Frasers Group verfehlte die volle Übernahme von Hugo Boss im August nur um wenige Prozentpunkte und gibt trotzdem nicht auf. Statt eines neuen Angebots kauft der Konzern von Mike Ashley die restlichen Stimmrechte still am Markt zusammen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Weg zur faktischen Kontrolle über den Metzinger Modekonzern führt damit an den Aktionären vorbei. Ein neues Pflichtangebot wird dafür nicht fällig.
Das Wichtigste in Kürze
- Frasers Group hält nach dem Übernahmeangebot 47,89 Prozent der Hugo-Boss-Aktien und Stimmrechte.
- Der Konzern will die 50-Prozent-Marke jetzt über Zukäufe an der Börse überschreiten.
- Weitere 29,72 Prozent sind Frasers über Put-Optionen mit Laufzeit bis 2029 zugerechnet.
- Ein neues Pflichtangebot entfällt, weil das gescheiterte Angebot die Kontrollschwelle bereits nahm.
Wie weit ist Frasers bei Hugo Boss gekommen?

Seit Mitte Juni 2026 versucht Frasers Group, den Metzinger Anzughersteller zu übernehmen. Das freiwillige Angebot lag bei 38 Euro je Aktie, der Vorstand von Hugo Boss riet zur Ablehnung. Nach dem Ende der Annahmefrist am 13. August kam der britische Großaktionär auf 47,89 Prozent der Anteile.[2]
Die Europäische Kommission hatte die Offerte zuvor freigegeben, das letzte regulatorische Hindernis fiel damit weg. Zur vollen Übernahme fehlten am Ende nur gut zwei Prozentpunkte.
Warum reichen 50 Prozent für die Kontrolle?
Über die Börse kann Frasers die fehlenden Aktien einzeln nachkaufen, bis der Anteil 50 Prozent übersteigt. Ein neues Pflichtangebot verlangt das deutsche Übernahmerecht dafür nicht, weil das frühere Angebot die Kontrollschwelle von 30 Prozent bereits nahm. Der Zukauf am Markt läuft still und ohne Frist.
Zusätzlich sind dem Konzern 29,72 Prozent über Put-Optionen mit Laufzeit bis Dezember 2029 zugerechnet.[1] Frasers erwägt zudem, die Unterstützung für Aufsichtsratschef Stephan Sturm zurückzuziehen. Die Mehrheit in der Hauptversammlung und der Zugriff auf den Aufsichtsrat genügen, um den Konzern schon vor dem vollen Eigentum zu führen.
Frasers muss Hugo Boss gar nicht ganz kaufen. Mit knapp der Hälfte der Aktien, einem Paket Optionen und dem Griff nach dem Aufsichtsrat sitzt der Konzern von Mike Ashley längst am längeren Hebel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für einen deutschen Bluechip?
Der Fall folgt dem Muster von Mike Ashley. Frasers hält bereits große Pakete an Boohoo, ASOS, Currys und Mulberry, ohne diese Ketten je ganz zu schlucken. Der Konzern baut Sperr- und Kontrollpositionen auf und nimmt danach über Aufsichtsräte Einfluss auf die Strategie.
Für einen im MDAX notierten Markenkonzern verschiebt der schleichende Zugriff die Machtfrage. Deutsche Modekonzerne stehen ohnehin unter Druck, wie der jüngste Quartalsverlust bei Puma zeigt, und börsennotierte Firmen verlieren ihre Eigenständigkeit zunehmend an ausländische Eigner, wie zuletzt beim Delisting von Nagarro. Anleger und Lieferanten sollten die Stimmrechtsmitteilungen von Hugo Boss künftig genau verfolgen. Auch Vertragsklauseln zum Kontrollwechsel gehören jetzt auf den Prüfstand.
Quellen
[1] Frasers Group PLC: „Regulatory News: Frasers Group and its shareholding in HUGO BOSS AG“
[2] Hugo Boss AG: „Investor Relations: Voting Rights Notifications“
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