Infineon und SolarEdge stellen einen Schutzschalter für eine neue Stromarchitektur im Rechenzentrum vor: 800 Volt Gleichstrom bis zum Rechenschrank. Hinter der Ankündigung von Anfang September steckt ein handfestes Problem der KI-Branche, denn die Serverschränke sprengen gerade jede bisherige Stromverteilung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Infineon liefert SolarEdge Siliziumkarbid-Transistoren für Halbleiter-Schutzschalter in 800-Volt-Rechenzentren.
- Solche Schalter trennen einen Fehler in Mikrosekunden ohne Lichtbogen, wo mechanische Schalter zu langsam sind.
- Auslöser ist der Sprung der KI-Serverschränke Richtung ein Megawatt, den NVIDIA mit einem 800-Volt-Standard vorantreibt.
- Für Infineon öffnet sich ein Geschäft im KI-Boom jenseits der Grafikchips.
Warum stößt die Stromverteilung im KI-Rechenzentrum an ihre Grenzen?

Ein moderner KI-Serverschrank zieht heute mehr als 200 Kilowatt, die nächste Generation steuert auf ein Megawatt zu. Die Verteilung über 54 Volt Gleichstrom und dicke Kupferschienen kippt bei diesen Lasten, weil Kupfermasse und viele Wandlungsstufen zu viel Platz und Energie fressen.[3]
Höhere Spannung senkt den Strom bei gleicher Leistung und spart Kupfer wie Verluste. NVIDIA treibt darum den Umstieg auf 800 Volt Gleichstrom voran, gestützt vom Open Compute Project und über 80 Zulieferern. Genau diese Ebene bedienen SolarEdge und Infineon.
Was Infineon und SolarEdge jetzt zusätzlich bauen
Schon im November 2025 kündigten beide einen Solid-State-Transformer an, ein Modul von zwei bis fünf Megawatt, das Mittelspannung mit über 99 Prozent Wirkungsgrad direkt auf 800 bis 1500 Volt Gleichstrom bringt.[2] Jetzt kommt die Schutzebene dazwischen, der Solid-State Circuit Breaker.
Halbleiter statt Mechanik: Ein Gleichstrom-Fehler hat keinen natürlichen Nulldurchgang wie Wechselstrom, ein mechanischer Schalter zieht deshalb einen Lichtbogen und trennt zu langsam. Ein Schalter aus Siliziumkarbid-Transistoren unterbricht denselben Fehler in Mikrosekunden und lässt nur den betroffenen Zweig fallen.[1]
Klare Rollen: SolarEdge führt das Design des Schutzschalters, Infineon liefert mit seinen CoolSiC-JFET-Transistoren den Kern. „Indem wir unsere Siliziumkarbid-JFET-Technologie mit SolarEdges Kompetenz in der finalen Stromverteilung verbinden, bedienen wir genau diesen Bedarf“, sagt Andreas Weisl, Vorstandsmitglied von Infineon.
Deutschland baut im KI-Boom nicht die Grafikkarten, aber die Stromadern kann das Land liefern. Infineon macht aus einem physikalischen Engpass ein Geschäftsmodell.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was deutsche Rechenzentrums-Betreiber davon haben
Die Kooperation reiht sich in eine Serie ein. Infineon kaufte den Regler-Spezialisten C2i Semiconductors und verbündete sich mit dem Superkondensator-Hersteller Skeleton, beides für die Stromversorgung der KI-Rechenzentren. Sogar RENK stößt aus der Rüstungstechnik in dieses Feld vor.
Für Betreiber in Deutschland zählt der Wirkungsgrad handfest. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von neuen Rechenzentren ab Juli 2026 einen PUE-Wert von höchstens 1,2. Jede Wandlungsstufe, die 99 statt 95 Prozent hält, bringt diesem Ziel näher. Der Hunger nach Kapazität ist da: Schwarz Digits baut bei Rostock ein KI-Rechenzentrum, die Telekom eine europäische KI-Fabrik.
Was Infineon und SolarEdge für die Stromversorgung der KI-Fabriken zusammentragen.
Für die Planung: Klären Sie die 800-Volt-Architektur und die Verfügbarkeit der Halbleiter-Schutzschalter früh mit Ihren Lieferanten, denn die Serienfertigung der CoolSiC-JFET-Transistoren läuft erst 2026 an.
Häufige Fragen
Was ist ein Solid-State Circuit Breaker?
Ein Solid-State Circuit Breaker ist ein Schutzschalter aus Halbleitern statt aus mechanischen Kontakten. Diese Bauart unterbricht einen Kurzschluss in Mikrosekunden, ganz ohne Lichtbogen. In 800-Volt-Rechenzentren trennt der Schalter nur den betroffenen Zweig, während der Rest der Anlage weiterläuft.
Warum brauchen KI-Rechenzentren 800 Volt Gleichstrom?
KI-Serverschränke ziehen bis zu ein Megawatt. Die bisherige Verteilung über 54 Volt bräuchte dafür zu viel Kupfer und zu viele Wandlungsstufen. 800 Volt Gleichstrom senkt den Strom bei gleicher Leistung, spart Material und Verluste und entsteht direkt aus der Mittelspannung.
Was liefert Infineon zur Kooperation mit SolarEdge bei?
Infineon steuert seine CoolSiC-JFET-Transistoren aus Siliziumkarbid bei, den Kern des Halbleiter-Schutzschalters. SolarEdge führt das Design von Schalter und Stromverteilung. Zusammen decken beide die Kette von der Mittelspannung bis zum Rechenschrank ab.
Ab wann gilt die PUE-Grenze von 1,2 für Rechenzentren?
Das deutsche Energieeffizienzgesetz verlangt von Rechenzentren, die ab dem 1. Juli 2026 den Betrieb aufnehmen, einen Jahres-PUE von höchstens 1,2. Ein hoher Wirkungsgrad der Stromwandlung hilft Betreibern, diese Grenze dauerhaft zu halten.
Quellen
[1] Infineon Technologies: „Solid-state circuit breaker (SSCB)“
[2] SolarEdge und Infineon: „SolarEdge and Infineon Collaborate to Advance High-Efficiency Power Infrastructure for AI Data Centers“
[3] NVIDIA: „NVIDIA 800 V HVDC Architecture Will Power the Next Generation of AI Factories“
Mehr Newshunger?
- Infineon übernimmt C2i Semiconductors für die Stromversorgung der KI-Chips
- Infineon und Skeleton bündeln Chips und Superkondensatoren für KI-Rechenzentren
- Vom Panzergetriebe zur KI-Stromversorgung: RENK erschließt das Rechenzentrum
- Schwarz Digits baut für 5,6 Milliarden Euro ein KI-Rechenzentrum bei Rostock
- Nvidia baut KI-Fabrik in München für 1 Milliarde Euro