1,75 Mrd. Euro für Quantencomputer: USA machen Ernst

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
1,75 Mrd. Euro für Quantencomputer: USA machen Ernst

Kommt Ihnen das bekannt vor? Quantencomputer werden seit Jahren als Schlüsseltechnologie beschworen, die Forschungsmittel blieben dabei verstreut und kleinteilig. Am 21. Mai 2026 änderte das US-Handelsministerium das mit einem Streich: 1,75 Mrd. Euro aus dem CHIPS and Science Act gehen an neun Unternehmen als bisher größtes staatliches Quantencomputing-Paket der Geschichte.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

  • Das US-Handelsministerium unterzeichnet Absichtserklärungen über 1,75 Mrd. Euro mit neun Quantencomputing-Firmen, finanziert über den CHIPS and Science Act.
  • IBM erhält mit 870 Mio. Euro den größten Einzelposten und baut die neue Quantum-Foundry „Anderon“ für fehlertolerante Quantenchips.
  • GlobalFoundries kassiert 326 Mio. Euro; D-Wave, Rigetti, Quantinuum und vier weitere Startups erhalten je rund 87 Mio. Euro.
  • Die US-Regierung nimmt Minderheitsbeteiligungen als Gegenleistung — ein Novum in der staatlichen Tech-Förderung.

Warum IBM den größten Einzelscheck bekommt

Runde Siliziumscheibe mit integrierten Schaltkreisen und Aufkleber „Made in USA“
IBM eröffnet Quantum-Foundry „Anderon“ zur Serienproduktion fehlertoleranter supraleitender Quantenchips mit 1,74 Mrd. Euro Gesamtinvestition

Anderon heißt die neue Quantum-Foundry, die IBM mit dem Fördergeld aufbaut. Das Ziel ist die Serienproduktion fehlertoleranter supraleitender Quantenchips — die technische Grundbedingung, ohne die Quantencomputer nie industriell nutzbar werden. IBM verdoppelt das Staatskapital mit eigenen Mitteln auf insgesamt 1,74 Mrd. Euro. GlobalFoundries erhält als zweite Foundry 326 Mio. Euro, um eine parallele Fertigungslinie zu sichern.

Das industrie­politische Motiv dahinter ist eindeutig: Washington will nicht wiederholen, was bei klassischen Halbleitern geschah. Jahrzehntelang wurden Chipfabriken nach Asien verlagert, der Engpass von 2021/22 rief die Politik wach. Mit Anderon soll IBM eine ähnliche Stellung in der Quantum-Fertigung einnehmen, wie TSMC sie für Siliziumchips hält. Die restlichen 609 Mio. Euro verteilen sich auf sieben Startups: Atom Computing, Diraq, D-Wave, Infleqtion, PsiQuantum, Quantinuum und Rigetti erhalten je rund 87 Mio. Euro. Das breite Portfolio signalisiert, dass Washington kein Monopol eines einzelnen Champions will, sondern ein robustes Ökosystem.

Die USA schaffen mit einem Finanzierungsschlag nach, wofür Europa zehn Jahre gebraucht hätte. Für IBM ist Anderon die Chance, Standard-Lieferant für fehlertolerante Quantenhardware zu werden, so wie TSMC es für klassische Chips ist.“

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was das für den Mittelstand in DACH bedeutet

Illustrierter Maibaum mit Schildern zu Quanten-Gewerben vor weißem Hintergrund
IBM Quantum Cloud erhält nationale Finanzierung für stabile Hardware-Roadmaps und reduziert Abhängigkeit von externen Fertigern

Deutsche Fördergelder fließen nicht. Aber die Planungssicherheit für alle, die IBM Quantum Cloud heute evaluieren oder einsetzen, wächst erheblich: Eine national finanzierte Foundry bedeutet stabile Hardware-Roadmaps, keine Abhängigkeit von externen Auftragsfertigern. Wer in der Logistik, im Finanzwesen oder in der Materialforschung hybride Quanten-klassische Anwendungen entwickelt, kann längerfristiger kalkulieren als bisher. Einen Überblick über aktuelle KI- und Computing-Technologien bietet der LLMs-Ratgeber auf Dr. Web.

Die Quantum-Förderung fügt sich in eine breitere Neuordnung der Tech-Infrastruktur: OpenAI hat parallel seinen IPO-Prospekt bei der SEC eingereicht, auch im Quantenbereich setzen die USA auf staatsgelenktes Tempo. Für deutsche Unternehmen gilt: Die Anderon-Roadmap beobachten, IBM-Partnerstatus prüfen und rechtzeitig abschätzen, ob die eigene KI-Entwicklung auf Quanten-Ressourcen angewiesen sein wird.

Mehr Newshunger?

Ein Glaskubus „Quanten-Prozessor“ mit Goldgitter und ein goldener Schweinchen-Schlüssel davor
Spotify ermöglicht KI-Zugriff auf Universal-Musik-Katalog. OpenAI plant IPO mit vertraulichem Prospekt. SpaceX kündigt größten Börsengang an
4,2 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
783 Artikel veröffentlicht
Alle Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Mehr solcher Artikel?
Jetzt kostenlos abonnieren.

Jeden Dienstag die besten Artikel aus dem Dr. Web-Magazin direkt in Ihr Postfach – kein Spam, jederzeit abmeldbar.

Einmal pro Woche, kein täglicher Spam
Jederzeit mit einem Klick abmeldbar
DSGVO-konform via Brevo