Google.org steckt 50 Millionen Dollar in die Ausbildung amerikanischer Bauhandwerker, ein erheblicher Teil davon in Elektriker für KI-Rechenzentren. Der Engpass verschwindet dadurch nicht kurzfristig, weil eine US-Elektriker-Ausbildung fünf Jahre dauert. Für deutsche Elektrobetriebe sieht die Rechnung derzeit genau umgekehrt aus.

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Elektriker für KI-Rechenzentren sind in den USA gerade der knappste Posten der gesamten Lieferkette. Google.org hat am 11. Juni 2026 ein Programm über 50 Millionen Dollar angekündigt, mit dem mehr als 300.000 Menschen in über 20 Bundesstaaten für Bauberufe qualifiziert werden sollen.[1] Rund 20 Millionen Dollar davon fließen allein in die Elektriker-Ausbildung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google.org verteilt 50 Millionen Dollar auf 14 Gewerkschaften und vier Bauverbände.
  • Die Electrical Training Alliance von IBEW und NECA erhält davon rund 20 Millionen Dollar.
  • Eine US-Elektriker-Ausbildung umfasst fünf Jahre, mindestens 8.000 Praxis- und 800 Unterrichtsstunden.
  • Das deutsche Elektrohandwerk meldet 65.301 offene Stellen, 18 Prozent weniger als im Vorjahr.

Wohin fließt Googles Geld?

Sanduhr mit orangefarbenem Sand, Metallstift und Anhänger mit Aufschrift vor weißem Hintergrund
14 Gewerkschaften und 4 Verbände erhalten Mittel für Ausbildungsprogramme im Baugewerbe, darunter TradesFutures und Ausbildungsfonds für Rohrleger und Blechbauer

Vierzehn Gewerkschaften und vier Verbände teilen sich die Summe, darunter TradesFutures für Vorpraktika im Baugewerbe sowie die Ausbildungsfonds der Rohrleger und der Blechbauer. „Der Aufbau und Unterhalt der Infrastruktur für Amerikas Zukunft verlangt sehr viele Fachkräfte, die koordiniert zusammenarbeiten“, sagt Maggie Johnson, Global Head of Google.org.[1]

Zweite Runde ist es für die Electrical Training Alliance, den gemeinsamen Ausbildungsarm der Gewerkschaft IBEW und des Arbeitgeberverbands NECA. Anfang 2025 hatte die Alliance bereits 15,75 Millionen Dollar von Google.org erhalten.[2] „Die Nachfrage nach qualifizierten Elektrofachkräften ist beispiellos“, sagt Kenneth W. Cooper, International President der IBEW.

Warum löst das Geld den Engpass nicht sofort?

Fünf Jahre dauert die Ausbildung im amerikanischen Elektro-Bauhandwerk, mit mindestens 8.000 Stunden auf der Baustelle und 800 Stunden im Unterricht. Ein Lehrling, der 2026 anfängt, arbeitet frühestens 2031 als Geselle. Das Geld kauft also Nachschub für die Zeit nach dem laufenden Bauzyklus, nicht Kapazität für die Baugruben von heute.

Der Flaschenhals sitzt damit nicht im Budget der KI-Konzerne, sondern in der Taktung der Ausbildung. Dieselbe Verzögerung trifft jedes Gewerk am Bau, und sie erklärt, warum der eigentliche Engpass des KI-Booms längst nicht mehr beim Chip liegt. Für Baukonzerne ist daraus ein Geschäftsmodell geworden, seit Hochtief mehr an Serverhallen verdient als am klassischen Rohbau.

Ein Rechenzentrum steht schneller, als ein Elektriker ausgebildet ist. Diese Lücke lässt sich mit Geld verkleinern, aber nicht überspringen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Elektriker-Engpass des KI-Booms in Zahlen
Wie viel Geld in die Ausbildung fließt, wie lange sie dauert und wie der deutsche Markt daneben steht
50 Mio.
US-Dollar von Google.org
verteilt auf 14 Gewerkschaften und vier Bauverbände, rund 20 Millionen davon für Elektriker
5 Jahre
Ausbildung bis zum Gesellen
mindestens 8.000 Stunden auf der Baustelle und 800 Stunden Unterricht
65.301
offene Stellen im deutschen E-Handwerk
18 Prozent weniger als im Vorjahr, nur noch 46,9 Prozent der Betriebe suchen
2.980 MW
deutsche Rechenzentrumsleistung 2025
ein Plus von 9 Prozent, bis 2030 sollen es 5.000 Megawatt sein

KI-Kapazität in deutschen Rechenzentren

2025530 MW
2030 (Prognose)2.020 MW

Der KI-Anteil an der Gesamtkapazität steigt damit von 15 auf 40 Prozent. In Gebäude und technische Gebäudeausrüstung sind 2025 bereits 3,5 Milliarden Euro geflossen.

Was heißt das für den deutschen Markt?

Umgekehrtes Bild: Das deutsche Elektrohandwerk meldet laut der Fachkräfteumfrage des Zentralverbands ZVEH 65.301 offene Stellen, nach 79.567 im Vorjahr. Offene Stellen melden nur noch 46,9 Prozent der Betriebe, 2023 waren es zwei Drittel. Ein schwacher Neubau und eine Sanierungsquote auf Rekordtief drücken die Nachfrage stärker, als der Rechenzentrumsbau sie hebt.

Der Kapazitätssprung steht in Deutschland aber erst bevor. Die Rechenzentrumsleistung ist 2025 um 9 Prozent auf 2.980 Megawatt gewachsen, bis 2030 sollen es 5.000 Megawatt sein, wobei sich die KI-Kapazität von 530 auf 2.020 Megawatt fast vervierfacht.[3] In Gebäude und technische Gebäudeausrüstung sind 2025 allein 3,5 Milliarden Euro geflossen, ein Auftragsvolumen, das direkt im Elektrohandwerk landet. Welche Standorte die Last heute tragen, zeigt die Übersicht der zehn größten Rechenzentren Deutschlands.

Zeitfenster heißt das für Betreiber, die bis 2030 Rechenzentrums- oder Ladeinfrastruktur planen: Elektrofachbetriebe haben derzeit freie Kapazität, und Rahmenverträge lassen sich jetzt zu anderen Konditionen schließen als 2029. Eigene Ausbildungsplätze wirken dagegen mit derselben Verzögerung wie in den USA. Dass ein Vorhaben auch ganz ohne Handwerkermangel scheitern kann, hat gerade ein Drei-Milliarden-Projekt in Hessen gezeigt, das am Bebauungsplan hängen geblieben ist. Mehr dazu sammelt unsere Themenseite zur Künstlichen Intelligenz.

Quellen

[1] Google: „Google funds skilled trades training for the American economy“

[2] IBEW: „Google Funding Means More Jobs, Training for IBEW Members“

[3] Bitkom: „Rechenzentren in Deutschland: KI treibt das Wachstum“

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