Ein Kunde von Tencent Cloud stand in der chinesischen Feiertagswoche 17 Stunden ohne seine Dienste da, weil Tencent ihm nie angefallenen Verbrauch in Rechnung gestellt hatte. Die Abschaltung löste der Status Zahlungsrückstand automatisch aus. Firmen mit Cloud-Verträgen sollten deshalb wissen, wann ihr Anbieter den Stecker zieht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenUm sechs Uhr morgens am 3. Oktober meldete Tencent Cloud einem Nutzer eine offene Forderung von gut 50.000 Yuan. Am 7. Oktober bestätigte der Kundendienst des Konzerns öffentlich, dass ein Defekt in der eigenen Abrechnung die Summe erzeugt hatte, wie das chinesische Portal Guancha berichtet.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Fehler bei der Umrechnung von Messeinheiten blähte den Verbrauch im Serverless-Dienst CloudBase auf.
- Die Fehlbuchung versetzte das Konto in den Zahlungsrückstand, worauf Tencent die Ressourcen automatisch stoppte.
- Bis zur Korrektur am 4. Oktober um 23:36 Uhr blieben die Dienste rund 17 Stunden abgeschaltet.
- Als Ausgleich bot der Kundendienst zunächst einen Gutschein über 100 Yuan an, später über 300 Yuan, knapp 40 Euro.
Wie kommt eine Cloud-Rechnung auf 50.000 Yuan?

Der Fehler steckt im Serverless-Dienst CloudBase. Abgerechnet wird dort unter anderem die vorgehaltene Parallelität im Leerlauf, also Kapazität, die ein Kunde bereithält, damit seine Funktionen ohne Kaltstart antworten. Nach Tencents interner Auswertung rechnete das System die Messeinheiten in einem „extremen Szenario“ falsch um und vervielfachte so die Verbrauchsdaten.[1]
Wie absurd die Summe ausfällt, zeigt eine Gegenrechnung. Tencent verlangt für diesen Posten 0,00005471 Yuan je Gigabyte-Sekunde, rund 0,0007 Cent.[2] Die Rechnung über 50.420,74 Yuan, nach dem EZB-Referenzkurs vom 6. Oktober rund 6.670 Euro, entspricht damit gut 920 Millionen Gigabyte-Sekunden. Ein Speicher von einem Gigabyte müsste dafür 29 Jahre ununterbrochen bereitstehen.
Warum blieb der Dienst 17 Stunden aus?
Geld floss nach Tencents Darstellung nie ab. Die Fehlbuchung versetzte jedoch das Konto in den Zahlungsrückstand, der nach den Regeln der Plattform automatisch die Abschaltung auslöste. Die Einzahlung, mit der der Kunde den Rückstand ausgeglichen hatte, buchte Tencent am 4. Oktober um 23:36 Uhr zurück und gab die Dienste wieder frei.[1]
Für die lange Ausfallzeit nennt Tencent zwei Gründe. Die erste Prüfung beschränkte sich auf die Rechnung, erst nach weiteren Belegen des Kunden suchten die Entwickler im Produkt und fanden die Ursache nach rund fünf Stunden. Danach hielten die Genehmigungswege der Feiertagswoche die Freischaltung auf. Der Konzern räumt ein, die Dienste hätten nach der Bestätigung sofort wieder laufen müssen. Für Feiertage kündigt Tencent ein Eilverfahren an. Den Fehler selbst hatten die Entwickler am 4. Oktober behoben. Eine Prüfung älterer Abrechnungsdaten ergab laut Tencent bislang keine weiteren Betroffenen.
17 Stunden Stillstand wegen eines Messfehlers des Anbieters gleicht kein Gutschein über knapp 40 Euro aus.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
So lief der Fall ab
Was sollten Cloud-Kunden in Europa daraus lernen?
Auch westliche Anbieter verrechnen sich. Im Juli verschickte AWS Budget-Warnungen über Milliardenbeträge, weil die Kostenschätzung mit falschen Einheitspreisen arbeitete. Fremde Zugriffe auf S3-Speicher, die mit dem Fehler 403 abgewiesen werden, berechnet AWS erst seit Mai 2024 nicht mehr.[3] In allen drei Fällen bestimmte allein die Messlogik des Anbieters, welche Zahl beim Kunden ankam.
Bei Tencent kam eine Abschaltautomatik hinzu, die vor jeder menschlichen Prüfung der Rechnung griff. Verfügbarkeit zählt neben Vertraulichkeit und Integrität zu den Grundlagen der IT-Sicherheit. Der Cloud-Vertrag sollte die Verfügbarkeit deshalb ebenso absichern wie den Datenschutz. IT-Leiter, die Anbieter aus dem Cloud-Server-Vergleich prüfen, sollten:
- im Vertrag nachlesen, nach welcher Frist der Anbieter bei offenen Rechnungen abschaltet, und für strittige Posten einen Abschaltverzicht verhandeln,
- Budget- und Anomalie-Warnungen so einrichten, dass ein Mensch prüft, bevor ein Skript reagiert,
- für Feiertage und Wochenenden einen Eskalationskontakt beim Anbieter hinterlegen,
- Backups und einen Exit-Plan außerhalb der Plattform bereithalten, wie der Archivverlust des Senders Nine PBS zeigt.
Quellen
[1] Guancha, veröffentlicht über Sina Finance: „Nutzer wacht mit 50.000 Yuan Schulden auf, 17 Stunden Dienststopp: Tencent Cloud entschuldigt sich“, 7. Oktober 2026 (chinesisch)
[2] Tencent Cloud: Preisliste CloudBase (chinesisch)
[3] Amazon Web Services: „Amazon S3 will no longer charge for several HTTP error codes“ (englisch)
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