870 Millionen für KI-Wissenschaft, Europa fehlt

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
870 Millionen für KI-Wissenschaft, Europa fehlt

Künstliche Intelligenz entscheidet nicht nur über Chatbots, sondern über die Forschung von morgen. Genau dort schließen Japan und die USA jetzt einen Pakt. Europa schaut bisher zu.

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Japan und die USA legen rund 870 Millionen Euro zusammen, um Wissenschaft mit künstlicher Intelligenz zu beschleunigen. Über fünf Jahre fließt das Geld je zur Hälfte aus beiden Ländern. Japan ist der erste Partner im US-Projekt Genesis Mission.

Das Wichtigste in Kürze

  • 870 Millionen Euro, fünf Jahre: Je rund 435 Millionen steuern Tokio und Washington bei.
  • Felder der Zukunft: Quantentechnik, Kernfusion und Biotechnologie stehen im Mittelpunkt.
  • Allianz mit Ansage: Japan ist erster Partner der „Genesis Mission“, einem US-Projekt für KI-gestützte Forschung.

Warum die eigentliche KI-Schlacht im Labor tobt

Zwei Reagenzgläser mit Flaggen und Stickern berühren sich vor weißem Hintergrund
KI-Modelle zur Molekülvorhersage und Materialentwicklung verkürzen Forschungsprozesse um Jahre

Der größte Hebel der KI liegt nicht im Chatfenster, sondern im Labor. Modelle, die Moleküle vorschlagen, Materialien simulieren oder Fusionsplasmen steuern, können Forschung um Jahre verkürzen. Genau diese Anwendung steht hinter dem Pakt, nicht der nächste Assistent fürs Büro.

Damit wird Wissenschaft zur Bündnisfrage. Die Genesis Mission ist als US-Großprojekt angelegt, das KI auf die Forschung loslässt, und Japan darf als Erster mitmachen. Zugang zu diesen Werkzeugen wird so zum geopolitischen Gut, das entlang von Allianzen verteilt wird, mit klarem Blick Richtung China.

Bekannt ist dieses Muster aus der Chip-Politik. Schon bei Halbleitern formten die USA mit Verbündeten enge Zirkel und schlossen Rivalen aus. Die KI-Forschung folgt nun derselben Logik, und KI verkürzt Entwicklungszyklen bereits messbar. Im richtigen Block zu sitzen, bedeutet schneller zu forschen.

Die nächste KI-Revolution kommt nicht aus dem Chatfenster, sondern aus dem Forschungslabor. Ein verlorener Anschluss im Labor wirkt ein ganzes Jahrzehnt nach.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was das für Europa bedeutet

Weiße Tür, Hocker mit EU-Flagge, Tintenfisch davor
Bei der KI-Forschungsachse von Tokio und Washington wartet Europa bisher vor der Tür.

Europa steht bei dieser Achse bisher außen vor, dabei hätte es viel zu bieten. CERN, die Max-Planck-Institute und der Fusionsreaktor ITER zählen zur Weltspitze. Ohne eigene KI-Forschungsoffensive droht der Kontinent trotzdem zum Juniorpartner zu werden, der Daten liefert und Werkzeuge importiert.

Für Forschung und Industrie im deutschsprachigen Raum lohnt sich jetzt der Blick nach vorn. Drängen Sie auf europäische Beteiligung an solchen Programmen, verknüpfen Sie KI-Kompetenz früh mit Materialforschung, Pharma und Energie und sichern Sie sich den Zugang zu Rechenleistung. Eine starke Grundlagenforschung nützt wenig, wenn die KI-Schicht darüber aus dem Ausland kommt.

Noch ist die Allianz jung und auf zwei Länder beschränkt. Die Richtung steht aber fest: KI wird zum Werkzeug der Spitzenforschung, und der Zugang dazu wird politisch verteilt. Europa entscheidet gerade, auf welcher Seite des Labortischs es steht.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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