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Die Münchener Rück übernimmt den kalifornischen Cyberversicherer At-Bay zu einem Unternehmenswert von rund 500 Millionen Euro. Der größte Rückversicherer der Welt kauft damit kein weiteres Policengeschäft, sondern eine Plattform, die Versicherung und Cyberabwehr verschmilzt.

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Für Entscheider lohnt der Blick, weil der Fall das Geschäftsmodell hinter der Cyberpolice verschiebt: Der Versicherer wird zum Sicherheitsdienstleister, der Schäden verhindert, statt sie nur zu bezahlen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Münchener Rück kauft At-Bay zu einem Unternehmenswert von rund 500 Millionen Euro; der Abschluss wird für das erste Quartal 2027 erwartet.
  • At-Bay verbindet Cyberversicherung mit aktiver Absicherung und überwacht die Systeme seiner rund 40.000 Kunden laufend selbst.
  • Geführt wird At-Bay künftig von Hartford Steam Boiler (HSB), der technikaffinen Cyber-Sparte der Münchener Rück.
  • Der Zukauf folgt einem Muster: Schon 2024 übernahm der US-Versicherer Travelers den Cyber-Spezialisten Corvus für rund 380 Millionen Euro.

Was kauft die Münchener Rück da eigentlich?

Metallschirm vor weißem Hintergrund mit Preisschild und Vorhängeschloss
At-Bay kombiniert Cyber-Versicherung mit kontinuierlicher IT-Schwachstellensuche und eigenem Überwachungsdienst zur Angriffsabwehr

Versicherung plus Abwehr beschreibt das Modell, für das der Konzern zahlt. At-Bay verkauft nicht nur eine Cyberpolice, sondern durchsucht die IT der versicherten Firmen laufend nach Schwachstellen und betreibt mit At-Bay Stance einen eigenen Wach- und Reaktionsdienst (Managed Detection and Response). Jeder erkannte Angriff fließt zurück in die Risikobewertung, die Prämie richtet sich also nach der tatsächlichen Sicherheitslage.[1] Genau diese Kopplung aus Daten, Technik und Deckung lässt sich schneller kaufen als aufbauen.

Warum kaufen und nicht selbst bauen?

Ein Wettlauf um Fähigkeiten treibt die Branche. Cyberrisiken verändern sich schneller, als ein klassischer Versicherer eigene Scan- und Abwehrtechnik aufbauen könnte, also kauft der Konzern den Spezialisten mitsamt Team, Daten und Plattform. Travelers machte es 2024 vor und übernahm den Cyber-Anbieter Corvus, dieselbe Logik trieb zuletzt auch die Übernahmewelle unter den reinen Sicherheitsfirmen.

Vertikale Integration nennt die Branche das Ziel. „Der Markt bewegt sich auf vertikal integrierte Plattformen zu, die Versicherung und Sicherheit in einem Anbieter verbinden“, sagt Jeffrey O’Shaughnessy, President und CEO der HSB Group. At-Bay-Mitgründer Rotem Iram nennt dieses Bündel InsurSec, die Verschmelzung von Versicherung und Sicherheit zu einem Produkt.

Die Münchener Rück verdient künftig daran, Cyberschäden zu verhindern, nicht sie zu bezahlen. Der Mittelstand bekommt so eine Versicherung, die ihn schon vor dem Angriff prüft und ohne Basisschutz gar nicht erst annimmt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

NIS2 erhöht den Druck. Seit Dezember 2025 ist die EU-Richtlinie NIS2 in deutsches Recht überführt, und die Zahl der betroffenen Unternehmen steigt von rund 4.500 auf etwa 29.500 Firmen ab 50 Beschäftigten oder 10 Millionen Euro Umsatz. Bis März 2026 hatte sich davon nur gut ein Drittel registriert. Versäumt ein Betrieb die Pflichten, haftet die Geschäftsführung persönlich, und genau diese Lücke füllt ein Paket aus Police und mitgeliefertem Basisschutz.

Die Schutzlücke bleibt groß. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherer haben oder planen erst 44 Prozent der mittleren Unternehmen eine Cyberpolice, doppelt so viele wie 2018, während bereits jeder vierte Betrieb einen Schaden aus dem Netz erlitten hat.[2] Wie sich eine solche Police rechnet, haben wir im Überblick zur Cyberversicherung eingeordnet, und die Zahl der Angriffe steigt weiter.

Konkret heißt das: Behandeln Sie Versicherung und IT-Sicherheit als ein Budget, denn Versicherer verlangen zunehmend Mehr-Faktor-Anmeldung, saubere Backups und eine Angriffserkennung als Bedingung für die Deckung. Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Betrieb unter NIS2 fällt, und melden Sie sich fristgerecht beim BSI. Rechnen Sie damit, dass die Prämie künftig an Ihrer tatsächlichen Sicherheitslage hängt, saubere IT-Hygiene senkt also unmittelbar die Kosten.

Münchener Rück kauft At-Bay
Die Übernahme in Zahlen (Stand: 19. August 2026)
500 Mio. €
Unternehmenswert der Übernahme (575 Millionen US-Dollar)
40.000
von At-Bay versicherte Unternehmen, überwiegend Mittelstand
242 Mio. €
gebuchte Bruttoprämien, Top-10 unter den US-Cyberversicherern
700 Mrd. €
abgesichertes Umsatzvolumen der versicherten Firmen
Q1 2027
erwarteter Abschluss, vorbehaltlich der Freigaben

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Münchener RückMunich Re Group to Acquire Cyber Insurtech At-Bay (Medienmitteilung)19.08.2026
  2. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)Im Mittelstand steigt das Interesse an Cyberversicherungen (Forsa-Umfrage)

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