Redcare Pharmacy holt zum 1. Oktober 2026 einen Manager an die Spitze, der eBay, AutoScout24 und den B2B-Marktplatz Visable geprägt hat, keine Apotheke. Peter Schmid von Linstow löst Olaf Heinrich ab und soll den Kurs auf Digitalisierung, KI und das E-Rezept verschärfen. Die Personalie verrät mehr über die Strategie als über den Vorstand.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRedcare Pharmacy, hervorgegangen aus der Shop Apotheke Europe, wechselt an der Spitze und wählt dabei bewusst einen Plattform-Fachmann statt eines Pharma-Manns. Am 28. August 2026 berief der Aufsichtsrat Peter Schmid von Linstow zum Vorstandschef, wirksam ab dem 1. Oktober.[1] Sein Lebenslauf ist die eigentliche Botschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Peter Schmid von Linstow wird zum 1. Oktober 2026 CEO von Redcare Pharmacy und folgt auf Olaf Heinrich, der nach drei Jahren beratend wechselt.
- Der Neue kommt von digitalen Marktplätzen: eBay, AutoScout24, Parship und dem B2B-Portal Visable, nicht aus der Apothekenbranche.
- Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, die Zahl aktiver Kunden stieg auf 14,7 Millionen.
- Der Kurs zielt auf E-Rezept, KI-gestützte Personalisierung und europäische Expansion.
Warum holt Redcare einen Marktplatz-Manager?

Redcare will keine bessere Versandapotheke sein, sondern eine Handelsplattform für Gesundheit. Der Lebenslauf des neuen Chefs steht genau dafür. Schmid von Linstow verantwortete Wachstum und Internationalisierung bei eBay, AutoScout24, der Partnervermittlung Parship und zuletzt beim B2B-Marktplatz Visable, lauter Netzwerke, die von Reichweite, Daten und Vermittlung leben, nicht von der Beratung am Apothekentresen. Manager mit dieser Prägung denken in Netzwerkeffekten: Mehr Anbieter ziehen mehr Kunden an, mehr Kunden ziehen mehr Anbieter an. Für einen Konzern, der längst Drittanbieter und einen eigenen Marktplatz aufbaut, passt diese Schule. Die frühere Shop Apotheke Europe verabschiedet sich sichtbar vom reinen Apotheken-Selbstbild.
Was bedeutet der Wechsel fürs E-Rezept-Geschäft?
Der Wechsel fällt in die profitabelste Phase der Firmengeschichte. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA erreichte 44 Millionen Euro und damit die höchste Marge seit zehn Jahren.[2] Getrieben hat den Aufschwung vor allem das E-Rezept: Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Medikamenten legte in Deutschland um 58 Prozent zu, seit die elektronische Verordnung dort 2024 Pflicht wurde und das CardLink-Verfahren die Einlösung per Smartphone ermöglichte. 14,7 Millionen aktive Kunden bilden die Basis, auf der Personalisierung erst greift. Heinrich hat dieses Fundament in drei Jahren gelegt, von Linstow soll darauf die Plattform bauen.
Redcare holt sich keinen Apotheker an die Spitze, sondern einen Marktplatz-Mann von eBay und AutoScout24. Der Signalwert ist eindeutig: weg von der Versandapotheke, hin zur Gesundheitsplattform, auf der das Rezept nur der Einstieg ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Führungswechsel fällt in die profitabelste Phase der Firmengeschichte.
Was lernen Händler und Plattformbetreiber daraus?
Die Personalie ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. Handelskonzerne holen sich Plattform-Manager, sobald aus einem Shop ein Ökosystem werden soll. Zalando wickelt über seine Logistiktochter ZEOS inzwischen das komplette Europageschäft von Marks & Spencer ab, Uber kaufte Delivery Hero, und quer durch den deutschen Onlinehandel verschiebt sich der Wert von der Ware zur Vermittlung. Für Entscheider im DACH-Raum steckt die eigentliche Lektion im Kleingedruckten: Gesundheitsdaten sind nach Artikel 9 DSGVO besonders geschützt, KI-gestützte Personalisierung braucht hier eine belastbare Rechtsgrundlage, nicht nur eine gute Idee. Wettbewerber wie DocMorris stehen vor derselben Abwägung zwischen Reichweite und Datenschutz.
Für die eigene Praxis lohnt eine nüchterne Prüfung, ob das Geschäft schon Plattform-Logik trägt, bevor Sie sie besetzen. Fulfillment als Dienstleistung, Drittanbieter und Personalisierung zahlen erst dann auf ein Ziel ein, wenn Rechtsgrundlage und Datenqualität stehen. Redcare beantwortet die Frage mit einem CEO, der Marktplätze gebaut hat, lange bevor er den ersten Kunden einer Apotheke sah.
Quellen
[1] Redcare Pharmacy: Corporate News (Vorstandswechsel, 28. August 2026)
[2] Redcare Pharmacy: „Redcare Pharmacy accelerates in Q2: 20% revenue growth, expanding EBITDA margin“
FAQ: Redcare Pharmacy und der CEO-Wechsel
Wer wird neuer CEO von Redcare Pharmacy?
Peter Schmid von Linstow wird zum 1. Oktober 2026 Vorstandsvorsitzender von Redcare Pharmacy. Der Aufsichtsrat berief ihn am 28. August 2026. Er folgt auf Olaf Heinrich, der nach drei Jahren an der Spitze ausscheidet und dem Konzern beratend erhalten bleibt.
Wer ist Peter Schmid von Linstow?
Peter Schmid von Linstow ist ein Manager mit über 20 Jahren Erfahrung bei digitalen Plattformen und Marktplätzen, darunter eBay, AutoScout24, die Partnervermittlung Parship und der B2B-Marktplatz Visable. Bei Redcare Pharmacy saß er seit April 2026 im Aufsichtsrat, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender.
Warum verlässt Olaf Heinrich den CEO-Posten?
Der Wechsel gilt als planmäßiger und geordneter Übergang. Olaf Heinrich gibt den Vorstandsvorsitz nach drei Jahren ab und begleitet Redcare Pharmacy künftig beratend. Ein Zerwürfnis oder eine Krise ist nicht der Anlass.
Wie hieß Redcare Pharmacy früher?
Redcare Pharmacy hieß bis 2023 Shop Apotheke Europe. Der Konzern gehört zu den größten Online-Apotheken Europas und betreibt neben dem Arzneimittelversand ein wachsendes Marktplatz- und Fulfillment-Geschäft. Wichtigster Wettbewerber in Deutschland ist DocMorris.
Wie stark wächst das E-Rezept-Geschäft von Redcare?
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland um 58 Prozent. Treiber ist das elektronische Rezept, das seit 2024 Pflicht ist und sich per CardLink-Verfahren am Smartphone einlösen lässt. Der Konzernumsatz wuchs auf 1,7 Milliarden Euro.
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