Flamingo-Revolution: Kushners Albanien-Resort wankt

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Flamingo-Revolution: Kushners Albanien-Resort wankt

Das Kushner-Resort an Albaniens Adriaküste hat sich binnen Tagen von einer Tourismus-Vision zur Staatsaffäre entwickelt. Anfang Juni verhängte die Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität, kurz SPAK, eine vorläufige Beschlagnahme über die Konten der Entwicklerfirma Albania Land Development. Berichten zufolge ging es um rund 170 Millionen Euro, doch wenige Tage später hob die Behörde die Sperre wieder auf.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die SPAK ermittelt wegen mutmaßlich gefälschter Grundbuchtitel und der 2024 gelockerten Schutzklassifizierung im Gebiet Vjosa-Narta.
  • Das Vorhaben umfasst die Insel Sazan und einen Küstenstreifen bei Zvërnec und wird von Jared Kushners Fonds Affinity Partners getragen.
  • Schätzungen zum Gesamtvolumen reichen bis zu vier Milliarden US-Dollar, das entspricht rund 3,5 Milliarden Euro.
  • Tausende demonstrieren unter dem Schlagwort Flamingo-Revolution, während Premier Edi Rama am Projekt festhält.

Worum dreht sich die Ermittlung?

Holzschild im Sand, orangefarbene Fläche mit „RESERVIERT“-Aufschrift, goldener Anhänger „4 Mrd.“ und rosa Feder davor
SPAK untersucht Parlamentsbeschlüsse zur Lockerung des Schutzstatus in Pishë-Poro-Narta 2024 wegen mutmaßlich gefälschter Eigentumstitel und umgangener Ausschreibungen

Die SPAK eröffnete ihr Verfahren zu den Parlamentsbeschlüssen, mit denen Albanien 2024 den Schutzstatus des Gebiets Pishë-Poro-Narta lockerte. Geprüft werden mutmaßlich gefälschte Eigentumstitel sowie die Frage, warum das übliche Ausschreibungsverfahren umgangen wurde und woher die Kaufgelder stammen. Die Firma Albania Land Development gehört den katarischen Unternehmern Moutaz und Ramez Al-Khayyat, die die Strandparzellen bei Zvërnec erwarben. Gegen einen Verwalter der Firma richteten sich nach Medienberichten Durchsuchungen.

Warum gehen Tausende auf die Straße?

Pinkfarbener Flamingo im Sand auf weißem Grund mit einem Schild „HÄNDE WEG VOM STRAND!“
Küstenschutzgebiet Vjosa-Narta mit Flamingos, Pelikanen, Mönchsrobben und über 200 Vogelarten eines der letzten intakten Mittelmeer-Feuchtgebiete

Das Schutzgebiet Vjosa-Narta zählt zu den letzten weitgehend intakten Küstenfeuchtgebieten des Mittelmeers. Dort leben Flamingos, Krauskopfpelikane, Mönchsrobben und nistende Meeresschildkröten, dazu mehr als 200 Vogelarten. Nach Angaben der Naturschutzorganisation PPNEA, des albanischen Partners von BirdLife International, rückten seit Ende April schwere Maschinen ohne Genehmigung und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung an. Stacheldraht riegelte den öffentlichen Strandzugang ab, woraufhin die Demonstrationen eskalierten.

Ein Bauprojekt wird selten zur Staatskrise. Hier verbinden sich Zweifel an den Eigentumstiteln mit der politischen Nähe der Investoren zum Weißen Haus, und gerade das macht den Fall zum Test für Albaniens Rechtsstaat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie reagiert die Regierung?

Ein rosa Plastik-Flamingo mit Fragezeichen-Anhänger am Bein auf einem Beton-Säulenstumpf
Albaniens Premier Rama verteidigt Strandprojekt als Tourismuschance. Investoren handeln rechtmäßig, Masterplan wurde überarbeitet

Premier Edi Rama verteidigt das Projekt als Chance für den Tourismus und nannte das Vorgehen der Wachleute am Strand „widerlich“. Die Investoren bewegten sich im Recht, sagte Rama, eine Blockade der Transaktion sei willkürlich und schädlich. Fünf internationale Architekturbüros überarbeiteten den Masterplan, die Lagune selbst bleibe unangetastet. Den Vorwurf, dem Projekt günstige Konditionen eingeräumt zu haben, weist Rama zurück.

Für Albanien steht mehr auf dem Spiel als ein Hotelkomplex. Das Land verhandelt über den EU-Beitritt, und Brüssel beobachtet, ob die im Zuge der Justizreform geschaffene Antikorruptionsbehörde unabhängig arbeitet. Der Streit um die Strände bei Vlora wird damit zum Test für Ramas Reformversprechen.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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