Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) widerspricht der Studie der Autohersteller zur Made-in-EU-Regel für Batterien. Laut T&E produzieren Europas Zellwerke 2030 genug Zellen für alle geförderten Elektroautos. Die von der ACEA genannte Lücke von 150 Gigawattstunden erklärt die Organisation mit Exporten und einer zu hoch angesetzten Nachfrage.

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Batteriezellen aus der EU im Umfang von 196 Gigawattstunden erwartet T&E für 2027, die Studie im Auftrag des Herstellerverbands ACEA kommt nach Abzug der Exporte auf 75. Die Brüsseler Organisation veröffentlichte die Gegenanalyse am 1. Oktober, neun Tage nach der ACEA-Studie.[1] Gezählt haben beide Seiten dieselben Werke, nur nach anderen Regeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • T&E erwartet 2027 rund 196 Gigawattstunden aus EU-Zellwerken, die ACEA-Studie zählt nach Exportabzug 75.
  • In Deutschland hat sich die Liste der bis 2035 geplanten Zellprojekte halbiert.
  • Zellen aus der EU verteuern ein E-Auto 2030 laut T&E um rund 500 Euro.

Wie entsteht die Lücke von 150 Gigawattstunden?

Ein Metallgehäuse mit Aufkleber, ein Taschenrechner und eine Notiz vor weißem Hintergrund
Mobility Global rechnet nur Batteriezellen für EU-Elektroautos ein und zieht 38-44% Exporte ab, wodurch 306 auf 170 Gigawattstunden sinken

Die Studie von Mobility Global zählt als Angebot nur Zellen, die in Elektroautos für den EU-Markt landen. Von der Bruttoproduktion zieht das Analysehaus 38 bis 44 Prozent für Exportautos ab, aus 306 Gigawattstunden im Jahr 2032 werden so 170. Für T&E folgt die Lücke deshalb aus einer kommerziellen Entscheidung: Die Autobauer verbauen Zellen in Exportmodellen, statt sie für förderfähige Autos im Binnenmarkt zu reservieren.[2]

Auch die Nachfrage setzt die Studie laut T&E zu hoch an. Mobility Global unterstellt im vollen Szenario, dass alle rund drei Millionen Elektro- und Plug-in-Autos des Jahres 2025 unter die Regel fallen. Der Gesetzentwurf erfasst aber nur Fahrzeuge mit Kaufprämie, Steuervorteil oder öffentlichem Auftraggeber, nach T&E 59 Prozent der Elektroautos.[2]

Reichen Europas Zellwerke für die geförderten E-Autos?

Für 2027 berücksichtigt T&E nur Projekte geringen Risikos, setzt hohen Ausschuss in der Anlaufphase an und kommt trotzdem auf rund 196 Gigawattstunden. Die Menge genügt laut Analyse für alle geförderten Dienstwagen und einen großen Teil der Privatwagen. 2030 reicht die Produktion für beide Gruppen, sofern auch Projekte mittlerer Sicherheit kommen.[2]

Ein Viertel der seit 2022 angekündigten Zellkapazität ist laut T&E gestrichen oder auf Eis gelegt. In Deutschland hat sich die Liste der bis 2035 geplanten Projekte halbiert, etwa durch das abgesagte ACC-Werk in Kaiserslautern, dessen französisches Schwesterwerk gerade zu wenige Zellen für Stellantis liefert.[3]

Trotzdem stammt mehr als die Hälfte der Zellen in heute verkauften E-Autos schon aus EU-Werken,[3] etwa von CATL in Debrecen. Ab 2028 soll LG Energy Solution Rundzellen für Mercedes aus Polen liefern.

Zwei Rechnungen für dieselben Zellwerke
Wie Transport & Environment die Batteriestudie der Autohersteller nachrechnet
196 statt 75 GWh
Zellproduktion in der EU 2027 laut T&E, die ACEA-Studie zählt nur den Rest nach Exportabzug
38–44 %
der Zellen aus EU-Werken stecken laut ACEA-Studie in Autos für den Export
59 %
der Elektroautos erhalten laut T&E öffentliche Förderung und fallen unter die Made-in-EU-Regel
500 €
Mehrkosten je E-Auto 2030 durch Zellen aus der EU laut T&E, die Denkfabrik Bruegel rechnet mit 2.100 €
25 %
der seit 2022 angekündigten Zellkapazität in Europa sind gestrichen oder vertagt

Was kosten Zellen aus der EU die Autokäufer?

Den Aufschlag von 24 bis 33 Prozent gegenüber Importen aus China, den die ACEA-Studie nennt, hält T&E für eine Momentaufnahme. Mit weniger Ausschuss und mehr Routine schrumpft der Preisabstand zu chinesischen Zellen bis 2030 von 36 bis 37 auf rund 12 Euro je Kilowattstunde (Kurs: 0,87 Euro je Dollar). Ein E-Auto verteuert sich dadurch um 300 bis 750 Euro, im Schnitt um 500. Bruegel kam auf 2.100 Euro, weil die Denkfabrik einen kompletten Wechsel zu festen Preisen unterstellt.[2]

Die 150 Gigawattstunden fehlen nicht in Europas Werken, sie fahren in Exportautos nach Großbritannien und in die Türkei.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Beide Analysen stammen von Interessenvertretern: Die ACEA spricht für die Autohersteller, T&E wirbt für strenge Herkunftsregeln.[3] Im EU-Parlament steht die Abstimmung über den Industrial Accelerator Act ebenso aus wie die über das Auto-Paket zum Verbrenner-Aus.

Für Unternehmen zählt vor allem der Dienstwagen. Nach dem Entwurf müssen die Batteriekomponenten geförderter Firmenwagen aus der EU stammen, für geförderte Privatwagen genügen auch Freihandelspartner.[1] Fuhrparkleiter fragen bei künftigen Leasingverträgen deshalb besser nach dem Werk, aus dem die Zellen eines Modells kommen, zumal Elektro-Dienstwagen wie der BMW i3 heute mit Steuervorteilen punkten.

Quellen

[1] Transport & Environment: „Ready to scale: Europe will have enough cells to meet demand and grow its domestic battery value chain industry“ (1. Oktober 2026)

[2] Transport & Environment: „T&E reaction on ACEA’s study on battery capacity meeting IAA demands“ (PDF, September 2026)

[3] Transport & Environment: „Leveraging the IAA to build Europe’s battery value chain“ (Briefing, 1. Oktober 2026)

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