Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS übernimmt den Zuger Immobilienmanager Peakside, der mehr als 1,7 Milliarden Euro für institutionelle Anleger verwaltet. Einen Kaufpreis nennen beide Seiten nicht. Der Zukauf fällt in die Wochen, in denen die DWS ihren offenen Publikumsfonds Grundbesitz Europa mit Rücknahmeabschlägen und Rückgabesperren absichert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit Peakside kauft sich die DWS ein Team, das Büros, Läden, Logistikhallen und Wohnhäuser in Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa erwirbt, um sie nach einem Umbau wieder zu verkaufen. Die bindenden Verträge über alle Anteile gab der Frankfurter Vermögensverwalter am 5. Oktober 2026 bekannt.[1] Abgeschlossen sein soll die Übernahme bis Ende 2026, sofern die Aufsichtsbehörden zustimmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DWS übernimmt 100 Prozent der Peakside Capital Advisors AG mit Sitz im Schweizer Zug.
- Peakside verwaltet mehr als 1,7 Milliarden Euro, überwiegend für institutionelle Investoren, und arbeitet in Deutschland, Luxemburg und Polen.
- Die Gründer Stefan Aumann und Boris Schran bleiben nach dem Abschluss im Unternehmen, ebenso Partner Simon Lutz.
Was bringt Peakside der DWS?

Peakside verfolgt Value-Add– und opportunistische Strategien: Der Manager kauft Gebäude mit Leerstand, Sanierungsbedarf oder auslaufenden Mietverträgen und will deren Wert durch Umbau und Neuvermietung steigern. Die DWS gliedert Peakside in ihr europäisches Immobiliengeschäft ein, das Clemens Schaefer leitet.[1]
DWS-Chef Stefan Hoops nennt den Kauf „einen wichtigen Schritt, um unsere Alternatives-Plattform zu stärken“ und ein klares Signal, dass Immobilien „ein Kernbestandteil“ dieses Angebots seien. Peakside-Gründer Stefan Aumann ergänzt: „Indem wir unsere Investmentexpertise mit den Kundenbeziehungen, dem Vertrieb und der globalen Plattform der DWS verbinden, sehen wir erhebliche Chancen, das Geschäft weiterzuentwickeln.“[1] Ab November firmiert der Konzern wieder unter seinem alten Namen Deutsche Asset Management, um bei Großanlegern im Ausland bekannter zu werden.
Warum kauft ein ETF-Riese einen Immobilienspezialisten?
Die DWS wächst vor allem mit börsengehandelten Indexfonds der Marke Xtrackers und verwaltete Ende Juni 2026 rund 1,19 Billionen Euro. Ein Indexfonds wirft pro Euro aber nur einen Bruchteil der Gebühren eines aktiv gemanagten Fonds ab. Wie stark die dünnen Margen den Quartalsgewinn drückten, zeigt die Halbjahresbilanz der DWS.
Bei Immobilienfonds für Großanleger sieht die Rechnung anders aus: Neben der laufenden Verwaltungsgebühr erhält der Manager bei Value-Add-Strategien üblicherweise eine Erfolgsbeteiligung, sobald ein umgebautes Objekt mit Gewinn verkauft ist. Auch BlackRock, der weltgrößte Vermögensverwalter mit großem Indexgeschäft, kaufte sich in die Privatmärkte ein: Im Juli 2025 schloss der Konzern die Übernahme des Kreditspezialisten HPS ab und bündelt seither rund 165 Milliarden Euro an Privatkrediten in einer eigenen Sparte.[3]
Indexfonds bringen der DWS Volumen, die Marge soll aus Immobilien kommen, die erst nach dem Umbau Rendite abwerfen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was unterscheidet Peakside vom Fonds Grundbesitz Europa?
Der offene Publikumsfonds Grundbesitz Europa wertete seine Anteile am 7. September 2026 um 7,3 Prozent ab und darf Rückgaben inzwischen zeitweise sperren. Offene Immobilienfonds versprechen Privatanlegern die Rückgabe ihrer Anteile, obwohl ein Gebäude erst nach Monaten einen Käufer findet. Konzernweit verbuchte die DWS bei alternativen Anlagen im zweiten Quartal Nettoabflüsse von 0,7 Milliarden Euro, vor allem bei Immobilienfonds und Infrastruktur. Bei der Infrastruktur flossen dabei Erlöse aus erfolgreichen Verkäufen an die Anleger zurück.[2]
Value-Add-Fonds für institutionelle Anleger arbeiten meist mit Kapitalzusagen: Pensionskassen, Versicherer und Versorgungswerke binden ihr Geld für eine feste Laufzeit. Der Manager verkauft ein Objekt deshalb, sobald der Markt den Umbau honoriert, und muss keine Rückgabewelle bedienen. Rückenwind kommt vom Kreditmarkt: Die Deutsche Pfandbriefbank, die vor allem Gewerbeimmobilien finanziert, kommt inzwischen fast ohne Risikovorsorge aus.
Unternehmen mit älteren Büro- oder Handelsflächen im eigenen Bestand finden in Value-Add-Investoren wie Peakside Käufer, die gezielt nach Umbauobjekten suchen. Vor einem Verkauf lohnt ein Gutachten, das Leerstand und Sanierungsstau offen beziffert. Genau an diesen Posten setzen Value-Add-Investoren beim Preis an.
FAQ: DWS übernimmt Peakside
Was ist Peakside Capital Advisors?
Peakside Capital Advisors ist ein Immobilien-Vermögensverwalter mit Sitz in Zug in der Schweiz. Der Verwalter investiert in Value-Add- und opportunistische Immobilien in Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa und betreut mehr als 1,7 Milliarden Euro, überwiegend für institutionelle Investoren.
Wie viel zahlt die DWS für Peakside?
Einen Kaufpreis haben DWS und Peakside nicht veröffentlicht, beide Seiten vereinbarten Stillschweigen über die finanziellen Bedingungen. Die DWS übernimmt 100 Prozent der Anteile, der Abschluss ist bis Ende 2026 geplant und braucht noch die Zustimmung der Behörden.
Was bedeutet Value-Add bei Immobilien?
Value-Add bezeichnet eine Anlagestrategie, bei der ein Investor Immobilien mit Leerstand, Sanierungsbedarf oder auslaufenden Mietverträgen kauft. Durch Modernisierung, Umbau und Neuvermietung soll der Wert steigen, bevor der Fonds das Objekt nach einigen Jahren wieder verkauft.
Quellen
[2] DWS: „Q2 2026: DWS Delivers Significant Growth in Assets under Management“
[3] BlackRock: „BlackRock Completes Acquisition of HPS“
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