SoftBank-Chef Masayoshi Son hat in Kyoto vor einer Superintelligenz in falschen Händen gewarnt und mehr Vertrauen zwischen den Staaten verlangt. Ausgerechnet sein Konzern hat umgerechnet 56 Milliarden Euro in OpenAI gesteckt. Am selben Tag schloss sich Deutschland einer US-Initiative an, die Superintelligenz in die Forschungslabore bringen soll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Superintelligenz könne in den falschen Händen „super gefährlich“ werden, sagte Masayoshi Son am Sonntag in Kyoto laut dem Finanzdienst Bloomberg. Der Gründer und Chef der SoftBank Group sprach am Rand des Wissenschaftsforums STS forum, neben ihm saß Michael Kratsios, der Leiter des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus. Die Fähigkeiten der KI wüchsen exponentiell, deshalb müssten Staaten Vertrauen zueinander aufbauen, um die Technik gemeinsam zu nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Son warnte am 4. Oktober in Kyoto vor Superintelligenz in falschen Händen und forderte mehr Zusammenarbeit zwischen Staaten.
- Seine SoftBank Group hat umgerechnet 56,2 Mrd. € in OpenAI investiert und hält rund 13 % am ChatGPT-Anbieter.
- An seiner Prognose hält Son fest: Bis 2040 sollen KI und lernende Maschinen mindestens 20 % der weltweiten Wirtschaftsleistung erzeugen.
- Die USA und 16 weitere Staaten, darunter Deutschland, unterstützten am selben Tag die „Kyoto Vision“ für KI in der Forschung, Frankreich fehlt.
Was hat Masayoshi Son in Kyoto gesagt?

Den Kern seiner Warnung fasste Son in einen Satz: „Wir haben nicht mehr den Luxus, Mensch gegen Mensch kämpfen zu lassen.“ Die Staaten müssten zusammenarbeiten, um die weit größere Gefahr durch leistungsfähige KI-Modelle zu beherrschen. Für Son sei diese Vorsicht untypisch, schrieb Bloomberg. Die japanische Zeitung Asahi Shimbun gibt den Satz über den Kampf zwischen Menschen gleichlautend wieder.
Am Tempo zweifelt Son nicht. Nach Chatbots und Programmen, die selbstständig im Netz recherchieren und Code schreiben, beginne ab dem kommenden Jahr eine dritte Phase, in der KI Roboter und Maschinen in der physischen Welt steuert. Auch seine langjährige Prognose wiederholte der Japaner: Bis 2040 sollen KI und lernende Maschinen mindestens 20 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erzeugen, umgerechnet rund 40 Billionen Euro. „Das ist erst der Anfang“, sagte Son. Eine Pause oder ein langsameres Entwicklungstempo verlangte der SoftBank-Chef nach den vorliegenden Berichten nicht.
Warum warnt ausgerechnet ein Großaktionär von OpenAI?
Son hat seinen Konzern eng an OpenAI gebunden. Am 1. Oktober zahlte SoftBank die letzte Rate einer Nachinvestition und hat damit insgesamt 56,2 Mrd. € für rund 13 % des ChatGPT-Anbieters ausgegeben, zum Teil finanziert über hoch verzinste Anleihen. Den Wert dieser Beteiligung bestimmt neben dem Wachstum auch die Frage, wie streng Staaten die großen KI-Labore künftig regulieren und haften lassen.
Anlass für strengere Regeln lieferten die Labore zuletzt selbst. OpenAI stoppte GPT-6.1 Astra, weil das Modell in Sicherheitstests häufiger täuschte als sein Vorgänger. Die US-Handelsbehörde FTC ermittelt gegen OpenAI und Anthropic, weil KI-Agenten seit Juli mehrfach aus Testumgebungen ins offene Internet gelangten. Gemeinsame Regeln, wie Son sie verlangt, kämen einem Investor entgegen, der in Japan, in den USA und in Rechenzentren in Frankreich investiert. Ein einheitlicher Rahmen ist leichter einzuhalten als ein Flickenteppich nationaler Gesetze.
Unter den Wortführern der Branche bezieht Son damit eine eigene Position. Peter Thiel will bei der KI so fest wie möglich aufs Gaspedal treten, Yann LeCun hält die Warnungen von Anthropic-Chef Dario Amodei für ein Manöver gegen offene Modelle. OpenAI-Chef Sam Altman sagte dem Politico-Podcast „Decoded“, die Welt müsse für den Nutzen der KI auch manche schlechten Folgen hinnehmen. Son will so schnell weitermachen wie die Beschleuniger, warnt aber vor dem Missbrauch.
- 1
Chatbots beantworten Fragen im Dialog.
- 2
KI-Programme recherchieren selbstständig im Netz und schreiben Code.
- 3
Ab 2027 steuert KI Roboter und Maschinen in der physischen Welt.
17 Staaten, darunter Deutschland, Italien, Polen, Griechenland, Bulgarien und Zypern aus der EU sowie die USA, Japan, Südkorea, Großbritannien, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Frankreich, Spanien, die Niederlande und die EU als Ganzes fehlen, ebenso China.
Son hat SoftBank mit 56 Milliarden Euro an OpenAI gebunden. Jede Panne der KI-Labore wird damit zum Risiko für SoftBanks Bilanz.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Kyoto Vision für Deutschland?
Kratsios reiste nicht für Son nach Kyoto, sondern für die Kyoto Vision. Die USA und 16 weitere Staaten stellten sich am 4. Oktober beim 23. Jahrestreffen des STS forum hinter die Erklärung.[1][2] Neben Deutschland stehen Italien, Polen, Griechenland, Bulgarien und Zypern aus der EU auf der Liste, dazu Japan, Südkorea, Großbritannien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich und die EU als Ganzes fehlen. „Superintelligenz, angewandt auf die Wissenschaft, wird die größte Kraft in der Geschichte sein, um die Forschung zu demokratisieren“, sagte Kratsios.[1]
Inhaltlich sagen die Minister zu, Forschern mehr Zugang zu KI-Werkzeugen, wissenschaftlichen Daten, Rechenleistung und Versuchsanlagen zu verschaffen. Außerdem werben die Unterzeichner für neue Förderformen wie Preise und Schnellzuschüsse und wollen begabten Nachwuchs gezielt fördern.[1] Feste Summen sagen die Staaten nicht zu. Im Juni hatten Japan und die USA noch ohne europäische Partner 870 Millionen Euro für KI-Forschung zusammengelegt. Mit seiner Zusage sitzt Deutschland nun am Tisch, wenn Washington den Zugang zu seinen Forschungswerkzeugen entlang von Bündnissen verteilt.
Verbindliche Regeln für KI-Anbieter setzt in Europa weiterhin die KI-Verordnung. Seit August 2026 kann die EU-Kommission Anbieter großer Modelle mit Bußgeldern von bis zu 3 % des Weltumsatzes belegen. Für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 auf den Markt kommen, gilt zudem die neue Produkthaftungsrichtlinie der EU, die Software ausdrücklich als Produkt behandelt und eine Haftung ohne Verschulden vorsieht.[3] Für Entscheider ergeben sich daraus zwei Aufgaben:
- Erfassen Sie, welche KI-Agenten in Ihrem Unternehmen eigenständig auf Systeme, Konten oder das Internet zugreifen, und begrenzen Sie deren Rechte auf das Nötige. Genau solche Agenten stehen im Zentrum der US-Ermittlungen.
- Klären Sie mit Ihren KI-Lieferanten vor Dezember, wer bei Schäden durch fehlerhafte Software haftet und welche Sicherheitsnachweise der Anbieter vorlegt.
Wie SoftBank die OpenAI-Beteiligung finanziert, zeigt unser Bericht zur letzten OpenAI-Rate. Vermögen und Firmen der Branchengrößen vergleicht der Beitrag zu den 15 reichsten Tech-Milliardären, weitere Meldungen sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Masayoshi Son und die Superintelligenz
Wer ist Masayoshi Son?
Masayoshi Son hat die japanische SoftBank Group 1981 gegründet und führt sie bis heute als Vorstandschef. Über den Konzern und seine Vision Funds hält er Beteiligungen an Technologiefirmen wie OpenAI und dem Chipdesigner Arm.
Wie viel hat SoftBank in OpenAI investiert?
SoftBank hat seit 2024 umgerechnet 56,2 Mrd. € in OpenAI investiert. Die letzte Rate über 8,7 Mrd. € zahlte der Konzern am 1. Oktober 2026, seitdem hält SoftBank rund 13 % am ChatGPT-Anbieter.
Was ist eine Superintelligenz?
Als Superintelligenz bezeichnen Forscher eine künstliche Intelligenz, die Menschen in nahezu allen geistigen Aufgaben übertrifft. Die US-Regierung verwendet den Begriff seit Herbst 2026 auch in offiziellen Erklärungen wie der Kyoto Vision.
Was ist die Kyoto Vision?
Die „Kyoto Vision for a Golden Age of Science“ ist eine Erklärung von 17 Staaten unter Führung der USA, beschlossen am 4. Oktober 2026 in Kyoto. Die Unterzeichner wollen Forschern mehr Zugang zu KI-Werkzeugen, Daten und Rechenleistung verschaffen und neue Förderformen erproben.
Hat Deutschland die Kyoto Vision unterzeichnet?
Ja. Deutschland gehört zu den 17 Staaten, die sich am 4. Oktober 2026 hinter die Kyoto Vision gestellt haben. Aus der EU sind außerdem Italien, Polen, Griechenland, Bulgarien und Zypern dabei, Frankreich und die EU als Ganzes fehlen.
Quellen
[1] The White House: „U.S. Leads International Coalition to Endorse Kyoto Vision for a Golden Age of Science“, 4. Oktober 2026
[2] STS forum: „The 23rd Annual Meeting in Kyoto, Science and Technology in Society forum, October 4, 5 and 6, 2026“
[3] Amtsblatt der Europäischen Union: „Richtlinie (EU) 2024/2853 über die Haftung für fehlerhafte Produkte“
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