Der Chiphersteller onsemi bezahlt die Übernahme von Synaptics in bar, mit rund 107 Euro je Aktie. Der im Juni vereinbarte Aktientausch hatte bis Anfang Oktober knapp ein Drittel seines Werts verloren. Den Anlass zur Neuverhandlung lieferte ein ungenannter Konkurrent mit einem eigenen Angebot. Gründer, die ihre Firma gegen Aktien eines Käufers verkaufen, gehen dasselbe Kursrisiko ein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Synaptics-Übernahme ließ den Kurs von onsemi sofort einbrechen: Am 26. Juni 2026, einen Tag nach der Ankündigung, schloss die onsemi-Aktie 23,7 Prozent tiefer als am Vortag. Am 1. Oktober ersetzten beide Konzerne den Tausch von 1,35 onsemi-Aktien je Synaptics-Aktie durch eine Barzahlung.[1] Alle Euro-Beträge in diesem Artikel sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet.
Das Wichtigste in Kürze
- onsemi zahlt für jede Synaptics-Aktie rund 107 Euro in bar, der Gesamtwert fällt von rund 6,1 auf knapp 5 Milliarden Euro.
- Bei Vertragsschluss im Juni war der Aktientausch rund 139 Euro je Synaptics-Aktie wert, am 1. Oktober noch rund 94 Euro.
- Die Neuverhandlung folgte auf ein unaufgefordertes, unverbindliches Angebot eines Dritten, dessen Namen beide Konzerne nicht nennen.
- Morgan Stanley sagt einen Kredit über bis zu 2,1 Milliarden Euro zu, der Abschluss bleibt für Mitte 2027 geplant.
Warum verlor der Aktientausch ein Drittel seines Werts?

Der Vertrag vom Juni legte eine feste Umtauschquote fest: 1,35 onsemi-Aktien für jede Synaptics-Aktie, gleich wie sich der Kurs bis zum Abschluss entwickelt.[3] Den Preis für Synaptics bestimmte damit der Börsenkurs des Käufers. Zum Schlusskurs vom 25. Juni entsprach das Angebot rund 139 Euro je Synaptics-Aktie, zum Schlusskurs vom 1. Oktober nur noch rund 94 Euro.
Am 25. Juni lag das Angebot rechnerisch rund 28 Prozent über dem Schlusskurs der Synaptics-Aktie. Nach dem Kurssturz lag der Gegenwert des Tauschs schon am nächsten Abend unter diesem Ausgangskurs. Den Anstoß zur Neuverhandlung gab ein unaufgefordertes Angebot eines Bieters, den onsemi in seinen Börsenunterlagen nur „Party A“ nennt.[2] Synaptics beschreibt das Angebot als unverbindlich und verhandelte daraufhin mit onsemi neu.[4]
Was gewinnt onsemi mit der Barzahlung?
Für onsemi wird die Übernahme billiger als im Juni geplant. Konzernchef Hassane El-Khoury nennt den neuen Vertrag „ein finanziell attraktiveres Geschäft für unsere Aktionäre“ und erwartet, dass der Kauf den bereinigten Gewinn je Aktie gleich nach dem Abschluss erhöht.[1] Statt neuer Aktien fließen eigene Mittel und ein Kredit von Morgan Stanley über bis zu 2,1 Milliarden Euro,[2] der Gewinn verteilt sich also nicht auf mehr Anteile.
Synaptics-Chef Rahul Patel begründet die Zustimmung so: „Mit dem Wechsel zu einer reinen Barzahlung bieten wir Wertsicherheit mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem aktuellen Wert.“[1] Gemessen am Kurs vom 1. Oktober erhalten die Aktionäre rund 14 Prozent mehr als mit dem Tausch. Am 2. Oktober schloss die Synaptics-Aktie 14 Prozent höher, die onsemi-Aktie 6 Prozent.
Bei fester Umtauschquote kauft der Verkäufer das Kursrisiko des Käufers gleich mit.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was folgt daraus für Verkäufer und Einkäufer in Europa?
Gesellschafter, die ihr Unternehmen an einen börsennotierten Käufer verkaufen, sollten die Zahlungsform mitverhandeln. Bei einer Zahlung in Aktien begrenzt ein Wertsicherungsband, ein sogenannter Collar, die Kursrisiken zwischen Unterschrift und Abschluss, im Fall onsemi rund ein Jahr. Analog Devices bezahlt die im September angekündigte Übernahme von Alif Semiconductor dagegen gleich in bar. Wie stark der Kurs des Käufers über den Preis entscheidet, zeigt auch die Commerzbank-Übernahme, bei der UniCredit unter anderem auf einen Aktientausch setzt.
An der Strategie ändert der neue Vertrag nichts. onsemi will mit den Touch-Controllern, Funkchips und Edge-KI-Prozessoren von Synaptics in die Physical AI vordringen, wie schon bei der Ankündigung im Sommer, und tritt dort gegen Anbieter wie Infineon an. Nach den ersten 18 Monaten will onsemi einen Teil der Synaptics-Fertigung in eigene Werke holen.[1] Einkäufer in Auto- und Gerätebau sollten deshalb Lieferzusagen und Abkündigungsfristen für Synaptics-Bauteile vor dem Abschluss vertraglich festhalten.
FAQ: onsemi zahlt für Synaptics in bar
Warum zahlt onsemi für Synaptics in bar statt in Aktien?
Der im Juni vereinbarte Aktientausch hatte mit dem Kurssturz der onsemi-Aktie knapp ein Drittel seines Werts verloren. Nach einem Konkurrenzangebot einigten sich beide Konzerne am 1. Oktober 2026 auf rund 107 Euro je Synaptics-Aktie in bar. onsemi muss dafür keine neuen Aktien ausgeben.
Was ist eine feste Umtauschquote?
Eine feste Umtauschquote legt fest, wie viele Aktien des Käufers der Verkäufer je eigener Aktie erhält, hier 1,35 onsemi-Aktien je Synaptics-Aktie. Der Wert des Angebots schwankt damit mit dem Kurs des Käufers bis zum Abschluss.
Wann wird die Übernahme von Synaptics abgeschlossen?
onsemi und Synaptics planen den Abschluss weiterhin für Mitte 2027. Die US-Handelsbehörde FTC hat zugestimmt, die Synaptics-Aktionäre und Kartellbehörden in weiteren Ländern müssen noch entscheiden.
Quellen
[1] onsemi und Synaptics: „onsemi and Synaptics Announce Revised Merger Agreement“
[2] onsemi: „Form 8-K vom 1. Oktober 2026“
[3] onsemi und Synaptics: „onsemi to Acquire Synaptics to Enable the Next Generation of Intelligent Systems for Physical AI“
[4] Synaptics: „Today’s Announcement: An Amended Agreement with onsemi“
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