BASF prüft eine Übernahme von Evonik und hat dafür auch den Großaktionär RAG-Stiftung angesprochen. Die Stiftung hält rund 44 % der Evonik-Aktien und bezahlt mit der Evonik-Dividende einen Großteil der Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus. Ein Angebot aus Ludwigshafen käme der Stiftung gelegen, denn ihren Anteil will sie ohnehin auf 25,1 % senken.

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Am Freitag bestätigten BASF und Evonik in zwei knappen Mitteilungen einen Bericht der Financial Times über eine mögliche Übernahme von Evonik. Beim Evonik-Vorstand ging eine unverbindliche Ansprache ein, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien zielt. Gespräche laufen derzeit nicht. BASF spricht von Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung, deren Fortgang und Ausgang offen seien.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • BASF sondiert erst, ein Übernahmeangebot liegt noch nicht vor.
  • Die RAG-Stiftung hält rund 44 % an Evonik und will langfristig nur 25,1 % behalten.
  • 2025 zahlte die Stiftung 309,3 Mio. € für Ewigkeitslasten, die Evonik-Dividende brachte ihr 252,3 Mio. €.
  • Evonik erzielte 2025 eine Kapitalrendite von 6,1 % bei Kapitalkosten von 10 %.

Warum führt der Weg zu Evonik über die RAG-Stiftung?

Weißer Erlenmeyerkolben mit Etikett und Miniatur-Schwengelpumpe auf weißem Grund
RAG-Stiftung finanziert seit 2018 Ewigkeitslasten des Steinkohlebergbaus: 2025 zahlte sie 309,3 Mio. € für Grubenwasserpumpen an Ruhr und Saar

Die RAG-Stiftung finanziert seit dem Ende des Steinkohlebergbaus im Dezember 2018 die Ewigkeitslasten an Ruhr und Saar. Pumpen müssen dort dauerhaft das Grubenwasser vom Trinkwasser fernhalten. 2025 zahlte die Stiftung dafür 309,3 Mio. € an die RAG AG, den größten Einzelposten der Beteiligungserträge lieferte die Evonik-Dividende mit 252,3 Mio. €.[2] Den Barwert aller künftigen Pflichten beziffert die Stiftung auf 31,4 Mrd. €, zurückgestellt sind bisher 9,9 Mrd. €.

Die Dividende sinkt allerdings. Evonik zahlt für 2025 nur noch 1,00 € je Aktie statt 1,17 € und schüttet ab dem Geschäftsjahr 2026 lediglich 40 bis 60 % des bereinigten Konzernergebnisses aus.[3] Mit 44 % der Aktien kämen bei 1,00 € rechnerisch gut 200 Mio. € bei der Stiftung an, rund ein Drittel weniger als die Ewigkeitslasten zuletzt kosteten.

Was würde BASF mit Evonik kaufen?

BASF bekäme mit Evonik einen Spezialchemiekonzern mitten im Umbau. Der Umsatz von Evonik sank 2025 um 7 % auf 14,1 Mrd. €,[2] BASF selbst kam auf rund 60 Mrd. €.[1] Im September kündigte Evonik an, weitere 3.200 Stellen zu streichen. Zuvor stand bereits fest, dass der Konzern die kleinen Werke in Bitterfeld und Hamburg bis 2027 schließt.

Frisches Geld hat BASF zuletzt eingenommen. Aus dem Verkauf der Lacksparte an Carlyle flossen dem Konzern vorab rund 5,8 Mrd. € zu. Das Übernahmegesetz verlangt eine angemessene Gegenleistung, bei der BASF den durchschnittlichen Börsenkurs berücksichtigen muss, und erlaubt Geld oder liquide Aktien.[5] Bei einem Aktientausch hinge die Essener Stiftung künftig an der BASF-Dividende, ein Barangebot brächte ihr dagegen Geld, das sie breiter streuen kann.

Warum die RAG-Stiftung über Evonik mitentscheidet
Beteiligung, Dividende und Ewigkeitslasten im Vergleich
rund 44 %
der Evonik-Aktien hält die RAG-Stiftung, langfristig will sie 25,1 % behalten
252,3 Mio. €
Dividende von Evonik an die Stiftung im Jahr 2025
309,3 Mio. €
zahlte die Stiftung 2025 für die Ewigkeitslasten des Bergbaus
31,4 Mrd. €
Barwert aller künftigen Ewigkeitslasten, zurückgestellt sind 9,9 Mrd. €
6,1 %
Kapitalrendite von Evonik 2025 bei Kapitalkosten von 10 %

Über Evonik verhandelt BASF vor allem mit einer Stiftung, die jedes Jahr gut 300 Millionen Euro für Grubenwasser und Polder aufbringen muss. Den Zuschlag bekommt deshalb das Angebot, das diese Rechnung verlässlicher begleicht als die schrumpfende Evonik-Dividende.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet die mögliche Übernahme für Kunden und Zulieferer?

Eine Übernahme braucht Zeit: Covestro unterzeichnete die Investitionsvereinbarung mit dem Ölkonzern ADNOC im Oktober 2024, vollzogen wurde die Übernahme durch die ADNOC-Tochter XRG erst am 10. Dezember 2025 nach einer Prüfung durch die EU-Kommission.[4] Eine Fusion von BASF und Evonik müsste die europäische Fusionskontrolle passieren, die bei Überschneidungen Auflagen verhängen kann.

Für Einkäufer im Mittelstand zählt die Lieferantenbasis. Beide Konzerne bauen in Deutschland bereits Kapazitäten ab, BASF beschäftigt in Ludwigshafen erstmals seit 1954 weniger als 30.000 Menschen. Prüfen Sie deshalb, welche Rohstoffe und Additive Sie heute parallel bei BASF und Evonik beziehen, denn nach einer Fusion bliebe für diese Produkte nur noch ein Vertragspartner. Sehen Sie außerdem in Ihren Rahmenverträgen nach, ob Klauseln zum Kontrollwechsel greifen.

Quellen

[1] BASF: „BASF bestätigt Sondierungen zu einer möglichen Übernahme von Evonik“ (25.09.2026)

[2] RAG-Stiftung: Jahresabschluss 2025 (PDF)

[3] Evonik: „Evonik sets new dividend policy, meets guidance for 2025“ (Februar 2026)

[4] Covestro: „Covestro and XRG commence strategic partnership: transaction successfully closed“ (10.12.2025)

[5] Bundesministerium der Justiz: § 31 Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (Gegenleistung)

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