschreibungen abfragen. Welche Großanlagen heute am Netz hängen, zeigt unsere Übersicht der zehn größten Rechenzentren Deutschlands.
Quellen
[1] Infineon Technologies: „Infineon and Eaton leverage silicon carbide technology to advance solid-state transformers for 800 VDC AI data center power architectures“ (29.09.2026)
[2] Infineon Technologies: „Infineon to revolutionize power delivery architecture for future AI server racks with NVIDIA“ (20.05.2025)
[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 11 EnEfG: Klimaneutrale Rechenzentren“ (Gesetze im Internet)
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