Infineon und das Zürcher Start-up ZuriQ bauen ihre Partnerschaft für Quantenchips aus. Auf einem Chip aus Infineon-Fertigung hielt ZuriQ neun Ionen in einem 3×3-Gitter fest. Für einen Rechner mit praktischem Nutzen braucht die Technik ein Vielfaches dieser Zahl.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie nächsten Quantenchips sollen deutlich mehr Qubits fassen als der Demonstrator, teilten Infineon und ZuriQ am 7. Oktober mit.[1] Eine Ziel-Qubitzahl oder einen Zeitplan nennen die Partner nicht. Infineon liefert Halbleiterfertigung, Aufbau- und Verbindungstechnik sowie integrierte Photonik. Das ETH-Spin-off steuert die Architektur bei.
Das Wichtigste in Kürze
- ZuriQ hält die Ionen mit einem statischen Magnetfeld statt mit schnell schwingenden Wechselfeldern, die geladenen Atome wandern so ohne Kreuzungsstrukturen über den Chip.
- Das 2024 gegründete Start-up sammelte im Juli umgerechnet rund 22 Millionen Euro ein und baute den Demonstrator in 18 Monaten.
- Infineon fertigt Ionenfallen auch für eleQtron, der frühere Partner Oxford Ionics gehört seit September 2025 zum US-Konzern IonQ.
- Für Unternehmen zählt vorerst die Verschlüsselung: Die EU-Staaten sollen bis Ende 2026 Pläne für die Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie aufstellen.
Was macht ZuriQs Ionenfalle anders?

In den meisten Quantenrechnern mit gefangenen Ionen sitzen die geladenen Atome in eindimensionalen Ketten, gehalten von schnell schwingenden elektrischen Feldern. Für größere Gitter verbinden aufwendige Kreuzungsstrukturen auf dem Chip mehrere Ketten. ZuriQ ersetzt die Wechselfelder durch ein statisches Magnetfeld, das in sogenannten Penning-Mikrofallen zusammen mit elektrischen Feldern die Ionen hält.[2] Die Teilchen lassen sich so in jede Richtung verschieben, Kreuzungen braucht der Chip nicht.
Jonathan Home, Professor an der ETH Zürich und wissenschaftlicher Berater von ZuriQ, begründet den Ansatz mit der Geometrie: „Hält man Ionen in einer Linie, wächst ihre Zahl um eins nach dem anderen. Hält man sie in zwei Dimensionen, wächst sie mit der Fläche des Chips. Auf einem Standardchip ist das der Unterschied zwischen einigen Dutzend und vielen Tausend Ionen.“[2] Für die Fertigung zählt ein zweiter Effekt: Ohne Hochspannung und Hochfrequenz gibt der Chip weniger Verlustleistung an das Trägermaterial ab. ZuriQ sieht darin den Weg in standardisierte CMOS-Prozesse auf Silizium.[3]
Warum lässt ZuriQ bei Infineon fertigen?
Clemens Rössler leitet bei Infineon den Bereich Quantum Processing Units und betont die Fertigung: „Fortschritte im Quantencomputing erfordern nicht nur Durchbrüche in der Physik, sondern auch robuste Fertigungstechnologien für die Entwicklung künftiger großskaliger Systeme.“ ZuriQ-Mitgründer und Vorstandschef Pavel Hrmo ergänzt: „Gemeinsam mit Infineon und seiner umfassenden Expertise in der Prozessentwicklung und Halbleitertechnologie machen wir die technologischen Fortschritte von ZuriQ skalierbar und industriell nutzbar.“[1]
Für ein Quanten-Start-up fertigt Infineon nicht zum ersten Mal. 2022 kündigte der Münchner Chipkonzern eine Partnerschaft mit Oxford Ionics an,[4] 2023 folgte eleQtron aus Siegen mit drei geplanten Prozessorgenerationen.[5] Oxford Ionics gehört inzwischen dem US-Konzern IonQ, der die Übernahme im September 2025 abschloss.[6]
Als Fertiger bleibt Infineon im Geschäft, gleich welches Start-up sich durchsetzt oder später den Besitzer wechselt. Offen bleibt, welche Qubit-Technik gewinnt. IBM etwa kaufte mit HRL Laboratories eine zweite Qubit-Technik zu. In Lugano stellt IBM bis Ende 2026 für die ETH Zürich den ersten Quantencomputer der Schweiz auf. Das Kerngeschäft von Infineon bleiben Leistungshalbleiter, zuletzt kaufte der Konzern den indischen Stromversorgungs-Entwickler C2i Semiconductors.
Oxford Ionics ließ bei Infineon fertigen und gehört heute IonQ. Bei ZuriQ sollte Europa mehr behalten als die Werkbank.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Fortschritt für Unternehmen?
Einen Quantenrechner kaufen Mittelständler in absehbarer Zeit nicht. Früher spüren Unternehmen die Technik bei der Verschlüsselung, weil ausreichend große Quantencomputer gängige Public-Key-Verfahren wie RSA brechen könnten. Angreifer können abgefangene Daten deshalb schon heute speichern und später entschlüsseln. Die EU-Mitgliedstaaten sollen bis Ende 2026 nationale Fahrpläne für Post-Quanten-Kryptografie aufstellen, Anwendungen mit hohem Risiko bis Ende 2030 umstellen und alle übrigen bis Ende 2035.[7]
IT-Leiter beginnen am besten mit einer Bestandsaufnahme: Welche Systeme verschlüsseln mit welchen Verfahren? Welche Daten müssen in zehn Jahren noch vertraulich sein? Neue Verfahren sind dabei nicht automatisch sicher, wie die Schwachstelle im Post-Quanten-Kandidaten HAWK zeigt. Sinnvoll ist deshalb eine Umstellung, bei der sich Algorithmen später austauschen lassen.
Quellen
[1] Infineon Technologies: „Infineon und ZuriQ vertiefen Partnerschaft zur Weiterentwicklung skalierbarer Quantenchips“ (07.10.2026)
[2] ZuriQ: „ZuriQ raises $25.5 million to scale new groundbreaking 2D quantum architecture“ (28.07.2026)
[3] ZuriQ: „ZuriQ and Infineon join forces to advance ion-trap chip technology“ (02.07.2025)
[4] Infineon Technologies: „Infineon and Oxford Ionics join forces to develop leading Trapped Ion Quantum Processors“ (2022)
[5] Infineon Technologies: „Infineon teams up with eleQtron to deliver three generations of trapped-ion quantum processor units“ (26.06.2023)
[6] IonQ: „IonQ Completes Acquisition of Oxford Ionics, Rapidly Accelerating Its Quantum Computing Roadmap“ (17.09.2025)
[7] Europäische Kommission, NIS-Kooperationsgruppe: „A Coordinated Implementation Roadmap for the Transition to Post-Quantum Cryptography“ (23.06.2025)
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