Henkel hat in wenigen Monaten fünf Firmen für rund fünf Milliarden Euro eingekauft, vier davon sind schon abgeschlossen. Konzernchef Carsten Knobel kündigt in der Rheinischen Post weitere Zukäufe an, obwohl Persil und Pattex auch aus eigener Kraft wachsen. Für Entscheider zeigt der Fall, was gekauftes Wachstum wirklich kostet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund fünf Milliarden Euro für fünf Übernahmen in wenigen Monaten: Mit dieser Summe hat Henkel sein Wachstum eingekauft, statt allein darauf zu warten. Konzernchef Carsten Knobel will nachlegen, sobald das nächste passende Ziel verfügbar und bezahlbar ist. Hinter der Kauflaune steckt ein Rechenproblem, das viele reife Konzerne kennen.
Das Wichtigste in Kürze
- Henkel hat fünf Zukäufe über zusammen rund fünf Milliarden Euro vereinbart, vier davon sind bereits abgeschlossen.
- Die gekauften Firmen sollen 2026 etwa 700 Millionen Euro Umsatz beisteuern, langfristig rund zwei Milliarden.
- Das erste Halbjahr 2026 brachte 10,3 Milliarden Euro Umsatz und 3,2 Prozent organisches Plus.
- Weitere Übernahmen bleiben geplant, sobald ein Ziel strategisch passt, verfügbar und finanziell attraktiv ist.
Warum kauft Henkel jetzt zu?

Gekauftes Wachstum. In reifen Märkten wie Waschmittel und Klebstoff wächst ein Konzern aus eigener Kraft meist nur im niedrigen einstelligen Bereich. Steigende Energie- und Rohstoffkosten drücken zusätzlich. Preiserhöhungen lassen sich bei Konsumgütern kaum weiterreichen. Ein Zukauf bringt sofort fremden Umsatz ins Haus, statt jahrelang eine eigene Marke hochzuziehen.
Solide Bilanz. Henkel steht finanziell stabil da und kann die Übernahmen aus eigener Kraft stemmen. Dieselbe Logik trieb zuletzt andere Konzerne, etwa als Mutares das US-Terpengeschäft von Symrise übernahm oder als sich Uber den Lieferdienst Delivery Hero sicherte.
Was die fünf Milliarden bringen sollen
700 Millionen sofort. Die fünf zugekauften Firmen sollen 2026 rund 700 Millionen Euro zum Umsatz beitragen und diesen Beitrag langfristig auf etwa zwei Milliarden Euro steigern.[2] Vier der fünf Transaktionen sind bereits abgeschlossen, die fünfte ist vereinbart.
Beide Sparten. Das Geld stärkt die Klebstoffsparte um Marken wie Pattex und Pritt ebenso wie die Konsumgüter um Persil, Schwarzkopf und Pril. Zu den bekannten Zielen zählt der Spezialklebeband-Anbieter ATP. Wichtig sei, dass ein Ziel strategisch passe sowie verfügbar und finanziell attraktiv sei, sagte Knobel der Rheinischen Post.[2]
Henkel kauft sich Zeit, keine Ausrede. Ein Konzern mit Marken wie Persil braucht beim Zukauf dieselbe Disziplin wie im eigenen Regal.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Kaufen statt selbst wachsen: ein Muster im DAX?
Konzerne als Käufer. Henkels Kaufkurs ist kein Einzelfall. Quer durch den DAX ersetzen Übernahmen das mühsame organische Wachstum, während hohe Kosten am Standort Deutschland auf die Margen drücken, wie zuletzt bei Mieles Ausbau in den USA oder dem Stellenabbau bei BASF in Ludwigshafen.
Kartellrecht im Blick. Für den Mittelstand heißt das zweierlei. Große Marken werden zu Aufkäufern kleiner, spezialisierter Anbieter. Jeder größere Zusammenschluss läuft durch die Fusionskontrolle von Bundeskartellamt und EU-Kommission. Anbieter mit klarer Nische und sauberen Zahlen sind dabei die begehrtesten Ziele.
Disziplin entscheidet. Henkels drei Kriterien taugen als Prüfraster für jede eigene Übernahme: strategischer Fit, echte Verfügbarkeit, ein Preis, der sich rechnet. Fehlt eines davon, kostet der Zukauf am Ende mehr Wachstum, als er einbringt.
FAQ: Fünf Milliarden für fünf Zukäufe: Wie Henkel sich Wachstum einkauft
Wie viel gibt Henkel für Übernahmen aus?
Henkel hat nach eigenen Angaben in wenigen Monaten fünf Zukäufe über zusammen rund fünf Milliarden Euro vereinbart, vier davon sind bereits abgeschlossen. Die gekauften Firmen sollen 2026 etwa 700 Millionen Euro zum Umsatz beitragen.
Welche Marken gehören zu Henkel?
Zu Henkel gehören unter anderem die Konsumgütermarken Persil, Schwarzkopf und Pril sowie die Klebstoffmarken Pattex, Pritt und Loctite. Der Konzern ist in die beiden Sparten Consumer Brands und Adhesive Technologies gegliedert.
Warum kauft Henkel andere Unternehmen?
In reifen Märkten wie Waschmittel und Klebstoff wächst ein Konzern organisch nur langsam. Zukäufe bringen sofort zusätzlichen Umsatz und ergänzen das Portfolio, während hohe Energie- und Rohstoffkosten die eigenen Margen belasten.
Wie lief das erste Halbjahr 2026 für Henkel?
Henkel meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 10,3 Milliarden Euro und ein organisches Wachstum von 3,2 Prozent. Die bereinigte EBIT-Marge lag bei 15,7 Prozent, die Umsatzprognose für das Jahr wurde angehoben.
Nach welchen Kriterien wählt Henkel Übernahmen aus?
Konzernchef Carsten Knobel nennt drei Kriterien: Ein Ziel muss strategisch passen, verfügbar und finanziell attraktiv sein. Sind alle drei erfüllt, will Henkel zugreifen.
Quellen
[2] Handelsblatt: „Henkel-Chef Knobel stellt weitere Unternehmenskäufe in Aussicht“
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