WeRide gilt als Robotaxi-Pionier, doch das Geld verdient das Unternehmen inzwischen im Serienauto. Die Fahrsoftware WRD 3.0 fährt seit Mitte September im Elektro-SUV GAC Aion i60 ab rund 15.400 Euro mit, als Assistenzsystem statt als fahrerloses Taxi. Für Bosch, Continental und Mobileye wächst damit ein Preiskonkurrent aus China heran.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWeRide, einer der ersten börsennotierten Robotaxi-Anbieter, baut seine autonome Fahrsoftware jetzt in ein Serienauto für rund 15.400 Euro ein. Das Seriengeschäft mit Assistenzsystemen wächst dabei weit schneller als die fahrerlose Flotte, die den Namen bekannt gemacht hat. Genau dieser Schwenk zeigt, wo die Branche beim autonomen Fahren heute Geld verdient.
Das Wichtigste in Kürze
- WeRides Assistenzsystem WRD 3.0 fährt im Elektro-SUV GAC Aion i60 ab rund 15.400 Euro (118.800 Yuan) serienmäßig mit.
- Der Umsatz mit Assistenzsystemen (L2++/L3) stieg im zweiten Quartal 2026 um rund 2.600 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Bis Ende 2026 peilt WeRide 100.000 ausgelieferte Systeme an, für 2027 sogar 500.000, nach gut 30.000 bis Mitte 2026.
- Rund 40 Prozent des Umsatzes stammen bereits aus dem Ausland, mit Genehmigungen unter anderem in Frankreich, der Schweiz und Belgien.
Was steckt im günstigen Assistenzsystem WRD 3.0?

Serienreifer Autopilot. WRD 3.0 arbeitet als einstufiges End-to-End-System, ein einziges neuronales Netz steuert vom Kamerabild bis zum Lenkbefehl. Das System beherrscht assistiertes Navigieren aus dem Parkzustand heraus, das Rangieren auf Parkplätzen und Werksgeländen sowie das ferngesteuerte Einparken. Im Elektro-SUV Aion i60 des Herstellers GAC Aion fährt die Lidar-Variante ab 118.800 Yuan mit, umgerechnet rund 15.400 Euro (Kurs 0,13 Euro je Yuan am 19. September 2026).[1]
Daten aus dem Taxi. Die Software stammt aus WeRides fahrerlosem Betrieb in über 60 Städten und 13 Ländern. Fahrdaten aus dem teuren Robotaxi trainieren das günstige Assistenzsystem, ein Prinzip, das WeRide selbst als „Betrieb speist die Serie“ beschreibt. So sinkt die Technik aus der Oberklasse in die 15.000-Euro-Klasse.
Warum drängt der Robotaxi-Pionier ins Assistenzgeschäft?
Robotaxi zahlt langsam. Der fahrerlose Betrieb bindet viel Kapital und wächst nur zäh. Zur globalen L4-Flotte von rund 3.400 Fahrzeugen zählen gut 1.800 Robotaxis, jedes davon kam im zweiten Quartal auf durchschnittlich 21 Fahrten am Tag. WeRide besitzt die Autos nicht selbst, sondern lizenziert den virtuellen Fahrer an lokale Partner, was Chinas Robotaxi-Wachstum ohnehin ins Ausland verlagert.
Assistenz zahlt schnell. Das Seriengeschäft wächst dagegen rasant. Der Umsatz mit Assistenzsystemen legte im zweiten Quartal um rund 2.600 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, der Gesamtumsatz stieg um 82,2 Prozent auf 231,7 Millionen Yuan (rund 30 Millionen Euro), die Bruttomarge erreichte mit 37,5 Prozent einen Rekord.[2] Nach gut 30.000 ausgelieferten Systemen peilt WeRide 100.000 bis Jahresende und 500.000 für 2027 an.
Das Muster. Die halbe Branche folgt dem gleichen Weg. Pony.ai treibt sein fahrerloses Robotaxi voran und verkauft zugleich Assistenztechnik. XPeng liefert seine Fahr-KI an Volkswagen, Leapmotor bringt das Weltmodell-Fahren für unter 13.000 Euro ins Auto.
Autonomes Fahren nur am Robotaxi zu messen, verfehlt das eigentliche Geschäft. Chinas L4-Firmen verdienen ihr Geld gerade damit, ihre Technik zum Assistenzsystem für den Massenmarkt herunterzubrechen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was der Preissturz für Europas Zulieferer bedeutet
Neuer Preisdruck. Für Europas Zulieferer verschiebt sich der Wettbewerb. Assistenzsysteme aus chinesischer L4-Entwicklung drücken den Preis für Fahrassistenz in Bereiche, in denen Bosch, Continental und Mobileye bisher kaum konkurrieren. Continental etwa sieht Chinas Autobauer eher als Chance denn als Bedrohung. WeRide hält bereits Zulassungen in Frankreich, der Schweiz und Belgien.
Regeln und Risiko. Für den Verkauf in der EU zählt die Typgenehmigung nach UN-Regelung R157, nicht der chinesische Marktstart. Zugleich wirft chinesische Fahrsoftware im europäischen Auto Fragen zu Datenabfluss und Sicherheit auf. Günstige Sensorik trägt zudem ein eigenes Risiko: RoboSense musste jüngst 93.000 Autos bei Geely zurückrufen.
Für Einkäufer. Zwei Punkte zählen konkret. Prüfen Sie vor jedem Modell, wer die Fahrsoftware liefert und wohin die Fahrdaten fließen. Beim Restwert eines Elektroautos zählt künftig mit, wessen Assistenzsystem an Bord ist und wie lange der Hersteller Updates liefert.
Quellen
[1] WeRide: „WRD 3.0 Powers the AION i60 with Championship-Winning Technology Available from Delivery“
[2] WeRide: „Second Quarter 2026 Results: Total Revenue Reached RMB231.7 Million, Up 82.2% Year over Year“
Mehr Newshunger?
- WeRide verkauft den virtuellen Fahrer: Chinas Robotaxi-Wachstum kommt jetzt aus dem Ausland
- Leapmotor bringt das Weltmodell-Fahren ins Auto für unter 13.000 Euro
- BYD Qin MAX: Lidar-Assistenz zieht in die 13.000-Euro-Klasse
- Pony.ai öffnet Dohas erstes fahrerloses Robotaxi bei 48 Grad Hitze
- Geely ruft 93.000 Autos zurück: Ein Produktionsfehler im Lidar von RoboSense