Der whatif-Report 2026 der Frankfurter Klimaberatung Right° rechnet die Emissionen von 71 Börsenkonzernen in Grad Celsius um. Nur 26 davon bleiben auf einem Pfad, der die Erderwärmung bei 1,7 Grad hält, zwei weniger als im Vorjahr. Bayer landet bei 7,5 Grad, die Deutsche Telekom als Vorreiter bei 1,8 Grad.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDeutschlands Börsenkonzerne setzen sich ehrgeizige Klimaziele, halten aber immer seltener Schritt. Der whatif-Report 2026 misst 71 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX am Pariser 1,7-Grad-Ziel, und der Befund fällt ernüchternd aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Nur 26 der 71 untersuchten Konzerne bleiben auf 1,7-Grad-Kurs, im Vorjahr 28.
- 25 Unternehmen verschlechterten sich gegenüber dem Vorjahr, nur 19 verbesserten sich.
- Bayer bildet mit rechnerischen 7,5 Grad das Schlusslicht, die Deutsche Telekom führt mit 1,8 Grad.
- Über die CSRD werden diese Emissionsdaten für große Konzerne berichtspflichtig.
Warum verfehlen die Börsenkonzerne ihre eigenen Ziele?

Die Lücke steckt in den Lieferketten. Right° misst nicht die absoluten Emissionen, sondern das Tempo der Dekarbonisierung: Das XDC-Modell rechnet aus, um wie viel Grad sich die Erde erwärmen würde, wirtschaftete die ganze Weltwirtschaft im Takt eines einzelnen Konzerns.[1] Den größten Hebel bilden die Scope-3-Emissionen aus Vorprodukten und Nutzung, die außerhalb der direkten Kontrolle liegen und in vielen Bilanzen kaum sinken.
Ehrgeizige Ziele lassen sich leichter verkünden als einhalten. Der Rückschritt von 28 auf 26 Konzerne fügt sich in ein größeres Muster, in dem etliche Unternehmen ihre selbst gesteckten Klimaziele gerade wieder abschwächen. In der Schwerindustrie hängt der Fortschritt zusätzlich am Strompreis, und Chemiekonzerne wie Evonik und Wacker haben ihre Zielmarken zuletzt gestutzt.
Vorreiter und Nachzügler: Wo steht der DAX?
Die Spitze bleibt schmal. Auf 1,7-Grad-Kurs liegen unter anderem Adidas, E.ON, BMW und Qiagen. Die Deutsche Telekom gilt als Vorzeigefall: von 5 Grad im Jahr 2021 auf heute 1,8 Grad, weil der Konzern den Stromverbrauch je Terabyte von über 90 auf 48 Kilowattstunden gedrückt hat.[2]
Am anderen Ende steht Bayer mit 7,5 Grad, dahinter Salzgitter mit 6,4 Grad, das jährlich rund 8 Millionen Tonnen CO2 ausstößt und seine Hochöfen gerade auf einen Elektrolichtbogenofen umstellt. Unter die 1,7-Grad-Marke rutschten zuletzt Porsche, Symrise, Atoss Software und SFC Energy, während Siemens sich von 2,2 auf 1,4 Grad verbesserte.[2]
Auf Kurs
Adidas, E.ON, BMW und Qiagen bleiben unter der 1,7-Grad-Marke.
Abgerutscht
Porsche, Symrise, Atoss Software und SFC Energy fielen zuletzt darunter.
Ein Klimaziel im Geschäftsbericht ist noch keine Tonne weniger CO2. Der whatif-Report übersetzt genau diese Lücke in eine Zahl, die auch Investoren sofort verstehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Die Kennzahl wird berichtspflichtig. Mit der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD müssen große Unternehmen ihre Treibhausgase samt Scope 3 im Lagebericht ausweisen, und externe Ratings wie der whatif-Report machen die Differenz zwischen Ansage und Fortschritt öffentlich vergleichbar. Zwar hat die EU mit dem Omnibus-Paket den Kreis der berichtspflichtigen Firmen zuletzt verkleinert, für die Börsenschwergewichte bleibt die Pflicht aber bestehen.
Für Entscheider zählt jetzt, die eigenen Ziele an einem wissenschaftsbasierten Pfad auszurichten und die Scope-3-Emissionen früh über Lieferverträge zu steuern. Ein glaubwürdiger Klimapfad entscheidet zunehmend über Finanzierungskosten und die Bewertung durch ESG-Investoren, lange bevor die nächste Berichtsfrist näher rückt.
Quellen
[1] Right°: whatif-Report 2026
[2] Börsen-Zeitung: Dax-Konzerne verlieren Klimaziele aus dem Blick
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