Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 20. Mai 2026 einen Bericht zur IT-Sicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Das Dokument analysiert erstmals systematisch die Angriffsflächen von Ladesäulen, Backend-Systemen und Kommunikationsprotokollen im deutschen Ladenetz. Betroffen sind alle Akteure: Netzbetreiber, Kommunen, Energieversorger und Betreiber öffentlicher Parkflächen mit Ladeinfrastruktur.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Bericht listet typische Schwachstellen in der OCPP-Kommunikation (Open Charge Point Protocol) zwischen Ladesäule und Backend, in der Authentifizierung von Ladekarten und Apps sowie in der Fernwartung von Ladesäulen über ungesicherte Verbindungen. Angriffsszenarien reichen von manipulierten Ladevorgängen über Datenlecks bei Zahlungsdaten bis zu koordinierten Abschaltattacken auf größere Ladepark-Verbünde.
Warum das für KRITIS-Betreiber und Kommunen relevant ist

Öffentliche Ladeinfrastruktur gilt zunehmend als Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS). Mit dem wachsenden Anteil von Elektrofahrzeugen steigt die gesellschaftliche Abhängigkeit von einem funktionierenden Ladenetz. Ein koordinierter Cyberangriff auf zentrale Ladesäulen-Backends könnte in bestimmten Szenarien die Mobilität ganzer Regionen beeinträchtigen, wenn keine Redundanzen und Sicherheitsarchitekturen vorhanden sind.
Kommunen, die öffentliche Ladesäulen betreiben oder Betreiberverträge abgeschlossen haben, stehen vor einer neuen Compliance-Frage: Genügen die beauftragten Systeme den BSI-Anforderungen? Der Bericht liefert dafür erstmals einen verbindlichen Orientierungsrahmen, der über allgemeine Cybersecurity-Empfehlungen hinausgeht.
Für den DACH-Mittelstand, der Elektrofahrzeugflotten betreibt, ist die Sicherheitslage ebenfalls relevant. Firmenwagen laden oft an öffentlichen Säulen. Wer Ladetarife und Abrechnungsdaten über unsichere Endpunkte überträgt, riskiert Datenverluste. Die wichtigsten Ladetarife und Anbieter für Unternehmensflotten hat Dr. Web im Ladetarife-Vergleich 2026 zusammengestellt.
Was Betreiber jetzt konkret tun sollten

Der BSI empfiehlt in seinem Bericht unter anderem die Implementierung von TLS-Verschlüsselung für alle OCPP-Verbindungen, regelmäßige Penetrationstests der Backend-Systeme, eindeutige Authentifizierung aller Ladepunkte sowie Incident-Response-Pläne für Ladepark-Ausfälle. Betreiber, die NIS2-pflichtig sind, sollten die Handlungsempfehlungen direkt in ihre Compliance-Roadmap übernehmen.
Der vollständige Bericht steht als PDF auf der BSI-Website zum Download bereit. Für Betreiber, die ihren gesamten Cybersecurity-Reifegrad einschätzen wollen, empfiehlt sich der BSI Cybermonitor 2026, den Dr. Web ausführlich eingeordnet hat.
Mehr Newshunger?
