Die DWS hat im ersten Halbjahr 2026 so viel frisches Geld eingesammelt wie nie zuvor und verwaltet erstmals mehr als 1,19 Billionen Euro. Der Gewinn im zweiten Quartal ist trotzdem gesunken. Hinter dem Widerspruch steckt eine Rechnung, die jeden Anbieter im Fondsgeschäft betrifft.

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35,8 Milliarden Euro sind der Deutsche-Bank-Tochter DWS in sechs Monaten zugeflossen, ein Rekord für ein erstes Halbjahr.[1] Fast das gesamte Wachstum stammt aus börsengehandelten Indexfonds. Genau dort verdient ein Vermögensverwalter am wenigsten pro Euro.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1,19 Billionen Euro verwaltetes Vermögen, neuer Höchststand zum Ende des zweiten Quartals.
  • 35,8 Milliarden Euro Nettozuflüsse im Halbjahr, davon 24,8 Milliarden allein im zweiten Quartal.
  • Nettogewinn im Halbjahr plus 21 Prozent auf 501 Millionen Euro, im Quartalsvergleich aber minus 19 Prozent beim Vorsteuergewinn.
  • Treiber ist das passive Xtrackers-Geschäft mit hohen Volumina und dünnen Margen.

Warum wächst das Vermögen, aber der Quartalsgewinn schrumpft?

Glasbehälter voller Münzen mit Spender, Beschriftung und Miniaturfigur auf weißem Hintergrund
Indexfonds treiben Vermögenswachstum, generieren aber wenig Gebührenertrag für die Bank

Der Zuwachs kommt fast nur aus günstigen Indexfonds, und die werfen pro Euro kaum Gebühren ab. Mehr verwaltetes Vermögen heißt deshalb nicht automatisch mehr Gewinn.

Das passive Geschäft mit den börsengehandelten Xtrackers-Fonds trägt das Rekordwachstum. Ein solcher Indexfonds verlangt nur einen Bruchteil der Gebühren, die ein aktiv gemanagter Fonds kostet. Steigt das verwaltete Vermögen, wächst der Ertrag deshalb längst nicht im gleichen Takt.

Im zweiten Quartal ist der Vorsteuergewinn um 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken, der Umsatz hat um 6 Prozent nachgegeben.[1] Über das ganze Halbjahr steht dennoch ein Plus von 16 Prozent vor Steuern. Beide Zahlen stimmen, sie messen nur zwei verschiedene Dinge: den Rekord im Jahresvergleich und die abkühlende Dynamik von Quartal zu Quartal. Der Mehrheitseigner Deutsche Bank hat für dasselbe Quartal einen Rekordgewinn gemeldet, getragen vom Investmentbanking.

Wer treibt den Passiv-Boom in Deutschland?

Vor allem die Neobroker: Kostenlose ETF-Sparpläne bei Trade Republic und Scalable Capital machen Indexfonds zum Standard-Einstieg für neue Anleger.

Laut einer Sparplan-Studie des Vergleichsportals Biallo stehen bei Scalable Capital rund 3.043 kostenlose ETF-Sparpläne zur Auswahl, bei Trade Republic 2.972.[2] Im Schnitt bieten Banken und Broker gut 1.320 gebührenfreie ETF-Sparpläne, ein Jahr zuvor waren es knapp 830.

Dasselbe Muster kennt der Weltmarkt seit Jahren. BlackRock ist mit seiner Indexfonds-Marke iShares zum größten Vermögensverwalter der Welt aufgestiegen, während klassische Fondshäuser Kapital verlieren.

Rekordzuflüsse klingen nach Stärke, verschleiern aber den eigentlichen Umbruch: Der Fondsmarkt wird zum Volumengeschäft mit hauchdünnen Margen. Bestehen wird darin nur, wer die Kosten im Griff hat statt die Gebühren zu verteidigen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
DWS im ersten Halbjahr 2026: Rekorde und ein Dämpfer
Wo das Wachstum herkommt und warum der Gewinn im Quartal trotzdem nachgibt
1,19 Bio. €
Verwaltetes Vermögen, neuer Höchststand zum Ende des zweiten Quartals
35,8 Mrd. €
Nettozuflüsse im Halbjahr, ein Rekord für ein erstes Halbjahr
+21 %
Nettogewinn im Halbjahr, auf 501 Millionen Euro
57,2 %
Kosten-Ertrags-Quote, um 3,5 Prozentpunkte verbessert
Das Passiv-Paradox
Rekord im Jahresvergleich, Dämpfer im Quartal: Der Vorsteuergewinn sank im zweiten Quartal um 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal, weil das Wachstum aus dem margenarmen Indexfonds-Geschäft kommt.

Was bedeutet der Margendruck für Sie?

Marktanteile entstehen künftig über Skala und Vertrieb statt über hohe Gebühren. Im Fondsgeschäft entscheidet damit die Kostenquote über den Gewinn, nicht die Zuflüsse allein.

Die DWS hat ihre Kosten-Ertrags-Quote im Halbjahr auf 57,2 Prozent gedrückt, um 3,5 Prozentpunkte besser als ein Jahr zuvor.[1] Ohne diesen schlanken Apparat würde das margenarme Wachstum kaum Gewinn abwerfen.

Für Anlegerinnen und Anleger bleibt die Botschaft nüchtern. Günstige Indexfonds drücken die Kosten, und niedrige Gebühren sind der größte Hebel für die eigene Rendite. Für die Fondshäuser gilt das Umgekehrte, ihr Ertrag hängt jetzt an Skala und schlanken Strukturen.

Dasselbe Volumen-gegen-Marge-Muster zeigt sich quer durch die Finanzbranche, vom Kreditvermittler Hypoport bis zum Zahlungsdienstleister Visa, der sein Geld gezielt in skalierbare Digitalmodelle lenkt.

Quellen

[1] DWS Group via EQS-News: „DWS Delivers Significant Growth in Assets under Management, Record H1 Net Flows and Financial Results“ (29. Juli 2026).

[2] Biallo: „ETF-Sparpläne boomen: MSCI World und S&P 500 am beliebtesten“ (2026).

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