Hapag-Lloyd muss die Übernahme der israelischen Reederei ZIM neu beantragen. Israels Behörde für Staatsunternehmen stellte die Prüfung des ursprünglichen Antrags am 29. September ein, weil Hapag-Lloyd und der Investor FIMI ihr nachgebessertes Konzept nicht fristgerecht vorgelegt hatten. Einen Tag zuvor hatte die Hamburger Reederei ihre Gewinnprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Rückschlag kann den rund 3,7 Milliarden Euro schweren Kauf um Monate verzögern. Laut Bloomberg begründete das israelische Finanzministerium seinen Widerstand auch mit zwei Aktionären von Hapag-Lloyd: den Staatsfonds aus Katar und Saudi-Arabien.
Das Wichtigste in Kürze
- Israels Government Companies Authority prüft den ZIM-Antrag vom März 2026 nicht weiter, ein neuer Vorschlag muss vollständig ausgearbeitet eingereicht werden.
- Laut Bloomberg sieht das Finanzministerium in den Beteiligungen Katars (12,3 %) und Saudi-Arabiens (10,2 %) an Hapag-Lloyd ein strategisches Risiko.
- Hapag-Lloyd erwartet für 2026 ein EBIT von 1,1 bis 1,5 Mrd. €, im Juli lag die Spanne noch bei 0,1 bis 1,0 Mrd. €.
- Der Kaufvertrag läuft laut Branchenberichten bis Februar 2027 und lässt sich bis Juni 2027 verlängern.
Warum stoppt Israel die Prüfung?

Formal scheiterte der Antrag an einer Frist. Hapag-Lloyd und FIMI hatten Anfang September angekündigt, das Betriebskonzept für ZIM nach der Übernahme zu überarbeiten, legten der Behörde bis zum Stichtag aber keinen ausgearbeiteten Vorschlag vor. Die Government Companies Authority stellte daraufhin die Bearbeitung des Antrags ein, wie ZIM der US-Börsenaufsicht SEC mitteilte.[1] Hapag-Lloyd will laut derselben Mitteilung einen neuen Vorschlag einreichen.
Hinter der Frist steht politischer Widerstand. Laut Bloomberg schrieb das Finanzministerium, die Regierungen Katars und Saudi-Arabiens hielten Anteile an Hapag-Lloyd. Nach Ansicht des Ministeriums entsteht durch diese Beteiligungen in Krisenzeiten ein „greifbares strategisches Risiko“ politischen Drucks und ausländischer Einflussnahme. Den Hebel liefert Israels Staatsaktie an ZIM, mit der sich der Staat seit der Privatisierung 2004 ein Vetorecht sichert.
Die beiden Golfstaaten sitzen seit 2017 im Aktionärskreis. Damals fusionierte Hapag-Lloyd mit der arabischen Reederei United Arab Shipping Company (UASC) und bezahlte mit eigenen Aktien. Qatar Holding und der saudische Staatsfonds PIF, zuvor Miteigentümer von UASC, wurden so zu Großaktionären der Hamburger. Neun Jahre später steht der damalige Zukauf dem nächsten im Weg.
Was bringt die zweite Prognoseanhebung?
Operativ verdient Hapag-Lloyd deutlich mehr als geplant. Der Vorstand erwartet für 2026 nun ein Konzern-EBITDA von 3,4 bis 3,8 Mrd. € und ein EBIT von 1,1 bis 1,5 Mrd. €.[2] Als Gründe nennt die Reederei die starke Nachfrage und steigende Spotfrachtraten. Ursprünglich hielt der Vorstand beim EBIT noch einen Verlust von bis zu 1,3 Mrd. € für möglich, im Juli hob er die Spanne erstmals an.[3]
Die höheren Gewinne erleichtern die Finanzierung des ZIM-Kaufs. Der Vorstand selbst nennt die Prognose wegen volatiler Frachtraten und der geopolitischen Lage aber hochgradig unsicher. Ein Risiko liegt in der schrittweisen Rückkehr durch den Suezkanal: Je mehr Dienste Hapag-Lloyd und Maersk dorthin verlegen, desto schneller werden Schiffe frei, und zusätzliche Kapazität drückt auf die Raten.
Israel prüft bei ZIM nicht nur den Käufer, sondern auch dessen Aktionäre. Die Aktien, mit denen Hapag-Lloyd 2017 eingekauft hat, kosten die Reederei heute Zeit.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
So hat Hapag-Lloyd die EBIT-Prognose 2026 verschoben
Was bedeutet der Fall für deutsche Unternehmen?
Investitionsprüfungen erfassen zunehmend die ganze Eigentümerkette eines Käufers. Auch Deutschland prüft nach dem Außenwirtschaftsrecht, wer hinter einem Investor steht: Die Bundesregierung ließ den Einstieg der chinesischen Staatsreederei Cosco am Hamburger Terminal Tollerort nur mit 24,9 % zu.
Für Entscheider folgen aus dem Fall zwei Prüfpunkte:
- Bei Zukäufen in sicherheitsrelevanten Branchen gehört neben dem Käufer auch dessen Aktionärsliste in die Vorprüfung, vor allem Staatsfonds und staatsnahe Investoren.
- Logistikeinkäufer kalkulieren ihre Ausschreibungen für 2027 besser mit ZIM als eigenständiger Reederei, weil Israel einen neuen Antrag von Grund auf prüft und sich der Kaufvertrag bis Juni 2027 verlängern lässt.
Quellen
[1] ZIM Integrated Shipping Services: „Form 6-K“ (30.09.2026)
[2] Hapag-Lloyd AG: „Hapag-Lloyd hebt erneut Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr an“ (EQS-Ad-hoc, 28.09.2026)
[3] Hapag-Lloyd AG: „Hapag-Lloyd hebt Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr an“ (EQS-Ad-hoc, 13.07.2026)
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