Smartglasses verkauft Fielmann nur in rund 200 seiner gut 1.300 Filialen. Konzernchef Marc Fielmann sieht die Datenbrille näher an der Sportsonnenbrille als am iPhone und erwartet für die nächsten zwei bis drei Jahre keinen Massenmarkt. Diese Zurückhaltung bremst die Milliardenwette, die Meta gerade auf das Gesicht seiner Nutzer setzt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSmartglasses gelten im Silicon Valley als der nächste große Plattformwechsel, doch der größte Optiker Europas widerspricht. Marc Fielmann, Vorstandschef der Fielmann Group, sagte der Nachrichtenagentur dpa-AFX, die Datenbrille löse das Smartphone in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht ab. Über die Verbreitung der KI-Brille entscheidet damit die Ladentheke des Optikers, nicht die Produkt-Keynote in Kalifornien.
Das Wichtigste in Kürze
- Fielmann führt Smartglasses in rund 200 von gut 1.300 Filialen weltweit, vor allem in Großstädten sowie in Spanien und den USA.
- Vorstandschef Marc Fielmann erwartet zwei bis drei Jahre lang keinen Massenmarkt und vergleicht die Datenbrille mit der Sportsonnenbrille, nicht mit AirPods oder Smartwatch.
- Meta bringt mit EssilorLuxottica die Meta Glasses ab 299 US-Dollar (rund 260 Euro) und wettet zweistellige Milliarden auf einen Smartphone-Nachfolger.
- Der Optiker wird zum Türsteher des Marktes, weil die meisten Käufer Korrekturgläser brauchen.
Warum bleiben Smartglasses vorerst eine Nische?

Nur jede siebte Filiale von Fielmann führt überhaupt Smartglasses, rund 200 von gut 1.300 Standorten weltweit.[1] Marc Fielmann begründet das schlicht mit der Nachfrage: Wäre sie „bombastisch“, stünden die Brillen längst überall. Etwas stärker greifen Kunden in Großstädten und im Ausland zu, etwa in Spanien und den USA. In der Zahl der Nutzer rangiert die Datenbrille für ihn eher bei der Sportsonnenbrille als bei AirPods oder Smartwatch.
Was sagen Fielmanns Zahlen über den Markt?
Der eigentliche Hebel steckt nicht im Chip, sondern im Korrekturglas. Die meisten Brillenträger brauchen Sehstärke. Genau dort sitzt der Optiker als Türsteher zwischen Hersteller und Kunde. Meta und EssilorLuxottica haben ihre neuen Meta Glasses deshalb von Anfang an mit Sehstärken-Option gebaut und verkaufen sie ab 299 US-Dollar, umgerechnet rund 260 Euro, seit Juni auch in Deutschland.[2] Solange die Ketten die Brillen aber nur zögerlich ins Regal nehmen, bleibt der Massenmarkt Theorie.
Das Muster kennt die Branche. Google Glass scheiterte vor gut zehn Jahren, die Smartwatch brauchte Jahre bis zum Durchbruch. Erst die AirPods machten ein Ohrstück zum Massenprodukt, während ein smarter Ring bis heute Nische bleibt. Meta hält mit seiner Ray-Ban-Linie dagegen. Die Hamburger Datenschutzbehörde prüft dennoch ein Verbot der Kamerabrille, während der Konzern zuvor eine Gesichtserkennung auf Millionen Geräten versteckt hatte. Wie hart der Wettlauf um die Datenbrille geworden ist, zeigt auch Snaps AR-Brille Specs.
Smartglasses scheitern nicht an der Technik, sondern am Sehtest. Die eigentliche Machtfrage stellt der Optiker, nicht der Chiphersteller.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
In der Zahl der Nutzer rangiert die Datenbrille für Marc Fielmann eher bei der Sportsonnenbrille als bei AirPods oder Smartwatch. Stärker gefragt ist sie nur in Großstädten sowie in Spanien und den USA.
Was heißt das für Entscheider in der DACH-Region?
Für Unternehmen, die auf die KI-Brille als nächste Plattform setzen, ist das ein Realitätscheck. Der Massenmarkt kommt später, als die Keynotes verheißen. Auch die Datenschutzfrage bleibt offen: Eine dauerhaft mitlaufende Kamera im öffentlichen Raum kollidiert in Europa mit der DSGVO, wie der Hamburger Vorstoß zeigt. Fielmann selbst setzt lieber auf KI-gestützte Sehtests, um den Optikermangel in seinen Filialen abzufedern. Entscheider prüfen deshalb zwei Dinge: ob die eigene Zielgruppe überhaupt Korrekturbrillen trägt und ob eine dauerhafte Kameraerfassung rechtlich standhält.
Kurzfristig lohnt der Blick auf die Ladenzahlen mehr als auf die Roadmaps. Solange Optiker wie Fielmann Smartglasses nur in einer von sieben Filialen führen, bleibt die Datenbrille ein Zusatzgeschäft, kein Plattformwechsel. Meta verkauft die Meta Glasses seit Juni auch in Deutschland, das eigentliche Signal liefert aber erst die Fläche.
FAQ: Bleiben Smartglasses eine Nische?
Was sind Smartglasses?
Smartglasses sind Brillen mit eingebauter Technik wie Kamera, Lautsprecher und KI-Assistent, oft auf Wunsch mit Sehstärke. Die Brillen zeigen Informationen an oder nehmen Fotos und Videos auf, ohne dass der Träger zum Smartphone greift. Aktuelle Modelle stammen unter anderem von Meta und EssilorLuxottica.
Gibt es Smartglasses mit Sehstärke?
Ja. Die Meta Glasses und die Ray-Ban Meta lassen sich mit Korrekturgläsern bestellen, weshalb der Vertrieb über Optiker läuft. Genau dort entscheidet sich, ob die Technik die vielen Brillenträger überhaupt erreicht.
Was kosten die Meta Glasses?
Die Meta Glasses von Meta und EssilorLuxottica starten bei 299 US-Dollar, also rund 260 Euro. Seit Juni 2026 sind sie auch in Deutschland erhältlich, unter anderem über Meta.com und den Fachhandel.
Sind Smartglasses in Deutschland wegen Datenschutz erlaubt?
Verkauf und Nutzung sind erlaubt, doch die dauerhaft mögliche Kameraaufnahme steht unter Beobachtung. Die Hamburger Datenschutzbehörde prüft ein Verbot der Kamerabrille, weil eine unbemerkte Aufnahme im öffentlichen Raum mit der DSGVO kollidieren kann.
Quellen
[1] Fielmann Group: „Fielmann Group accelerates international sales growth in Q2/2026 and increases pace of global expansion“
[2] Meta: „Introducing Meta Glasses: A Range of New Styles from Meta and EssilorLuxottica, Starting at $299“
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