Norwegen will Kamerabrillen wie die Ray-Ban Meta an ausgewählten Orten verbieten, darunter Parks, Badestrände, Schulen und die Umkleiden von Fitnessstudios. Digitalminister Torgeir Micaelsen kündigte am 5. Oktober 2026 einen Gesetzentwurf für ein vorübergehendes Verbot an. Den Verkauf der Brillen lässt die Regierung in Oslo unangetastet.

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KI-Brillen mit eingebauter Kamera filmen und nehmen Ton auf, ohne dass Umstehende das zuverlässig bemerken. Genau diese Sorge nennt Micaelsen als Grund: „Ich bin besorgt, dass eine neue, leistungsstarke Technik eingeführt wird, bei der Menschen riskieren, ohne ihr Wissen fotografiert, gefilmt oder aufgenommen zu werden.“[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Norwegen plant ein befristetes Nutzungsverbot für KI-Brillen in Parks, an Badestränden, in Museen, Einkaufszentren, Schulen, Kindergärten und Umkleiden.
  • Private Nutzung bleibt erlaubt, Ausnahmen sind für schutzbedürftige Nutzergruppen und gesellschaftlich nützliche Zwecke vorgesehen.
  • Eine Expertengruppe soll dauerhafte nationale Regeln ausarbeiten.
  • In den Niederlanden setzt die Verbraucherorganisation Consumentenbond Meta eine Frist bis zum 13. Oktober, die Brille datenschutzkonform umzubauen.

Warum verbietet Norwegen das Tragen statt den Verkauf?

Schwarze Kamerabrille im Sand neben einem Verbotsschild mit Aufschrift „KAMERA AUS“
Norwegens Datenschutzbehörde forderte Verkaufsstopp für Meta-Dienste, das Digitalministerium lehnte ab, um EWR-Regeln nicht zu verletzen

Ein Verkaufsstopp hätte den Warenverkehr im Europäischen Wirtschaftsraum berührt, dem Norwegen angehört. Die norwegische Datenschutzbehörde Datatilsynet hatte im Juli angeregt, den Verkauf bis zu einer gesetzlichen Regelung auszusetzen, ließ aber offen, ob ein solches Verbot mit den EWR-Regeln vereinbar wäre. Das Digitalministerium lehnte den Verkaufsstopp damals ab.

Der Gesetzentwurf setzt deshalb beim Ort an, nicht beim Gerät. Die Liste reicht von Parks und Badestränden über Spielplätze, Schulen und Jugendclubs bis zu Gesundheitseinrichtungen und Fitnessstudios mit Umkleiden und Duschen.[1]

Warum reicht die DSGVO allein nicht aus?

Formal deckt die Datenschutzgrundverordnung den Fall ab, auch in Norwegen: Filmt jemand Fremde im öffentlichen Raum, verarbeitet er personenbezogene Daten und braucht dafür eine Rechtsgrundlage. Die Aufsichtsbehörden müssten allerdings gegen jede einzelne Brillenträgerin vorgehen. Ein Ortsverbot verlagert die Kontrolle zu Schulleitungen und Bademeistern. Ein Bademeister erkennt am Beckenrand eine Kamerabrille, aber keinen Verstoß gegen Artikel 6 DSGVO.

Meta verweist auf eine Leuchtdiode, die bei jeder Aufnahme blinkt, sich nicht abschalten lässt und die Kamera sperrt, sobald jemand sie abdeckt. Genau dieses Lämpchen hält der niederländische Consumentenbond für zu unauffällig und leicht abzukleben.[2] Die Verbraucherschützer sehen zudem Meta selbst in der Verantwortung für die Datenverarbeitung und drohen nach Ablauf der Frist mit einer Klage. Der Consumentenbond zielt also auf den Hersteller, Norwegens Regierung auf das Verhalten der Träger.

Norwegen behandelt die Ray-Ban Meta wie jede Kamera in der Umkleide: Über das Verbot entscheidet der Ort, nicht der Kassenbon.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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KI-Brillen-Verbot in Norwegen
An diesen Orten soll die Kamerabrille künftig abgesetzt bleiben
Viel Publikum
Parks und Strände
dazu Museen, Einkaufszentren, Vergnügungsparks und öffentliche Veranstaltungen
Kinder
Schulen und Kitas
dazu Spielplätze, Jugendclubs sowie Orte und Veranstaltungen für Kinder
Privatsphäre
Kliniken und Studios
Gesundheitseinrichtungen sowie Fitnessstudios mit Umkleiden und Duschen
Weiter erlaubt: private Nutzung und jeder Einsatz, bei dem niemand ungefragt gefilmt wird. Ausnahmen plant die Regierung für schutzbedürftige Nutzergruppen. Universitäten und Hochschulen sind noch in Prüfung.
Europa ringt um die Kamerabrille
Juli 2026Norwegen: Datatilsynet regt einen Verkaufsstopp bis zu einer gesetzlichen Regelung an
Aug. 2026Hamburg: Der Datenschutzbeauftragte prüft ein Verbot der Ray-Ban Meta
29. Sept. 2026Niederlande: Der Consumentenbond fordert Meta auf, die Brille binnen zwei Wochen umzubauen
1. Okt. 2026Handel: Hans Anders nimmt die Brille in den Niederlanden und Belgien aus dem Sortiment
5. Okt. 2026Norwegen: Die Regierung kündigt ein Gesetz für ein befristetes Ortsverbot an

Was können Unternehmen in Deutschland schon jetzt regeln?

Ein Ortsverbot wie in Norwegen kennt das deutsche Recht nicht. Die Bundesnetzagentur hält die bisher geprüften Modelle für zulässig, wie die Debatte um den Big Brother Award für Fielmann und Apollo zeigte. Hamburgs Datenschutzbeauftragter prüft dagegen ein Verbot, und HateAid hat Strafanzeige gegen Meta und mehrere Händler gestellt. Auf den Gesetzgeber müssen Betreiber trotzdem nicht warten: Über das Hausrecht können Fitnessstudios, Kliniken, Schulträger und Veranstalter Kamerabrillen schon heute aus Umkleiden, Behandlungsräumen und Sälen verbannen. Norwegens größte Bank DNB hat die Brillen für Beschäftigte und Kunden in Büros und Filialen bereits untersagt.

Arbeitgeber sollten Kamerabrillen in die Regeln für mobile Geräte aufnehmen und dabei den Betriebsrat beteiligen, denn eine Aufnahme im Meeting erfasst Kollegen und Geschäftsgeheimnisse zugleich. Für den Handel zeigt Hans Anders das Risiko: Die Optikerkette nahm die Ray-Ban Meta am 1. Oktober in den Niederlanden und Belgien vorerst aus dem Sortiment. Hierzulande verkauft Fielmann Smartglasses in rund 200 Filialen, und eine Patentanmeldung von Meta beschreibt Gesichtserkennung in der Brille. Wie sich KI-Hardware im Alltag durchsetzt, entscheidet damit zunehmend die Hausordnung.

FAQ: Norwegens Verbot von KI-Brillen

Wo sollen KI-Brillen in Norwegen verboten werden?

Die norwegische Regierung will KI-Brillen mit Kamera an Orten mit viel Publikum wie Parks, Badestränden, Museen und Einkaufszentren verbieten, außerdem in Schulen, Kindergärten, auf Spielplätzen sowie in Gesundheitseinrichtungen und Fitnessstudios mit Umkleiden.

Dürfen Kamerabrillen in Norwegen weiter verkauft werden?

Ja. Die Regierung plant ein befristetes Nutzungsverbot an ausgewählten Orten, kein Verkaufsverbot. Private Nutzung bleibt erlaubt, solange niemand ohne Einwilligung gefilmt wird. Eine Expertengruppe soll dauerhafte Regeln vorschlagen.

Sind Kamerabrillen wie die Ray-Ban Meta in Deutschland erlaubt?

Ein gesetzliches Verbot existiert nicht, die Bundesnetzagentur hält die bisher geprüften Modelle für zulässig. Hamburgs Datenschutzbeauftragter prüft ein Verbot. Betreiber können Kamerabrillen über ihr Hausrecht untersagen, etwa in Umkleiden oder Besprechungsräumen.

Quellen

[1] Regierung Norwegens, Digitalisierungsministerium: „Vil innføre midlertidig forbud mot KI-briller“

[2] Consumentenbond: „Consumentenbond eist dat Meta camerabril aanpast“

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