E.ON stellt seine Tochter Evailable ein, deren KI-Software Ausfälle an Ladesäulen bis zu eine Woche vorher erkennen sollte. Für das Geschäft fanden sich weder Investoren noch Käufer. Ladesäulenbetreibern fehlt damit ein Werkzeug, das gemeldete von tatsächlicher Verfügbarkeit trennte.

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Am vergangenen Donnerstag stellte Maren Rehnelt, Geschäftsführerin der E.ON-Tochter Evailable, die KI-Software ihres Unternehmens noch auf der LisKon vor, der Ladeinfrastruktur-Konferenz des Bundesverkehrsministeriums. Sechs Tage später bestätigte E.ON dem Branchendienst electrive, dass Evailable abgewickelt wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • E.ON stellt Evailable ein, weil sich weder Investoren noch Käufer fanden.
  • Die Software maß die echte Verfügbarkeit von Ladepunkten: ob ein Ladevorgang gelingt, nicht nur, ob die Säule online ist.
  • Nach Elvah scheitert 2026 die zweite E.ON-Firma im Lademarkt.

Warum gibt E.ON Evailable auf?

Weiße E-Ladesäule mit Ladekabel und einem orangen Schild mit der Aufschrift „VERFÜGBAR“
E.ON stellt Ladesäulen-Startup Evailable ein. Schwieriges Marktumfeld und veränderte Strategie führten zur Abwicklung

Eine E.ON-Sprecherin begründet das Aus gegenüber electrive mit einem herausfordernden Marktumfeld und veränderten strategischen Schwerpunkten. Gespräche mit Investoren und Käufern hätten keine tragfähige Alternative ergeben. „Daher wurde die Entscheidung getroffen, Evailable abzuwickeln“, so die Sprecherin. Einen Zeitplan nannte der Konzern nicht, ebenso wenig eine Lösung für Kunden und Beschäftigte.

Evailable entstand in der Innovationseinheit von E.ON, zunächst als Projekt Evercharge. Laut Geschäftsbericht 2024 übergab der Konzern das Corporate Venture zur weiteren Skalierung an seine Vertriebsplattform E.ON One.[1]

Was unterschied Evailable von der klassischen Uptime?

Eine Ladesäule kann online sein und trotzdem keinen Strom liefern, etwa wegen eines defekten Kartenlesers oder abbrechender Ladevorgänge. Evailable wertete dafür die OCPP-Daten aus, die jede Säule ohnehin an ihr Backend schickt. Maßstab der echten Verfügbarkeit war allein, ob der Ladevorgang gelingt. Über einen Health Index sollten sich Ausfälle Tage im Voraus erkennen lassen. Bei bekannten Fehlerbildern startete die Software die Säule automatisch neu, laut Rehnelt im Sommer 2025 mehr als 100.000-mal im Monat.

Wie groß die Lücke ausfällt, zeigt eine Fallstudie des finnischen Plattformanbieters Virta, der Evailable 2025 als Zusatzmodul aufnahm. Bei einem europäischen Betreiber mit 1.500 DC-Säulen stieg die OCPP-Uptime binnen fünf Monaten von 88,3 auf 95,5 Prozent, die echte Verfügbarkeit von 76,2 auf 82,2 Prozent.[2] Auch nach der Verbesserung lagen gut 13 Prozentpunkte zwischen gemeldeter und tatsächlicher Ladebereitschaft.

Warum trägt sich ein solches Werkzeug nicht?

Laut E.ON gab das Marktumfeld den Ausschlag. Viele Schnellladeparks sind schwach ausgelastet, Marktführer EnBW hat feste Ausbauziele gestrichen und steuert nach Auslastung je Standort. Bei knappen Budgets gerät ein Zusatzwerkzeug neben dem Backend zuerst unter Druck. Große Betreiber bauen die Diagnose außerdem selbst: EnBWs E-Bot startet Säulen aus der Ferne neu und arbeitet inzwischen auch hinter dem KI-Ladeassistenten am Telefon.

Für spezialisierte Datenanbieter wird der Platz eng. Elvah, damals Teil des E.ON-Konzerns, meldete im März zum zweiten Mal in drei Jahren Insolvenz an, Teile der Produkte übernahm im Juli der Backend-Anbieter Chargecloud. Die BayWa verkaufte ihr Schnellladenetz an den österreichischen Versorger EVN. Die Fälle zeigen einen Markt in der Konsolidierung: Funktionen wandern in große Plattformen, Netze zu größeren Betreibern. E.ON selbst investiert vor allem ins Verteilnetz.

Eine Ladesäule, die online ist und trotzdem nicht lädt, kostet jeden Betreiber Kunden. Genau diese Lücke maß Evailable, bezahlen wollte dafür am Ende niemand.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was sollten Ladesäulenbetreiber jetzt tun?

Seit dem 14. April 2025 müssen Betreiber öffentlicher Ladepunkte nach der EU-Verordnung AFIR dynamische Daten wie Betriebszustand und Verfügbarkeit bereitstellen.[3] Navigationsdienste und Lade-Apps übernehmen diese Meldungen. Meldet eine Säule „verfügbar“ und lädt trotzdem nicht, lotst die falsche Statusmeldung Fahrer zu einer defekten Säule.

Evailable-Kunden sollten jetzt handeln:

  • Analysedaten exportieren, solange der Zugang besteht.
  • Regeln für automatische Neustarts dokumentieren und ins eigene Backend übernehmen.
  • Beim Anbieter des Lademanagements nach eingebautem Monitoring fragen.
  • In neuen Software-Verträgen eine Exit-Klausel mit Datenrückgabe vereinbaren.

Quellen

[1] E.ON SE: „Integrierter Geschäftsbericht 2024“, S. 28

[2] Virta: „Virta and Evailable Announce Partnership at ICNC 2025, Showcasing Real-World Impact of AI-Driven Charging Operations“

[3] Verordnung (EU) 2023/1804 (AFIR): „Artikel 20, Datenbereitstellung“

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